Für mehr Bildungsgerechtigkeit: Konsequent in Personal, Professionalität und Prävention investieren
Der Deutsche Lehrerverband fordert angesichts der Ergebnisse des Chancenmonitors 2026 ein klares Handeln in der Bildungspolitik: mehr gezielte frühe Förderung, verbindliche und flächendeckende Sprachstandsdiagnostik vor der Einschulung, ausreichend Zeit für individuelle Förderung von Jungen und Mädchen in der Schule sowie eine konsequente Stärkung der professionellen Arbeitsbedingungen von Lehrkräften. Bildungsgerechtigkeit darf nicht länger ein Schlagwort bleiben, sondern muss im Alltag der Schulen spürbar werden: Durch Qualität im Unterricht, realistische Klassengrößen, multiprofessionelle Teams und eine an der pädagogischen Praxis orientierte Bildungspolitik.
„Wer mehr Bildungsgerechtigkeit will, muss endlich konsequent in Personal, Professionalität und Prävention investieren, beginnend bei der Kita bis zum Schulabschluss“, betont Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands „Strukturdebatten helfen den Kindern nicht. Entscheidend ist, dass Lehrkräfte die Zeit, die Unterstützung und die Ausbildung haben, um individuell fördern zu können.“
Laut Chancenmonitor 2026 hängt der Bildungserfolg in Deutschland noch immer von sozialer Herkunft, Einkommen und familiären Voraussetzungen ab. Gleichzeitig macht ein Blick auf die Elterngeneration heutiger Schülerinnen und Schüler deutlich, dass pauschale Erklärungen über soziale Herkunft zu kurz greifen. Über die Hälfte der 25- bis 45-Jährigen – also der heutigen Eltern – besitzt inzwischen eine Hochschulzugangsberechtigung, während nur eine Minderheit maximal einen Hauptschulabschluss aufweist. Bildung ist für viele Familien selbstverständlich geworden.
Alarmierend ist allerdings das Zurückbleiben von Jungen, das sich in allen sozialen Gruppen zeigt und sich im Verlauf der Schulzeit weiter verstärkt.
„Dass Jungen quer durch alle sozialen Schichten geringere Bildungschancen haben und im Laufe der Schulzeit weiter zurückfallen, ist ein ernstes bildungspolitisches Warnsignal“, so Düll. „Das dürfen wir nicht hinnehmen. Schule muss ein Ort sein, an dem Begabungen unabhängig von Startbedingungen und Geschlecht erkannt und entwickelt werden.“
Zugleich warnt der Deutsche Lehrerverband vor einer zu engen Fixierung auf das Gymnasium als vermeintlich einzigen Königsweg. Inzwischen wird rund ein Drittel der Hochschulzugangs-berechtigungen über berufliche Schulen erworben – etwa über berufliche Gymnasien oder Fachoberschulen. Damit zeigt sich deutlich: Es gibt mehrere gleichwertige Wege zur Hochschulreife und zum Studium.
„Diese Vielfalt der Bildungswege ist eine Stärke des deutschen Bildungssystems und sollte stärker anerkannt werden“, erklärt Düll. „Gerade in Bundesländern wie Bayern mit einer starken Realschule und einem gesellschaftlich anerkannten Realschulabschluss entscheiden sich Eltern teilweise bewusst für diesen Weg – selbst dann, wenn eine Abiturempfehlung vorliegt. Das geschieht nicht aus Bildungsferne, sondern aus der Überzeugung, dass ein praxisnaher und beruflich orientierter Bildungsweg für das eigene Kind sinnvoller sein kann.“
Bildungspolitik muss deutlich machen, dass erfolgreiche Bildungsbiografien auch jenseits des Gymnasiums möglich sind und gesellschaftliche Anerkennung verdienen.
„Unser Ziel muss es sein, jedem Kind einen passenden Bildungsweg zu eröffnen – leistungsorientiert, durchlässig und frei von sozialen Verzerrungen“, so Stefan Düll abschließend. „Der Chancenmonitor zeigt klar: Dafür ist jetzt entschlossenes und praxisnahes politisches Handeln notwendig.“
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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Stefan Düll über presse@lehrerverband.de bzw. über 0151-10 92 68 48.
Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Die Diskussion um eine Schüler-ID wird seit einiger Zeit geführt und das Konzept oft als Lösung für verschiedene Herausforderungen im Bildungsbereich gesehen. Allerdings fehlt bei der Verwendung des Stichworts „Schüler-ID“ bislang eine klare Zieldefinition.
„Gemeinsam mit unserem breiten Netzwerk von Partnern aus Medien und Bildung werben wir dafür, dass in Deutschland bis 2030 jedes Schulkind auf ein verbindliches und zeitgemäßes Unterrichtsangebot zur Vermittlung von Informations- und Nachrichtenkompetenz vertrauen kann. Die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Lehrerverband ist dabei von herausragender Bedeutung“, begrüßt Meinolf Ellers, Geschäftsführer der UseTheNews gGmbH die Kooperation.
„In Zeiten von Desinformation und breitflächiger Verwendung von KI ist Demokratiebildung ohne Medienbildung undenkbar“, betont Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. „Schülerinnen und Schüler müssen lernen, Informationen kritisch zu hinterfragen, Quellen zu prüfen und zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden. Lehrkräfte brauchen hier die Unterstützung durch Weiterbildung und durch Angebote externer Fachleute z.B. aus dem Journalismus für Unterrichtsbesuche und Projekttage – das macht die Netzwerkarbeit der Bildungsinitiative #UseTheNews so wertvoll.“
Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands (DPhV), der vor allem Gymnasiallehrkräfte vertritt, hebt hervor: „Demokratiebildung braucht eine fachliche und fächerübergreifende Verankerung in den Lehrplänen sowie schulorganisatorische Spielräume. Umfassende Medienkompetenz und Demokratiebildung, wie beispielsweise die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz, sind dazu auch in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung zu vermitteln.“
Ralf Neugschwender vom Verband Deutscher Realschullehrer VDR führt aus: „Demokratiebildung und Medienbildung sind für Schülerinnen und Schüler vor dem Hintergrund von Verschwörungsmythen und Fake-News wichtiger denn je geworden. Demokratiebildung braucht Zeit, Raum und feste Verankerung im Schulalltag – die Lehrkräfte müssen in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft die jungen Menschen auf ihrem Weg zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern bestmöglich unterstützen.“
Pankraz Männlein und Dr. Sven Mohr, Bundesvorsitzende des Verbands der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB), unterstreichen die Bedeutung der beruflichen Bildung: „Die beruflichen Schulen sind für einen großen Teil der jungen Menschen die letzte schulische Station, an der auf ihr demokratisches Bewusstsein noch eingewirkt werden kann. Deshalb benötigen auch unsere Lehrkräfte entsprechende Fortbildungen für fächerübergreifende Medien- und Demokratiebildung sowie Unterstützung durch außerschulische Kooperationspartner. Ebenso wichtig ist eine entsprechend zeitgemäße digitale Ausstattung der Schulen, wie z. B. mit Lehr-Lern-Landschaften, um auch selbstgesteuerte, motivierende und soziale Lernkulturen zu fördern.“
Gerlinde Kohl, Bundesvorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG), hebt hervor: „Nachrichten und digitale Medien sind im Alltag von Kindern fester Bestandteil und können sie mit Inhalten konfrontieren, die sie überfordern. Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist die Begleitung durch Erwachsene entscheidend, damit Kinder das Gehörte und Gesehene altersgerecht verarbeiten und einen kritischen Umgang mit Medien lernen. Medienexpertinnen und -experten können dabei sowohl Kinder als auch Erwachsene unterstützen, um eine verantwortungsbewusste Mediennutzung zu fördern.“
Der Deutsche Lehrerverband schließt sich dem Call for Action der Bundesschülerkonferenz „Uns geht’s gut?“ mit Nachdruck an: Schulen in Deutschland brauchen endlich deutlich mehr Unterstützungspersonal! Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Stefan Düll, betont: „Viele Lehrkräfte möchten ihre Schülerinnen und Schüler aufmerksam begleiten, haben dafür aber schlicht nicht genug Zeit. Deshalb fordern wir als Deutscher Lehrerverband mehr Fachkräfte in Verwaltung und IT, damit Lehrkräfte wieder mehr Raum für pädagogische Arbeit haben. Außerdem plädieren wir für zusätzliche Kolleginnen und Kollegen aus der Schulsozialarbeit und Schulpsychologie. Pilotstudien belegen, dass auch Gesundheitsfachkräfte an Schulen positive Wirkungen zeigen. Diese multiprofessionelle Zusammenarbeit stärkt gezielt die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.“
Die Pressemitteilung sowie das Material zur Kampagne der Bundesschülerkonferenz finden Sie unter
Am Wochenende gab es gegen drei Schulen im Kreis Wesel Drohungen in den sozialen Medien. Und am Sonntag hatte eine 14-Jährige für Montag eine Amoktat an Schulen in Velbert über eine Messenger-App angedroht. In beiden Fällen finden Ermittlungen statt, aber es droht laut den Behörden keine konkrete Gefahr, so dass der Unterricht weiterhin stattfindet. Laut aktuellen Presseberichten am Dienstag hat die 14-Jährige ausgesagt, sie habe die Amokdrohung „aus Spaß“ geschrieben.