„Je suis prof!“

Meidinger: „Ein Angriff auf die Aufgaben von Schule in einer Demokratie und unsere demokratischen Werte insgesamt!“

Mit BestĂŒrzung und großer Trauer hat der Deutsche Lehrerverband mit seinen MitgliedsverbĂ€nden auf den Mord an dem französischen Lehrer Samuel Paty reagiert.

DL-PrĂ€sident Meidinger erklĂ€rte: „Als Vertreter der deutschen LehrkrĂ€fte sind wir entsetzt ĂŒber diesen Mord an einem französischen Kollegen, dem nichts anderes zum VerhĂ€ngnis geworden ist, als dass er seine Pflicht erfĂŒllt hat, nĂ€mlich Kindern und Jugendlichen die Werte der Demokratie, Meinungsfreiheit, MenschenwĂŒrde und Toleranz zu vermitteln und nĂ€her zu bringen. Wir erklĂ€ren uns solidarisch mit den LehrkrĂ€ften und allen Trauernden in unserem Nachbarland!“

Der Verbandsvorsitzende betonte, dass die Tat als Angriff gegen die zentrale Aufgabe der Schule als Ort der Wertevermittlung in einer demokratischen Gesellschaft gerichtet war und auch so verstanden werden mĂŒsse. Er ergĂ€nzte: „Deshalb ist es so wichtig, dass Politik und Gesellschaft hinter ihren LehrkrĂ€ften und deren fĂŒr die Zukunft unserer Demokratie so eminent bedeutsamem Bildungsauftrag stehen! Auch hierzulande gibt es von verschiedenen Seiten immer wieder politisch oder religiös motivierte Versuche, LehrkrĂ€fte einzuschĂŒchtern, zu bedrohen bzw. an den Pranger zu stellen. Unterricht und demokratische Werteerziehung dĂŒrfen fĂŒr LehrkrĂ€fte nicht zur Mutprobe werden! Wir sagen: Wehret den AnfĂ€ngen!“

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Neue KMK-Verwaltungsvereinbarung:

Nach Ansicht des DL-PrĂ€sidenten Heinz-Peter Meidinger hat die KMK mit ihrer aktuell vorgelegten neuen Verwaltungsvereinbarung die große Chance vergeben, einen Bildungsstaatsvertrag auf den Weg zu bringen, der endlich das Bildungswesen in Deutschland auf eine sichere, gemeinsame gesetzliche Grundlage mit detaillierten Regelungen stellt.

Meidinger betonte: „Insgesamt muss man der KMK attestieren, dass sie vor einem Jahr mit dem Plan eines großen Bildungsstaatsvertrag als Löwe losgesprungen und jetzt mit einer Einigung auf kleinstem gemeinsamen Nenner in einer einfachen LĂ€ndervereinbarung mit vielen vagen AbsichtserklĂ€rungen als Bettvorleger gelandet ist Damit wurde von der KMK eine historische Chance verspielt, endlich konkret und verbindlich die Vergleichbarkeit und die QualitĂ€t im deutschen Bildungssystem sicher zu stellen und zu erhöhen. Die neue Verwaltungsvereinbarung bringt nur in wenigen Teilbereichen Fortschritte und verbleibt bei den meisten zentralen Fragen der AbschlĂŒsse, der Schulstruktur und Lehramtsausbildung sowie der QualitĂ€tssicherung im Vagen und Allgemeinen!“

Zwar begrĂŒĂŸe der DL die Verabredung eines Rechtschreibrahmens fĂŒr die Grundschule und das Ziel, mehr Angleichung in der Vorabiturphase zwischen den LĂ€ndern zu erreichen. Aber gerade die Absprache, ab 2023 50 Prozent der Abituraufgaben in den KernfĂ€chern aus dem Aufgabenpool zu entnehmen, bleibe wirkungslos, wenn anschließend die LĂ€nder weiter einseitig ihre Bewertungsrahmen Ă€ndern dĂŒrften, wie dies in der Vergangenheit stĂ€ndig geschehen ist.

Meidinger fĂŒhrte aus: „Wenn es schon als Erfolg ausgegeben werde, dass die KMK „die ÜberprĂŒfung der Möglichkeit einheitlicher Namensgebung fĂŒr die Schularten“ verabredet habe, dann ist das zutiefst ernĂŒchternd. Wir befĂŒrchten, dass die neue Verwaltungsvereinbarung keinen Fortschritt auf dem Weg zu mehr Vergleichbarkeit, mehr QualitĂ€t und mehr MobilitĂ€t im deutschen Schulsystem bringen wird. Es bleibt auch fraglich, ob damit die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts fĂŒr ein vergleichbares Abitur in Deutschland erfĂŒllt werden können.“

Wenig Wirkungskraft verspricht sich der DL zudem von der geplanten Einrichtung eines wissenschaftlichen Beirats, bei dem ausdrĂŒcklich alle von Schule direkt Betroffenen, also Vertreter von Eltern, SchĂŒlern und LehrkrĂ€ften außen vor bleiben sollen. „Das mag fĂŒr die KMK bequemer sein, die Akzeptanz fĂŒr vorgeschlagene Konzepte wird es aber nicht erhöhen!“ unterstrich der DL-Vorsitzende abschließend.

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

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Gemeinsame Pressemitteilung

Lehrerverband und DJH appellieren an EntscheidungstrĂ€ger: Rettungsschirm fĂŒr Jugendherbergen dringend notwendig!

Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) und der Deutsche Lehrerverband (DL) fordern gemeinsam, dass das einzigartige Netz der Jugendherbergen in Deutschland schnell politisch und vor allem finanziell unterstĂŒtzt wird, damit es ĂŒber die Corona-Krise hinaus erhalten bleibt.

