DL lobt Grundsatzentscheidung der KMK über weiteren Fahrplan für Schulöffnungen

Für eine Maskenpflicht im Schulgebäude außerhalb der Unterrichtsräume!

Als überfällig, aber absolut richtig, hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, die heutige Grundsatzentscheidung der Kultusministerkonferenz bezeichnet, in allen Bundesländern einen Fahrplan zu erarbeiten, der potenziell allen Schülern zumindest die zeitweise Rückkehr in den Präsenzunterricht erlaubt – immer unter Berücksichtigung der Infektionslage. Der Verbandsvorsitzende betonte: „Ich freue mich, dass sich dabei die Kultusminister in wesentlichen Teilen am Vorschlag des Deutschen Lehrerverband orientiert haben, durch einen Wechsel von Präsenzzeiten und Lernen zuhause bei verkleinerten Lerngruppen möglichst allen Schüler wieder echten Unterricht zu bieten!“ Meidinger wies darauf hin, dass bei einer unveränderten Fortführung des „Homeschooling“ rund ein Viertel der Schüler leistungsmäßig dauerhaft abgehängt werden würde. Bei der Umsetzung des „Unterrichten in Schichten“ plädierte der DL-Präsident erneut für einen wochenweisen Wechsel zwischen Unterrichten in der Schule und Lernen zuhause. Dieser wöchentliche Wechsel sei am besten organisierbar und auch aus pädagogischen Gründen sinnvoll.

Meidinger warnte aber davor, Lehrkräfte dabei zu überlasten: „Wenn Lehrer nun wieder schrittweise volles Stundenmaß haben, weil sie Woche für Woche jeweils eine halbe Klasse unterrichten, kann man nicht erwarten, dass das „Homeschooling“ im selben Umfang weitergeführt wird. Das ist aber dann auch nicht mehr nötig!“

Vorrang vor allen anderen Überlegungen müsse jedoch der Gesundheitsschutz haben. Die von der KMK vorgestellten Hygieneschutzmaßnahmen müssten ohne Abstriche umgesetzt werden. Abschließend plädierte der Verbandschef dafür, dass außerhalb der Unterrichtsräume, in denen durch entsprechende Sitzordnungen für einen ausreichenden Sicherheitsabstand gesorgt sei, eine Maskenpflicht gelten solle: „Auf den Gängen, Treppen, in der Aula, dem Pausenhof und dem Gelände vor der Schule brauchen wir eine Maskenpflicht, um auch bei Rückkehr von mehr Schülern an die Schulen den Gesundheitsschutz möglichst hoch zu halten.“

—————-

Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Praxisorientierter Vorschlag für „Phase 2“:

Praxisorientierter Vorschlag für „Phase 2“ (aktualisiert Mai 2020):

Schrittweise Rückkehr aller Jahrgangsstufen in den Präsenzunterricht unter Beachtung der weiteren Entwicklung der Infektionskurve

PRĂ„SENZUNTERRICHT IM ZWEIWOCHENTAKT

Problemlage:

Bei voraussichtlich noch lange zwingend einzuhaltenden Abstands-regelungen in Unterrichtsräumen benötigt man für die Rückkehr einer kompletten Jahrgangsstufe an die Schulen, so wie es jetzt in den meisten Bundesländern für die Nachfolgejahrgänge der Abschluss-klassen geplant ist, die doppelte Anzahl von Räumen und auch Lehrkräften, weil Klassen und Lerngruppen geteilt werden und jeweils eigens beschult werden müssen. Dies ist möglich, solange nur maximal die Hälfte der Jahrgangsstufen zurückkehrt.

Deshalb haben sich auch die Bundesländer lange gescheut, einen zeit­lichen Fahrplan für die schrittweise Rückkehr der einzelnen Jahrgangs­stufen vorzulegen, wie es die Eltern, Schüler und Lehrkräfte eigentlich dringend erwarten,. Zudem besteht die Gefahr, dass es mehrere Klas­senstufen geben wird, die in diesem Schuljahr unter diesen Umständen nicht mehr in den Präsenzunterricht zurückkehren werden.

Das aber würde bedeuten, dass eine große Anzahl Schüler noch für Monate ausschließlich auf das „Homeschooling“ verwiesen wird, von dem wir wissen, dass es erstens bei weitem nicht so effektiv wie echter Schulunterricht ist und dass zweitens dadurch rund ein Viertel der Schüler nicht oder kaum erreicht wird. Die Gefahr, dass vor allem sozial benachteiligte und leistungsschwache Kinder und Jugendliche sowie Schüler mit besonderem Förderbedarf abgehängt werden, würde bei einer solchen Verfahrensweise stark ansteigen.

Vorschlag von Präsenzunterrichtsphasen im Wochenwechsel mit Arbeitsaufträgen und digitalem Fernunterricht

Angesichts dieser Herausforderungen, Probleme und Belastungen, welchen in Zeiten von Corona alle Mitglieder der Schulfamilie, Schüler, Lehrkräfte und Eltern ausgesetzt sind, brauchen wir möglichst unkomplizierte, einfach umzusetzende und für die meisten Jahrgangsstufen und Schularten geeignete Lösungen.

Eine mögliche Lösung lautet: Unterricht im Wochenwechsel bzw. Zweiwochentakt!

Der Unterricht erfolgt in zwei Schichten:

  • in Woche 1 die eine Hälfte der Klasse oder Lerngruppe
  • in Woche 2 die andere Hälfte der Klasse oder Lerngruppe

Der Wochenstundenplan wird komplett beibehalten, es gibt keine Kürzung von Fächern, die bisherigen Klassenlehrkräfte und Fachlehrer können weiter ihre Schüler betreuen.

In Woche 1 unterrichten die Lehrkräfte in den Schulen die Schüler im Präsenzunterricht und geben für die unterrichtsfreie Woche Arbeitsaufträge und Hausaufgaben. Ergänzt und intensiviert wird die Betreuung und Beschulung der Schüler in der Woche 2 ohne Präsenzunterricht durch Lehrkräfte, die einer Risikogruppe angehören, und zwar durch digitalen Fernunterricht. Der Präsenzunterricht kann damit maximal nur im Umfang der Hälfte des bisherigen Unterrichtsumfangs stattfinden. 

Vorteile dieses Zweiwochenschichtmodells

Dieses Schichtmodell im Zweiwochenrhythmus hat große Vorteile gegenüber der jetzigen Praxis und der bisher von den Ländern avisierten vorrangigen Rückkehr ganzer Jahrgangsstufen:

  1. Es ist für die meisten Schulen und Schularten relativ einfach organisatorisch umzusetzen, weil an den bisherigen Stunden- und Raumplänen kaum etwas geändert werden muss.
  2. Es können damit wieder alle Schüler einer Jahrgangsstufe in die Schulen zurückgeholt werden, was die schwerwiegenden Benachteiligungseffekte des so genannten „Homeschoolings“ in Bezug auf die Kinder, die man damit nicht erreicht, verhindert. Es ergeben sich dadurch auch neue Chancen, diese abgehängten Schüler im Präsenzunterricht wieder verstärkt zu fördern.
  3. Schulräume und Lehrkräfte müssten voraussichtlich ausreichen, weil nur die Hälfte der Schüler jeweils an der Schule anwesend ist.
  4. Die Politik wäre auf der Grundlage dieses Modells in der Lage, angepasst an die „Corona-Infektionslage“ in Deutschland, einen schrittweisen, nach Klassenstufen gestaffelten Zeitplan für die Rückkehr von Schülern in den Präsenzunterricht vorzulegen, der es allen Schülern ermöglicht, in naher Zukunft in die Schulen zurückzukehren.
  5. Für die Erziehungsberechtigten ergeben sich auch Vorteile: Es wird die große Chance eröffnet, dass auch die jüngeren Kinder noch in diesem Schuljahr in die Schulen zurückkehren können. Außerdem ermöglicht der Zweiwochenrhythmus grundsätzlich besser planbare Betreuungs- und Arbeitszeiten.
  6. Da immer nur maximal die Hälfte der Schüler sich in der Schule aufhält, erleichtert dies auch die Einhaltung des Abstandsgebots und des Gesundheitsschutzes auf Pausenhöfen, in Schulgängen, in Sanitärräumen, auf Treppen und im Parteiverkehr der Schulverwaltung
  7. Auch die Situation im Bereich der Schülerbeförderung und der Schulbusse wird sich dadurch deutlich entspannen, weil aufgrund der um 50 Prozent reduzierten täglichen Schülerströme die Abstandsregeln auch in den Bussen und im ÖPNV besser eingehalten werden können.
  8. Es gibt keine Notwendigkeit, einzelne Fächer zu streichen und auch Wahlfächer könnten weiter angeboten werden

Alternative Schichtmodelle

Das Modell des wöchentlichen Wechsels hat zwar große Vorteile, da, wo es von den räumlichen Gegebenheiten (zu kleine Unterrichtsräume) und vom Personaleinsatz (Anzahl der im Präsenzunterricht nicht einsetzbaren Risikopersonen unter Lehrkräften) nicht realisierbar ist, gibt es aber auch andere mögliche Schichtmodelle. Falls eine Drittelung von Lerngruppen notwendig ist, kann man das auch über eine zeitliche Abfolge von 1 Woche Präsenzunterricht und 2 Wochen Lernen zuhause auffangen. Auch ein tagesweiser Wechsel ist vorstellbar. Das österreichische Modell einer tagesweisen Verteilung von Präsenztagen und Lernen zuhause von 3:2 bzw. in der Folgewoche von 2:3 ist aber für die Eltern und Schüler weniger gut planbar. Außerdem könnte es Probleme mit der Schulwegbeförderung geben. Zudem taucht dann sehr schnell die Forderung auf, doch gleich ein 3:3-Modell zu fahren, was verpflichtenden Samstagsunterricht bedeuten würde. Der dementsprechende Vorstoß der Bundesbildungsministerin wäre jedoch ein schwerwiegender Eingriff in das gesellschaftliche Leben, der unabhängig von der Mehrbelastung von Schülern, Eltern und Lehrkräften und der nicht gelösten Schulwegbeförderung am Samstag kaum akzeptabel ist.

Noch weniger sinnvoll erscheinen aus Sicht des DL Schichtmodelle, die auf einen Wechsel der geteilten Klassen im Präsenzunterricht zwischen Vor- und Nachmittagschichten setzen. Neben der massiven Mehrbelastung von Lehrkräften entstehen damit zusätzliche Probleme der Verteilung von Schülerströmen, da sich in der Mittagszeit fast alle Schüler treffen würden, die einen, die aus der Schule hinausströmen und diejenigen, die hineinwollen.

Schwierigkeiten, die es noch zu lösen gilt:

Mit dem Modell des Unterrichts im Zweiwochentakt werden natürlich nicht alle Schwierigkeiten gelöst.

Die Effektivität von 100% Präsenzunterricht wird voraussichtlich nicht erreicht werden können. Dazu kommt, dass während der Schulschließungswochen auch beträchtliche Teile des Lehrplans nicht vermittelt werden konnten. Unabhängig vom Schichtmodell bleibt es mittelfristig eine riesige Aufgabe, durch Wiederholungsphasen, Nachhol- und Förderkurse sowie vorübergehende Verdichtung von Lehrplänen zu verhindern, dass dauerhaft Lehrplanziele und Bildungsstandards für ganze Schülerjahrgänge verfehlt werden.

Auch ist klar, dass dieses Konzept nicht für alle Schüler und Schularten gleich gut geeignet ist. Beispielsweise ist der Schulbetrieb an Berufsschulen häufig anders organisiert als in festen Schulwochen. Auch für Kinder mit Förderbedarf wären vielleicht umfangreichere Präsenzzeiten an der Schule wünschenswert. Hier muss man noch weitere passgenaue Lösungen erarbeiten. Das vorgestellte Modell soll in der notwendigen Flexibilität an die Gegebenheiten vor Ort (Anzahl und Altersgruppen der Lehrkräfte, räumliche Ausstattung, Anzahl der Schüler/innen) angepasst werden.

Auswirkungen auf Lehrkräfte

Verhindert werden muss, dass die Lehrkräfte, die im Schichtmodell wegen der Klassenteilungen trotz halbierten Unterrichts wieder ein volles Unterrichtsdeputat haben werden, durch zusätzliche Homeschoolingaufgaben überlastet werden. Deshalb geht der DL davon aus, dass in der „Fernunterrichtswoche“  gesonderte Betreuung durch die Lehrkräfte aus den Risikogruppen in Absprache mit den Präsenzlehrkräften erfolgt.

Nicht ausgeblendet werden soll, dass ein solches Schichtmodell auch für Lehrkräfte und auch die Schüler zusätzliche Vorzüge bieten kann:

  • Der Präsenzunterricht erfolgt in deutlich kleineren Lerngruppen, was es ermöglicht, besser individuell zu fördern und mehr Zeit fĂĽr den einzelnen SchĂĽler aufzuwenden.
  • Der Aufwand fĂĽr Unterrichtsvorbereitung reduziert sich, weil jede vorbereitete Stunde zweimal gehalten werden muss.
  • Die Halbierung des Präsenzunterrichts wird auch eine vorĂĽbergehende Verringerung der erforderlichen Leistungserhebungen erforderlich machen.

Berlin im Mai 2020

Heinz-Peter Meidinger

Unterricht im Zweiwochentakt – PDF als Download (aktualisiert Mai 2020)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Angesichts der SchulschlieĂźungen aufgrund des Corona-Virus

Nach den Worten des DL-Präsidenten Heinz-Peter Meidinger bedeuten die verfügten Schulschließungen in den nächsten Wochen eine riesige Herausforderung für Schulen, aber insbesondere auch für die Eltern.

Er betonte: „Einerseits sind die Lehrkräfte gefordert, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Kommunikation und die Stoffvermittlung mit Schülern so gut wie möglich aufrechtzuerhalten, andererseits stehen Eltern vor der Aufgabe, eine sinnvolle Betreuung und einen geregelten Tagesablauf für ihre Kinder zu gewährleisten. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, drohende Nachteile für die weitere schulische Laufbahn zu vermeiden und auszuschließen!“

Insgesamt rät der Deutsche Lehrerverband allen Eltern, folgende Grundsätze besonders zu beachten.

  1. Einigen Sie sich in der Familie mit Ihren Kindern auf einen geplanten, strukturierten Tagesablauf, in den auch Lern- und Arbeitsphasen gut integriert sind. Es gibt für Ihre Kinder jetzt auch die Chance, passend zum eigenen Biorhythmus zu lernen. Orientieren Sie sich an den Vorgaben der Lehrkräfte.
  2. Vereinbaren Sie klare Regeln zur Mediennutzung, wobei Sie als Eltern klar unterscheiden sollten zwischen der Arbeit mit dem PC und dem Spielen am PC. Eine Regulierung des Medienkonsums ist auch in dieser Zeit der SchulschlieĂźungen absolut sinnvoll.
  3. Helfen Sie Ihrem Kind bei der Bewältigung von Ängsten im Zusammenhang mit dieser Pandemie. Reden Sie mit Ihren Kindern über die zahlreichen Fake News, die dazu in den sozialen Netzwerken derzeit verbreitet werden.
  4. Vermeiden Sie das Aufkommen von Langeweile („drohender Lagerkoller“) zuhause. Halten Sie dazu auch analoge Materialien wie Bücher, Brett- und Kartenspiele sowie Malsachen bereit. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich auf Bewährtes und Althergebrachtes zu besinnen.
  5. Machen Sie Ihren Kindern klar, dass auch sie eine Verantwortung dafür tragen, dass sie ihre Mitmenschen vor Infektionen bewahren, insbesondere die gefährdete Risikogruppe der älteren Menschen und Großeltern. Auch Jugendliche sollten in den nächsten Wochen soziale Kontakte reduzieren, also auf Kino-, Kneipen- und Veranstaltungsbesuche verzichten.

—————-

Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Angesichts unterschiedlicher Regelungen an verschiedenen Schulen:

Der Deutsche Lehrerverband geht von einer in den nächsten Wochen und Monaten deutlich ansteigenden Zahl von Infektionen mit dem Coronavirus an deutschen Schulen aus. In diesem Zusammenhang mahnt der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, zu Besonnenheit. Er habe Verständnis dafür, dass sich viele Eltern und Schüler Sorgen machten. Überzogene Panikreaktionen seien aber fehl am Platz und nutzten auch der Sache nicht. Besonders wichtig, so Meidinger, sei die Umsetzung der hygienischen Präventionsmaßnahmen an den Schulen.

Der Lehrerverbandsvorsitzende  kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die unterschiedlichen Verfahrensweisen in mehreren Bundesländern und an einzelnen Schulen im Umgang mit Verdachtsfällen oder ReiserĂĽckkehrern aus Risikogebieten eine zusätzliche Verunsicherung der Bevölkerung bewirkten. Meidinger betonte: „An der einen Schule wird der Unterricht abgesagt, weil nicht genĂĽgend Desinfektionsmittel vorhanden sind, an der anderen Schule wird so wie vom Robert-Koch-Institut empfohlen nur bei verifizierten Verdachtsfällen gehandelt – diese Unterschiede sind nach auĂźen kaum vermittelbar!“

Er forderte glasklare bundeseinheitlich anwendbare Verfahrensweisen und Richtlinien fĂĽr die Schulen, auf die sich die KMK schnell einigen mĂĽsse.

Der Verbandschef bekräftigte: „Im Mittelpunkt muss natürlich die Gesundheit von Schülern und Lehrkräften stehen. Es ist aber auch klar, dass extreme Maßnahmen wie in China, bei denen Schulen monatelang geschlossen werden, in Deutschland kaum umsetzbar sind, ganz abgesehen davon, dass dann auch Abschlussprüfungen gefährdet sind.“

—————-

Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Tagung zum 50-jährigen Jubiläum des Deutschen Lehrerverbandes

Von interessanten, teilweise kontroversen Debatten um die großen Zukunftsheraus­forderungen des Deutschen Bildungssystems war das Symposion anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Deutschen Lehrerverbands geprägt, das in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung vor vollbesetztem Auditorium in Berlin stattfand.

Im Mittelpunkt der Tagung standen die Themen Zukunft des Bildungsföderalismus, Bedeutung der Digitalisierung für den Bildungsprozess und die sich dadurch verändernde Rolle der Lehrkraft.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung, Bundestags­präsident a.D. Prof. Norbert Lammert und den DL-Präsidenten Heinz-Peter Meidinger trafen im ersten Block zur Zukunft des Bildungsföderalismus Vertreter des Bundesbildungs­ministerium und der Kultusministerkonferenz aufeinander.

Der Bildungsföderalismus – Motor oder Bremse zukunftsorientierter Bildungspolitik

Der Staatssekretär im Bundesbildungsministerium Dr. Michael Meister beklagte, dass sich die Bildungssysteme der 16 Länder auseinanderentwickelt hätten. Einige Disparitäten hätten eine Qualität erreicht, die grundsätzliche Fragen der Chancengerechtigkeit berührten. Ganz konkret übte er Kritik an der fehlenden Vergleichbarkeit des Abiturs und am Einstimmigkeits­prinzip in der Kultusministerkonferenz: „In punkto Vergleichbarkeit ist abgesehen vom Abituraufgabenpool noch nicht viel Substantielles passiert. Einstimmigkeit ist oftmals nur mit sehr langem Vorlauf zu erreichen. Und selbst bei einstimmigen KMK-Beschlüssen erfolgt nicht selten am Ende nur eine Teil-Umsetzung. Das verschenkt wertvolles Potenzial unseres Bildungssystems!“ Er appellierte abschließend an die Länder, Föderalismus nicht als einen Antagonismus zum Bund zu verstehen, sondern als einen Auftrag und eine Verpflichtung, ihre Aufgaben in Bildung und Wissenschaft mit mindestens derselben Priorität wie der Bund wahrzunehmen.

Der KMK-Präsident und hessische Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz dagegen stellte sieben grundsätzliche Thesen für die Notwendigkeit des Bildungsföderalismus in den Raum: Nur dieser könne regionale Eigenheiten und Verhältnisse vor Ort berücksichtigen, eine nicht durch zu viele Ebenen entfernte Partizipation von Eltern und Schülern ermöglichen, Vielfalt von Schulformen gewährleisten, durch Wettbewerb mehr Qualität herausfordern, Raum für Innovation und Experimente bieten sowie die Möglichkeit, voneinander und aus Fehlern zu lernen. Zudem sei der Bildungsföderalismus ein wertvoller Schutz davor, dass schlechte Reformen gleich in ganz Deutschland umgesetzt würden.

In einem Podiumsgespräch suchten die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer und die Bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Margit Stumpp, gemeinsam mit Kultusminister Lorz Antworten auf die Fragen, die der Bildungsföderalismus in den Bereichen Vergleichbarkeit und Finanzierung aufwirft. Gebauer betonte, dass es bei allen Debatten über den Bildungsföderalismus keinen konstruktiven Vorschlag für eine Alternative gebe und dass der Bildungsföderalismus Wettbewerb und voneinander Lernen der Bundesländer ermögliche. Stumpp sah in den Problemen des Bildungsföderalismus in erster Linie ein Umsetzungsdefizit, kein Erkenntnisdefizit und kritisierte das so genannte „Kooperationsverbot“ zur Finanzierung durch den Bund. Lorz wies auf zukünftige langfristige Möglichkeiten durch einen konkreten Bildungsstaatsvertrag hin. Moderiert wurde dieses Podiumsgespräch, wie auch der Großteil der Tagung, vom Bildungsjournalisten Martin Spiewak.

Lehrerrolle zwischen Ăśberforderung und Entprofessionalisierung

Der langjährige Präsident und heute Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, debattierte mit Prof. Dr. Tanjev Schultz (Lehrstuhl für Journalistik an der Universität Mainz) über die sich verändernde Rolle der Lehrkräfte in der Schule – „Vom Pauker zum Lernbegleiter?“ lautete die Fragestellung. Moderiert wurde dieses Gespräch von Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes DPhV. Kraus kritisierte, dass der Beruf der Lehrkräfte immer weiter entprofessionalisiert werde, indem immer mehr Erwartungen und Forderungen, an ihn herangetragen würde. Er forderte eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft Unterricht und die fachlichen Kompetenzen des Lehrkräfteberufs. Tanjev Schultz plädierte eher für eine Erweiterung der Aufgaben von Lehrkräften in einer Zeit, da Eltern als Erziehende oft ausfallen. Einig war man sich, dass bei der Gewinnung neuer Lehrkräfte intensive Beratung notwendig ist, um die sowohl fachlich wie pädagogisch geeigneten Lehrkräfte zu gewinnen.

Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing betonte in diesem Zusammenhang: „Damit Lehrkräfte guten Unterricht halten können, brauchen sie Entlastung und bessere Arbeitsbedingungen. Seit dem zweiten Weltkrieg ist die Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte nirgendwo gesenkt, sondern eher noch erhöht worden. Das Aufgabenspektrum ist aber breiter und belastender geworden. Lehrkräfte brauchen spürbare Entlastung, mehr Ermäßigungsstunden für zusätzliche Aufgaben und eine geringere Unterrichtsverpflichtung!“

Macht die Digitalisierung Schule und Lehrkräfte überflüssig?

In einer sehr lebendigen Diskussion über die Folgen die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Schule stellten der bekannte Youtuber Daniel Jung, der Gründer von Lehrermarktplatz.de Max Maendler, Adriane Langela-Bickenbach, Preisträgerin des Deutschen Lehrerpreises, und die DL-Vizepräsidenten Joachim Maiß und Jürgen Böhm ihre Thesen dazu vor. Einig war man sich, dass die Lehrkraft als wesentliches Medium der Vermittlung von Wissen und Werten in einer von Digitalisierung geprägten Gesellschaft und Schule weiterhin eine zentrale Rolle einnehmen wird.

Schon in seiner Begrüßung hatte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, angesichts zunehmender Diskussionen über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Bildungssystem darauf hingewiesen, dass bei allem technischen Fortschritt der Bildungsprozess nicht entmenschlicht werden dürfe – Lernen sei auch ein Gemeinschafts­prozess, der nicht nur vereinzelt vor dem Bildschirm stattfinden solle.

Zum Abschluss des Symposions warfen Prof. Gert de Haan von der FU Berlin und Jasson Jakovides vom Fields Institute einen Blick 50 Jahre voraus, wohin sich die Rollen von Lehrkräften und Schule in dieser Gesellschaft entwickeln könnten.

Der Deutscher Lehrerverband als starker Anwalt eines leistungsfähigen, gerechten Bildungswesens

Am Vorabend des Symposions fand eine Festveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des Deutschen Lehrerverbands statt, auf der auch die Festschrift präsentiert wurde und der langjährige DL-Präsident Josef Kraus einen Rückblick auf die wichtigsten Erfolge und Ereignisse der DL-Geschichte gab.

Vizepräsident Jürgen Böhm vom VDR hob im Kontext der Jubiläumsveranstaltungen hervor, dass der Deutsche Lehrerverband immer als Klammer und Garant gewirkt habe für den Einsatz der Mitgliedsverbände um ein leistungsstarkes, zukunftsorientiertes differenziertes Schulwesen.

Vizepräsident Joachim Maiß vom BvLB würdigte den DL als erste Adresse für Bildungsfragen, der auch nie die berufliche Bildung zugunsten der allgemeinen Bildung vernachlässigt habe. Erst die berufliche Bildung im Gleichklang mit der allgemeinen Bildung stelle die Gleichwertigkeit der Bildungswege sicher.

Nach dem Eindruck von Vizepräsident Bernd-Uwe Althaus von der KEG zeigt die Tagung zum 50-jährigen Jubiläum eindrucksvoll, dass der DL seine Positionen immer wieder an den Herausforderungen der Zeit weiterentwickelt und sich auf dem Wertespektrum seiner Mitgliedsverbände und der gemeinsamen Ziele ausrichtet.

—————-

Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Fachtagung anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Deutschen Lehrerverbands in Berlin am 11. November 2019

Anlässlich seines 50-jährigen Bestehens veranstaltet der Deutsche Lehrerverband in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung am Montag, 11.11.2019, die Fachtagung „1969 – 2019 – 2069: Schule im Wandel“ in Berlin.

Nicht nur der Blick zurĂĽck, sondern auch der Blick nach vorne wird im Mittelpunkt der Jubiläumstagung stehen, die von Bundestagspräsident a. D. Prof. Dr. Norbert Lammert, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, eröffnet wird. Mehrere Kultusminister, darunter KMK-Präsident Alexander Lorz, Vertreter des Bundesbildungsministeriums sowie Wissen­schaftler und Verbandsvertreter werden mit Vorträgen und an Podiumsgesprächen teil­nehmen. Einige der groĂźen Herausforderungen im Bereich der Bildung werden dabei im Mittelpunkt stehen: Die Zukunft des Bildungsföderalismus, die Digitalisierung im Schulwesen und die sich verändernde Rolle der Lehrkraft im Bildungsprozess.

Den genauen Ablauf finden Sie im beiliegenden Programm bzw. unter www.lehrerverband.de/veranstaltungen/. Kurzfristige Anmeldungen sind noch bis Donnerstag, 07.11.2019, unter info@lehrerverband.de möglich.

Seit 50 Jahren steht der Dachverband Deutscher Lehrerverband für gemeinsame bildungs- und berufspolitische Ziele seiner Mitgliedsverbände mit insgesamt 165.000 Mitgliedern. Seine Kompetenz. Erfahrung und Sachkunde in allen bildungspolitischen Fragen bezieht er von seinen Mitgliedsverbänden aus den unterschiedlichen Bereichen des allgemein- und berufsbildenden Schulsystems. Mitglieder im Deutschen Lehrerverband sind der Deutsche Philologenverband DPhV, der Verband Deutscher Realschullehrer VDR, der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung BvLB und die Katholische Erziehergemeinschaft Deutschland KEG.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, weist bereits im Vorfeld der Jubiläumstagung darauf hin, dass die gemeinsamen Ziele und Grund­überzeugungen der damaligen Gründungsverbände nach wie vor ein stabiles Fundament der Arbeit des deutschen Lehrerverbands bildeten: „Der Deutsche Lehrerverband tritt seit seiner Gründung konstant für ein leistungs- und begabungsorientiertes differenziertes Schulwesen ein. Im Fokus steht dabei immer die Orientierung an der bestmöglichen Förderung unserer Kinder und Jugendlichen an den allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland. Zu den Grundüberzeugungen des Deutschen Lehrerverbandes gehört der Glaube an die Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung: Das duale Ausbildungssystem ist eine große Stärke des deutschen Bildungssystems, das nicht geschwächt und ausgehöhlt werden darf.“ Mit Sorge betrachtet deshalb der Deutsche Lehrerverband Tendenzen in der Bildungspolitik, Entscheidungen in erster Linie an der Erreichung von Abiturquoten auszurichten. Dies habe – so Meidinger – zu einer Besorgnis erregenden Schieflage im deutschen Bildungssystem geführt.

Auch den zukünftigen Herausforderungen im Bildungsbereich wird sich der Deutsche Lehrerverband mit seinen Mitgliedsverbänden stellen. DL-Präsident Meidinger führt aus: „Dabei geht es um mehr Vergleichbarkeit und mehr echten Wettbewerb zwischen den Bundesländern, die Qualitätssicherung schulischer Abschlüsse, die erfolgreiche schulische Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, einen Inklusionsprozess, der nicht von Ideologie, sondern von der Verantwortung gegenüber allen Beteiligten getragen wird, und eine Digitalisierung im Bildungsbereich, die nicht Selbstzweck ist, sondern sich der Pädagogik unterordnet. Auch in den kommenden Jahrzehnten wird der Deutsche Lehrerverband eine starke Stimme für bestmögliche Bildung sein, damit Kinder und Jugendliche sich persönlich entwickeln und entfalten können, um als mündige Staatsbürger Verantwortung für sich und unseren Staat und unsere Gesellschaft zu übernehmen.“

Bildungsföderalismus

Harte Kritik an der Kultusministerkonferenz hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, geäußert. Er betonte: „Es ist absolut frustrierend: Die Bildungsqualität in Deutschland muss gesichert und verbessert und gleichzeitig eine hohe Vergleichbarkeit angestrebt werden, um den in die Kritik geratenen Bildungs­föderalismus auf eine sichere neue Grundlage zu stellen. Trotzdem schaffen es unsere Schulministerinnen und Schulminister Sitzung für Sitzung nicht, dies mit einem Grundsatzbeschluss über einen Bildungsstaatsvertrag in Verbindung mit der Einrichtung des im Koalitionsvertrag vereinbarten nationalen Bildungsrats umzusetzen.“

Der Verbandsvorsitzende verwies darauf, dass in allen Bundesländern das demoskopische Urteil über die Zuständigkeit der Bundesländer für Bildungsfragen miserabel ausfalle. Ursachen dafür seien tatsächliche Missstände, für die zwar einzelne Bundesländer mehr Verantwortung trügen als andere, für deren Beseitigung aber alle gemeinsam in der Pflicht seien. Meidinger nannte als Beispiele die enormen Unterschieden bei Schülerleistungs­vergleichen zwischen Bundesländern im Umfang von über zwei Lernjahren, die bereits 2017 sogar vom Bundesverfassungsgericht festgestellte Unvergleichbarkeit der deutschen Länderabiture, der Wildwuchs an Schularten und Lehramtsstudiengängen sowie die dadurch erschwerte Mobilität zwischen den Bundesländern.

Er bekräftigte: „Wir brauchen einen Bildungsstaatsvertrag, um die Bildungsqualität in Deutschland durch konkrete, detaillierte Festlegungen und Beschlüsse beispielsweise hinsichtlich vergleichbarer Abschlussprüfungen auf hohem Niveau zu regeln. Nur so werden wir der Verpflichtung, unseren Kindern und Jugendlichen vergleichbare Lebens- und Zukunftschancen durch bestmögliche Bildung zu bieten, gerecht werden können!“

Der DL-Präsident ließ allerdings keinen Zweifel an seiner Überzeugung aufkommen, dass die Zuständigkeit für Bildung am besten bei den Bundesländern aufgehoben sei.

Voraussetzung dafür sei aber, dass es einen funktionierenden Wettbewerbsföderalismus gebe und dass man sich bei KMK-Beschlüssen nicht regelmäßig mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner zufrieden gebe. Meidinger appellierte in diesem Zusammenhang auch an die Ministerpräsidenten und die Parlamente der Länder, ihrer Verantwortung für diese riesige Zukunftsaufgabe gerecht zu werden und parteipolitische Erwägungen hintanzustellen.

Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

IQB-Studie in Mathematik und Naturwissenschaften

DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger äußerte sich sehr besorgt über die aktuellen Ergebnisse der heute veröffentlichten IQB-Bildungsstudie, die die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften untersucht hat. Zwar bleiben die bundesweiten Durchschnitte im Vergleich zur letzten Untersuchung in diesem Bereich ungefähr gleich, doch haben sich vor allem in den neuen Bundesländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Ergebnisse signifikant verschlechtert.

Der Verbandsvorsitzende betonte: „Auffallend ist, dass mit Bayern und Sachsen gerade die beiden Bundesländer in der Lage sind, ihre Ergebnisse zu halten oder sogar zu verbessern, die am wenigsten an ihren Schulformen herumexperimentiert haben und am meisten auf ein differenziertes, begabungsgerechtes Schulsystem und den Leistungsgedanken setzen.“

Dass die Gymnasien mit Ausnahme weniger Länder wie Sachsen und Bayern dieses Mal schlechter abgeschnitten haben, zeige die Vernachlässigung dieser Schulart in vielen Bundesländern. Dies lasse sich beispielsweise an zu geringen finanziellen und personellen Ressourcen für Begabungsförderung festmachen. Die Gruppe von Schülerinnen und Schülern in der höchsten Kompetenzstufe sei in Bayern und Sachsen deutlich höher als im Bundesdurchschnitt.

Meidinger forderte die Bundesländer auf, den Grundsatz der individuellen Förderung umfassend ernst zu nehmen und neben der Förderung leistungsschwächerer Schüler die leistungsstärkeren nicht zu vernachlässigen.

Ein großes Problem bleibe, so der DL-Präsident abschließend, dass die Leistungen von Jungen mit Ausnahme des Faches Mathematik immer weiter hinter den Leistungsergebnissen von Mädchen hinterherhinken. Es gehe jetzt darum, die Ursachen aufzuklären und langfristige Gegenstrategien etwa im Rahmen der Medienerziehung zu entwickeln. Eine der Ursachen könnte das unterschiedliche Medienverhalten von Jungen und Mädchen sein.

—————-

Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Deutscher Lehrerverband zum Weltlehrertag 2019

Mehr Wertschätzung für Lehrkräfte durch Politik und Gesellschaft hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, anlässlich des Weltlehrertags am morgigen 5. Oktober 2019 eingefordert.

Er erinnerte daran, dass die Anforderungen an den Lehrerberuf in den letzten Jahrzehnten angesichts von wachsender Heterogenität der Schülerschaft, Integrationsproblemen, Inklusion und Digitalisierung enorm gestiegen seien.

Der Verbandsvorsitzende betonte: „Gute Bildung ist nach wie vor die größte Chance für Kinder und Jugendliche, in diese Gesellschaft erfolgreich zu starten und später als mündige Bürger ihr Leben und die Zukunft der Gesellschaft verantwortlich mitzugestalten. Außerdem ist Schule gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung und Individualisierung der Gesellschaft ein ganz wichtiger, wenn nicht der letzte Ort, wo Konsensbildung, Besinnung auf gemeinsame kulturelle Werte und staatsbürgerliche Bildung noch möglich ist.“

Unsere Lehrkräfte benötigten – so Meidinger – zur Erfüllung ihrer Aufgaben aber deutlich mehr Rückendeckung von Gesellschaft und Politik als bisher.

„Wer zulässt, dass befristet angestellte Lehrkräfte während der Ferien regelmäßig entlassen werden, wer den Schulen und Lehrern bei steigenden Gewaltvorfällen und zunehmendem Cybermobbing nicht aktiv beisteht und wer zulässt, dass die Arbeitsbelastung von Lehrkräften ständig steigt, muss sich nicht wundern, wenn dieser an sich so erfüllende und wichtige Beruf von immer weniger jungen Menschen angestrebt wird. Das muss sich dringend ändern!“, sagte der DL-Präsident.

Er verwies abschlieĂźend auf das immer noch gĂĽltige Zitat des groĂźen deutschen Philosophen und Psychiaters Karl Jaspers:

„Das Schicksal einer Gesellschaft wird dadurch bestimmt, wie sie ihre Lehrer achtet.“

—————-

Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0172 – 28 45 840.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Deutscher Lehrerverband zum Bitkom-Vorschlag

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, erteilt der Forderung des Bitkom-Präsidenten Achim Berg an die Eltern, ihren Kindern bei der Einschulung ohne Ausnahme bereits ein Smartphone zur Verfügung zu stellen, eine strikte Absage.

Er betonte: „Diese Forderung ist nicht nur falsch, sie ist in höchstem Maße verantwortungslos und hat mit kindgerechter Medienerziehung nichts zu tun! Offensichtlich geht es dem Bitkom-Verband bei seiner Lobbyarbeit mehr darum, den Verkauf von Handys zu forcieren und neue Absatzmärkte zu erschließen, als darum, Kinder schrittweise an einen vernünftigen Umgang mit digitalen Geräten und Medien heranzuführen!“

Der Verbandschef weiß sich in der Ablehnung dieser Forderung einig mit allen Landesmedienanstalten in Deutschland. Die Hauptaufgabe von Erstklässlern sei es, erst einmal die zentralen Kulturtechniken zu lernen, dazu gehöre vor allem die Lese- und Schreibkompetenz, so Meidinger.

Er ergänzte: „Erstklässler, die noch nicht richtig lesen und schreiben können, nutzten erfahrungsgemäß das Handy vor allem zum Videoschauen und für Spiele. Das aber hat mit verantwortungsvoller, umfassender Medienbildung nichts zu tun! Mit einem unbeschränkten Internetzugang sind Sechsjährige nicht nur überfordert, es besteht auch die Gefahr von Verängstigung und Verunsicherung!“

Gott sei Dank, so der Verbandsvorsitzende, sei die Mehrzahl der Eltern deutlich vernünftiger als der Bitkom-Verband. Meidinger plädierte dafür, an Grundschulen beim Einsatz digitaler Endgeräte vor allem auf Laptops und Computer mit kind- und altersgerechten Programmen zu setzen.

Aber auch an weiterführenden Schulen und damit bei älteren Schülern führe der unbegrenzte Zugriff von Schülern auf Whatsapp, Instagram und Youtube zunehmend zu massiven Problemen, sagte der Verbandschef abschließend: „Das Handy ist dort nicht selten zum bevorzugten Mobbinginstrument geworden, und viele Jugendliche sind in den sozialen Netzwerken ohne jede Sicherheitseinstellung unterwegs. Wollen wir diese Missstände und Gefahren jetzt auch schon auf Sechsjährige ausdehnen?“

—————-

Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0172 – 28 45 840.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher