„Je suis prof!“

Meidinger: „Ein Angriff auf die Aufgaben von Schule in einer Demokratie und unsere demokratischen Werte insgesamt!“

Mit Bestürzung und großer Trauer hat der Deutsche Lehrerverband mit seinen Mitgliedsverbänden auf den Mord an dem französischen Lehrer Samuel Paty reagiert.

DL-Präsident Meidinger erklärte: „Als Vertreter der deutschen Lehrkräfte sind wir entsetzt über diesen Mord an einem französischen Kollegen, dem nichts anderes zum Verhängnis geworden ist, als dass er seine Pflicht erfüllt hat, nämlich Kindern und Jugendlichen die Werte der Demokratie, Meinungsfreiheit, Menschenwürde und Toleranz zu vermitteln und näher zu bringen. Wir erklären uns solidarisch mit den Lehrkräften und allen Trauernden in unserem Nachbarland!“

Der Verbandsvorsitzende betonte, dass die Tat als Angriff gegen die zentrale Aufgabe der Schule als Ort der Wertevermittlung in einer demokratischen Gesellschaft gerichtet war und auch so verstanden werden müsse. Er ergänzte: „Deshalb ist es so wichtig, dass Politik und Gesellschaft hinter ihren Lehrkräften und deren für die Zukunft unserer Demokratie so eminent bedeutsamem Bildungsauftrag stehen! Auch hierzulande gibt es von verschiedenen Seiten immer wieder politisch oder religiös motivierte Versuche, Lehrkräfte einzuschüchtern, zu bedrohen bzw. an den Pranger zu stellen. Unterricht und demokratische Werteerziehung dürfen für Lehrkräfte nicht zur Mutprobe werden! Wir sagen: Wehret den Anfängen!“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Neue KMK-Verwaltungsvereinbarung:

Nach Ansicht des DL-Präsidenten Heinz-Peter Meidinger hat die KMK mit ihrer aktuell vorgelegten neuen Verwaltungsvereinbarung die große Chance vergeben, einen Bildungsstaatsvertrag auf den Weg zu bringen, der endlich das Bildungswesen in Deutschland auf eine sichere, gemeinsame gesetzliche Grundlage mit detaillierten Regelungen stellt.

Meidinger betonte: „Insgesamt muss man der KMK attestieren, dass sie vor einem Jahr mit dem Plan eines großen Bildungsstaatsvertrag als Löwe losgesprungen und jetzt mit einer Einigung auf kleinstem gemeinsamen Nenner in einer einfachen Ländervereinbarung mit vielen vagen Absichtserklärungen als Bettvorleger gelandet ist Damit wurde von der KMK eine historische Chance verspielt, endlich konkret und verbindlich die Vergleichbarkeit und die Qualität im deutschen Bildungssystem sicher zu stellen und zu erhöhen. Die neue Verwaltungsvereinbarung bringt nur in wenigen Teilbereichen Fortschritte und verbleibt bei den meisten zentralen Fragen der Abschlüsse, der Schulstruktur und Lehramtsausbildung sowie der Qualitätssicherung im Vagen und Allgemeinen!“

Zwar begrüße der DL die Verabredung eines Rechtschreibrahmens für die Grundschule und das Ziel, mehr Angleichung in der Vorabiturphase zwischen den Ländern zu erreichen. Aber gerade die Absprache, ab 2023 50 Prozent der Abituraufgaben in den Kernfächern aus dem Aufgabenpool zu entnehmen, bleibe wirkungslos, wenn anschließend die Länder weiter einseitig ihre Bewertungsrahmen ändern dürften, wie dies in der Vergangenheit ständig geschehen ist.

Meidinger führte aus: „Wenn es schon als Erfolg ausgegeben werde, dass die KMK „die Überprüfung der Möglichkeit einheitlicher Namensgebung für die Schularten“ verabredet habe, dann ist das zutiefst ernüchternd. Wir befürchten, dass die neue Verwaltungsvereinbarung keinen Fortschritt auf dem Weg zu mehr Vergleichbarkeit, mehr Qualität und mehr Mobilität im deutschen Schulsystem bringen wird. Es bleibt auch fraglich, ob damit die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts für ein vergleichbares Abitur in Deutschland erfüllt werden können.“

Wenig Wirkungskraft verspricht sich der DL zudem von der geplanten Einrichtung eines wissenschaftlichen Beirats, bei dem ausdrücklich alle von Schule direkt Betroffenen, also Vertreter von Eltern, Schülern und Lehrkräften außen vor bleiben sollen. „Das mag für die KMK bequemer sein, die Akzeptanz für vorgeschlagene Konzepte wird es aber nicht erhöhen!“ unterstrich der DL-Vorsitzende abschließend.

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Expertengespräch der KMK

Meidinger: Nur Bayern handelt verantwortungsbewusst, alle anderen Bundesländer vernachlässigen ihre Fürsorgepflicht gegenüber Schülern und Lehrkräften!

Grenzenlos enttäuscht hat sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, über die Ergebnisse des Expertengesprächs der Kultusministerkonferenz über Lüftungskonzepte an Schulen gezeigt. Er betonte: „Man muss es so hart sagen: Die Kultusministerkonferenz kommt ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den Lehrkräften und ihrer Verantwortung gegenüber dem Gesundheitsschutz der Schülerinnen und Schüler ein weiteres Mal in keiner Weise ausreichend nach!“

Der Verbandsvorsitzende betonte, dass es im Augenblick vor allem darum gehe, nach Wegfall der Abstandswahrung im Klassenzimmer sowie bei signifikant ansteigenden Infektionszahlen und der Erwartung einer zweiten Welle im Herbst und Winter wirksame kompensatorische MaĂźnahmen zum Hygieneschutz in Klassenzimmern zu veranlassen.

Er erläuterte: „Das größte Problem wird die Aerosolbelastung sein. Wenn jetzt die KMK betont, dass Stoßlüften alle 20 Minuten in der Regel genügt, dann geht diese Einschätzung völlig an der Schulrealität vorbei. Tatsache ist, dass bei einem großen Teil der Klassenzimmer keine effektive Querlüftung möglich ist, u. a. deshalb, weil Fenster nicht oder nur spaltweise zu öffnen sind. Dazu kommt, dass intensives Stoßlüften bei Starkregen und Minusgraden kaum durchführbar ist“.

Es sei deshalb erschreckend, wenn die KMK in ihrer Presseerklärung nach dem Experten­gespräch, zu dem gegenüber dem Hygienekonzept der KMK sehr kritisch eingestellte Lehrerverbände wie der Deutsche Lehrerverband gar nicht erst eingeladen waren, zu dem Schluss kommt, dass mobile Luftreinigungsgeräte „grundsätzlich nicht nötig“ sind.

Meidinger betonte: „Die Kultusministerkonferenz nimmt damit in Kauf, dass Schüler und Lehrkräfte bei einer zweiten Infektionswelle in den Unterrichtsräumen völlig unzureichend geschützt sein werden. Allein Bayern nimmt die Fürsorgepflicht ernst und hat 50 Millionen Euro zum Kauf von Luftfilteranlagen und CO2-Ampeln angekündigt. Es ist zu hoffen, dass ungeachtet des Nichtstuns der KMK wenigstens einzelne Länder jetzt handeln und ähnliche Programme auflegen. Ich sehe nicht ein, warum ausgerechnet beim Gesundheitsschutz an Schulen geknausert und gespart wird, wenn in anderen Bereichen die Millionen deutlich lockerer sitzen!“

Letztendlich, so der Verbandschef abschließend, gefährdet die Bildungspolitik in den Bundesländern damit das Ziel, nochmalige flächendeckende Schulschließungen zu verhindern. Ein Blick in andere Länder zeige gerade, was auch Deutschland wieder bevorstehen könnte.

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Bundeshauptausschuss des Deutschen Lehrerverbands

DL fordert schnelles Internet fĂĽr alle Schulen und klare einheitliche Standards fĂĽr den Infektionsschutz

Mit überwältigender Mehrheit ist der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, auf der Bundeshauptausschuss-Sitzung des Dachverbandes von den Delegierten für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigt worden. Ebenso wurde der Schatzmeister des DL, Dominik Berdin, mit über 90 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Als Vizepräsidenten fungieren die Vorsitzenden der Mitgliedsverbände Prof. Susanne Lin-Klitzing (DPhV), Joachim Maiß sowie Wolfgang Lambl (BvLB), Jürgen Böhm (VDR) und Gerlinde Kohl (KEG). Meidinger führt den Verband ehrenamtlich und leitete bis zum 01.08.2020 das Robert-Koch-Gymnasium in Deggendorf.

Außerdem verabschiedeten die Delegierten einstimmig eine aktualisierte Fassung des 10-Punkte-Plans des Deutschen Lehrerverbands, der die Anforderungen und die Zielvorstellungen für einen wirksamen und zukunftsorientierten Unterricht während und nach Corona formuliert. Der DL fordert einen digital unterstützten Präsenzunterricht, für dessen Verwirklichung allerdings noch einige Voraussetzungen fehlen.

Im Nachgang der Wahl begrüßte der neugewählte Vorsitzende die Ergebnisse des gestrigen Bildungsgipfels, auch wenn dabei wenig Neues herausgekommen sei. Meidinger betonte: „Es ist begrüßenswert, dass jetzt mehr Klarheit herrscht hinsichtlich der schnellen Finanzierung der zugesagten Dienst-Laptops für alle Lehrkräfte. Mehr Tempo erwarten wir uns bei der Ausstattung aller deutschen Schulen mit schnellen Internetzugängen, eine Grundvoraussetzung für die Digitalisierung in Schulen. Die Umsetzung vor Ort – die Mittel des Digitalpakts sind ja schon bereitgestellt – muss deutlich beschleunigt werden. Wir brauchen diese Glasfaser- und Breitbandanschlüsse jetzt sofort und nicht erst in einem Jahr.“

Sinnvoll sei auch, so der wiedergewählte Verbandschef, dass die Teilnehmer des Bildungsgipfels endlich die Schaffung einer bundesweiten Bildungs- und Lernplattform sowie die Einrichtung digitaler Kompetenzzentren anstreben, um die Schulen vor Ort bei diesem Umstrukturierungsprozess zu unterstützen.

Klar sei aber auch, so Meidinger, dass durch Digitalisierung allein kein besserer Unterricht entstehe, entscheidend für Lernerfolge von Schülerinnen und Schülern sei nach wie vor die pädagogisch-fachdidaktische Kompetenz der einzelnen Lehrkraft.

Mit Blick auf die morgige Expertentagung der Kultusministerkonferenz forderte der DL-Präsident, dass man sich endlich auf einheitliche Stufenpläne zum Hygieneschutz in allen Bundesländern verständige. Außerdem reiche der Aufruf an die Schulen, mehr zu lüften, nicht aus. Diese bräuchten auch geeignete technische Unterstützung durch Luftfilteranlagen, CO2-Ampeln und Ventilatoren.