Detmold. Die rund 450 Jugendherbergen in Deutschland leiden massiv an den Folgen der Corona-Krise. Nach der explosionsartigen Ausbreitung des Virus hatten die zustĂ€ndigen Gesundheitsbehörden Mitte MĂ€rz die sofortige Schließung aller Jugendherbergen verfĂŒgt, um GĂ€ste und Mitarbeiter zu schĂŒtzen. Eine Stornierung fast aller bestehenden Buchungen, der maximale RĂŒckgang von Neubuchungen und damit der Verlust der Möglichkeit der Erwirtschaftung von Umsatz einerseits sowie laufenden Kosten und Verpflichtungen andererseits haben alle 14 regionalen LandesverbĂ€nde des DJH in massive wirtschaftliche Notlagen gebracht. Gleichzeitig untersagten die BundeslĂ€nder flĂ€chendeckend den Schulen die DurchfĂŒhrung von Klassenfahrten, und das teilweise sogar bis zum Jahresende 2020. Bisher aufgelegte Schutzschirme, Sonderkredite bzw. LiquiditĂ€tshilfen oder direkte finanzielle UnterstĂŒtzungsleistungen des Bundes und der Mehrzahl der LĂ€nder greifen fĂŒr die Jugendherbergen nicht, weil sie in ihrem Status als gemeinnĂŒtzige Bildungs- und Beherbergungsbetriebe in vielen entsprechenden Programmen nicht berĂŒcksichtigt werden.

Der Deutsche Lehrerverband, der als Dachverband seiner BundesverbĂ€nde DPhV, VDR, BvLB und KEG mehr als 165.000 LehrkrĂ€fte vertritt, weist darauf hin, wie wichtig die Arbeit der Jugendherbergen fĂŒr den Bildungsbereich ist. Sie sind seit ĂŒber einem Jahrhundert bewĂ€hrte Partner der Schulen und VerbĂ€nde bei der DurchfĂŒhrung von Klassenfahrten und Gruppenreisen. Dabei stellen die Jugendherbergen nicht nur Kost und Quartier, sondern bieten hochwertige Bildungsprogramme durch das Angebot von pĂ€dagogisch ausgearbeiteten Materialien, Workshops und Methoden der ErlebnispĂ€dagogik. Sie vermitteln Projektbesuche und Ausflugsangebote. Thematische Schwerpunkte sind hĂ€ufig Naturschutzthemen und Orte mit geschichtlicher und kultureller Bedeutung. Die Gruppenreisen bieten Schulklassen nicht nur neue Lerninhalte, sondern auch gruppendynamische Erfahrungen und Entwicklungen. Kurze Reisen im Grundschulbereich ermöglichen Kindern, erste lĂ€ngere Erfahrungen außerhalb ihrer Familie zu sammeln.

Der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, betont: „Wenn zahlreiche Jugendherbergen aus wirtschaftlichen GrĂŒnden und wegen mangelnder UnterstĂŒtzung der Politik schließen mĂŒssten, bedeutet das den Verlust eines wichtigen außerschulischen Bildungsorts, auch auf lange Sicht. Das Netz an Jugendherbergen ist in Deutschland ĂŒber lange Zeit gewachsen – einmal beschĂ€digt, wird es sich auch nach einer Krise nicht einfach schnell wieder erholen, weshalb die Jugendherbergen jetzt Hilfe benötigen.“

Der PrĂ€sident des DJH, Prof. Dr. GĂŒnther Schneider, erinnert daran, dass neben schulischen Klassenfahrten Jugendherbergen seit jeher Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine kostengĂŒnstige Möglichkeit bieten, erste eigenstĂ€ndige Reiseerfahrungen zu machen. Beispiele sind die beliebten Ferienfreizeiten sowie Sport- und Sprach-Camps in den Sommermonaten. Er betont: „Im Lauf der letzten Jahrzehnte haben Jugendherbergen ihr Angebot auch fĂŒr junge Familien und andere Altersgruppen ausgebaut, sodass wir ĂŒber knapp 2.800 pĂ€dagogische Angebote verfĂŒgen. Diese große gesellschaftliche Relevanz spiegelt sich auch im `GemeinwohlAtlas 2019ÂŽ wider, in dem das Deutsche Jugendherbergswerk nach Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Deutschem Roten Kreuz, Weißem Ring und den Johannitern den 6. Platz von insgesamt 137 abgebildeten Organisationen belegt.“

Der Deutsche Lehrerverband hat daher jetzt gemeinsam mit dem Deutschen Jugendherbergswerk alle BĂŒrgermeister, LandrĂ€te, Landtags- und Bundestagsabgeordnete sowie die Spitzen der Landesministerien, in deren Wirkungsbereich die Jugendherbergen fallen, zu folgendem, zeitnahen Handeln aufgefordert:

  • Setzen Sie sich persönlich auf allen Ihnen zur VerfĂŒgung stehenden politischen, wirtschaftlichen und medialen Handlungsebenen fĂŒr eine schnelle und wirksame Verhinderung des Zusammenbruchs des Deutschen Jugendherbergswerks und seiner LandesverbĂ€nde ein! Denn auch wenn in einigen BundeslĂ€ndern mittlerweile LösungsansĂ€tze vorhanden sind, wird die Hilfe des Bundes dringend benötigt.
  • Tragen Sie umgehend dafĂŒr Sorge, dass die Jugendherbergen in Deutschland flĂ€chendeckend durch staatliche Rettungsmaßnahmen in ihrem Fortbestand gesichert werden! Reine KfW-Darlehen reichen dazu nicht aus.
  • Verhindern Sie die die endgĂŒltige Schließung von Jugendherbergen, die in den zurĂŒckliegenden 111 Jahren erfolgreiche Strukturen wirksamer Bildungsarbeit aufgebaut haben und wertvolle Bildungs- und Begegnungsorte sind!

Bleiben die dringend benötigten Hilfen auch weiterhin aus, so sind sich beide VerbĂ€nde einig, steht hinter zukĂŒnftigen Klassenfahrten in deutsche Jugendherbergen als außerschulische Lernorte ein mehr als großes Fragezeichen.

Pressekontakt

Deutsches Jugendherbergswerk (DJH)Deutscher Lehrerverband (DL)
Justin BlumHeinz-Peter Meidinger
KommunikationPrÀsident
Tel.: 05231/7401404Tel.: 030/70094776 (GeschÀftsstelle)
justin.blum@jugendherberge.deinfo@lehrerverband.de

WĂ€hrend die gemeinsame Pressemitteilung gemeinsam mit dem DJH erarbeitet und veröffentlicht wurde, fordert der Deutsche Lehrerverband auch fĂŒr das Netzwerk an Schullandheimen (vgl. www.schullandheim.de) und andere VerbĂ€nde und Netzwerke in den einzelnen BundeslĂ€ndern und auf Bundesebene, die Kinder- und JugendĂŒbernachtungs- und -erholungsstĂ€tten anbieten, UnterstĂŒtzung.

Medien im Unterricht

Der Deutsche Philologenverband, der Verband Deutscher Realschullehrer, der Bundesverband der LehrkrĂ€fte fĂŒr Berufsbildung, die Katholische Erziehergemeinschaft und der Deutsche Lehrerverband begrĂŒĂŸen gemeinsam mit Wikimedia Deutschland die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk seit Beginn der Schulschließungen. Gleichzeitig appellieren sie in einem Offenen Brief, die bereitgestellten Bildungsangebote im Rahmen der Corona-Soforthilfe dauerhaft zur VerfĂŒgung zu stellen.

„Guter Unterricht geht noch besser mit professionell erstelltem, Ă€sthetisch ansprechendem und fachlich geprĂŒftem Material, das uns digital nicht nur in Corona-Zeiten frei zur VerfĂŒgung stehen sollte“, fordert Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes e. V., (DPhV).

Lehrerinnen und Lehrer mĂŒssen Unterricht seit Beginn der Pandemie neu planen. Ein Regelunterricht mit tagtĂ€glicher, voller PrĂ€senz aller SchĂŒlerinnen und SchĂŒler und ihrer LehrkrĂ€fte bleibt wegen der anhaltenden Infektionsgefahr auch im nĂ€chsten Schuljahr noch in der Ferne. In dieser Sondersituation sind viele StundenentwĂŒrfe entstanden, die vor Ort, aber auch fĂŒr zu Hause geeignet sind. Dazu werden auch die von ARD und ZDF bereitgestellten Medien und Inhalte verwendet, die sich wegen ihrer hohen qualitativen Standards i.d.R. bedenkenlos fĂŒr den Lehreinsatz eignen. 

Diese sind aber zu oft mit einem Ablaufdatum in den Mediatheken versehen. WĂŒrden sie wieder verschwinden, wĂ€re die in der Krise geleistete Arbeit auf einen Schlag nutzlos. Bei Schulschließungen, bei partiellen Öffnungen, bei Krankheit, aber auch im “normalen Unterricht” können die seit Februar erstellten Materialien und Lernumgebungen die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zu Hause unterstĂŒtzen. Lehrerinnen und Lehrer, die Beachtliches leisten, um auch digitalen Unterricht zu gewĂ€hrleisten, wollen sich weiterhin auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verlassen können.

„Dauerhaft veröffentlichtes Material kann auch zuverlĂ€ssig in der deutschsprachigen Wikipedia verlinkt werden. Davon profitieren mehrere Millionen Menschen tĂ€glich, die im Internet nach verlĂ€sslichen Informationen suchen. Die rechtliche Grundlage dazu ist nun mit dem RundfunkĂ€nderungsstaatsvertrag (22. RÄStV) vorhanden.”, sagt Abraham Taherivand, GeschĂ€ftsfĂŒhrender Vorstand von Wikimedia Deutschland. 

Damit erhĂ€lt der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Möglichkeit und den Auftrag, bestimmte Inhalte dauerhaft online verfĂŒgbar zu halten. Der Staatsvertrag sieht zeit- und kulturgeschichtliche Archive mit informierenden, bildenden und kulturellen Telemedien vor. Diese dĂŒrfen grundsĂ€tzlich zeitlich unbegrenzt angeboten werden. Der gemeinsame Appell ist es, die aktuell aufbereiteten Inhalte sofort von der sogenannten Depublikation auszunehmen und sie zeitlich unbegrenzt zur VerfĂŒgung zu stellen. 

Link zum Offenen Brief als PDF: https://kurzelinks.de/b3pv

Praxisorientierter Vorschlag fĂŒr „Phase 2“:

Praxisorientierter Vorschlag fĂŒr „Phase 2“ (aktualisiert Mai 2020):

Schrittweise RĂŒckkehr aller Jahrgangsstufen in den PrĂ€senzunterricht unter Beachtung der weiteren Entwicklung der Infektionskurve

PRÄSENZUNTERRICHT IM ZWEIWOCHENTAKT

Problemlage:

Bei voraussichtlich noch lange zwingend einzuhaltenden Abstands-regelungen in UnterrichtsrĂ€umen benötigt man fĂŒr die RĂŒckkehr einer kompletten Jahrgangsstufe an die Schulen, so wie es jetzt in den meisten BundeslĂ€ndern fĂŒr die NachfolgejahrgĂ€nge der Abschluss-klassen geplant ist, die doppelte Anzahl von RĂ€umen und auch LehrkrĂ€ften, weil Klassen und Lerngruppen geteilt werden und jeweils eigens beschult werden mĂŒssen. Dies ist möglich, solange nur maximal die HĂ€lfte der Jahrgangsstufen zurĂŒckkehrt.

Deshalb haben sich auch die BundeslĂ€nder lange gescheut, einen zeit­lichen Fahrplan fĂŒr die schrittweise RĂŒckkehr der einzelnen Jahrgangs­stufen vorzulegen, wie es die Eltern, SchĂŒler und LehrkrĂ€fte eigentlich dringend erwarten,. Zudem besteht die Gefahr, dass es mehrere Klas­senstufen geben wird, die in diesem Schuljahr unter diesen UmstĂ€nden nicht mehr in den PrĂ€senzunterricht zurĂŒckkehren werden.

Das aber wĂŒrde bedeuten, dass eine große Anzahl SchĂŒler noch fĂŒr Monate ausschließlich auf das „Homeschooling“ verwiesen wird, von dem wir wissen, dass es erstens bei weitem nicht so effektiv wie echter Schulunterricht ist und dass zweitens dadurch rund ein Viertel der SchĂŒler nicht oder kaum erreicht wird. Die Gefahr, dass vor allem sozial benachteiligte und leistungsschwache Kinder und Jugendliche sowie SchĂŒler mit besonderem Förderbedarf abgehĂ€ngt werden, wĂŒrde bei einer solchen Verfahrensweise stark ansteigen.

Vorschlag von PrÀsenzunterrichtsphasen im Wochenwechsel mit ArbeitsauftrÀgen und digitalem Fernunterricht

Angesichts dieser Herausforderungen, Probleme und Belastungen, welchen in Zeiten von Corona alle Mitglieder der Schulfamilie, SchĂŒler, LehrkrĂ€fte und Eltern ausgesetzt sind, brauchen wir möglichst unkomplizierte, einfach umzusetzende und fĂŒr die meisten Jahrgangsstufen und Schularten geeignete Lösungen.

Eine mögliche Lösung lautet: Unterricht im Wochenwechsel bzw. Zweiwochentakt!

Der Unterricht erfolgt in zwei Schichten:

  • in Woche 1 die eine HĂ€lfte der Klasse oder Lerngruppe
  • in Woche 2 die andere HĂ€lfte der Klasse oder Lerngruppe

Der Wochenstundenplan wird komplett beibehalten, es gibt keine KĂŒrzung von FĂ€chern, die bisherigen KlassenlehrkrĂ€fte und Fachlehrer können weiter ihre SchĂŒler betreuen.

In Woche 1 unterrichten die LehrkrĂ€fte in den Schulen die SchĂŒler im PrĂ€senzunterricht und geben fĂŒr die unterrichtsfreie Woche ArbeitsauftrĂ€ge und Hausaufgaben. ErgĂ€nzt und intensiviert wird die Betreuung und Beschulung der SchĂŒler in der Woche 2 ohne PrĂ€senzunterricht durch LehrkrĂ€fte, die einer Risikogruppe angehören, und zwar durch digitalen Fernunterricht. Der PrĂ€senzunterricht kann damit maximal nur im Umfang der HĂ€lfte des bisherigen Unterrichtsumfangs stattfinden. 

Vorteile dieses Zweiwochenschichtmodells

Dieses Schichtmodell im Zweiwochenrhythmus hat große Vorteile gegenĂŒber der jetzigen Praxis und der bisher von den LĂ€ndern avisierten vorrangigen RĂŒckkehr ganzer Jahrgangsstufen:

  1. Es ist fĂŒr die meisten Schulen und Schularten relativ einfach organisatorisch umzusetzen, weil an den bisherigen Stunden- und RaumplĂ€nen kaum etwas geĂ€ndert werden muss.
  2. Es können damit wieder alle SchĂŒler einer Jahrgangsstufe in die Schulen zurĂŒckgeholt werden, was die schwerwiegenden Benachteiligungseffekte des so genannten „Homeschoolings“ in Bezug auf die Kinder, die man damit nicht erreicht, verhindert. Es ergeben sich dadurch auch neue Chancen, diese abgehĂ€ngten SchĂŒler im PrĂ€senzunterricht wieder verstĂ€rkt zu fördern.
  3. SchulrĂ€ume und LehrkrĂ€fte mĂŒssten voraussichtlich ausreichen, weil nur die HĂ€lfte der SchĂŒler jeweils an der Schule anwesend ist.
  4. Die Politik wĂ€re auf der Grundlage dieses Modells in der Lage, angepasst an die „Corona-Infektionslage“ in Deutschland, einen schrittweisen, nach Klassenstufen gestaffelten Zeitplan fĂŒr die RĂŒckkehr von SchĂŒlern in den PrĂ€senzunterricht vorzulegen, der es allen SchĂŒlern ermöglicht, in naher Zukunft in die Schulen zurĂŒckzukehren.
  5. FĂŒr die Erziehungsberechtigten ergeben sich auch Vorteile: Es wird die große Chance eröffnet, dass auch die jĂŒngeren Kinder noch in diesem Schuljahr in die Schulen zurĂŒckkehren können. Außerdem ermöglicht der Zweiwochenrhythmus grundsĂ€tzlich besser planbare Betreuungs- und Arbeitszeiten.
  6. Da immer nur maximal die HĂ€lfte der SchĂŒler sich in der Schule aufhĂ€lt, erleichtert dies auch die Einhaltung des Abstandsgebots und des Gesundheitsschutzes auf Pausenhöfen, in SchulgĂ€ngen, in SanitĂ€rrĂ€umen, auf Treppen und im Parteiverkehr der Schulverwaltung
  7. Auch die Situation im Bereich der SchĂŒlerbeförderung und der Schulbusse wird sich dadurch deutlich entspannen, weil aufgrund der um 50 Prozent reduzierten tĂ€glichen SchĂŒlerströme die Abstandsregeln auch in den Bussen und im ÖPNV besser eingehalten werden können.
  8. Es gibt keine Notwendigkeit, einzelne FÀcher zu streichen und auch WahlfÀcher könnten weiter angeboten werden

Alternative Schichtmodelle

Das Modell des wöchentlichen Wechsels hat zwar große Vorteile, da, wo es von den rĂ€umlichen Gegebenheiten (zu kleine UnterrichtsrĂ€ume) und vom Personaleinsatz (Anzahl der im PrĂ€senzunterricht nicht einsetzbaren Risikopersonen unter LehrkrĂ€ften) nicht realisierbar ist, gibt es aber auch andere mögliche Schichtmodelle. Falls eine Drittelung von Lerngruppen notwendig ist, kann man das auch ĂŒber eine zeitliche Abfolge von 1 Woche PrĂ€senzunterricht und 2 Wochen Lernen zuhause auffangen. Auch ein tagesweiser Wechsel ist vorstellbar. Das österreichische Modell einer tagesweisen Verteilung von PrĂ€senztagen und Lernen zuhause von 3:2 bzw. in der Folgewoche von 2:3 ist aber fĂŒr die Eltern und SchĂŒler weniger gut planbar. Außerdem könnte es Probleme mit der Schulwegbeförderung geben. Zudem taucht dann sehr schnell die Forderung auf, doch gleich ein 3:3-Modell zu fahren, was verpflichtenden Samstagsunterricht bedeuten wĂŒrde. Der dementsprechende Vorstoß der Bundesbildungsministerin wĂ€re jedoch ein schwerwiegender Eingriff in das gesellschaftliche Leben, der unabhĂ€ngig von der Mehrbelastung von SchĂŒlern, Eltern und LehrkrĂ€ften und der nicht gelösten Schulwegbeförderung am Samstag kaum akzeptabel ist.

Noch weniger sinnvoll erscheinen aus Sicht des DL Schichtmodelle, die auf einen Wechsel der geteilten Klassen im PrĂ€senzunterricht zwischen Vor- und Nachmittagschichten setzen. Neben der massiven Mehrbelastung von LehrkrĂ€ften entstehen damit zusĂ€tzliche Probleme der Verteilung von SchĂŒlerströmen, da sich in der Mittagszeit fast alle SchĂŒler treffen wĂŒrden, die einen, die aus der Schule hinausströmen und diejenigen, die hineinwollen.

Schwierigkeiten, die es noch zu lösen gilt:

Mit dem Modell des Unterrichts im Zweiwochentakt werden natĂŒrlich nicht alle Schwierigkeiten gelöst.

Die EffektivitĂ€t von 100% PrĂ€senzunterricht wird voraussichtlich nicht erreicht werden können. Dazu kommt, dass wĂ€hrend der Schulschließungswochen auch betrĂ€chtliche Teile des Lehrplans nicht vermittelt werden konnten. UnabhĂ€ngig vom Schichtmodell bleibt es mittelfristig eine riesige Aufgabe, durch Wiederholungsphasen, Nachhol- und Förderkurse sowie vorĂŒbergehende Verdichtung von LehrplĂ€nen zu verhindern, dass dauerhaft Lehrplanziele und Bildungsstandards fĂŒr ganze SchĂŒlerjahrgĂ€nge verfehlt werden.

Auch ist klar, dass dieses Konzept nicht fĂŒr alle SchĂŒler und Schularten gleich gut geeignet ist. Beispielsweise ist der Schulbetrieb an Berufsschulen hĂ€ufig anders organisiert als in festen Schulwochen. Auch fĂŒr Kinder mit Förderbedarf wĂ€ren vielleicht umfangreichere PrĂ€senzzeiten an der Schule wĂŒnschenswert. Hier muss man noch weitere passgenaue Lösungen erarbeiten. Das vorgestellte Modell soll in der notwendigen FlexibilitĂ€t an die Gegebenheiten vor Ort (Anzahl und Altersgruppen der LehrkrĂ€fte, rĂ€umliche Ausstattung, Anzahl der SchĂŒler/innen) angepasst werden.

Auswirkungen auf LehrkrÀfte

Verhindert werden muss, dass die LehrkrĂ€fte, die im Schichtmodell wegen der Klassenteilungen trotz halbierten Unterrichts wieder ein volles Unterrichtsdeputat haben werden, durch zusĂ€tzliche Homeschoolingaufgaben ĂŒberlastet werden. Deshalb geht der DL davon aus, dass in der „Fernunterrichtswoche“  gesonderte Betreuung durch die LehrkrĂ€fte aus den Risikogruppen in Absprache mit den PrĂ€senzlehrkrĂ€ften erfolgt.

Nicht ausgeblendet werden soll, dass ein solches Schichtmodell auch fĂŒr LehrkrĂ€fte und auch die SchĂŒler zusĂ€tzliche VorzĂŒge bieten kann:

  • Der PrĂ€senzunterricht erfolgt in deutlich kleineren Lerngruppen, was es ermöglicht, besser individuell zu fördern und mehr Zeit fĂŒr den einzelnen SchĂŒler aufzuwenden.
  • Der Aufwand fĂŒr Unterrichtsvorbereitung reduziert sich, weil jede vorbereitete Stunde zweimal gehalten werden muss.
  • Die Halbierung des PrĂ€senzunterrichts wird auch eine vorĂŒbergehende Verringerung der erforderlichen Leistungserhebungen erforderlich machen.

Berlin im Mai 2020

Heinz-Peter Meidinger

Unterricht im Zweiwochentakt – PDF als Download (aktualisiert Mai 2020)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Angesichts der Schulschließungen aufgrund des Corona-Virus

Nach den Worten des DL-PrĂ€sidenten Heinz-Peter Meidinger bedeuten die verfĂŒgten Schulschließungen in den nĂ€chsten Wochen eine riesige Herausforderung fĂŒr Schulen, aber insbesondere auch fĂŒr die Eltern.

Er betonte: „Einerseits sind die LehrkrĂ€fte gefordert, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Kommunikation und die Stoffvermittlung mit SchĂŒlern so gut wie möglich aufrechtzuerhalten, andererseits stehen Eltern vor der Aufgabe, eine sinnvolle Betreuung und einen geregelten Tagesablauf fĂŒr ihre Kinder zu gewĂ€hrleisten. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, drohende Nachteile fĂŒr die weitere schulische Laufbahn zu vermeiden und auszuschließen!“

Insgesamt rÀt der Deutsche Lehrerverband allen Eltern, folgende GrundsÀtze besonders zu beachten.

  1. Einigen Sie sich in der Familie mit Ihren Kindern auf einen geplanten, strukturierten Tagesablauf, in den auch Lern- und Arbeitsphasen gut integriert sind. Es gibt fĂŒr Ihre Kinder jetzt auch die Chance, passend zum eigenen Biorhythmus zu lernen. Orientieren Sie sich an den Vorgaben der LehrkrĂ€fte.
  2. Vereinbaren Sie klare Regeln zur Mediennutzung, wobei Sie als Eltern klar unterscheiden sollten zwischen der Arbeit mit dem PC und dem Spielen am PC. Eine Regulierung des Medienkonsums ist auch in dieser Zeit der Schulschließungen absolut sinnvoll.
  3. Helfen Sie Ihrem Kind bei der BewĂ€ltigung von Ängsten im Zusammenhang mit dieser Pandemie. Reden Sie mit Ihren Kindern ĂŒber die zahlreichen Fake News, die dazu in den sozialen Netzwerken derzeit verbreitet werden.
  4. Vermeiden Sie das Aufkommen von Langeweile („drohender Lagerkoller“) zuhause. Halten Sie dazu auch analoge Materialien wie BĂŒcher, Brett- und Kartenspiele sowie Malsachen bereit. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich auf BewĂ€hrtes und Althergebrachtes zu besinnen.
  5. Machen Sie Ihren Kindern klar, dass auch sie eine Verantwortung dafĂŒr tragen, dass sie ihre Mitmenschen vor Infektionen bewahren, insbesondere die gefĂ€hrdete Risikogruppe der Ă€lteren Menschen und Großeltern. Auch Jugendliche sollten in den nĂ€chsten Wochen soziale Kontakte reduzieren, also auf Kino-, Kneipen- und Veranstaltungsbesuche verzichten.

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FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Tagung zum 50-jÀhrigen JubilÀum des Deutschen Lehrerverbandes

Von interessanten, teilweise kontroversen Debatten um die großen Zukunftsheraus­forderungen des Deutschen Bildungssystems war das Symposion anlĂ€sslich des 50-jĂ€hrigen JubilĂ€ums des Deutschen Lehrerverbands geprĂ€gt, das in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung vor vollbesetztem Auditorium in Berlin stattfand.

Im Mittelpunkt der Tagung standen die Themen Zukunft des Bildungsföderalismus, Bedeutung der Digitalisierung fĂŒr den Bildungsprozess und die sich dadurch verĂ€ndernde Rolle der Lehrkraft.

Nach der BegrĂŒĂŸung durch den Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung, Bundestags­prĂ€sident a.D. Prof. Norbert Lammert und den DL-PrĂ€sidenten Heinz-Peter Meidinger trafen im ersten Block zur Zukunft des Bildungsföderalismus Vertreter des Bundesbildungs­ministerium und der Kultusministerkonferenz aufeinander.

Der Bildungsföderalismus – Motor oder Bremse zukunftsorientierter Bildungspolitik

Der StaatssekretĂ€r im Bundesbildungsministerium Dr. Michael Meister beklagte, dass sich die Bildungssysteme der 16 LĂ€nder auseinanderentwickelt hĂ€tten. Einige DisparitĂ€ten hĂ€tten eine QualitĂ€t erreicht, die grundsĂ€tzliche Fragen der Chancengerechtigkeit berĂŒhrten. Ganz konkret ĂŒbte er Kritik an der fehlenden Vergleichbarkeit des Abiturs und am Einstimmigkeits­prinzip in der Kultusministerkonferenz: „In punkto Vergleichbarkeit ist abgesehen vom Abituraufgabenpool noch nicht viel Substantielles passiert. Einstimmigkeit ist oftmals nur mit sehr langem Vorlauf zu erreichen. Und selbst bei einstimmigen KMK-BeschlĂŒssen erfolgt nicht selten am Ende nur eine Teil-Umsetzung. Das verschenkt wertvolles Potenzial unseres Bildungssystems!“ Er appellierte abschließend an die LĂ€nder, Föderalismus nicht als einen Antagonismus zum Bund zu verstehen, sondern als einen Auftrag und eine Verpflichtung, ihre Aufgaben in Bildung und Wissenschaft mit mindestens derselben PrioritĂ€t wie der Bund wahrzunehmen.

Der KMK-PrĂ€sident und hessische Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz dagegen stellte sieben grundsĂ€tzliche Thesen fĂŒr die Notwendigkeit des Bildungsföderalismus in den Raum: Nur dieser könne regionale Eigenheiten und VerhĂ€ltnisse vor Ort berĂŒcksichtigen, eine nicht durch zu viele Ebenen entfernte Partizipation von Eltern und SchĂŒlern ermöglichen, Vielfalt von Schulformen gewĂ€hrleisten, durch Wettbewerb mehr QualitĂ€t herausfordern, Raum fĂŒr Innovation und Experimente bieten sowie die Möglichkeit, voneinander und aus Fehlern zu lernen. Zudem sei der Bildungsföderalismus ein wertvoller Schutz davor, dass schlechte Reformen gleich in ganz Deutschland umgesetzt wĂŒrden.

In einem PodiumsgesprĂ€ch suchten die nordrhein-westfĂ€lische Schulministerin Yvonne Gebauer und die Bildungspolitische Sprecherin der GrĂŒnen im Bundestag, Margit Stumpp, gemeinsam mit Kultusminister Lorz Antworten auf die Fragen, die der Bildungsföderalismus in den Bereichen Vergleichbarkeit und Finanzierung aufwirft. Gebauer betonte, dass es bei allen Debatten ĂŒber den Bildungsföderalismus keinen konstruktiven Vorschlag fĂŒr eine Alternative gebe und dass der Bildungsföderalismus Wettbewerb und voneinander Lernen der BundeslĂ€nder ermögliche. Stumpp sah in den Problemen des Bildungsföderalismus in erster Linie ein Umsetzungsdefizit, kein Erkenntnisdefizit und kritisierte das so genannte „Kooperationsverbot“ zur Finanzierung durch den Bund. Lorz wies auf zukĂŒnftige langfristige Möglichkeiten durch einen konkreten Bildungsstaatsvertrag hin. Moderiert wurde dieses PodiumsgesprĂ€ch, wie auch der Großteil der Tagung, vom Bildungsjournalisten Martin Spiewak.

Lehrerrolle zwischen Überforderung und Entprofessionalisierung

Der langjĂ€hrige PrĂ€sident und heute EhrenprĂ€sident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, debattierte mit Prof. Dr. Tanjev Schultz (Lehrstuhl fĂŒr Journalistik an der UniversitĂ€t Mainz) ĂŒber die sich verĂ€ndernde Rolle der LehrkrĂ€fte in der Schule – „Vom Pauker zum Lernbegleiter?“ lautete die Fragestellung. Moderiert wurde dieses GesprĂ€ch von Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes DPhV. Kraus kritisierte, dass der Beruf der LehrkrĂ€fte immer weiter entprofessionalisiert werde, indem immer mehr Erwartungen und Forderungen, an ihn herangetragen wĂŒrde. Er forderte eine RĂŒckbesinnung auf das KerngeschĂ€ft Unterricht und die fachlichen Kompetenzen des LehrkrĂ€fteberufs. Tanjev Schultz plĂ€dierte eher fĂŒr eine Erweiterung der Aufgaben von LehrkrĂ€ften in einer Zeit, da Eltern als Erziehende oft ausfallen. Einig war man sich, dass bei der Gewinnung neuer LehrkrĂ€fte intensive Beratung notwendig ist, um die sowohl fachlich wie pĂ€dagogisch geeigneten LehrkrĂ€fte zu gewinnen.

Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing betonte in diesem Zusammenhang: „Damit LehrkrĂ€fte guten Unterricht halten können, brauchen sie Entlastung und bessere Arbeitsbedingungen. Seit dem zweiten Weltkrieg ist die Unterrichtsverpflichtung der LehrkrĂ€fte nirgendwo gesenkt, sondern eher noch erhöht worden. Das Aufgabenspektrum ist aber breiter und belastender geworden. LehrkrĂ€fte brauchen spĂŒrbare Entlastung, mehr ErmĂ€ĂŸigungsstunden fĂŒr zusĂ€tzliche Aufgaben und eine geringere Unterrichtsverpflichtung!“

Macht die Digitalisierung Schule und LehrkrĂ€fte ĂŒberflĂŒssig?

In einer sehr lebendigen Diskussion ĂŒber die Folgen die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Schule stellten der bekannte Youtuber Daniel Jung, der GrĂŒnder von Lehrermarktplatz.de Max Maendler, Adriane Langela-Bickenbach, PreistrĂ€gerin des Deutschen Lehrerpreises, und die DL-VizeprĂ€sidenten Joachim Maiß und JĂŒrgen Böhm ihre Thesen dazu vor. Einig war man sich, dass die Lehrkraft als wesentliches Medium der Vermittlung von Wissen und Werten in einer von Digitalisierung geprĂ€gten Gesellschaft und Schule weiterhin eine zentrale Rolle einnehmen wird.

Schon in seiner BegrĂŒĂŸung hatte der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, angesichts zunehmender Diskussionen ĂŒber Digitalisierung und KĂŒnstliche Intelligenz im Bildungssystem darauf hingewiesen, dass bei allem technischen Fortschritt der Bildungsprozess nicht entmenschlicht werden dĂŒrfe – Lernen sei auch ein Gemeinschafts­prozess, der nicht nur vereinzelt vor dem Bildschirm stattfinden solle.

Zum Abschluss des Symposions warfen Prof. Gert de Haan von der FU Berlin und Jasson Jakovides vom Fields Institute einen Blick 50 Jahre voraus, wohin sich die Rollen von LehrkrÀften und Schule in dieser Gesellschaft entwickeln könnten.

Der Deutscher Lehrerverband als starker Anwalt eines leistungsfÀhigen, gerechten Bildungswesens

Am Vorabend des Symposions fand eine Festveranstaltung zum 50-jĂ€hrigen Bestehen des Deutschen Lehrerverbands statt, auf der auch die Festschrift prĂ€sentiert wurde und der langjĂ€hrige DL-PrĂ€sident Josef Kraus einen RĂŒckblick auf die wichtigsten Erfolge und Ereignisse der DL-Geschichte gab.

VizeprĂ€sident JĂŒrgen Böhm vom VDR hob im Kontext der JubilĂ€umsveranstaltungen hervor, dass der Deutsche Lehrerverband immer als Klammer und Garant gewirkt habe fĂŒr den Einsatz der MitgliedsverbĂ€nde um ein leistungsstarkes, zukunftsorientiertes differenziertes Schulwesen.

VizeprĂ€sident Joachim Maiß vom BvLB wĂŒrdigte den DL als erste Adresse fĂŒr Bildungsfragen, der auch nie die berufliche Bildung zugunsten der allgemeinen Bildung vernachlĂ€ssigt habe. Erst die berufliche Bildung im Gleichklang mit der allgemeinen Bildung stelle die Gleichwertigkeit der Bildungswege sicher.

Nach dem Eindruck von VizeprÀsident Bernd-Uwe Althaus von der KEG zeigt die Tagung zum 50-jÀhrigen JubilÀum eindrucksvoll, dass der DL seine Positionen immer wieder an den Herausforderungen der Zeit weiterentwickelt und sich auf dem Wertespektrum seiner MitgliedsverbÀnde und der gemeinsamen Ziele ausrichtet.

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Zum Vorstoß der baden-wĂŒrttembergischen Kultusministerin Eisenmann

FĂŒr ihren Vorstoß zur mittelfristigen EinfĂŒhrung eines bundesweit geltenden Zentralabiturs hat der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, die baden-wĂŒrttem­bergische Kultusministerin Susanne Eisenmann gelobt und die Politik aufgefordert, endlich zu handeln, um Vergleichbarkeit und QualitĂ€t des Abiturs in Deutschland wiederherzustellen. Er freue sich, dass damit ein Vorschlag des DL aufgegriffen worden sei.

Er betonte: „SpĂ€testens nach den VorgĂ€ngen rund um das Matheabitur 2019 und der Fest­stellung des Bundesverfassungsgerichts, dass die Abiturnoten in Deutschland derzeit nicht vergleichbar sind, besteht dringender Handlungsbedarf, wenn man das Abitur als entscheidende Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland retten will.“ Der Verbandsvorsitzende verwies darauf, dass das Modell des gemeinsamen Aufgabenpools, der die Vergleichbarkeit sichern sollte, praktisch gescheitert sei und fĂŒgte an: „Ein Aufgabenpool, der es erlaubt, dass LĂ€nder sich gar nicht daraus bedienen bzw. daraus entnommene Aufgaben abĂ€ndern und der es sogar ermöglicht, dass nachtrĂ€glich in die Bewertung von Aufgaben aus dem Pool eingegriffen wird, ist das Papier nicht wert, auf dem diese Aufgaben geschrieben stehen!“

Die einzige logische Konsequenz könne nur lauten, statt eines Aufgabenpools gemeinsame PrĂŒfungen in den KernfĂ€chern Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache anzustreben und diese auch nach gleichen Erwartungshorizonten zu bewerten, so Meidinger. Jenseits dieser KernfĂ€cher dĂŒrfe es durchaus weiter SpielrĂ€ume fĂŒr landeseigene Schwerpunktsetzungen geben.

Er ergĂ€nzte: „DafĂŒr mĂŒssen in einem Staatsvertrag zwischen den LĂ€ndern klare Vereinbarungen und ein fester Zeitplan entwickelt werden. Wegen der in den LĂ€ndern notwendigen Anpassungen u.a. der LehrplĂ€ne halte ich das Zieldatum 2025 bis 2030 als Termin fĂŒr das erste deutschland­weite Zentralabitur fĂŒr möglich und realistisch!“

Im Gegensatz zu Frau Eisenmann glaubt der DL-PrÀsident allerdings, dass auch ein Nationaler Bildungsrat bei der angestrebten Staatsvertragslösung ein hilfreicher Partner sein könnte.

Als Grundbedingung eines Zentralabiturs am gleichen Tag in KernfĂ€chern bezeichnete es Meidinger, dass diese Vereinheitlichung nicht auf Kosten der QualitĂ€t erfolgen dĂŒrfe. Er gehe allerdings davon aus, dass bei gleichen Bedingungen die QualitĂ€t der Abiturienten aus den verschiedenen BundeslĂ€ndern auch gerechter beurteilt und klarer sichtbar werden könne.

„Weiterwursteln mit den Aufgabenpools wie bisher wĂŒrde bedeuten, dass das Abitur seine Bedeutung und seine Funktion bei der Studienzulassung verlieren wird. Hochschuleingangs­prĂŒfungen als Alternative bringen aber mit Sicherheit weder mehr Vergleichbarkeit noch mehr QualitĂ€t und schon gar nicht mehr Bildungsgerechtigkeit!“ sagte der DL-PrĂ€sident abschließend.

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0172 – 28 45 840.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher