Bildungspolitik von der zweiten Welle eiskalt erwischt!

Deutscher Lehrerverband wendet sich mit dringlichen Forderungen und LösungsvorschlÀgen an die Politik

„Wenn jetzt nicht gehandelt wird, drohen flĂ€chendeckende Schulschließungen!“

Die im Deutschen Lehrerverband (DL) organisierten VerbĂ€nde DPhV, VDR, BvLB und KEG schlagen Alarm und fordern die Politik in einer konzertierten Aktion auf, den Gesundheitsschutz fĂŒr LehrkrĂ€fte, SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in der Corona-Krise deutlich zu erhöhen. Die Pandemiesituation wird sich nicht in kurzer Zeit bewĂ€ltigen lassen, daher braucht es langfristige Lösungen und verlĂ€ssliche Handlungsrichtlinien, um das Infektionsrisiko an den Schulen so gering wie möglich zu halten, die dort stattfindenden Kontakte zu beschrĂ€nken und AbstĂ€nde zu wahren.

Im bisherigen Betrieb seit der Wiedereröffnung der Schulen, oft ohne Abstandsregeln und Maskenpflicht, setzen die Kultusminister LehrkrĂ€fte sowie SchĂŒlerinnen und SchĂŒler Gefahren aus, die auf offener Straße mit Bußgeldern belegt werden – ganz so, als ob es das Virus in den Schulen nicht gĂ€be. „Wir sagen: Schulen offen halten: Ja – angepasst an das aktuelle Infektionsgeschehen. Aber Schulen im Vollbetrieb um jeden Preis: Nein! Jetzt braucht es verantwortungsvolles Handeln, weitere Infektionsschutzmaßnahmen und Handlungsrichtlinien bei steigenden Infektionszahlen, sonst drohen in der Konsequenz wieder flĂ€chendeckende Schulschließungen“, betont DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger.

LĂŒften ist gut, LĂŒftungsanlagen sind besser

Die Kultusministerkonferenz KMK will mit der Zahlenkombination 20 – 5 – 20 ĂŒber den Winter kommen und den vollen PrĂ€senzunterricht gewĂ€hrleisten, und das trotz rasant steigender Infektionszahlen: 20 Minuten Unterricht, 5 Minuten Quer- und StoßlĂŒften, um dann erneut 20 Minuten zu unterrichten. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, Schulklassen ab einem bestimmten Infektionsgeschehen wieder zu teilen, schlĂ€gt die Politik ebenso in den Wind wie die Erkenntnisse des Umweltbundesamtes, wonach LĂŒften ohne zusĂ€tzlichen Raumluftfilter in vielen GebĂ€uden nicht ausreicht. LĂŒftungsanlagen sind daher an vielen Schulen zwingende Notwendigkeit. Die Installation der Raumluftreiniger hĂ€tte zudem den positiven Effekt, dass auch Grippeviren minimiert werden und zusĂ€tzliche KrankheitsausfĂ€lle vermieden wĂŒrden. Auch der Einsatz von PlexiglaswĂ€nden zwischen den Tischen trĂ€gt zum Schutz bei. Es braucht eine schnelle Bestandsaufnahme nach einheitlichen Parametern in allen BundeslĂ€ndern, um festzustellen, welche RĂ€ume bereits durch bestehende Systeme gut gelĂŒftet werden und wie viele RĂ€ume eine UnterstĂŒtzung durch Luftfilteranlagen brauchen. Mehrere BundeslĂ€nder haben bereits Programme zur Beschaffung entsprechender GerĂ€te aufgelegt, der Deutsche Lehrerverband fordert die ĂŒbrigen LĂ€nder und die KMK auf, vor dieser Investition in die Gesundheit der SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern und der LehrkrĂ€fte nicht zurĂŒckzuschrecken.

Der kritische Grenzwert von Corona-Neuinfektionen wird in immer mehr StĂ€dten und Kommunen ĂŒberschritten. In diesen Hotspots fordert der Deutsche Lehrerverband, die Klassen unverzĂŒglich zu halbieren. „Es empört uns, dass die beschlossenen und vom RKI empfohlenen Richtwerte einer Inzidenzzahl von 35/50 der Corona-Ampel fĂŒr verschĂ€rfte Hygieneschutzmaßnahmen an Schulen von der Bildungspolitik komplett ignoriert werden, um Schulen unter inakzeptablen Bedingungen offen zu halten“, so Heinz Peter Meidinger. „Die KMK hat bei ihrer letzten Sitzung mit ihrer Entscheidung, dass Quer- und StoßlĂŒften bei Minusgraden ausreichend sei, eine rote Linie ĂŒberschritten und sich damit aus der Verantwortung gegenĂŒber dem Gesundheitsschutz der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler gestohlen. Es braucht Richtlinien und klare Handlungsanweisungen, ab welchen Inzidenzzahlen eine Maskenpflicht fĂŒr welche Klassenstufen gilt und ab wann es notwendig ist, die Klassen wieder zu teilen.

AHA-Regeln mĂŒssen auch in Schulen gelten

„Die Kultusministerkonferenz muss eine ganz klare Orientierung fĂŒr den Schulbetrieb in ihrem KMK-Vier-Stufen-Modell nach den Vorgaben des RKI geben, anhand derer dann tatsĂ€chlich vor Ort entschieden wird“, so die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing. „Hier gilt als Maßstab fĂŒr die Stufe 2 der Inzidenzwert von 35 FĂ€llen binnen 7 Tagen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer kreisfreien Stadt oder innerhalb eines Landkreises, fĂŒr die Stufe 3 der Inzidenzwert von 50, bei dem in den Schulen wieder die AHA-Regeln eingehalten werden sollten, was auf kleinere Klassen hinauslĂ€uft. Es ist die Aufgabe der Politik dafĂŒr zu sorgen, dass diese Regeln eingehalten werden und die GesundheitsĂ€mter hier entsprechend einheitlich, nachvollziehbar und verlĂ€sslich agieren.“ 

Differenzieren nach SchĂŒlergruppen – PrĂ€senz- und Online-Unterricht angepasst an das Infektionsgeschehen in verkleinerten Lerngruppen

Das grundlegende Übel ist, dass die Politik Schule ĂŒber einen Kamm schert. Statt zwischen den einzelnen Schulformen zu differenzieren und entsprechende Bedarfe von GrundschĂŒlern bis hin zu BerufsschĂŒlern klar zu definieren, sind SchĂŒler gleich SchĂŒler.

SchĂŒlerinnen und SchĂŒler ab der Sekundarstufe II mĂŒssen anders als SchĂŒlerinnen und SchĂŒler der Primar- und Sekundarstufe I nicht zwingend durchgĂ€ngig PrĂ€senzunterricht haben, sondern können dann, wenn die technischen Voraussetzungen gewĂ€hrleistet sind, parallel oder im Wechsel zwischen PrĂ€senz- und Distanzunterricht lernen. Dies sollte vor Ort entschieden werden – orientiert an den Inzidenzwerten gemĂ€ĂŸ RKI.

„FĂŒr unsere ganz jungen SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in der Grundschule gilt es, so viel PrĂ€senzunterricht zu ermöglichen. Junge Kinder brauchen beim Lernen die Beziehung, um ein tragfĂ€higes Fundament fĂŒr ihr zukĂŒnftiges Lernen aufbauen zu können“, betont Gerlinde Kohl, die Vorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG).

Mut zu unkonventionellen Lösungen

Joachim Maiß, Vorsitzender des Bundesverbandes fĂŒr LehrkrĂ€fte fĂŒr Berufsbildung (BvLB) weist auf unkonventionelle Wege hin, um flĂ€chendeckende Schulschließungen zu verhindern: „Statt mantrahaft alles schön zu reden, mĂŒssen gemeinsam schnell umsetzbare Lösungen herbeigefĂŒhrt werden: So könnten beispielsweise leerstehende Veranstaltungs-Locations oder Stadtteilzentren als zusĂ€tzliche UnterrichtsrĂ€ume angemietet werden, um Schulklassen zu teilen und so das Gesundheitsrisiko fĂŒr LehrkrĂ€fte wie SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zu minimieren. Denn die Unversehrtheit aller hat oberste PrioritĂ€t, um nicht sehenden Auges in die erneute Schulschließungen mit all ihren gesellschaftlichen Folgen zu rutschen.“

Eugen Straubinger ebenfalls Vorsitzender des Bundesverbandes der LehrkrĂ€fte fĂŒr Berufsbildung, fordert, dass die Absage der KMK zum Einbau von LĂŒftungsanlagen gekippt wird und macht folgende Rechnung auf: „NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer schĂ€tzt, dass flĂ€chendeckend rund 100 Euro pro Schüler in die Filtertechnik investiert werden müssten – und spricht von Unsummen, die das verschlingen würde. Legt man diese Zahl zu Grunde, müssten bei bundesweit 11 Millionen SchĂŒlerinnen und SchĂŒler 1,1 Milliarden Euro investiert werden, um alle rund 43 000 Schulen mit dieser Technik auszustatten. Das sind im Vergleich zu den neun Milliarden Euro, die die Rettung der Lufthansa bisher gekostet hat, Peanuts. Das sollte es den Regierenden wert sein, um das Recht auf Bildung in der Coronakrise nicht zu verspielen.“ Er ergĂ€nzt: „Dazu kommt, dass in den Berufsschulen auch LĂŒftungstechniker und Anlagenbauer ausgebildet werden. Wenn unsere Schulen LĂŒftungsanlagen aus heimischer Produktion beziehen könnten, hĂ€tte dies einen deutlichen Einkommens- und BeschĂ€ftigungseffekt fĂŒr diese Produktionssparte. Dies kĂ€me auch den Auszubildenden im dualen System zugute.“

Vergesst die LehrkrÀfte nicht!

Durch die vorgeschlagenen Maßnahmen Ă€ndert sich das Anforderungsprofil an die LehrkrĂ€fte und die Belastungen steigen deutlich. Distanzunterricht fĂŒr Zuhause bleibende SchĂŒler ist Mehrarbeit. Bei allen Maßnahmen mĂŒssen die Auswirkungen auf und die Anforderungen an die LehrkrĂ€fte berĂŒcksichtigt werden, denn es Ă€ndert sich Umfang, Art und Inhalt der LehrtĂ€tigkeit. Neben Investitionen in die notwendige technische Ausstattung der Schulen, SchĂŒlerinnen und SchĂŒler und LehrkrĂ€fte, deren Fehlen bei den Schulschließungen im FrĂŒhjahr schmerzhaft deutlich wurde, braucht es auch weiterhin UnterstĂŒtzung der LehrkrĂ€fte in der Fortbildung fĂŒr neue digitale Formate und vor allem auch technisches Personal zur Betreuung des IT-Bereiches.

Aber auch, da ist sich das PrÀsidium des DL einig, beim Gesundheitsschutz der LehrkrÀfte bei ihrer TÀtigkeit in den Schulen muss nachgebessert werden. Es sei eigentlich ein Skandal, dass anders als in vielen anderen Berufssparten, die mit vielen Kontakten zu tun haben, LehrkrÀfte nicht von den SchultrÀgern und LÀnderministerien mit einer ausreichenden Zahl an FFP2-Masken ausgestattet wurden.

Politik muss Verantwortung ĂŒbernehmen

Auch JĂŒrgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbandes (VDR), fordert klare Handlungsrichtlinien fĂŒr die Schulen bei entsprechenden Infektionszahlen: „Je nachdem, wie gut die gesamtgesellschaftlichen Maßnahmen zur KontaktbeschrĂ€nkung greifen und wie sich daraufhin jeweils regional das Infektionsgeschehen entwickelt, braucht es klare Vorgaben bei bestimmten Richtwerten, damit nicht nach jeder VerĂ€nderung der Zahlen nach oben oder nach unten die Debatte um die richtigen Gesundheitsschutzmaßnahmen an den Schulen von neuem gefĂŒhrt werden muss. Es mĂŒssen Maßnahmen gelten, die an den Schulen in ganz Deutschland Bildung unter höchsten Sicherheitsbedingungen ermöglichen. Dazu gehören StufenplĂ€ne und beste technische und materielle Ausstattung, wie CO2-Ampeln, Luftreinigungsfilter und FFP2-Masken, und bei steigenden Infektionszahlen Klassenteilungen und ZeitrĂ€ume von Distanzunterricht, die fĂŒr Eltern möglichst organisierbar und ĂŒberschaubar bleiben. Allerdings kann es nicht Aufgabe der Schulen sein, entsprechende Maßnahmen festzulegen. Wir LehrkrĂ€fte und Schulleitungen sind keine Ärzte oder Virologen! Die Verantwortung darf nicht lĂ€nger auf die Kollegen geschoben, sondern muss endlich von der KMK und den BundeslĂ€ndern als den politisch Verantwortlichen ĂŒbernommen werden. Aber genau das passiert aktuell seitens der Politik nicht!“

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie die Mitglieder des PrĂ€sidiums des Deutschen Lehrerverbandes:

DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger: 0160 – 52 75 608 und 030/70 09 47 76 – www.lehrerverband.de  

BundesgeschÀftsstelle DPhV, Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing:

030 / 40 81 67 89 – www.dphv.de  

BundesgeschĂ€ftsstelle VDR, Bundesvorsitzender JĂŒrgen Böhm:

089 / 55 38 76 und 0151 – 11 71 55 89 – www.vdr-bund.de  

BvLB-BundesgeschĂ€ftsstellen, Bundesvorsitzende Joachim Maiß und Eugen Straubinger:

030 / 40 81 66 50 und 0511 / 21 55 60 70 – www.bvlb.de  

KEG-BundesgeschÀftsstelle, Bundesvorsitzende Gerlinde Kohl:

089 / 26 02 47 99 – www.keg-deutschland.de  

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

„Je suis prof!“

Große Trauer und BestĂŒrzung ĂŒber Enthauptung von Samuel Paty

Meidinger: „Ein Angriff auf die Aufgaben von Schule in einer Demokratie und unsere demokratischen Werte insgesamt!“

Mit BestĂŒrzung und großer Trauer hat der Deutsche Lehrerverband mit seinen MitgliedsverbĂ€nden auf den Mord an dem französischen Lehrer Samuel Paty reagiert.

DL-PrĂ€sident Meidinger erklĂ€rte: „Als Vertreter der deutschen LehrkrĂ€fte sind wir entsetzt ĂŒber diesen Mord an einem französischen Kollegen, dem nichts anderes zum VerhĂ€ngnis geworden ist, als dass er seine Pflicht erfĂŒllt hat, nĂ€mlich Kindern und Jugendlichen die Werte der Demokratie, Meinungsfreiheit, MenschenwĂŒrde und Toleranz zu vermitteln und nĂ€her zu bringen. Wir erklĂ€ren uns solidarisch mit den LehrkrĂ€ften und allen Trauernden in unserem Nachbarland!“

Der Verbandsvorsitzende betonte, dass die Tat als Angriff gegen die zentrale Aufgabe der Schule als Ort der Wertevermittlung in einer demokratischen Gesellschaft gerichtet war und auch so verstanden werden mĂŒsse. Er ergĂ€nzte: „Deshalb ist es so wichtig, dass Politik und Gesellschaft hinter ihren LehrkrĂ€ften und deren fĂŒr die Zukunft unserer Demokratie so eminent bedeutsamem Bildungsauftrag stehen! Auch hierzulande gibt es von verschiedenen Seiten immer wieder politisch oder religiös motivierte Versuche, LehrkrĂ€fte einzuschĂŒchtern, zu bedrohen bzw. an den Pranger zu stellen. Unterricht und demokratische Werteerziehung dĂŒrfen fĂŒr LehrkrĂ€fte nicht zur Mutprobe werden! Wir sagen: Wehret den AnfĂ€ngen!“

(Französische Übersetzung unter diesem Link)

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Angesichts der Schulschließungen aufgrund des Corona-Virus

Nach den Worten des DL-PrĂ€sidenten Heinz-Peter Meidinger bedeuten die verfĂŒgten Schulschließungen in den nĂ€chsten Wochen eine riesige Herausforderung fĂŒr Schulen, aber insbesondere auch fĂŒr die Eltern.

Er betonte: „Einerseits sind die LehrkrĂ€fte gefordert, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Kommunikation und die Stoffvermittlung mit SchĂŒlern so gut wie möglich aufrechtzuerhalten, andererseits stehen Eltern vor der Aufgabe, eine sinnvolle Betreuung und einen geregelten Tagesablauf fĂŒr ihre Kinder zu gewĂ€hrleisten. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, drohende Nachteile fĂŒr die weitere schulische Laufbahn zu vermeiden und auszuschließen!“

Insgesamt rÀt der Deutsche Lehrerverband allen Eltern, folgende GrundsÀtze besonders zu beachten.

  1. Einigen Sie sich in der Familie mit Ihren Kindern auf einen geplanten, strukturierten Tagesablauf, in den auch Lern- und Arbeitsphasen gut integriert sind. Es gibt fĂŒr Ihre Kinder jetzt auch die Chance, passend zum eigenen Biorhythmus zu lernen. Orientieren Sie sich an den Vorgaben der LehrkrĂ€fte.
  2. Vereinbaren Sie klare Regeln zur Mediennutzung, wobei Sie als Eltern klar unterscheiden sollten zwischen der Arbeit mit dem PC und dem Spielen am PC. Eine Regulierung des Medienkonsums ist auch in dieser Zeit der Schulschließungen absolut sinnvoll.
  3. Helfen Sie Ihrem Kind bei der BewĂ€ltigung von Ängsten im Zusammenhang mit dieser Pandemie. Reden Sie mit Ihren Kindern ĂŒber die zahlreichen Fake News, die dazu in den sozialen Netzwerken derzeit verbreitet werden.
  4. Vermeiden Sie das Aufkommen von Langeweile („drohender Lagerkoller“) zuhause. Halten Sie dazu auch analoge Materialien wie BĂŒcher, Brett- und Kartenspiele sowie Malsachen bereit. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich auf BewĂ€hrtes und Althergebrachtes zu besinnen.
  5. Machen Sie Ihren Kindern klar, dass auch sie eine Verantwortung dafĂŒr tragen, dass sie ihre Mitmenschen vor Infektionen bewahren, insbesondere die gefĂ€hrdete Risikogruppe der Ă€lteren Menschen und Großeltern. Auch Jugendliche sollten in den nĂ€chsten Wochen soziale Kontakte reduzieren, also auf Kino-, Kneipen- und Veranstaltungsbesuche verzichten.

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Angesichts unterschiedlicher Regelungen an verschiedenen Schulen:

Der Deutsche Lehrerverband geht von einer in den nĂ€chsten Wochen und Monaten deutlich ansteigenden Zahl von Infektionen mit dem Coronavirus an deutschen Schulen aus. In diesem Zusammenhang mahnt der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, zu Besonnenheit. Er habe VerstĂ€ndnis dafĂŒr, dass sich viele Eltern und SchĂŒler Sorgen machten. Überzogene Panikreaktionen seien aber fehl am Platz und nutzten auch der Sache nicht. Besonders wichtig, so Meidinger, sei die Umsetzung der hygienischen PrĂ€ventionsmaßnahmen an den Schulen.

Der Lehrerverbandsvorsitzende  kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die unterschiedlichen Verfahrensweisen in mehreren BundeslĂ€ndern und an einzelnen Schulen im Umgang mit VerdachtsfĂ€llen oder ReiserĂŒckkehrern aus Risikogebieten eine zusĂ€tzliche Verunsicherung der Bevölkerung bewirkten. Meidinger betonte: „An der einen Schule wird der Unterricht abgesagt, weil nicht genĂŒgend Desinfektionsmittel vorhanden sind, an der anderen Schule wird so wie vom Robert-Koch-Institut empfohlen nur bei verifizierten VerdachtsfĂ€llen gehandelt – diese Unterschiede sind nach außen kaum vermittelbar!“

Er forderte glasklare bundeseinheitlich anwendbare Verfahrensweisen und Richtlinien fĂŒr die Schulen, auf die sich die KMK schnell einigen mĂŒsse.

Der Verbandschef bekrĂ€ftigte: „Im Mittelpunkt muss natĂŒrlich die Gesundheit von SchĂŒlern und LehrkrĂ€ften stehen. Es ist aber auch klar, dass extreme Maßnahmen wie in China, bei denen Schulen monatelang geschlossen werden, in Deutschland kaum umsetzbar sind, ganz abgesehen davon, dass dann auch AbschlussprĂŒfungen gefĂ€hrdet sind.“

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Umfrage unter Lehrern macht deutlich: Probleme mit dem Handschreiben in der Schule nehmen zu

BERLIN, 01.04.2015 Die Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland sehen immer hĂ€ufiger, dass SchĂŒlerinnen und SchĂŒler Probleme mit dem Handschreiben haben. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die der Deutsche Lehrerverband (DL) gemeinsam mit dem Schreibmotorik Institut, Heroldsberg, durchgefĂŒhrt hat. Danach meinen vier FĂŒnftel (79 Prozent) der an der Erhebung beteiligten Lehrerinnen und Lehrer an weiterfĂŒhrenden Schulen, die Handschrift ihrer SchĂŒlerinnen und SchĂŒler habe sich im Schnitt verschlechtert. Sogar 83 Prozent der befragten Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer gaben an, dass sich die Kompetenzen, die SchĂŒler als Voraussetzung fĂŒr die Entwicklung der Handschrift mitbringen, in den vergangenen Jahren verschlechtert haben. Nach EinschĂ€tzung der an der Umfrage beteiligten LehrkrĂ€fte haben die HĂ€lfte der Jungen (51 Prozent) und ein Drittel der MĂ€dchen (31 Prozent) Probleme mit der Handschrift.

DL-PrĂ€sident Josef Kraus forderte die Kultusminister der LĂ€nder auf, das Thema Handschreiben verstĂ€rkt in den Blick zu nehmen „Wir benötigen mehr Förderung der Grob- und Feinmotorik schon in den KindertagesstĂ€tten und dann in den Grundschulen.“  Die Erzieherinnen und die GrundschullehrkrĂ€fte benötigten dafĂŒr angesichts der wachsenden Herausforderungen mehr UnterstĂŒtzung. Zugleich kritisierte Kraus: „Die zunehmenden Probleme vieler SchĂŒler mit der Schreibschrift muss sich auch eine Schulpolitik ankreiden lassen, die dem Schreiben und insgesamt der sprachlichen Bildung immer weniger Bedeutung beimisst.“ Als Beispiel nannte Kraus den reduzierten Grundwortschatz, die Arbeit mit LĂŒckentexten und Multiple-Choice-Tests sowie die Flut an Kopien, die sich tagtĂ€glich ĂŒber die SchĂŒler ergießt. Kraus betonte, dass es tendenziell einen Zusammenhang zwischen Lernleistung von SchĂŒlern und der GĂŒte ihrer Handschrift gebe. „Wer gut und versiert schreibt, der prĂ€gt sich Geschriebenes besser und konzentrierter ein, er ist intensiver bei der Sache, er schreibt bewusster, setzt sich intensiver mit dem Inhalt und dem Gehalt des Geschriebenen auseinander“, erklĂ€rte Kraus.

Der Schreibmotorikforscher Dr. Christian Marquardt, wissenschaftlicher Beirat des Schreibmotorik Instituts, erlĂ€uterte mit Blick auf die eindeutigen Ergebnisse der Umfrage: „Wir sehen vermehrt Probleme bei den motorischen Grundkompetenzen der Kinder. Aber auch Probleme, wenn es spĂ€ter darum geht, schneller und flĂŒssiger zu schreiben. Schreibenlernen ist in erster Linie Bewegungslernen, und hier brauchen viele Kinder mehr UnterstĂŒtzung.“ Und er erlĂ€utert: „die Studien und wissenschaftlichen Erkenntnisse des Schreibmotorik Instituts weisen darauf hin, dass Kinder durch gutes Motoriktraining schneller und besser schreiben. Daher plĂ€dieren wir aus wissenschaftlicher Sicht dafĂŒr, gemeinsam mit der PĂ€dagogik neue Methoden fĂŒr den Schreibunterricht in Schulen zu entwickeln – zum Vorteil fĂŒr Kinder und LehrkrĂ€ften.“

Wie gravierend sind die Probleme mit dem Handschreiben in der Schule? Und was lĂ€sst sich dagegen tun? Um diese Fragen zu klĂ€ren, hatte der Deutsche Lehrerverband (DL) gemeinsam mit dem Schreibmotorik Institut, Heroldsberg, die Umfrage gestartet. Sie wurde zwischen Dezember 2014 und MĂ€rz 2015 online durchgefĂŒhrt. Dabei wurden LehrkrĂ€ften aus Grundschulen und aus weiterfĂŒhrenden Schulen getrennte Fragebögen vorgelegt. An der Umfrage haben sich insgesamt mehr als 2.000 Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Deutschland beteiligt. Die Umfrage ist die erste ihrer Art in Deutschland; erstmals lassen sich damit qualifizierte Aussagen zur Entwicklung der Handschrift von SchĂŒlern treffen.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Das Problem der schlechten Schrift wird in der weiterfĂŒhrenden Schule sehr deutlich. Sind in der Grundschule noch 58 Prozent der befragten Lehrer mit der Entwicklung der Handschrift ihrer SchĂŒler „sehr zufrieden“, „zufrieden“ oder nennen sie „befriedigend“, so sind dies in der weiterfĂŒhrenden Schule nur noch 22 Prozent.
  • Und ein Großteil der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler leidet darunter: Mehr als die HĂ€lfte der befragten Lehrerinnen und Lehrer an weiterfĂŒhrenden Schulen beobachten gerade mal bei höchstens 38 Prozent ihrer SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, dass diese 30 Minuten oder lĂ€nger beschwerdefrei schreiben können.
  • Es geht dabei auch um Bildungschancen: Nur die wenigsten befragten Lehrer (0,7 Prozent an weiterfĂŒhrenden Schulen, 1,4 Prozent an Grundschulen) sehen keinen Zusammenhang zwischen der Handschrift eines SchĂŒlers und seinen schulischen Leistungen. 
  • Die hĂ€ufigsten genannten Ursachen aus Lehrersicht sind in der Grundschule: „Schlechte Feinmotorik“ (84 Prozent), „Zu wenig Übung zu Hause“ (61 Prozent) und „Fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation“ (53 Prozent). In der weiterfĂŒhrenden Schule: „Wenig Interesse der SchĂŒler an handschriftlichem Schreiben“ (69 Prozent), „Fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation“ (69 Prozent) und „Zu wenig Übung zu Hause“ (65 Prozent). Dabei waren Mehrfachnennungen möglich.
  • Die Schreibmotorik hat sich im Durchschnitt in den vergangenen Jahren verschlechtert, meinen schulformĂŒbergreifend 87 Prozent der befragten LehrkrĂ€fte.
  • Als Gegenmaßnahmen fordern jeweils drei Viertel (74 Prozent) der befragten GrundschullehrkrĂ€fte ein „Spezielles motorisches Schreibtraining“ sowie „Mehr Zeit zur Förderung im Unterricht“. An den weiterfĂŒhrenden Schulen sind dies 61 Prozent bzw. 67 Prozent.
  • „Handschreiben lernen ist wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“ – dies meinen 98 Prozent der befragten Lehrerinnen und Lehrer.

Der Deutsche Lehrerverband (DL) ist die Dachorganisation von 160.000 Lehrern, die in BundesverbÀnden organisiert sind. Diese sind: der Deutsche Philologenverband e. V., der Verband Deutscher Realschullehrer, der Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen e. V. sowie der Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen e. V.

Das Schreibmotorik Institut e. V., Heroldsberg, ist eine bundesweit einzigartige Einrichtung. Es beschĂ€ftigt sich mit der Forschung auf den Gebieten der Schreibmotorik und der Schreibergonomie, vernetzt relevante Institutionen im Bereich des Handschreibens und versammelt Experten, die sich seit Jahren in Theorie und Praxis mit effizientem Schreiben beschĂ€ftigen. Es hat Lehrmaterialien fĂŒr den Schreibunterricht entwickelt und bietet Seminare fĂŒr PĂ€dagogen an. Das Institut wird vom SchreibgerĂ€te-Hersteller Stabilo unterstĂŒtzt, ist aber unabhĂ€ngig und gemeinnĂŒtzig.

Zu der detaillierten Auswertung der Ergebnisse gelangen Sie ĂŒber diesen Link.

Zu der detaillierten Auswertung der Ergebnisse gelangen Sie ĂŒber diesen Link: Schreibmotorik und Handschrift

Schreibmotorik Institut e. V.
   Schwanweg 1
   90562 Heroldsberg
   www.schreibmotorik-institut.com

Deutscher Lehrerverband (DL)
      Dominicusstr. 3
      10823 Berlin
      www.lehrerverband.de