Meidinger betonte abschließend: „Auf Deutschland und damit auch Deutschlands Schulen rollt eine neue Infektionswelle zu. Wenn bei vollgestopften Klassenzimmern der Abstand nicht eingehalten werden kann, brauchen wir effektive kompensatorische Maßnahmen, sollen Schulen nicht zu Infektionshotspots werden. Da gibt es dringenden Handlungsbedarf. Das Schlechteste wäre, wenn wegen eines unkontrollierbaren Infektionsgeschehens an Schulen diese wieder großflächig geschlossen werden müssten. Das gilt es unter allen Umständen zu vermeiden!“

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Aktualisierte Fassung September 2020

Der Deutsche Lehrerverband und seine Mitgliedsverbände DPhV, VDR, BvLB und KEG sehen die Politik in der Pflicht, Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen möglichst guten Verlauf des Schuljahrs in Zeiten von Corona gewährleisten. Die wichtigen Erfahrungen aus der Krise sollten für das Bildungssystem nutzbar gemacht werden. Dazu fordert der Deutsche Lehrerverband die Umsetzung des folgenden 10-Punkte-Plans!

Die Lehrerverbände hoffen, dass die Quote der Infektionen gering genug liegt, um Präsenzunterricht mit möglichst geringem Risiko von Infektionsclustern abzuhalten. Nach wie vor darf die bestehende Gefahr eines wieder zunehmenden Infektionsgeschehens allerdings nicht unterschätzt werden.

Der Deutsche Lehrerverband und seine Mitglieder fordern daher deutlich umfassendere Innovationen in grundlegenden pädagogischen, technischen, gesundheitsrelevanten und schulorganisatorischen Rahmenbedingungen, die zeitnah umgesetzt werden sollten, als nur die bisher vorgestellten Hygienestandards und Stufenpläne.

Ihre gemeinsamen Forderungen an die Kultusminister und Landesregierungen für einen unter den jetzigen Rahmenbedingungen möglichst optimalen Schulbetrieb haben das Präsidium und der Bundeshauptausschuss des Deutschen Lehrerverbandes im folgenden 10-Punkte-Plan zusammengefasst:

10 Punkte-Plan des DL fĂĽr Unterricht mit (und nach) Corona

  1. Ziel ist der digital unterstützte Präsenzunterricht als Regelfall (Plan A) auf der Basis von neu zu erarbeitenden didaktischen Konzepten. Moderner Unterricht verlangt den Einsatz von digitalen Medien. Dazu müssen sämtliche Schulen zeitnah so instand gesetzt werden, dass alle Lehrkräfte mit allen Schülern mit den zur Verfügung gestellten digitalen Endgeräten rechtssicher und daten­schutzkonform über die digitale Plattform der Schule kommunizieren und lehrplanbezogen interagieren können. Im Notfall kann der digital unterstützte Präsenzunterricht aufgrund der von Kultus- und Gesundheitsbehörden regional beurteilten Infektionslage durch Fernunterricht phasenweise ersetzt werden (Plan B) – mit Teilnahmepflicht und klaren Vorgaben für Leistungserhebungen und -bewertungen.
  2. Für den digital unterstützten Präsenzunterricht müssen neben dem Regel­unterricht dauerhaft Förderangebote zur Verfügung gestellt werden, um Schülerinnen und Schüler bedarfsorientiert beim Erreichen der angestrebten Bildungsstandards zu unterstützen. Dazu bedarf es der Nutzung aller vorhandenen personellen Ressourcen, um durch größere Lehrerreserven an den Schulen bessere Fördermöglichkeiten und Differenzierungsangebote zu schaffen. Das bedeutet eine schulartspezifische Einstellung zum kommenden Schuljahr über Bedarf bis zu 130 Prozent ebenso wie den Einsatz erheblicher zusätzlicher finanzieller Mittel, um auch kurzfristig deutlich mehr freiwillige Förderangebote zur Verfügung zu stellen.
  3. Der digital unterstützte Präsenzunterricht gemäß Plan A ist angepasst an die jeweilige regionale Infektionslage schulart- und altersspezifisch durchzuführen.
  4. Für die verlässliche Planung des neuen Schuljahrs müssen die Länder die Voraussetzungen für wöchentliche freiwillige Corona-Testungen der Lehrkräfte (und Schüler) an der Schule sowie einen Visierschutz zur Verfügung stellen. Praxistaugliche und aerosolvermindernde Lüftungskonzepte müssen zur Ver­fügung stehen, sonst kann kein voller Präsenzunterricht stattfinden. Dies gebietet die Fürsorgepflicht des Staates als Arbeitgeber gegenüber seinen Lehrkräften.
  5. Bildung- und Leistungsstandards dürfen nicht abgesenkt werden, sondern die Curricula und die Prüfungen sind kompetenzorientiert vollständig zu erfüllen. Schulen und Lehrkräfte entscheiden über die Art und Quantität von Fördermaßnahmen vor Ort. Jede Schule erhält dafür ein zusätzliches Budget.
  6. Freiwillige Wiederholungen auch zur Hälfte des Schuljahres sollten als flexibles Instrument ermöglicht und von Schülerinnen und Schülern als solches genutzt werden, um kumulierte Lernrückstände nicht erst am Ende des Schuljahres aufholen zu müssen.
  7. Digitale Sprechstunden zwischen Lehrkräften, Eltern und Schülern sollten in das Unterrichtsdeputat integriert und besonders für potenziell versetzungsgefährdete Schüler und deren Eltern sowie für interessierte Eltern und Schüler durchgeführt werden.
  8. Das Zusammenwirken von Eltern, Lehrkräften und Schülern ist zu stärken und besser zu organisieren, um Polarisierungen vorzubeugen und um für die gemeinsame Bewältigung von Krisensituationen besser gerüstet zu sein.
  9. Das Referendariat ist in allen Bundesländern auf die ursprüngliche Dauer von zwei Ausbildungsjahren anzuheben, damit Referendare sowohl dem erhöhten Anforderungsprofil im Lehrerberuf genügen wie auch für bedarfsorientierten Förderunterricht für Schüler zur Verfügung stehen.
  10. Lebenslanges Lernen wird nur gelingen, wenn sich Schule als Teil der Gesellschaft inhaltlich mit den Hintergründen der Pandemie auseinandersetzt und Resilienz entwickelt, mögliche weitere Krisen zu bewältigen. Hierfür müssen Schulen neue Inhalts- und Organisationskonzepte entwickeln.

Je nach Infektionslage kann es immer wieder z. B. regional oder an einzelnen Schulen oder für einzelne Klassen vorkommen, dass eine Verlagerung des Unterrichts von der Anwesenheit im Schulgebäude auf Distanzlernen mit Hilfe von Online-Medien stattfinden muss. „Ein digital gestützter Präsenzunterricht ermöglicht Flexibilität“, erläutert der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, und fordert: „Alle Schulen müssen schnellstmöglich in die Lage versetzt werden, mit digitalen Endgeräten rechtssicher und datenschutzkonform über die digitale Plattform der Schule kommunizieren und lehrplanbezogen interagieren zu können. Digital gestützter Präsenzunterricht in den Schulen kann so im Fall der Fälle ziemlich nahtlos auf digital unterstützten Fernunterricht umgestellt werden.“

Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR), betont: „Es ist wichtig und vordringlich, eventuelle Defizite, Wissenslücken oder Unterschiede im Lernstand der Schülerinnen und Schüler zu klären und auszugleichen. Es ist eine enorme und sehr verantwortungsvolle Aufgabe, bedarfsorientiert ent­sprechende Förderangebote und Differenzierungsmöglichkeiten anzubieten.“ Dazu benötige man Lehrkräfte über das übliche Maß und Budget hinaus. Die Ministerien sollten für die Schulen die finanziellen und personellen Ressourcen vorhalten, um z. B. durch integrierte Lehrerreserven auch einen Plan B mit Präsenz- und Fernunterricht im regionalen Notfall schnell und unbürokratisch umsetzen zu können.

Neben den Lerninhalten im Präsenzunterricht und über digitale Wege steht in der aktuellen weltweiten Corona-Krise auch der Gesundheitsschutz der Schulfamilie im Fokus. „Lehrkräfte, Verwaltungspersonal und Schülerinnen und Schüler haben einen Anspruch auf Infektionsprävention! Die Länder und Schulträger müssen im Rahmen ihrer Fürsorgeverpflichtung die Voraussetzungen für wöchentliche freiwillige Corona-Testungen schaffen und praxistaugliche und aerosolvermindernde Lüftungskonzepte vorhalten“, fordert der stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB), Wolfgang Lambl. „Außerdem sind digitale Sprechstunden zwischen Lehrkräften, Eltern, Ausbildenden und Schülern gerade in Zeiten des Abstandshaltens ein zusätzlicher Weg, um eine bessere Kommunikation zu gewährleisten – damit Lehrkräfte dieses Kommunikationsangebot anbieten können, muss das Unterrichtsdeputat um mindestens eine Stunde abgesenkt werden.“

So notwendig die schnelle Ausstattung in technischer und hygienischer Hinsicht in der aktuellen Situation ist, müssen die Schulen aber andererseits auch langfristig gestärkt werden, um für zukünftige Krisen gerüstet zu sein. „Noch bis vor 20 Jahren waren sich alle Bundesländer erfreulicherweise ungebrochen einig: Schüler brauchen gut ausgebildete Lehrkräfte und der Vorbereitungsdienst umfasste deshalb überall zwei Ausbildungsjahre. Richtig so!“, urteilt die DPhV-Vorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing und fordert eine Rückkehr zum 24-monatigen Referendariat, das in allen Ländern bis auf Bayern z. T. erschreckend heruntergekürzt wurde, und das obwohl die Anforderungen unbestritten stetig gestiegen sind. „Geben Sie sich angesichts der erhöhten Anforderungen an den Lehrerberuf den nötigen Ruck und kehren Sie zum 24-monatigen Referendariat für die kommenden Referendarsjahrgänge zurück“, fordert Lin-Klitzing die Kultusminister der Länder auf, „damit der Lehrernachwachs endlich wieder richtig gut ausgebildet vor die Klassen treten kann, im ersten Ausbildungsjahr für Förderunterricht für Schüler zur Verfügung steht und im zweiten Ausbildungsjahr gut vorbereitet zunehmend Verantwortung für ganze Klassen übernimmt!“

Gerlinde Kohl von der Katholischen Erziehergemeinschaft KEG weist darauf hin, dass Schulen in der Zukunft neue Inhalts- und Organisationskonzepte und Resilienz entwickeln müssen, um mögliche weitere Krisen bewältigen zu können und zum lebenslangen Lernen anzuleiten. „Lebenslanges Lernen bedeutet Bildungsarbeit, die Reflexion und Veränderungsprozesse anregt. Lebenslanges Lernen will Transformation mit Blick auf Nachhaltigkeit und fordert starke Institutionen“, unterstreicht die KEG-Bundesvorsitzende den 10-Punkte-Plan für den Unterricht mit (und nach) Corona des Deutschen Lehrerverbandes.

Deutscher Lehrerverband zur Bitkom-Umfrage:

Als wenig überraschend und bereits weitgehend bekannt hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, die heute präsentierten Ergebnisse der Meinungs­umfrage im Auftrag des IT-Lobbyverbands BITKOM bezeichnet, der über 2500 Software­firmen und IT-Unternehmen vertritt. In der Tat hätten die Schulschließungen vor Augen geführt, dass in Punkto digitale Ausstattung, IT-Infrastruktur und Lernplattformen die Bundesländer ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.

Der Verbandsvorsitzende verwies ferner darauf, dass digitale Fortbildungsangebote ins Leere liefen, wenn die fortgebildeten Lehrkräfte ihre neu erworbenen Kompetenzen nicht nutzen könnten, weil an den Schulen die entsprechenden Voraussetzungen nicht vorhanden seien.

Der Deutsche Lehrerverband, so Meidinger, unterstütze die Forderungen der Bitkom nach einer schnelleren Umsetzung des Digitalpakts und einer flächendeckenden, alle Schulen umfassenden professionellen Betreuung der IT-Systeme.

Gleichzeitig übte Meidinger aber auch Kritik am Design der im Auftrag der Bitkom erfolgten Befragung, die einseitig auf die Frage der technischen Ausstattung ausgerichtet sei. Er betonte: „Entscheidend ist, inwieweit durch die Verwendung digitaler Technik auch ein pädagogischer Mehrwert und ein höherer Lernerfolg erreicht werden kann. Deshalb unterstützen wir als Lehrerverband die Erarbeitung von Medienkonzepten an allen Schulen, die einen kritisch reflektierten Einsatz digitaler Medien und Tools zum Ziel haben. Außerdem haben wir beim Lockdown gesehen, dass selbst ein gut funktionierender Distanzunterricht nie für alle Schülerinnen und Schüler mit allen Voraussetzungen die Effektivität eines hochqualitativen Präsenzunterrichts erreicht.“

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Meidinger fordert eine Verringerung der Arbeitsbelastung von Lehrkräften in allen Schularten

Deutschland ist aufgrund der hohen Beschäftigungs- und Berufschancen von Absolventen des beruflichen Schulwesens auch beim Thema Bildungsgerechtigkeit im internationalen Vergleich deutlich besser aufgestellt als viele andere Länder – dies zeige auch der neue OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“, so der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger.

Mit einer Beschäftigungsquote von fast 90 Prozent für junge Menschen mit beruflichem Abschluss liegt die berufliche Bildung gleichauf mit den Beschäftigungschancen von Universitätsabsolventen.

Meidinger forderte in diesem Zusammenhang massive Anstrengungen der Politik und der Wirtschaft, auch in Zeiten von Corona diesen Wettbewerbsvorteil zu erhalten. „Der aktuelle Rückgang von angebotenen Ausbildungsplätzen ist hier ein Warnzeichen, das uns hellhörig machen muss!“ betonte der Verbandschef und bezweifelte, ob die im aktuellen Konjunkturpaket dafür vorgesehenen Maßnahmen ausreichten, um diesen Rückgang aufzuhalten.

Hinsichtlich der von der OECD vorgelegten Daten zur Lehrerbezahlung und der Arbeitsbelastung von Lehrkräften erklärte der DL-Präsident:

„Es ist richtig, dass die Einstiegsbezahlung von Lehrkräften sowohl im Primar- als auch im Sekundarschulbereich signifikant über dem Durchschnitt der OECD-Staaten liegt. Es wird aber auch klar, dass im internationalen Vergleich in Deutschland im Laufe des Berufslebens einer Lehrkraft nur sehr geringe Gehaltszuwächse erwartet werden können, die Aufstiegs- und Beförderungschancen also sehr gering sind.

Dazu kommt die im Vergleich zum Ausland sehr hohe Arbeitsbelastung, die deutlich über dem OECD-Mittel liegt. Ich wundere mich deshalb nicht, dass trotz einer relativ guten Einstiegsbezahlung derzeit viel zu wenig junge Menschen das Lehramt anstreben. Ohne eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, eine Verringerung der Unterrichtsdeputate und bessere Aufstiegschancen werden wir die Attraktivität des Lehrberufs in Deutschland kaum steigern können!“

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Zum BDA-Positionspapier „Lehrerbildung verbessern“

Als insgesamt recht konstruktiven Beitrag der BDA, der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, hat das Präsidium des Deutschen Lehrerverbands die 9 Forderungen der BDA „Lehrerbildung verbessern“ vom August 2020 gewürdigt. DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger betonte: „Wir begrüßen es, dass sich die BDA für eine Stärkung und einen höheren Stellenwert der Lehrerbildung an den Universitäten einsetzt. In vielen Punkten können wir die Forderungen unterstützen, so etwa nach einer wirksamen Bekämpfung des Lehrermangels, besseren Rahmenbedingungen für Lehrertätigkeit und auch mehr Ressourcen für digitale Unterrichtsmedien und die entsprechende Ausbildungs- und Fortbildungskapazitäten. Eine qualitativ hochwertige Lehrerbildung ist die notwendige Grundlage und letztendlich auch der Garant bestmöglicher Bildungs- und Lernergebnisse!“

Auch Vizepräsidentin Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing unterstützt ganz klar die Forderung der BDA an die Kultusministerien und Kommunen, besser für die räumliche und sächliche Ausstattung der Schulen zu sorgen. Gerade die aktuelle Corona-Krise habe gezeigt, wie viel hier noch im Argen liege.

„Konkretere Forderungen hätte ich mir allerdings für die universitäre Lehrerbildung gewünscht“, so die DPhV-Vorsitzende und Vizepräsidentin Lin-Klitzing, „denn dort mangelt es an digitalen fachdidaktischen Angeboten in Forschung und Lehre. Der Kern der Lehrerbildung muss die Bildung im Fach sein. Die Universität muss sich in ihren Lehrangeboten den fachdidaktischen Herausforderungen angesichts der Digitalisierung stellen: Was verändert sich beispielsweise im Fach Chemie, wenn nicht mehr im Labor, sondern digital experimentiert wird? Was verändert sich in historischen und geisteswissenschaftlichen Fächern, wenn angesichts der Digitalisierung anders und weltweit vernetzt auf Quellen zugegriffen werden kann? Was bedeutet das für den schulischen Unterricht? Hier können die Studienseminare in der schulpraktischen Ausbildungsphase manches kompensieren, aber nicht alles.“

Eine entschiedene Gegenposition nimmt der DL allerdings zur BDA-Forderung nach Abschaffung des Staatsexamens in der Lehrerbildung ein. Dies bekräftigte Vizepräsident Jürgen Böhm, Vorsitzender des Realschullehrerverbands VDR:

„Glücklicherweise halten viele Bundesländer noch am Staatsexamen für das allgemeinbildende Schulwesen fest. Die Umstellung auf das Bachelor-Master-System hat der Lehrerbildung nicht gut getan und auch vielfach zu einer Verkürzung des Referendariats und damit zu Qualitätseinbußen geführt. Der DL fordert ein Referendariat von 24 Monaten in allen Bundesländern und in allen Lehramtsstudiengängen. Auch die Forderung nach Lehrkräften mit nur einem Unterrichtsfach lehnen wir ab!“

Vizepräsidentin und KEG-Vorsitzende Gerlinde Kohl ergänzte, dass eine qualitativ hochwertige Lehrerbildung auch einen wichtigen Beitrag dazu leisten könnte, dass Schule und Lehrkräfte bei der Bewältigung von Krisen wie der Corona-Epidemie zukünftig noch besser aufgestellt seien. Je kompetenter und besser Lehrkräfte ausgebildet seien, desto flexibler und methodisch differenzierter könnten sie auf Krisensituationen reagieren.

Vizepräsident und stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands der Lehrkräfte für Berufsbildung BvLB Wolfgang Lambl unterstützte die Forderung im BDA-Papier nach funktionsfähigen digitalen Plattformen, die umfassendes digitales Lernen ermöglichen sollen. Er verwies in diesem Zusammenhang abschließend auf den 10-Punkte-Plan des DL zur Zukunft der Bildung auch nach Corona, worin der digital unterstützte Präsenzunterricht als Unterrichtsmodell der Zukunft beschrieben werde.

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Das Konzept „Gut gerüstet ins neue Schuljahr: 10-Punkte-Plan für Unterricht mit (und nach) Corona“ des Deutschen Lehrerverbandes finden Sie unter https://www.lehrerverband.de/10-punkte-plan-mit-und-nach-corona/

Das BDA-Positionspapier „Lehrerbildung verbessern“ ist abrufbar unter https://www.arbeitgeber.de/www/arbeitgeber.nsf/res/BDA-Position%20Lehrerbildung.pdf/$file/BDA-Position%20Lehrerbildung.pdf

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608. Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Deutscher Lehrerverband fordert mehr als nur das Aufstellen von Hygienestandards von der KMK

Der Deutsche Lehrerverband und seine Mitgliedsverbände DPhV, VDR, BvLB und KEG sehen die Politik in der Pflicht, im nächsten Schuljahr Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen möglichst guten Verlauf des kommenden Schuljahrs in Zeiten von Corona gewährleisten. Für das neue Schuljahr sollten die wichtigen Erfahrungen aus der Krise für das Bildungssystem nutzbar gemacht werden. Dazu fordert der Deutsche Lehrerverband die Umsetzung des folgenden 10-Punkte-Plans!

Die Lehrerverbände hoffen, dass die Quote der Infektionen gering genug liegt, um Präsenzunterricht mit möglichst geringem Risiko von Infektionsclustern abzuhalten. Nach wie vor darf die bestehende Gefahr eines wieder zunehmenden Infektionsgeschehens allerdings nicht unterschätzt werden.

Der Deutsche Lehrerverband und seine Mitglieder fordern daher deutlich umfassendere Innovationen in grundlegenden pädagogischen, technischen, gesundheitsrelevanten und schulorganisatorischen Rahmenbedingungen, die zu Beginn des neuen Schuljahrs umgesetzt sein sollten, als nur die heute von der KMK vorgestellten Hygienestandards für das neue Schuljahr.

Ihre gemeinsamen Forderungen an die Kultusminister und Landesregierungen für einen unter den jetzigen Rahmenbedingungen möglichst optimalen Schulstart im Herbst hat das Präsidium des Deutschen Lehrerverbandes in folgendem 10-Punkte-Plan zusammengefasst:

10 Punkte-Plan des DL fĂĽr Unterricht mit (und nach) Corona

  1. Ziel ist der digital unterstützte Präsenzunterricht als Regelfall (Plan A) auf der Basis eines neu zu erarbeitenden didaktischen Konzeptes. Moderner Unterricht verlangt den Einsatz von digitalen Medien. Dazu müssen sämtliche Schulen in den Sommerferien 2020 so instand gesetzt werden, dass alle Lehrkräfte mit allen Schülern mit den zur Verfügung gestellten eigenen digitalen Endgeräten rechtssicher und datenschutzkonform über die digitale Plattform der Schule kommunizieren und lehrplanbezogen interagieren können. Im Notfall kann der digital unterstützte Präsenzunterricht aufgrund der von Kultus- und Gesundheitsbehörden regional beurteilten Infektionslage durch Fernunterricht phasenweise ersetzt werden (Plan B) – mit Teilnahmepflicht, verbindlich zu erreichenden Kompetenzzielen und klaren Vorgaben für Leistungserhebungen und -bewertungen.
  2. Für den digital unterstützten Präsenzunterricht im Schuljahr 2020/21 müssen neben dem Regelunterricht dauerhaft Förderangebote zur Verfügung gestellt werden, um Schülerinnen und Schüler bedarfsorientiert beim Erreichen der angestrebten Bildungsstandards zu unterstützen. Dazu bedarf es der Nutzung aller vorhandenen personellen Ressourcen, um durch größere Lehrerreserven an den Schulen bessere Fördermöglichkeiten und Differenzierungsangebote zu schaffen. Das bedeutet eine schulartspezifische Einstellung zum kommenden Schuljahr über Bedarf bis zu 130 Prozent ebenso wie den Einsatz erheblicher zusätzlicher finanzieller Mittel, um auch kurzfristig deutlich mehr freiwillige Förderangebote zur Verfügung zu stellen.
  3. Der digital unterstützte Präsenzunterricht gemäß Plan A ist angepasst an die jeweilige regionale Infektionslage schulart- und altersspezifisch durchzuführen.
  4. Für die verlässliche Planung des neuen Schuljahrs müssen die Länder die Voraussetzungen für wöchentliche freiwillige Corona-Testungen der Lehrkräfte (und Schüler) an der Schule sowie einen Visierschutz zur Verfügung stellen. Praxistaugliche und aerosolvermindernde Lüftungskonzepte müssen zwei Wochen vor Schulbeginn zur Verfügung stehen, sonst kann kein voller Präsenzunterricht stattfinden. Dies gebietet die Fürsorgepflicht des Staates als Arbeitgeber gegenüber seinen Lehrkräften.
  5. Bildung- und Leistungsstandards dürfen nicht abgesenkt werden, sondern die Curricula und die Prüfungen sind kompetenzorientiert vollständig zu erfüllen. Schulen und Lehrkräfte entscheiden über die Art und Quantität von Fördermaßnahmen vor Ort. Jede Schule erhält dafür ein zusätzliches Budget.
  6. Freiwillige Wiederholungen auch zur Hälfte des Schuljahres sollten als flexibles Instrument ermöglicht und von Schülerinnen und Schülern als solches genutzt werden, um kumulierte Lernrückstände nicht erst am Ende des Schuljahres aufholen zu müssen.
  7. Digitale Sprechstunden zwischen Lehrkräften, Eltern und Schülern sollten in das Unterrichtsdeputat integriert und wöchentlich zweistündig für potentiell versetzungsgefährdete Schüler und deren Eltern sowie für interessierte Eltern und Schüler durchgeführt werden. Dazu ist das Unterrichtsdeputat um mindestens eine Stunde abzusenken.
  8. Das Zusammenwirken von Eltern, Lehrkräften und Schülern ist zu stärken und besser zu organisieren, um Polarisierungen vorzubeugen und um für die gemeinsame Bewältigung von Krisensituationen besser gerüstet zu sein.
  9. Das Referendariat ist in allen Bundesländern auf die ursprüngliche Dauer von zwei Ausbildungsjahren anzuheben, damit Referendare sowohl dem erhöhten Anforderungsprofil im Lehrerberuf genügen wie auch für bedarfsorientierten Förderunterricht für Schüler zur Verfügung stehen.
  10. Lebenslanges Lernen wird nur gelingen, wenn sich Schule als Teil der Gesellschaft inhaltlich mit den Hintergründen der Pandemie auseinandersetzt und Resilienz entwickelt, mögliche weitere Krisen zu bewältigen. Hierfür müssen Schulen neue Inhalts- und Organisationskonzepte entwickeln.

Da bisher niemand voraussagen kann, wie sich nach Schulstart das Corona-Infektionsgeschehen entwickelt, kann es je nach Infektionslage immer wieder z. B. regional oder an einzelnen Schulen oder für einzelne Klassen vorkommen, dass eine Verlagerung des Unterrichts von der Anwesenheit im Schulgebäude auf Distanzlernen mit Hilfe von Online-Medien stattfinden muss. „Ein digital gestützter Präsenzunterricht ermöglicht Flexibilität“, erläutert der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, und fordert: „In der verbleibenden Zeit bis zum Beginn des nächsten Schuljahres müssen alle Schulen in die Lage versetzt werden, mit digitalen Endgeräten rechtssicher und datenschutzkonform über die digitale Plattform der Schule kommunizieren und lehrplanbezogen interagieren zu können. Digital gestützter Präsenzunterricht in den Schulen kann so im Fall der Fälle ziemlich nahtlos auf digital unterstützten Fernunterricht umgestellt werden.“

Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR), betont: „Im neuen Schuljahr ist es wichtig und vordringlich, eventuelle Defizite, Wissenslücken oder Unterschiede im Lernstand der Schülerinnen und Schüler zu klären und auszugleichen. Es ist eine enorme und sehr verantwortungsvolle Aufgabe, bedarfsorientiert entsprechende Förderangebote und Differenzierungsmöglichkeiten anzubieten.“ Dazu benötige man Lehrkräfte über das übliche Maß und Budget hinaus. Die Ministerien sollten für die Schulen die finanziellen und personellen Ressourcen vorhalten, um z. B. durch integrierte Lehrerreserven auch einen Plan B mit Präsenz- und Fernunterricht im regionalen Notfall schnell und unbürokratisch umsetzen zu können.

Neben den Lerninhalten im Präsenzunterricht und über digitale Wege steht in der aktuellen weltweiten Corona-Krise auch der Gesundheitsschutz der Schulfamilie im Fokus. „Lehrkräfte, Verwaltungspersonal und Schülerinnen und Schüler haben einen Anspruch auf Infektionsprävention! Die Länder und Schulträger müssen im Rahmen ihrer Fürsorgeverpflichtung die Voraussetzungen für wöchentliche freiwillige Corona-Testungen schaffen und praxistaugliche und aerosolvermindernde Lüftungskonzepte vorhalten“, fordert der stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB), Wolfgang Lambl. „Außerdem sind digitale Sprechstunden zwischen Lehrkräften, Eltern, Ausbildenden und Schülern gerade in Zeiten des Abstandshaltens ein zusätzlicher Weg, um eine bessere Kommunikation zu gewährleisten – damit Lehrkräfte dieses Kommunikationsangebot anbieten können, muss das Unterrichtsdeputat um mindestens eine Stunde abgesenkt werden.“

So notwendig die schnelle Ausstattung in technischer und hygienischer Hinsicht in der aktuellen Situation ist, mĂĽssen die Schulen aber andererseits auch langfristig gestärkt werden, um fĂĽr zukĂĽnftige Krisen gerĂĽstet zu sein. „Noch bis vor 20 Jahren waren sich alle Bundesländer erfreulicherweise ungebrochen einig: SchĂĽler brauchen gut ausgebildete Lehrkräfte und der Vorbereitungsdienst umfasste deshalb ĂĽberall zwei Ausbildungsjahre. Richtig so!“, urteilt die DPhV-Vorsitzende  Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing und fordert eine RĂĽckkehr zum 24-monatigen Referendariat, das in allen Ländern bis auf Bayern z.T. erschreckend heruntergekĂĽrzt wurde, und das obwohl die Anforderungen unbestritten stetig gestiegen sind. „Geben Sie sich angesichts der erhöhten Anforderungen an den Lehrerberuf den nötigen Ruck und kehren Sie zum 24-monatigen Referendariat fĂĽr die kommenden Referendarsjahrgänge zurĂĽck“, fordert Lin-Klitzing die Kultusminister der Länder auf, „damit der Lehrernachwachs endlich wieder richtig gut ausgebildet vor die Klassen treten kann, im ersten Ausbildungsjahr fĂĽr Förderunterricht fĂĽr SchĂĽler zur VerfĂĽgung steht und im zweiten Ausbildungsjahr gut vorbereitet zunehmend Verantwortung fĂĽr ganze Klassen ĂĽbernimmt!“

Gerlinde Kohl von der Katholischen Erziehergemeinschaft KEG weist darauf hin, dass Schulen in der Zukunft neue Inhalts- und Organisationskonzepte und Resilienz entwickeln müssen, um mögliche weitere Krisen bewältigen zu können und zum lebenslangen Lernen anzuleiten. „Lebenslanges Lernen bedeutet Bildungsarbeit, die Reflexion und Veränderungsprozesse anregt. Lebenslanges Lernen will Transformation mit Blick auf Nachhaltigkeit und fordert starke Institutionen“, unterstreicht die KEG-Bundesvorsitzende den 10-Punkte-Plan für den Unterricht mit (und nach) Corona des Deutschen Lehrerverbandes.

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Für Stellungnahmen erreichen Sie die Mitglieder des Präsidiums des Deutschen Lehrerverbandes:

DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger: 0160 – 52 75 609 und 030/70 09 47 76 – www.lehrerverband.de

Bundesgeschäftsstelle DPhV, Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing: 030/ 40 81 67 89 – www.dphv.de

Bundesgeschäftsstelle VDR, Bundesvorsitzender Jürgen Böhm: 0 89 / 55 38 76 und 0151 – 11 71 55 89 – www.vdr-bund.de

BvLB-Bundesgeschäftsstellen: 030/ 40 81 66 50 und 0511/ 21 55 60 70 – www.bvlb.de

KEG-Bundesgeschäftsstelle: 089 / 26 02 47 99 – www.keg-deutschland.de

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Mathematik-Abitur 2020

Meidinger: „Bundesweiter Aufgabenpool steht kurz vor dem endgültigen Scheitern!“

Nachträgliches Notenlifting beim Mathematikabitur scheine in Deutschland mittlerweile regelmäßige Praxis in einigen Bundesländer zu werden, kritisierte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, die Entscheidung der Schulministerien in Sachsen und Bremen, die Abiturnoten in Mathematik um einen bzw. zwei Punkte anzuheben. Bereits im Jahr 2019 waren in zwei Bundesländern die Abiturnoten nachträglich geschönt worden.

Der Verbandspräsident wies darauf hin, dass es bei der Notenanhebung ausdrĂĽcklich nicht um den Ausgleich von coronabedingten Nachteilen ging – dann hätten ja alle Bundesländer Grund gehabt, Abiturnoten anzuheben –, sondern darum, dass die SchĂĽlerinnen und SchĂĽler aus diesen  Bundesländern nach Angabe der Ministerien mit Aufgabenformaten aus dem länderĂĽbergreifenden Aufgabenpool nicht zurechtgekommen seien. Dazu erklärte Meidinger: „Ganz abgesehen davon, dass jeder nachträgliche, nur in einzelnen Bundesländern vorgenommene Eingriff in die Notengebung zu weiteren Ungerechtigkeiten fĂĽhrt, stellt sich jetzt doch die Frage, was ein länderĂĽbergreifender Aufgabenteil wert ist, der eigentlich fĂĽr mehr Vergleichbarkeit sorgen soll, anschlieĂźend aber durch Notenlifting konterkariert wird. Wenn jetzt die Bremer Schulsenatorin ankĂĽndigt, dass ihr Bundesland generell den länderĂĽbergreifenden Aufgabenpool aussetzt, dann gibt es nur eine Schlussfolgerung: Der Aufgabenpool steht kurz vor dem Scheitern!“

Der DL-Präsident forderte die Kultusministerkonferenz auf, ganz schnell eine Entscheidung darüber zu treffen, wie sie zukünftig ein gerechtes Abitur in Deutschland sicherstellen will, das auf gleichen Maßstäben und auf gleichen oder absolut vergleichbaren Aufgabenstellungen beruht. Dieser Auftrag an die Länder gehe schließlich eindeutig aus dem letzten Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Abitur hervor.

Meidinger betonte abschließend: „Es nutzt wenig, wenn sich die KMK wie auf der letzten Sitzung für die Verabschiedung gemeinsamer Abitur-Bildungsstandards für die Naturwissenschaften feiert, bei der konkreten und praktischen Frage eines bundesweit vergleichbaren, gerecht benoteten Abiturs aber regelmäßig versagt.“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 609.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher