Deutscher Lehrerverband fordert zwei Milliarden Euro fĂŒr umfassendes Bildungsförderprogramm

Ein umfassendes Konzept eines Lernförder- und Bildungsaktivierungsprogramms hat das PrĂ€sidium des Deutschen Lehrerverbands in Berlin vorgestellt, um die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in den nĂ€chsten beiden Schuljahren auffangen zu können.

DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger erklĂ€rte dazu: „Wir spĂŒren immer deutlicher, dass die Schulschließungen bei fast allen Kindern und Jugendlichen zu Lerneinbußen gefĂŒhrt haben, bei dem Teil, den wir durch Fernunterricht kaum erreicht haben, sogar zu sehr großen. Wir brauchen deshalb ein großes Bildungsförderprogramm, das differenziert nach Bedarf in den nĂ€chsten beiden Schuljahren allen SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern Angebote macht, ihre LernrĂŒckstĂ€nde aufzuholen! Zusatzangebote lediglich fĂŒr einen kleinen Teil der Kinder, so wie dies die Bildungspolitik derzeit plant, greifen eindeutig zu kurz!“

Wichtig sei auch, bald einen Überblick ĂŒber die konkreten LernlĂŒcken und den Förderbedarf zu gewinnen, um dann Eltern und SchĂŒler entsprechend beraten zu können.

In dem Konzept des DL wird unterschieden zwischen begleitender Zusatzförderung und dem Angebot eines zusÀtzlichen Lernjahres.

Zur effektiven und bedarfsgerechten Umsetzung der Fördermaßnahmen plĂ€diert der DL fĂŒr die Zuweisung von Sonderbudgets an die Einzelschulen, die von diesen flexibel genutzt werden können. Um den dafĂŒr notwendigen Personalbedarf zu decken, finden sich in dem Konzept eine Reihe von VorschlĂ€gen, u. a. den Einbezug von Lehramtsstudierenden, des Lehrpersonals von Volkshochschulen und von pensionierten LehrkrĂ€ften.

Meidinger forderte schnelle Entscheidungen von Bund und LÀndern, um möglichst schnell mit der Umsetzung beginnen zu können. Der DL beziffert die voraussichtlichen Kosten auf mindestens zwei Milliarden Euro.

Das Programm des Deutschen Lehrerverbands können Sie auf unserer Webseite unter https://www.lehrerverband.de/die-zukunftschancen-unserer-kinder-und-jugendlichen-nach-corona-nachhaltig-sichern/ abrufen.

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Konzept des Deutschen Lehrerverbands fĂŒr ein umfassendes Lernförder- und Bildungsaktivierungsprogramm

Die Zukunftschancen unserer Kinder und Jugendlichen nach Corona nachhaltig sichern!

Bestandsaufnahme und Ausgangslage

Nach der ersten Lockdownphase im FrĂŒhjahr 2020 bestand noch die Hoffnung, bei einer Normalisierung des Schulbetriebs in diesem Schuljahr durch spezifische begrenzte Zusatzförderung im dann wieder stattfinden PrĂ€senzunterricht die entstandenen LernrĂŒckstĂ€nde und Wissensdefizite kurz- und mittelfristig weitgehend ausgleichen zu können. Dieses Ziel ist heute in weite Ferne gerĂŒckt.

In den meisten BundeslĂ€ndern summieren sich die Unterrichtsstunden, die nicht in PrĂ€senz erteilt werden konnten, auf inzwischen ungefĂ€hr 400 bis 600 Unterrichtsstunden, was in der Spitze etwa einem halben Schuljahr entspricht. Auch wenn der Distanz- und Wechselunterricht nach großen Anfangsschwierigkeiten jetzt deutlich besser lĂ€uft, muss konstatiert werden, dass die durchschnittlichen Lernfortschritte dort geringer sind. Allerdings werden auch große Unterschiede deutlich, zwischen Kindern und Jugendlichen, die inzwischen gut mit dem Distanzlernen zurechtkommen, und einem nicht unerheblichen Teil, der inzwischen deutlich hinter der notwendigen Lernprogression liegt.

Dies hat sehr unterschiedliche GrĂŒnde. Teilweise liegt es an der technischen Ausstattung, an nicht zur VerfĂŒgung stehenden GerĂ€ten im Elternhaus. Betroffen sind vor allem auch jĂŒngere Kinder, denen elterliche UnterstĂŒtzung aus welchen GrĂŒnden auch immer fehlt, SchĂŒlerinnen und SchĂŒler mit einem besonderen Förderbedarf, mit Handicaps, mit grundsĂ€tzlichen Sprachdefiziten, mit Migrationshintergrund oder auch Jugendlichen, deren Leistungsmotivation und Bildungswillen aus anderen GrĂŒnden nur gering ausgeprĂ€gt ist.

Es wĂŒrde aber viel zu kurz greifen, den Blick allein auf die entstandenen Wissens- und Kompetenzdefizite in einzelnen FĂ€chern oder auf bestimmte besonders benachteiligte SchĂŒlergruppen zu richten. Die schulische Bildung hat durch Corona und die Folgen insgesamt Schaden genommen, die EffektivitĂ€t von Distanzunterricht hat generell die Wirksamkeit von PrĂ€senzunterricht nicht erreicht. Dazu kommt, dass vieles von dem ausgefallen ist, was schulische Bildungs- und Erziehungsprozesse ĂŒber die Bildungsinhalte hinaus ausmacht: Gemeinschaftsveranstaltungen, Projekte, musische Bildung (Schultheater, Kunstausstellungen, Musikfeste), Exkursionen, Studienfahrten, Wettbewerbe, Berufsorientierungsveranstaltungen und SchĂŒleraustausch. Was wir also in Deutschland brauchen, ist nicht nur ein Nachholprogramm fĂŒr eine bestimmte Gruppe, sondern ein umfassendes Bildungsaktivierungs- und Lernförderprogramm, von dem alle SchĂŒlerinnen und SchĂŒler profitieren können.

GrundsÀtzlich lautet aber die Herausforderung, alles zu tun, damit die negativen Folgen von Corona die Zukunfts- und Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen nicht nachhaltig beeintrÀchtigen.

Bildungspolitik noch ohne tragfÀhiges Zukunftskonzept

ZunĂ€chst sind viele Landesregierungen davon ausgegangen, dass die Phase der Schulschließungen und des Distanzunterrichts so kurz sein werden, dass eine begleitende, auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhende Zusatzförderung von wenigen Stunden ausreichen wĂŒrde, die entstandenen BildungsrĂŒckstĂ€nde relativ schnell wieder auszugleichen. Tatsache ist, dass die LehrkrĂ€fte bisher zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit hatten, unter den gegebenen UmstĂ€nden diese Ausgleichsaufgabe wahrzunehmen.

Ansonsten beschrĂ€nken sich Schulministerien und Landesregierungen derzeit weitgehend auf Versuche, unzumutbare HĂ€rten zu verhindern, bisherige Leistungserhebungs-, Lehrplan- und Versetzungsregelungen zu flexibilisieren oder auch außer Kraft zu setzen sowie AbschlussprĂŒfungen zu verschieben und in Teilen anzupassen. Das ist im Grundsatz nicht zu kritisieren, solange dies nicht zu einem Niveauabsenkungs- und Erleichterungswettbewerb fĂŒhrt, der neue Bildungsungerechtigkeiten zur Folge hat. Allerdings leistet dies im Hinblick auf den notwendigen Ausgleich der Lerndefizite keinen Beitrag und bleibt letzten Endes ein Herumdoktern an den Symptomen.

Bleiben diese Maßnahmen isoliert und folgt ihnen kein Ausgleich, drohen dauerhafte Nachteile. Sollten auch im nĂ€chsten Schuljahr wieder – wie schon im letzten Schuljahr – Kinder und Jugendliche unabhĂ€ngig von ihren Leistungen in die nĂ€chste Jahrgangsstufe versetzt werden, laufen diese Gefahr, den Anschluss endgĂŒltig zu verpassen und den angestrebten Abschluss nicht zu schaffen. Andernfalls mĂŒssten dauerhaft Bildungsstandards und PrĂŒfungsniveaus abgesenkt werden, was dazu fĂŒhren wĂŒrde, dass viele SchulabgĂ€nger in den nĂ€chsten Jahren mit einem geringeren RĂŒstzeug und Kenntnisstand die Schulen verlassen.

Untaugliche Problemlösungs-VorschlÀge

Inzwischen hÀufen sich VorschlÀge, die zu grundsÀtzlichen Eingriffen in den zeitlichen Ablauf des Schulbetriebs auffordern, um die Lerndefizite aufholen zu können.

Gefordert werden etwa eine KĂŒrzung oder auch Streichung von Ferienzeiten, die EinfĂŒhrung von Samstagsunterricht, die VerlĂ€ngerung des Schuljahres bis Weihnachten sowie die komplette Streichung und Wiederholung des aktuellen Schuljahres.

Alle diese VorschlĂ€ge sind weitgehend untauglich, das Grundproblem zu lösen, also die SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern nach Bedarf wieder an das zu erreichende Leistungsniveau heranzufĂŒhren.

FerienkĂŒrzungen und Samstagsunterricht wĂŒrden zu einer weiteren Überforderung und Überlastung aller Betroffenen fĂŒhren, also von LehrkrĂ€ften, SchĂŒlern und Eltern, die schon jetzt an der Belastungsgrenze stehen. Die VerlĂ€ngerung oder Streichung des Schuljahres wĂŒrde dazu fĂŒhren, dass die gesamte Bildungskette, der jĂ€hrliche Übergang vom Kindergarten zur Primarstufe, von Grundschulen an weiterfĂŒhrende Schulen und von weiterfĂŒhrenden Schulen ins Berufsleben und an Hochschulen unterbrochen wĂŒrde – mit weitreichenden Folgen fĂŒr den gesamten Wirtschaftsprozess und im Falle eines zusĂ€tzlichen Schuljahres fĂŒr alle mit einem massiv erhöhten Lehrerbedarf, der nicht aufzufangen ist.

Der Kernpunkt aber ist: Alle diese VorschlĂ€ge scheren alle SchĂŒlerinnen und SchĂŒler ĂŒber einen Kamm, sie sind viel zu undifferenziert und werden damit der eigentlichen Herausforderung nicht gerecht. Notwendig ist ein zwar umfassendes, aber differenziertes und flexibles, lĂ€ngerfristig angelegtes Lern- und Bildungsförderungskonzept, angepasst an die unterschiedlichen Bedarfslagen je nach SchĂŒlerklientel, Altersstufe und Schulart. GrundsĂ€tzlich gehen wir davon aus, dass die Mehrheit der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler mit dem Distanzunterricht inzwischen gut zurechtkommt, so dass bei diesen zwar keine basalen LernlĂŒcken aufgetreten sind, trotzdem aber auch besonderer ergĂ€nzender Förderbedarf sinnvoll sein kann. Es geht aber auch darum, Kinder und Jugendliche verstĂ€rkt in den Bereichen Angebote zu machen und fĂŒr einen Ausgleich zu sorgen, die in Pandemiezeiten grundsĂ€tzlich zu kurz gekommen sind, also z.B. Projektwochen, musische Bildung, Sport, Wahlangebote, SchĂŒleraustausch und Studienfahrten.

DafĂŒr ist die Bereitstellung erheblicher, zusĂ€tzlicher Personal-, Zeit- und Finanzressourcen dringend erforderlich.

Feststellung des Lernbedarfs

Insgesamt brauchen wir in allen BundeslĂ€ndern dringend ein Gesamtkonzept: Kindern und Jugendlichen, die wĂ€hrend der Schulschließungen kaum erreicht wurden, muss eine besondere Förderung und UnterstĂŒtzung im Schulalltags angeboten werden. Doch auch diejenigen, die nur begrenzte Hilfe nötig haben, dĂŒrfen nicht ĂŒbersehen werden. Um den Umfang der notwendigen Maßnahmen bestimmen zu können, ist eine Bestandsaufnahme nötig und zwar so rechtzeitig, dass bis zum Ende des Schuljahres genĂŒgend Zeit bleibt fĂŒr eine intensive Beratung von SchĂŒlern und Eltern, welche Form der UnterstĂŒtzung sinnvoll und notwendig ist. Den Aufwand dafĂŒr kann man gering halten, da es nicht um eine fein differenzierte Leistungserhebung, sondern lediglich um die Identifizierung grĂ¶ĂŸerer grundsĂ€tzlicher WissenslĂŒcken und Kompetenzdefizite geht.

Begleitende Zusatzförderung an Schulen

Schon vor Corona gab es Förderprogramme, die neben einer inhaltlich pÀdagogischen Konzeption auch und gerade die personelle Ressourcenfrage in den Fokus genommen haben. Wir brauchen inhaltlich ein individualisiertes Förderangebot, das auf der pÀdagogischen und sozialen Fachkompetenz der LehrkrÀfte vor Ort aufbaut. Durch den massiven LehrkrÀftemangel an unseren Schulen ist dies allerdings nur mit dem vorhandenen Personal- und Planstellenbestand zusÀtzlich nicht leistbar.

Mehr FlexibilitÀt und Eigenverantwortung der Einzelschulen

Wir fordern deshalb dringend, den Schulleitungen mehr FlexibilitĂ€t und Eigenverantwortung einzurĂ€umen. Es muss den Schulen ermöglicht werden, zumindest vorĂŒbergehend zusĂ€tzlich zu den im Rahmen des fest zugewiesenen, an die StundenplĂ€ne und FĂ€cher gebundenen Unterrichtsbudgets besondere Schwerpunktsetzungen vornehmen zu können, also beispielsweise in Lerngruppen und FĂ€chern mit einem hohen Nachholbedarf durch Teilung und Differenzierung mit Hilfe einer integrierten Lehrerreserve. Im Rahmen einer solchen flexiblen Stundentafel könnte jede Schule bedarfsorientiert und flexibel auf unterschiedliche Förderbedarfe reagieren. Die im Gegenzug notwendigen KĂŒrzungen in anderen Lernangeboten und FĂ€chern dĂŒrfen aber nicht dazu fĂŒhren, dass die zentralen Lehrplanziele dort nicht erreicht werden.

Durch Krisensituationen wie jetzt in der Pandemie kommen Schulen meist besser, wenn ihnen mehr Freiraum zur Verwirklichung eigener, passgenauer Lösungen zugestanden wird.

Gewinnung von zusÀtzlichen Personalressourcen

ZusĂ€tzliche Förderangebote am Nachmittag oder im Rahmen eines binnendifferenzierten Unterrichts mit zwei LehrkrĂ€ften in einer Klasse setzen voraus, dass dafĂŒr mehr Personal zur VerfĂŒgung steht.

Um den generellen LehrkrĂ€ftemangel, kurzfristig und zeitlich befristet in der Coronakrise auszugleichen und darĂŒber individualisierte Fördermöglichkeiten durch pĂ€dagogisch geschultes Fachpersonal in Kleingruppen anbieten zu können, sieht der DL folgende Möglichkeiten:

  • Lehramtsstudierende gewinnen, denen die erteilten Unterrichtsstunden und Betreuungsaufgaben bezahlt sowie als Schulpraktika anerkannt werden,
  • pensionierte LehrkrĂ€fte zurĂŒckholen durch angemessene VergĂŒtungsbedingungen bis hin zur Möglichkeit einer dauerhaften Erhöhung der Pension,
  • TeilzeitkrĂ€fte zur freiwilligen Aufstockung durch attraktive Rahmenbedingungen motivieren.

Lernförderung durch außerschulische Bildungspartner

In dieser außergewöhnlichen Situation und auch in Zukunft kann es hilfreich sein, wenn Schulen bei der Lernförderung durch externe Partner und Institutionen mit Angeboten unterstĂŒtzt werden, bzw. mit Bildungspartnern zusammenarbeiten. Voraussetzung dafĂŒr ist, dass nicht nur die Finanzierung dieser Zusatzangebote durch Bund und LĂ€nder gesichert, sondern auch dass eine klare QualitĂ€tskontrolle sowie eine enge Zusammenarbeit mit LehrkrĂ€ften und Schulen gegeben sind.

In Frage kommen fĂŒr diese unterstĂŒtzende, außerschulische Zusatzförderung folgende Institutionen und Ämter:

  • Volkshochschulen,
  • FamilienbildungsstĂ€tten,
  • JugendĂ€mter mit Inklusionsangeboten und individuellen Lernhilfen,
  • Jobcenter und SozialĂ€mter mit Leistungen wie Bildung und Teilhabe,
  • Jobcenter und JugendĂ€mter im Verbund fĂŒr Angebote fĂŒr BerufsschĂŒler/innen,
  • GesundheitsĂ€mter und Krankenkassen mit prĂ€ventiven lernsteigernden Angeboten,
  • freie JugendhilfetrĂ€ger mit individuellen Hilfen fĂŒr alle Altersgruppen,
  • Anbieter von Nachhilfekursen,
  • Anbieter von Lernplattformen,
  • Personen in NebentĂ€tigkeit, wie Lehramtsstudierende,
  • freie Anbieter mit Mentoringprogrammen in denen außerschulischen Personen bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen fĂŒr eine enge Begleitung von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern mit einem besonders großen Nachholbedarf gewonnen werden.

Diese Institutionen als Bildungspartner sollen mit ihren FachkrĂ€ften wie Schulsozialarbeiter/innen, InklusionsfachkrĂ€fte, Schulpsychologen, BildungsfachkrĂ€fte mit medizinisch-pflegerischer Grundausbildung Maßnahmen und Angebote passgenau fĂŒr den Schulbereich entwickeln.

Ein zusÀtzliches freiwilliges Lernjahr

Ein Teil der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler hat seit dem ersten Lockdown und auch wĂ€hrend der derzeitigen Schulschließungsphase erhebliche Lerndefizite angesammelt, die zwei Schuljahre betreffen und kaum mehr bis Schuljahresende aufgeholt werden können. Hier besteht die große Gefahr, dass diese Kinder und Jugendlichen auch mit einer begleitenden Zusatzförderung im nĂ€chsten Jahr den Anschluss nicht mehr schaffen können und werden.

Auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme ĂŒber den Förderbedarf und der anschließenden intensiven Beratung der Eltern und SchĂŒler, ob und in welcher Form ein freiwilliges zusĂ€tzliches Lernjahr Sinn macht, wird dann eine Entscheidung ĂŒber die Wahrnehmung dieses Zusatzjahres getroffen.

Der DL sieht hierzu zwei Möglichkeiten:

  • Individuelles freiwilliges Wiederholen mit Befreiung von den negativen Folgen einer Pflichtwiederholung sowie eine integrierte Zusatzförderung bei Defiziten aus dem vorangegangenen Schuljahr,
  • Das Angebot fĂŒr Kinder und Jugendliche in eigenen Lerngruppen das Schuljahr zu wiederholen mit einem angepassten Lehrplan, der in erster Linie darauf gerichtet ist, die LernrĂŒckstĂ€nde, die in zwei Jahren entstanden sind, systematisch abzubauen.

Weil der Lehrermehrbedarf fĂŒr die Wiederholungsjahre nur in kleinen Schritten, verteilt ĂŒber ca. 10 Jahre anfallen wird, muss dieses Modell nicht am allgemeinen Lehrermangel scheitern.

Finanzierung und Langfristigkeit

Um diese Herkulesaufgabe schultern zu können, die langfristigen Zukunfts- und Bildungschancen unserer Kinder und Jugendlichen in der Schule trotz und nach Corona zu sichern, bedarf es auch finanziell einer großen Kraftanstrengung, die am besten gemeinsam von Bund und LĂ€ndern, analog dem Digitalpakt, zu schultern ist.

Wir fordern dazu ein Lern- und Bildungsförderprogramm in Höhe von mindestens zwei Milliarden Euro allein fĂŒr den Zeitraum bis Sommer 2022. Ob eine VerlĂ€ngerung notwendig ist, muss rechtzeitig vor Ende des nĂ€chsten Schuljahres geprĂŒft werden.

Verantwortlich: PrÀsidium des Deutschen Lehrerverbands, April 2021

Download als PDF:

Lernförderkonzept DL_April_2021

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FrĂŒher impfen, mehr testen, StufenplĂ€ne verabschieden!

Deutscher Lehrerverband fordert mehr Gesundheitsschutz an Schulen und ein Gesamtkonzept zum Ausgleich von Lerndefiziten!

Über die Weigerung der StĂ€ndigen Impfkommission, LehrkrĂ€fte bei den Impfungen mehr zu priorisieren, zeigen sich die im Deutschen Lehrerverband organisierten LehrerverbĂ€nde (DPhV, VDR, BvLB und KEG) sehr enttĂ€uscht.

Heinz-Peter Meidinger, PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbands, betonte: „Es geht nicht darum, dass LehrkrĂ€fte eher als alte Menschen geimpft werden wollen. Aber wenn es unserer Gesellschaft wichtig ist, Kinder baldmöglichst wieder zurĂŒck in unsere Schulen zu holen und diese zu sicheren Orten zu machen, dann darf man mit der Impfung von LehrkrĂ€ften nicht so lange warten, bis dieses Schuljahr vorbei ist.“ Leider habe aber der Appell der Bundeskanzlerin, die ImpfprioritĂ€t von LehrkrĂ€ften zu ĂŒberprĂŒfen, bislang bei den zustĂ€ndigen Behörden keinerlei Wirkung gezeigt, so Meidinger.

Er verwies auf eine aktuelle Studie der TU Berlin, wonach das Risiko, sich im PrĂ€senzunterricht in vollen Lerngruppen an Schulen anzustecken, um ein Mehrfaches höher sei als in SupermĂ€rkten, in GroßraumbĂŒros und in Museen oder bei Kulturveranstaltungen.

Der Deutsche Lehrerverband mahnte aber auch dringend an, weitere Maßnahmen zum besseren Gesundheitsschutz an Schulen zu ergreifen. DL-Vorsitzender Meidinger nannte neben einem an das regionale Infektionsgeschehen gekoppelten Hygienestufenplan eine qualifizierte Maskenpflicht in KlassenrĂ€umen mit chirurgischen Atemschutzmasken als Mindeststandard, regelmĂ€ĂŸige Schnell-Selbsttestungen von LehrkrĂ€ften und SchĂŒlern wie in Österreich sowie die flĂ€chendeckende AusrĂŒstung von schlecht belĂŒftbaren UnterrichtsrĂ€umen mit Raumluftfilteranlagen. Er betonte: „Nur mit einem solchen Gesundheitsschutzpaket lassen sich Schulöffnungen derzeit verantworten, wenn wir nicht wollen, dass Mutationsvarianten, die sich unter Kinder und Jugendlichen besonders stark verbreiten, den gerade anlaufenden Schulbetrieb schnell wieder lahmlegen.“

Als wenig durchdacht und auch in der Sache kontraproduktiv hat Meidinger die Forderung nach EinfĂŒhrung eines verpflichtenden Samstagsunterrichts bis zum Schuljahresende bezeichnet: „Zum einen kommt die Mehrheit der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler mit dem Distanzunterricht inzwischen gut zurecht, so dass bei diesen kaum große LernlĂŒcken auftreten. FĂŒr die Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die wir im Distanzunterricht nicht erreichen, nĂŒtzt auch digitales Lernen am Samstag nichts. Wir erleben gerade eine Ă€ußerst anstrengende Schulphase fĂŒr LehrkrĂ€fte, SchĂŒler und Eltern, die von allen Beteiligten deutlich mehr Einsatz als sonst erfordert. In einer solchen Situation jetzt noch die notwendige Verschnaufpause am Wochenende zusammenstreichen zu wollen, ist absolut kontraproduktiv. Mit der gegenwĂ€rtigen SchulrealitĂ€t haben solche VorschlĂ€ge wenig zu tun!“

Meidinger forderte allerdings von der Bildungspolitik in allen BundeslĂ€ndern ein Gesamt-konzept ein, wie man die Kinder und Jugendlichen, die wĂ€hrend der Schulschließungen kaum erreicht wurden, so fördern könne, dass sie wieder den Anschluss erreichen. Ein sinnvoller Baustein eines solchen Konzepts sei neben dem freiwilligen Wiederholen das zusĂ€tzliche schulische Angebot besonderer individueller Förderung in ĂŒberschaubaren Lerngruppen. Voraussetzung dafĂŒr seien Lernstandserhebungen und eine intensive Beratung der gefĂ€hrdeten SchĂŒler. Der DL-PrĂ€sident abschließend: „Wir teilen die EinschĂ€tzung absolut nicht, dass dieses Schuljahr fĂŒr die Mehrheit der Kinder verloren ist. Aber es sind zusĂ€tzliche Anstrengungen nötig, um fĂŒr leistungsschwĂ€chere Kinder trotz Corona eine erfolgreiche Fortsetzung der Schullaufbahn und das Erreichen des angestrebten Abschlusses zu sichern.“

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

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Deutscher Lehrerverband unterstĂŒtzt Vorstoß aus Schleswig-Holstein fĂŒr verbindlichen Hygienestufenplan

Der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat den Vorstoß des MinisterprĂ€sidenten von Schleswig-Holstein, Daniel GĂŒnther, fĂŒr einen verbindlichen – an eindeutigen regionalen Inzidenzwerten orientierten – bundesweiten Hygienestufenplan als absolut ĂŒberfĂ€llig und unabdingbar fĂŒr eine verantwortbare Öffnung von Schulen bezeichnet. Dies sei nicht nur ein guter Vorschlag, wie man in Anlehnung an das Infektionsgeschehen die Schulen oder auch die GeschĂ€fte wieder öffnen könne, ein solcher Plan gewĂ€hrleiste auch, dass man bei eventuell wieder steigenden Infektionszahlen nicht wie beim jetzigen zweiten Lockdown zu spĂ€t reagiere.

Der Verbandsvorsitzende betonte: „Dieser Vorschlag entspricht der Forderung der LehrerverbĂ€nde nach einer klaren Orientierung fĂŒr die Schulen, welcher Unterrichtsbetrieb bei welchen Inzidenzzahlen in einer Region möglich ist. Dies gibt den Schulen bei fallenden oder auch steigenden Infektionszahlen die Chance, sich auf den Unterrichtsbetrieb – sei es PrĂ€senz-, Wechsel- oder Distanzunterricht – perspektivisch vorzubereiten. Außerdem ist so eher gewĂ€hrleistet, dass die Balance zwischen Gesundheitsschutz und Bildungsauftrag gewĂ€hrleistet ist und nicht verloren geht!“

Meidinger erneuerte allerdings die dringliche Forderung seines Verbandes, unabhĂ€ngig davon alles zu tun, um Schulen zu sicheren Orten zu machen. Immer noch fehle es an FFP2-Masken, Raumluftfilteranlagen und Maßnahmen zu mehr Gesundheitsschutz auf dem Schulweg, etwa durch Einsatz von mehr Schulbussen.

Eine wichtige Voraussetzung fĂŒr mehr Gesundheitsschutz an Schulen sei außerdem die baldige Impfung von LehrkrĂ€ften. Der DL-PrĂ€sident schloss sich ausdrĂŒcklich der EinschĂ€tzung der baden-wĂŒrttembergischen Kultusministerin an, dass LehrkrĂ€fte bei der ImpfprioritĂ€t eher berĂŒcksichtigt werden mĂŒssten als derzeit vorgesehen. Er betonte abschließend: „Wer will, dass Schulen so bald wie möglich öffnen, muss diese zu sicheren Orten machen. Wenn LehrkrĂ€fte nach dem jetzigen Stand erst gegen Ende des Schuljahres geimpft werden sollen, ist dies absolut kontraproduktiv!“

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

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Gemeinsamer Appell von Kinder- und JugendĂ€rzt/inn/en und LehrkrĂ€ften: Schulen zu sicheren Orten fĂŒr SchĂŒler und LehrkrĂ€fte machen, Schulschließungen vermeiden und die Lebenschancen von Kindern wahren!

Berlin, 02.01.2021 Im Hinblick auf das Treffen der MinisterprĂ€sidentinnen und -prĂ€sidenten mit der Bundeskanzlerin am 5. Januar 2021 appellieren die Deutsche Akademie fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) und der Deutsche Lehrerverband (DL) gemeinsam an die Politik, alles dafĂŒr zu tun, damit Unterricht im neuen Jahr wieder unter verantwortbaren Bedingungen stattfinden kann, obwohl die SARS-CoV-2 Pandemie zunĂ€chst fortbestehen wird.

Den Vorschlag, die Weihnachtsferien bis Ende Januar zu verlĂ€ngern und dafĂŒr die Sommerferien zu verkĂŒrzen, lehnen beide DachverbĂ€nde ab. Dazu sagte der DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger: „Eine VerlĂ€ngerung von Ferien ist nichts anderes als eine weitere Phase der Schulschließung, in der wir Kinder und Jugendliche sich selbst ĂŒberlassen und unseren Bildungsauftrag nicht wahrnehmen. Außerdem fĂŒhren solche VorschlĂ€ge nicht zu mehr VerlĂ€sslichkeit von Schule, sondern zu mehr Verunsicherung!“

Beide Organisationen sind sich einig, dass PrĂ€senzunterricht sowohl zur ErfĂŒllung des Bildungsauftrages als auch unter psychosozialen Gesichtspunkten das Beste fĂŒr Kinder und Jugendliche ist. Dazu sagte der GeneralsekretĂ€r der DAKJ Hans-Iko Huppertz: „Schule und Bildung gehören zu den GrundbedĂŒrfnissen der Kinder. Schulschließung bedeutet auch nachteilige Auswirkungen auf die psychosoziale und motorische Entwicklung, KindeswohlgefĂ€hrdung, Benachteiligung sozial SchwĂ€cherer, GefĂ€hrdung von Kindern mit besonderen Bedarfen und aktuelle BeeintrĂ€chtigung der Gesundheit der Kinder und Jugendlichen.“  

Allerdings sind sich DAKJ und DL bewusst, dass die Frage, in welcher Weise der Schulbetrieb nach den Weihnachtsferien wieder möglich ist, nicht losgelöst vom regionalen und ĂŒberregionalen Infektionsgeschehen betrachtet werden kann. Auch wenn Schulen in der Regel nicht zu den Infektions-Hotspots zĂ€hlen, sind sie Teil des Infektionsgeschehens und Infektionen werden dabei sowohl von außen in die Schulen hineingetragen als auch durch Übertragungen innerhalb der Schule wieder in die Allgemeinheit gestreut.

Gemeinsam fordern die beiden VerbĂ€nde deshalb die Politik auf, jetzt fĂŒr bundeseinheitliche und verbindliche Rahmenbedingungen und zusĂ€tzlichen Gesundheitsschutzmaßnahmen zu sorgen, damit unsere Schulen so bald wie möglich fĂŒr eine RĂŒckkehr zum Unterrichtsbetrieb bestmöglich vorbereitet sind.

Zu den dringlich zu ergreifenden Maßnahmen zĂ€hlen:

  1. Es muss ein bundesweiter Hygienestufenplan etabliert werden, der abhĂ€ngig vom Infektionsgeschehen und der Altersstufe klar festlegt, welche Gesundheitsschutzmaßnahmen notwendig sind und welche schulorganisatorischen Konsequenzen daraus folgen: PrĂ€senzunterricht mit oder ohne Maskenpflicht, Wiederherstellung des Mindestabstands mit Wechselunterricht oder phasenweiser Distanzunterricht. Nochmalige komplette Schulschließungen bzw. FerienverlĂ€ngerungen sollen dadurch vermieden werden. FĂŒr einen solchen Hygienestufenplan hat die DAKJ zusammen mit der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Krankenhaushygiene bereits VorschlĂ€ge erarbeitet.

 

  1. Der Infektionsschutz an Schulen ist deutlich zu verbessern.
  • Alle UnterrichtsrĂ€ume und Lehrerzimmer mĂŒssen belĂŒftbar sein.
  • Der Abstand von 1,5 m zwischen muss bei Wechselunterricht eingehalten werden können.
  • LehrkrĂ€ften sollen zum Gesundheitsschutz in ausreichender Zahl geeignete Atemschutzmasken zur VerfĂŒgung gestellt werden, auch um nicht zu Kontaktpersonen der Kategorie 1 zu werden.
  • Schnellteste auf Infektionen mit SARS-CoV-2 sollen bedarfsorientiert an Schulen vorgehalten werden.
  • Die SanitĂ€ranlagen sollen in einen hygienisch einwandfreien Zustand versetzt werden.
  • Der Transport in Schulbussen und im öffentlichen Personennahverkehr ist unter Hygienegesichtspunkten zu regeln.
  • LehrkrĂ€fte als Hygienebeauftragte sind in jeder Schule vorzusehen.
  • Strukturierte Ausbruchsanalysen bei InfektionsfĂ€llen in der Schule durch das Gesundheitsamt sind verpflichtend. Außerdem sind Schulöffnungen und Schulschließungen durch wissenschaftliche Untersuchungen zu begleiten

Falls möglich sollten Schulen fĂŒr die Einhaltung der Mindestabstandsregeln zusĂ€tzliche RĂ€ume zur VerfĂŒgung gestellt und außerdem deutlich mehr Busse eingesetzt werden, zumal diese derzeit ausreichend verfĂŒgbar sind. Noch ist unklar, wie neue Virusmutanten z.B. die sĂŒdenglische Linie B1.1.7 das Infektionsgeschehen beeinflussen könnten. Aber die gemeinsam empfohlenen Maßnahmen könnten auch bei anderen Mutanten das Infektionsrisiko minimieren.

Das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Bildung und Betreuung sowie ausreichender Gesundheitsschutz fĂŒr LehrkrĂ€fte und SchĂŒler mĂŒssen gleichermaßen berĂŒcksichtigt und gewĂ€hrleistet werden.

Deshalb liegt nach Auffassung von DKAJ und DL der Ball jetzt auf dem Spielfeld der Politik. Die Landesregierungen und der Bund haben die oberste Verpflichtung, deutlich mehr als bisher dafĂŒr zu tun, dass Unterricht ab Ende der Weihnachtsferien wieder möglich wird, damit die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen nicht dauerhaft massiv gefĂ€hrdet werden. Von dem Treffen am 5.1.2021 zwischen den MinisterprĂ€sidenten der LĂ€nder und der Bundeskanzlerin erwarten die beiden VerbĂ€nde jetzt eindeutige, die Rechte der Kinder und die Gesundheit von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern sowie LehrkrĂ€ften berĂŒcksichtigende BeschlĂŒsse.

Prof. Dr. med. Hans-Iko Huppertz, GeneralsekretĂ€r – Deutsche Akademie fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin – Mobil  0170 5821842 – www.dakj.de

Prof. Dr. med. Johannes HĂŒbner, Erster Vorsitzender – Deutsche Gesellschaft fĂŒr PĂ€diatrische Infektiologie – Mobil 0176 24194368

Chausseestr. 128/129 in 10115 Berlin

Heinz-Peter Meidinger, PrĂ€sident – Deutscher Lehrerverband – Mobil 0160/5275608 – Dominicusstr. 3 – 10823 Berlin – www.lehrerverband.de – Anne Schirrmacher, DL-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrerin – Tel. 030 70 09 47 76

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Deutscher Lehrerverband zu den Ergebnissen der Grundschul-TIMSS-Studie 2019: Mit diesen Ergebnissen dĂŒrfen wir uns nicht zufrieden geben!

Dank und Anerkennung hat der DL-PrĂ€sident Heinz-Peter  Meidinger der Bildungsarbeit der deutschen Grundschulen ausgesprochen. Es sei in erster Linie dem Engagement der LehrkrĂ€fte zu verdanken, dass trotz einer immer heterogeneren SchĂŒlerschaft und eines wachsenden Anteils von Kindern mit Migrationsgeschichte das Leistungsniveau einigermaßen stabil gehalten werden konnte, so der Verbandschef.

Er betonte aber auch: „Insbesondere mit den Ergebnissen im Fach Mathematik, die signifikant unter dem Durchschnitt der teilnehmenden OECD- und EU-Staaten liegen, dĂŒrfen wir uns in Deutschland mit Blick auf die Zukunftschancen unserer Kinder nicht zufrieden geben!“

Besonders dramatisch sei der RĂŒckstand Deutschlands bei dem Anteil der besonders leistungsstarken GrundschĂŒler im Fach Mathematik, so Meidinger. Nur 6 Prozent der an der Vergleichsstudie teilnehmenden GrundschĂŒler hĂ€tten die höchste Kompetenzstufe erreicht, im Durchschnitt der OECD-Staaten seien dies dagegen fast doppelt so viele.

Der DL-PrĂ€sident ergĂ€nzte: „Es ist richtig, dass alles versucht werden muss, um besonders leistungsschwache Kinder in der Grundschule verstĂ€rkt zu fördern. Es ist aber falsch, die Leistungsspanne dadurch zu reduzieren, dass leistungsstĂ€rkere Kinder weniger gefördert werden. Zur begabungsgerechten individuellen Förderung gehören Zusatzangebote fĂŒr beide SchĂŒlergruppen.“ Grundvoraussetzung dafĂŒr sei aber, dass endlich der Lehrermangel im Bereich der Primarstufe ĂŒberwunden werde.

Abschließend wies Meidinger darauf hin, dass sich in den Leistungsergebnissen von 2019 noch nicht die Folgen der Schulschließungen und des Wechselbetriebs in diesem Jahr spiegelten. Er verlangte erneut ein Gesamtkonzept von den Landesregierungen zur Sicherung des Kompetenzniveaus und der Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen an allen Schularten in und nach der Coronakrise.

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Deutscher Lehrerverband: Wir brauchen eine gesellschaftliche Initiative und eine pÀdagogische Offensive gegen Cybermobbing

Die heute veröffentliche Studie zum Cybermobbing unter Kindern und Jugendlichen weist nach Ansicht des Deutschen Lehrerverbands auf dringenden politischen und pĂ€dagogischen Handlungsbedarf hin. Die Studie „Cyberlife III“ wurde vom BĂŒndnis gegen Cybermobbing in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse vorgestellt.

DL-PrÀsident Heinz-Peter Meidinger betonte, dass sich die in der Studie aufgezeigte VerschÀrfung des Problems insbesondere bei Kindern zwischen 13 und 17 Jahren auch mit den Beobachtungen und Erfahrungen von LehrkrÀften deckt. Es gebe inzwischen wohl keine Schule in Deutschland, die nicht mit entsprechenden Problemen zu kÀmpfen habe.

Der Verbandschef betonte: „In den sozialen Netzwerken und den zahllosen Klassen-WhatsApp-Gruppen findet tagtĂ€glich tausendfach Mobbing statt, meistens von MitschĂŒlern – leider in den meisten FĂ€llen ohne Kenntnis der Eltern und LehrkrĂ€fte. Vielfach erfahren diese erst davon, wenn der Leidensdruck der Kinder zu groß geworden ist oder ĂŒber Dritte Informationen an die Schulen weitergegeben werden.“

Meidinger forderte eine höhere Aufmerksamkeit fĂŒr diese besorgniserregende Entwicklung und eine gesellschaftliche Offensive gegen Cybermobbing. Viele Kinder und Jugendlichen betrachteten leider immer noch soziale Netzwerke als rechtsfreien Raum und hĂ€tten wenig GespĂŒr fĂŒr die möglichen schlimmen Folgen von Cybermobbing fĂŒr die Betroffenen.

Der DL setzt bei dieser Offensive auf mehr PrĂ€ventionsarbeit an Schulen durch entsprechend qualifizierte und mit zusĂ€tzlichen Zeitressourcen versehene BeratungslehrkrĂ€fte sowie externe Experten, aber auch auf konsequentes Einschreiten und klare Sanktionen gegenĂŒber den TĂ€tergruppen. Eine wichtige Rolle kommt nach Meidinger dabei den Eltern zu, die mit ihren Kindern den stĂ€ndigen Austausch ĂŒber deren AktivitĂ€ten und Erfahrungen im Internet suchen sollten. Der Verbandsvorsitzende unterstrich abschließend: „Wir wĂŒrden es auf jeden Fall begrĂŒĂŸen, wenn bei der BekĂ€mpfung von Cybermobbing zusĂ€tzliche UnterstĂŒtzungsangebote der Ministerien und Schulbehörden bereitgestellt werden. Zudem ist eine klare gesetzliche Regelung des Straftatbestands Cybermobbing wĂŒnschenswert, auch wenn es an den Schulen zunĂ€chst einmal um pĂ€dagogische Lösungen gehen wird!“

Die Studie des BĂŒndnis gegen Cybermobbing und der Techniker Krankenkasse ist unter https://www.tk.de/presse/themen/praevention/medienkompetenz/studie-cybermobbing-2095156 abrufbar.

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

 

Gemeinsame Pressemitteilung der DAK-Gesundheit und des Deutschen Lehrerverbandes: Jede vierte Lehrkraft Burnout-gefÀhrdet

  • Sonder-PrĂ€ventionsradar der DAK-Gesundheit untersucht Belastungen, Sorgen und Ängste in NRW
  • Pandemie sorgt fĂŒr massiven Anstieg der Überstunden
  • PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbandes begrĂŒĂŸt Studie

Hamburg, 26. November 2020. Ängste, Überstunden, Unsicherheit: Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland sind durch die anhaltende Corona-Krise massiv belastet. Jede vierte Lehrkraft ist regelmĂ€ĂŸig emotional erschöpft und zeigt Burnout-Symptome. In den Schulen machen sich 65 Prozent der BeschĂ€ftigten grĂ¶ĂŸere Sorgen um die eigene Gesundheit. Außerdem arbeiten sie im Schnitt pro Woche fast einen Arbeitstag zusĂ€tzlich. Das zeigt eine aktuelle Sonderanalyse „Lehrergesundheit in der Corona-Pandemie“. Sie wurde im Auftrag der DAK-Gesundheit vom Institut fĂŒr Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) in Kiel erstellt. Der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, begrĂŒĂŸt die DAK-Studie. Damit gebe es erstmals eine klare Bestandsaufnahme ĂŒber die Mehrbelastung von LehrkrĂ€ften in Corona-Zeiten, die auch konkreten Handlungsbedarf fĂŒr die Politik aufzeige.

Grundlage der Analyse ist eine umfassende Online-Befragung des IFT-Nord von 2.300 LehrkrĂ€ften verschiedener Schulformen im Oktober 2020 in Nordrhein-Westfalen. Laut Studienleiter Prof. Dr. Reiner Hanewinkel kann die Untersuchung auch auf andere BundeslĂ€nder und Schulen ĂŒbertragen werden, da die Ausnahmesituation und Herausforderungen bundesweit grĂ¶ĂŸtenteils vergleichbar seien.

Gutes Bildungssystem braucht gesunde LehrkrÀfte

In der Befragung geben 90 Prozent der LehrkrĂ€fte an, der Schulunterricht sei im Vergleich zum Vorjahr deutlich anstrengender geworden. GrĂŒnde seien das Durchsetzen der Corona-Maßnahmen bei den SchĂŒlern, der eigene Gesundheitsschutz sowie der Ausfall von Kollegen. 28 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer zeigen eine ausgeprĂ€gte Erschöpfung, die auf einen Burnout hinweisen kann. Ferner habe die Corona-Situation die Symptome verschĂ€rft. „Emotionale Erschöpfung ist ein wesentlicher Risikofaktor fĂŒr Burnout“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Wir erleben aktuell, wie stark die seelische Gesundheit vieler LehrkrĂ€fte unter der Corona-Pandemie leidet. Um die LeistungsfĂ€higkeit des Bildungssystems zu gewĂ€hrleisten, sind gesunde Lehrerinnen und Lehrer eine Grundvoraussetzung. Da Corona noch lĂ€nger ein Thema sein wird, gehört auch die Arbeitssituation der LehrkrĂ€fte unter Pandemie-Bedingungen verstĂ€rkt in den Fokus der Politik.“

DL-PrÀsident Meidinger: Studie zeigt konkreten Handlungsbedarf

Der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Heinz-Peter Meidinger, begrĂŒĂŸt die vorgelegte Studie. Die Untersuchung der DAK-Gesundheit liefere erstmals nicht nur eine klare umfassende Bestandsaufnahme ĂŒber die Mehrbelastung von LehrkrĂ€ften in Corona-Zeiten, sondern zeige auch konkreten Handlungsbedarf auf. Er betont: „Viele LehrkrĂ€fte machen sich Sorgen um ihre eigene Gesundheit und die der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler. Das ist ein Hinweis darauf, dass die gegenwĂ€rtigen Hygieneschutzmaßnahmen nicht ausreichen. Neben der Mehrarbeit erschweren aber auch die fehlenden Vorgaben der Politik und der Personalmangel den Schulalltag in Corona-Zeiten, wie die Befragung zeigt.“

Lehrerinnen und Schulleitung am stÀrksten beeintrÀchtigt

Laut DAK-Studie belastet die Corona-Situation in den Schulen vor allem die weiblichen LehrkrĂ€fte und die Schulleitungen. Rund ein Drittel der Lehrerinnen und Lehrer hat aufgrund der Pandemie Angst, zur Schule zu gehen. 65 Prozent der Befragten machen sich grĂ¶ĂŸere Sorgen um die eigene Gesundheit. Acht von zehn LehrkrĂ€ften belastet die Unsicherheit der kommenden Monate. Die Mehrheit der PĂ€dagogen sorgt sich zudem um die psychische Gesundheit der Schulkinder und den Lernfortschritt ihrer Schulklassen. „Die Situation ist aktuell bundesweit gleich: Die LehrkrĂ€fte stehen vor der Herausforderung, den umfassenden Verhaltensempfehlungen nachzukommen und alle angeordneten Corona-Maßnahmen bestmöglich umzusetzen, beziehungsweise sich selbst und auch andere zu schĂŒtzen“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Hanewinkel vom IFT-Nord. „Diese Pflichten und Herausforderungen fĂŒhren zu Ängsten und Belastungen beim Einzelnen.“ Dazu kommen regelmĂ€ĂŸige Überstunden. 84 Prozent der LehrkrĂ€fte haben das GefĂŒhl, im Schuljahr 20/21 Corona-bedingt mehr zu arbeiten. Im Durchschnitt leisten Lehrerinnen und Lehrer sechs Überstunden pro Woche – bei Schulleitungen sind es neun Stunden.

Innovationsschub fĂŒr das digitale Lernen

Die LehrkrĂ€fte wĂŒnschen sich in der Corona-Krise vor allem klare und einheitliche Vorgaben vom Ministerium. Sie wollen, dass ihnen ausreichend Schutzmittel und technische GerĂ€te zur VerfĂŒgung gestellt werden und sich in den Schulen ein höherer Arbeitsschutz durchsetzt. Gleichzeitig fordern die Lehrerinnen und Lehrer mehr Fortbildungen zum Distanzlernen oder fĂŒr digitales Lernen. „Es reicht nicht, LĂŒftungskonzepte zu entwickeln“, betont Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Wir mĂŒssen die Corona-Krise auch als einen Innovationsschub fĂŒr die Digitalisierung unserer Schulen begreifen.“

Die DAK-Gesundheit ist mit 5,6 Millionen Versicherten die drittgrĂ¶ĂŸte Krankenkasse Deutschlands und engagiert sich besonders fĂŒr Kinder- und Jugendgesundheit.

Der Deutsche Lehrerverband vertritt ĂŒber seine BundesverbĂ€nde DPhV, VDR, BvLB und KEG insgesamt etwa 165 000 LehrkrĂ€fte in der Bundesrepublik Deutschland. FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

Den ausfĂŒhrlichen Ergebnisbericht zur Studie finden Sie unter https://www.dak.de/dak/bundesthemen/corona-krise-jede-vierte-lehrkraft-burnout-gefaehrdet-2389006.html#/.

Veröffentlicht unter Presse

Appell des Deutschen Lehrerverbands anlĂ€sslich des morgigen Treffens von Bund und LĂ€ndern zur FortfĂŒhrung von Corona-BeschrĂ€nkungen:

Wir brauchen mehr Gesundheitsschutz an Schulen und ein umfassendes Konzept zur langfristigen Sicherung von Unterricht und BildungsqualitÀt!

Das PrĂ€sidium des Deutschen Lehrerverbandes hat das Fehlen klarer Richtlinien fĂŒr den Umgang von Schulen mit der Pandemie bei steigenden Infektionszahlen mit Blick auf das Treffen der MinisterprĂ€sidenten mit der Bundeskanzlerin beklagt. DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger betonte: „Schulen können sich von stark gestiegenen Infektionszahlen in der Gesamtbevölkerung nicht abkoppeln. Wir mĂŒssen die Balance zwischen Bildungsauftrag und Gesundheitsschutz neu finden.“ Notwendig sei nach Auffassung des DL bei fehlender Abstandswahrung eine bundesweite Maskenpflicht auch im Unterricht zumindest an weiterfĂŒhrenden Schulen sowie eine WiedereinfĂŒhrung des Abstandsgebots an Schulen in Hotspot-Gebieten.

Der DL forderte die BundeslĂ€nder auf, wieder HygienestufenplĂ€ne in Kraft zu setzen, die klar regeln, ab welchen Inzidenzzahlen in einer Region Handlungsbedarf besteht, also z. B. der Mindestabstand im Unterricht wieder eingefĂŒhrt werden muss.

Das PrĂ€sidium des DL hielt in einem einstimmigen Beschluss fest: „Wir sind der Überzeugung, dass es kein Einheitskonzept und keine auf alle Schulen passenden identischen Lösungen gibt. Es muss vor Ort abhĂ€ngig vom regionalen Infektionsgeschehen, vom Alter der Kinder und Jugendlichen, der Schulart, den rĂ€umlichen, organisatorischen Gegebenheiten und der digitalen Ausstattung differenziert, flexibel und angemessen reagiert werden, dabei ist den Schulleitungen in Absprache mit den SchultrĂ€gern und GesundheitsĂ€mtern ein großer Handlungsspielraum einzurĂ€umen.“

DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger betonte: „Es ist besser, jetzt flexible Alternativmodelle zum kompletten PrĂ€senzunterricht vorzuhalten und einzufĂŒhren, als demnĂ€chst wie in anderen LĂ€ndern vor dem Infektionsgeschehen zu kapitulieren und die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler wieder komplett in den Distanzunterricht schicken zu mĂŒssen. Gerade wegen der Tatsache, dass Kinder oft keine Symptome entwickelten, aber trotzdem Infektionen weitergeben könnten, brĂ€uchten Schulen erhöhte Hygieneschutzmaßnahmen! Jetzt hat man noch die Chance, kontrolliert zu bremsen, um eine Vollbremsung, also komplette Schulschließungen zu vermeiden.“

Der DL hat eine Reihe von Handlungsfeldern identifiziert (Abstandswahrung, Hybridunterricht, Atemschutzmaskenpflicht, LĂŒftungskonzepte, feste Lerngruppen, QuarantĂ€neregelungen, Schnelltests, Impfstrategien), bei denen umgehend Maßnahmen ergriffen werden mĂŒssen, angepasst an die BedĂŒrfnisse der einzelnen Schulen, um SchĂŒlerinnen, SchĂŒler und LehrkrĂ€fte zu schĂŒtzen und gleichzeitig eine bestmögliche Bildung der Kinder und Jugendlichen unter den gegebenen Bedingungen sicherzustellen.

Abschließend forderte der DL-PrĂ€sident von der Kultusministerkonferenz:

  • die baldige Entwicklung von Unterrichtskonzepten
  • den Ausbau der digitalen Lernplattformen der BundeslĂ€nder
  • niedrigschwellige Zugangsmöglichkeiten zum Internet fĂŒr SchĂŒlerinnen und SchĂŒler
  • zusĂ€tzliches Lehrpersonal fĂŒr die Verkleinerung der Lerngruppen
  • ein umfassendes langfristiges Lernkonzept fĂŒr die Schulen.

Die Maßnahmen, um UnterrichtsqualitĂ€t und Gesundheitsschutz in der gegenwĂ€rtigen Situation zusammenzubringen, finden sich hier auf der Webseite des Deutschen Lehrerverbandes unter https://www.lehrerverband.de/mehr-sicherheit-fur-schuler-und-lehrkrafte/.

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Veröffentlicht unter Presse

Mehr Sicherheit fĂŒr SchĂŒler und LehrkrĂ€fte!

Wir brauchen dringend Maßnahmen fĂŒr einen besseren Gesundheitsschutz und ein umfassendes Konzept, wie BildungsqualitĂ€t in Corona-Zeiten auch langfristig gesichert werden kann!

Die Corona-Schulpolitik der meisten BundeslĂ€nder ist gekennzeichnet durch fehlende langfristige Konzepte. Es braucht aber einen langfristigen Plan durch die Corona-Krise, um Eltern, LehrkrĂ€fte, Kinder und Jugendliche nicht tagtĂ€glich durch neue Maßnahmen zu verunsichern bzw. sich weiter das Handeln durch kurzfristiges Reagieren auf InfektionsverlĂ€ufe diktieren zu lassen. VernĂŒnftige und ausgewogene Maßnahmen mĂŒssen sich am Ziel, Gesundheitsschutz und Bildung gleichermaßen zu gewĂ€hrleisten, orientieren.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen schon vor Beginn des eigentlichen Winters fordern der Deutsche Lehrerverband und seine MitgliedsverbĂ€nde DPhV, VDR, BvLB und KEG die Regierungen der BundeslĂ€nder auf, den Schulen und somit den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern und den LehrkrĂ€ften sowie den darĂŒber hinaus betroffenen Familien endlich angemessenen Gesundheitsschutz zuzugestehen. WĂ€hrend ĂŒberall in der Gesellschaft die Kontakte vermindert und AbstĂ€nde eingehalten werden sollen, sitzen in Klassenzimmern Mitglieder aus oft 30 Haushalten fĂŒr lĂ€ngere ZeitrĂ€ume auf engem Raum zusammen, und das tagtĂ€glich und in unterschiedlichen Zusammensetzungen, ohne Abstand und vielfach auch ohne Atemschutzmasken. Auch in den Fahrzeugen des ÖPNV auf dem Weg zur Schule kann Abstand oft nicht gewĂ€hrleistet werden, und es treffen viele JahrgĂ€nge aufeinander.

Wer in einem Monat, in dem es um das Brechen der zweiten Corona-Welle geht, die Schulen aus den Handlungsoptionen fast komplett ausblendet, handelt fahrlĂ€ssig und riskiert, dass demnĂ€chst umso hĂ€rtere Maßnahmen drohen. Jetzt hat man noch die Chance, kontrolliert zu bremsen, um eine Vollbremsung, also komplette Schulschließungen zu vermeiden.

Der Deutsche Lehrerverband fordert, dass die Politik fĂŒr angemessenen Gesundheitsschutz sorgt und sich nicht mit der auch aus Sicht der Wissenschaft unhaltbaren Annahme herausredet, dass Schulen vom Infektionsgeschehen nicht betroffen seien. Zahlreiche Menschen ohne Abstand ĂŒber grĂ¶ĂŸere ZeitrĂ€ume in nicht selten schlecht belĂŒftbaren RĂ€umen – das ist fĂŒr Corona-Viren ein idealer NĂ€hrboden. 

Wir fordern die Wiederinkraftsetzung von HygienestufenplĂ€nen, die klar regeln, ab welchen Inzidenzzahlen in einer Region Handlungsbedarf besteht, also z.B. der Mindestabstand im Unterricht wieder eingefĂŒhrt werden muss.

Der Deutsche Lehrerverband ist der Überzeugung, dass es kein Einheitskonzept und keine auf alle Schulen passenden identischen Lösungen gibt. Es muss vor Ort abhĂ€ngig vom regionalen Infektionsgeschehen, vom Alter der Kinder und Jugendlichen, der Schulart, den rĂ€umlichen, organisatorischen Gegebenheiten und der digitalen Ausstattung differenziert und angemessen reagiert werden, dabei ist den Schulleitungen in Absprache mit den SchultrĂ€gern und den GesundheitsĂ€mtern ein großer Handlungsspielraum einzurĂ€umen. Feste Ansprechpartner fĂŒr Schulen an den GesundheitsĂ€mtern sind dabei ein wichtiger Baustein.

Es ist besser, jetzt flexible Alternativmodelle zum kompletten PrĂ€senzunterricht vorzuhalten und einzufĂŒhren, als demnĂ€chst wie in anderen LĂ€ndern vor dem Infektionsgeschehen zu kapitulieren und die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler wieder komplett in den Distanzunterricht schicken zu mĂŒssen.

Der DL hat folgende Handlungsfelder identifiziert, bei denen umgehend Maßnahmen ergriffen werden mĂŒssen, angepasst an die BedĂŒrfnisse der einzelnen Schulen, um SchĂŒlerinnen, SchĂŒler und LehrkrĂ€fte zu schĂŒtzen und gleichzeitig eine bestmögliche Bildung der Kinder und Jugendlichen unter den gegebenen Bedingungen sicherzustellen:

Gesundheitsschutz von SchĂŒlerinnen, SchĂŒlern und LehrkrĂ€ften:

  • Abstand halten – dies kann, je nach Schule und Schulform durch unterschiedliche Maßnahmen erreicht werden:
    • Verkleinerung der Klassen – in den Klassen sind weniger Personen, was automatisch dazu fĂŒhrt, dass die AbstĂ€nde im Klassenraum wieder eingehalten werden können, die Aerosolbelastung wĂ€hrend des Unterrichts geringer ist und besser durch LĂŒften vermindert werden kann.
    • Wo nicht zusĂ€tzliche RĂ€ume und Lehr-/Aufsichtspersonal zur VerfĂŒgung stehen, muss der Unterricht der reduzierten Gruppen im Wechsel erfolgen – im optimalen Fall digital unterstĂŒtzt, aber auch ein Wechselunterricht, bei dem die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler im PrĂ€senzunterricht mit Aufgaben fĂŒr zuhause ausgestattet werden, ist einer vollstĂ€ndigen Schulschließung vorzuziehen.
    • Wechselunterricht fĂŒhrt auch dazu, dass die problematische ÜberfĂŒllung von Schulbussen auf dem Weg zu Schule vermieden wird.
    • Wechselunterricht und zeitweises Distanzlernen in Ă€lteren JahrgĂ€ngen einer Schule kann ermöglichen, dass die Schule den PrĂ€senzunterricht fĂŒr die jĂŒngeren, noch nicht so selbstĂ€ndigen JahrgĂ€nge in grĂ¶ĂŸerem Ausmaß aufrechterhalten kann, weil die entsprechenden RĂ€ume zur VerfĂŒgung stehen.
    • Bei fehlender Möglichkeit zur Einhaltung der AbstĂ€nde sollte in allen BundeslĂ€ndern die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung auch im Unterricht gelten, um wenigstens den gegenseitigen Schutz der Anwesenden durch Masken zu gewĂ€hrleisten.
  • Feste Lerngruppen, keine Durchmischung
    • WĂ€hrend vorgeschlagen wird, dass Haushalte möglichst nur noch Kontakt mit einem weiteren Haushalt haben, begegnen sich Kinder und Jugendliche nicht nur im Unterricht im Klassenverband, sondern hĂ€ufig auch in jahrgangsĂŒbergreifenden Lerngruppen in neuer Zusammensetzung zur Nachmittags- und Hausaufgabenbetreuung – dies muss vermieden werden.
    • Auch auf dem Weg zur Schule, vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln, werden durch die Anzahl der Kinder und Jugendlichen und die Enge in den Fahrzeugen die Distanzregeln und die Regeln fĂŒr in sich geschlossene Kontaktgruppen oft ad absurdum gefĂŒhrt. Hier können versetzte Anfangszeiten, wo organisatorisch möglich, sowie reduzierte LerngruppengrĂ¶ĂŸen im Wechselbetrieb Entlastung bringen.
  • LĂŒftungskonzepte:
    • Das LĂŒften eines eng besetzten Raumes in kurzer Zeit hat Grenzen, erst recht, wenn sich nicht alle Fenster öffnen lassen und sich damit kein optimaler Luftzug zum QuerlĂŒften herstellen lĂ€sst. StĂ€ndige LĂŒftungspausen wĂ€hrend des Unterrichts tragen zudem nicht zu einer guten LernatmosphĂ€re bei.
    • Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bestimmte LĂŒftungssysteme und Kombinationen von LĂŒftungsgerĂ€ten und TrennwĂ€nden zwischen den Personen in einem Raum die Aerosolbelastung deutlich vermindern. WĂ€hrend an vielen ArbeitsstĂ€tten entsprechende GerĂ€te angeschafft werden, bleibt der Bildungsbereich in dieser Hinsicht in vielen BundeslĂ€ndern außen vor, obwohl fĂŒr SchĂŒlerinnen, SchĂŒler und LehrkrĂ€fte der Schutz an diesem Ort, an dem sie mehrere Stunden des Tages verbringen, genauso wichtig ist.
  • Angemessene verlĂ€ssliche und transparente Regelungen zu QuarantĂ€nemaßnahmen
    • Der DL ist der Auffassung, dass es angesichts der Aerosolproblematik nicht ausreichend ist, bei InfektionsfĂ€llen nur die Sitznachbarn in QuarantĂ€ne zu schicken, auch wenn Maskenpflicht im Unterricht bestand.Dagegen erscheint uns der Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums, zwar grundsĂ€tzlich bei Infektionen die ganze Lerngruppe in QuarantĂ€ne zu schicken, nach negativem Schnelltest diese aber bereits nach fĂŒnf Tagen zu beenden, als ĂŒberlegens- und begrĂŒĂŸenswert.
  • Schnelltests
    • Schnelltests bieten zwar keine hundertprozentige Genauigkeit, können aber unbemerkte, symptomlose Infektionen aufdecken und InfektionsausbrĂŒche an Schulen verhindern helfen – vor allem, wenn das Infektionsgeschehen gerade besonders die jĂŒngeren Altersgruppen betrifft.
    • Vor allem nach den Weihnachtsferien können Schnelltests einen Start der Schulen ermöglichen, der etwas Sicherheit fĂŒr alle Beteiligten bietet.
    • Schnelltest sind auch fĂŒr ganze Schulen punktuell zu empfehlen, um bessere Orientierung ĂŒber das Infektionsgeschehen an Schulen im Kontext mit den Inzidenzzahlen in der Umgebung zu erhalten.
  • Impfungen
    • Positive Nachrichten aus dem Bereich der Impfstoffentwickler machen Hoffnung darauf, dass ein Impfstoff in gewissem Maße bereits im Lauf des 2. Halbjahrs des aktuellen Schuljahrs zur VerfĂŒgung stehen könnte. Risikogruppen und Personen, die im Gesundheitssystem tĂ€tig sind, mĂŒssen selbstverstĂ€ndlich als erstes geschĂŒtzt werden – bei den darauffolgenden Impfungen sollten LehrkrĂ€fte und Mitglieder der Schulverwaltung aber auf jeden Fall ebenfalls besonders berĂŒcksichtigt werden.
  • Schutz der LehrkrĂ€fte vor Überlastung
    • Die vielfĂ€ltigen AnsprĂŒche an die LehrkrĂ€fte – Gestaltung verschiedener Unterrichtsformen, zusĂ€tzliche Aufsichtspflichten, die Vereinbarung von Unterricht und Wissensvermittlung auf der einen und die Durchsetzung von Gesundheitsschutzmaßnahmen auf der anderen Seite, oft im Konflikt mit Eltern oder SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern – fĂŒhren teilweise jetzt schon zu Überlastung von Lehrerinnen und Lehrern.
    • Maßnahmen, die PrĂ€senzunterricht in der Schule ermöglichen, oder auch die EinfĂŒhrung von Wechsel- oder Distanzunterricht mĂŒssen immer auch danach bewertet werden, inwieweit sie von den vorhandenen LehrkrĂ€ften umgesetzt werden können.

Langfristige Sicherstellung der BildungsqualitÀt auch in QuarantÀne-Zeiten:

    • Entwicklung von Unterrichtskonzepten, die das Lernen durch digitale Medien unterstĂŒtzen, um modernen Unterricht zu gestalten und zu gewĂ€hrleisten.
    • Ausbau der digitalen Infrastruktur: Zwar hat die digitale Ausstattung von Schulen, LehrkrĂ€ften, SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern seit Beginn der Pandemie an Fahrt aufgenommen, aber es fehlt noch an vielen Schulen an der Infrastruktur und an GerĂ€ten, Betreuung der IT durch FachkrĂ€fte, Weiterbildung der LehrkrĂ€fte – die digitale Ausstattung der Schulen ist noch lange nicht abgeschlossen und die bisher bereitgestellten Mittel können nur der Anfang sein. 
    • Dies gilt auch fĂŒr den Ausbau der digitalen Lernplattformen der BundeslĂ€nder – LehrkrĂ€fte mĂŒssen sich bei Wechselunterricht und Distanzunterricht auf digitale UnterstĂŒtzung bei VideoĂŒbertragung, bei Bereitstellung von digitalem Unterrichtsmaterial und durch Chatfunktionen etc. verlassen können. Der Ausbau der Plattformen ist auch notwendig, damit sich LehrkrĂ€fte und SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in einem datenschutzrechtlich sicheren Raum bewegen können.  
    • SchĂŒlerinnen und SchĂŒler brauchen niedrigschwellige Zugangsmöglichkeiten zum Internet, vor allem, wenn z.B. WLAN aus finanziellen GrĂŒnden in der Familie nicht vorhanden ist.
    • ZusĂ€tzliches Lehrpersonal wird benötigt, um einerseits eine Verkleinerung der Lerngruppen dauerhaft zu ermöglichen – dies wird auch beim Nachholen der Bildungsinhalte nach der Corona-Krise helfen. ZusĂ€tzlichen Bedarf an pĂ€dagogischem Personal braucht es auch, um SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern zusĂ€tzliche Lernangebote nachmittags und in den Ferien zu machen.
    • Wie schon das zweite Halbjahr des vergangenen Schuljahrs, so wird auch das Schuljahr 2020/21 ein schwieriges sein. SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sollen ihre Bildungsbiographie ohne Lerndefizite und Kompetenzverluste fortsetzen können, daher hilft es ihnen nicht, wenn fĂŒr dieses Jahr alle Noten gestrichen werden wĂŒrden oder die Versetzung fĂŒr alle ungeachtet der Leistungen gilt.
    • Der Deutsche Lehrerverband fordert ein umfassendes langfristiges Lernkonzept fĂŒr die Schulen, das ĂŒber das letzte und dieses Schuljahr hinausgreift sowie auch den großen zeitlichen Druck mindert, der auf allen Beteiligten derzeit lastet. Unterrichtsinhalte, Anzahl der Leistungsnachweise und Inhalte der jeweiligen AbschlussprĂŒfungen können im Sinne einer Schwerpunktsetzung der Situation entsprechend vorĂŒbergehend angepasst werden. Der Handlungsspielraum innerhalb der rechtlichen Strukturen kann dabei ausgenutzt werden. Zu prĂŒfen ist im Einzelfall, ob ein freiwilliges Wiederholungsjahr sinnvoll sein kann, um Lerndefizite zu beheben. Gleichzeitig mĂŒssen wir alles dafĂŒr tun, dass die AbschlussqualitĂ€t und das qualifizierte Übertrittsverfahren in hoher QualitĂ€t erhalten bleiben. So erhalten SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern eine faire Chance im Hinblick auf ihr schulisches und damit berufliches Fortkommen.

Dieses Papier zum Download als PDF: UnterrichtsqualitÀt und Gesundheitsschutz

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