Sachverständigenbericht zu Coronamaßnahmen rechtfertigt nicht Verzicht auf künftige Coronaschutzmaßnahmen

Kaum neue Erkenntnisse hat nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, der heutige Bericht des Sachverständigenausschusses der Bundesregierung zur Evaluation der bisherigen Coronamaßnahmen erbracht.

Der Verbandsvorsitzende betonte: „Es rächt sich jetzt, dass man in den letzten zwei Jahren zu lange auf die systematische Erhebung von Daten im Umfeld von Coronamaßnahmen verzichtet hat. Allerdings lässt sich aus dem Bericht keinesfalls der Auftrag an die Politik ableiten, auf Coronaschutzmaßnahmen bei einer neuerlichen heftigen Infektionswelle im Herbst weitgehend zu verzichten.“

Meidinger erinnerte daran, dass im aktuellen Bericht die Wirksamkeit einer Maskenpflicht in Innenräumen bei hohen Infektionszahlen ausdrücklich hervorgehoben wird und auch die Sinnhaftigkeit einer Testung von Geimpften und Ungeimpften nicht bestritten wird.

Deshalb erneuerte der DL-Präsident seine Aufforderung an den Bundesgesetzgeber, das Bundesinfektionsschutzgesetz rechtzeitig vor dem Herbst so nachzubessern, dass im Bedarfsfall, also bei einer heftigen neuen Coronawelle, eine flächendeckende Maskenpflicht im Klassenzimmer wieder möglich werde. Er betonte: „Wir hoffen, dass wir ohne Maskenpflicht ins neue Schuljahr starten können, wir wollen aber im Notfall auf diese wirksame Gesundheitsschutzmaßnahmen auch nicht verzichten müssen, weil der Bund seine Hausaufgaben nicht gemacht hat!“

Lobend äußerte sich Meidinger über die Bundesländer, die jetzt kurz vor den Ferien allen Schülerinnen und Schülern kostenlose Tests zur Verfügung stellten, damit sich diese kurz vor Schulbeginn im Herbst selbst testen zu können.

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

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Deutscher Lehrerverband zum IQB-Bildungstrend 2021:

Bildungspolitik verfehlt ihre selbst gesteckten Ziele haushoch!

Mit großer Besorgnis hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, auf die heute bekannt gewordenen Ergebnisse des IQB-Bildungstrend 2021 reagiert. Der IQB-Bildungstrend nimmt alle 5 Jahre eine Bestandsaufnahme vor, inwieweit Viertklässler in Deutschland in den Fächern Deutsch und Mathematik die Mindest- und Regelstandards der von der Kultusministerkonferenz vereinbarten Bildungsstandards erreichen.

Meidinger erklärte: „Unsere Befürchtung, dass sich der bereits vor fünf Jahren teilweise erkennbare Negativtrend massiv verstärken könnte, hat sich leider vollumfänglich bewahrheitet. Dass sowohl in Deutsch als auch in Mathematik gegenüber 2016 massive Kompetenzrückgänge zu verzeichnen sind, die teilweise den Umfang eines halben Schuljahres erreichen, stellt der Bildungspolitik in Deutschland ein miserables Zeugnis aus. Wenn, wie festgestellt, in den beiden zentralen Grundschulfächern Deutsch und Mathematik nur jeweils die Hälfte der Kinder die Regelstandards erreicht und ein Fünftel sogar die Mindeststandards verfehlt, kommt man nicht um die Feststellung herum, dass die Bildungspolitik ihre in den Bildungsstandards selbst formulierten Ziele in zunehmendem Maße haushoch verfehlt.“

Nach Ansicht des DL zeigen sich in diesem signifikanten Negativtrend nicht nur die Folgen der Pandemie, sondern auch die Auswirkungen des von der Politik mitverschuldeten massiven Lehrkräftemangels sowie der mangelnden Nachqualifizierung von Seiten- und Quereinsteigerinnen und -steigern.

Besondere Aufmerksamkeit muss in den Augen des Verbandschefs den sich verstärkenden sozialen Disparitäten gewidmet werden. Offensichtlich hapert es nach wie vor stark an der schulischen Integration der Kinder aus der ersten Zuwanderungsgeneration, aber auch die Pandemie habe diese Ungleichheiten verstärkt.

Meidinger betonte: „Mit kurzfristigen temporären Programmen wird man diesen Negativtrend nicht umkehren können. Was es jetzt braucht, ist eine Verstärkung der vorschulischen Sprachförderung, eine Bekämpfung des Lehrkräftemangels durch eine Nachqualifizierungsoffensive von Seiten- und Quereinsteigern sowie eine umfassende Verbesserung der Arbeits- und Rahmenbedingungen für Unterrichtende und mehr Verbindlichkeit bei den Coronanachholprogrammen. Und das Wichtigste: Die Politik muss endlich aufhören, die Lage an den Schulen schönzureden und sich an Bestnotenschnitten in Abitur- und MSA-Prüfungen zu berauschen.“

Meidinger forderte abschließend eine neue gemeinsame Bildungsoffensive von Bund und Ländern: „Die Bildung darf in den künftigen Haushalten im Kampf um Einsparungen und die Erhöhung von Verteidigungs- und Sozialausgaben nicht der große Verlierer sein!“

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Forderungen des DL für einen sicheren Schulstart im Herbst 2022

Der DL richtet den dringenden Appell an die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker von Bund und Ländern, alles zu tun, damit die Schulen im Herbst 22 bestens auf eine erwartete neuerliche Coronawelle vorbereitet sein werden.

Dazu ist insbesondere notwendig:

  1. Das Bundesinfektionsschutzgesetz sollte so geändert werden, dass im Bedarfsfall an Schulen sowohl regional als auch flächendeckend wieder besondere Gesundheitsschutzmaßnahmen wie die erweiterte Maskenpflicht angeordnet werden können.
  2. In jedem Land sind rechtzeitig die notwendigen Rechtsverordnungen zu konzipieren und zu erlassen, die zur Vorbereitung auf eine neue Pandemiewelle notwendig sind.
  3. Es muss dafür gesorgt werden, dass Schulen ausreichend mit Testkapazitäten und Hygieneschutzmitteln ausgestattet sind.
  4. Im Vorfeld des nächsten Schuljahres müssen alle Anstrengungen unternommen werden, damit möglicher neuerlicher Fernunterricht problemlos laufen kann. Insbesondere sollte die Versorgung der Schulen mit schnellem Internet vorangetrieben, der professionelle IT-Support der Schulen massiv ausgebaut, der für Distanzunterricht und die Nutzung von Lernplattformen erforderliche Datenschutz sichergestellt und Kapazitäten für die entsprechenden Fortbildungen geschaffen werden.
  5. Bund und Länder müssen dafür Sorge tragen, dass im Falle der Entwicklung eines an aktuelle Virusvarianten angepassten Impfstoffes Lehrkräfte zu den Gruppen gezählt werden, die damit vorrangig geimpft bzw. geboostert werden.
  6. Bildungspolitik und die Landesregierungen sollten rechtzeitig im Vorfeld des nächsten Schuljahres in einen intensiven Dialog mit allen Beteiligten, den Lehrerverbänden, Eltern- und Schülervertretungen, eintreten.

„Außer warmen Worten nichts zu bieten“

Deutscher Lehrerverband kritisiert Konzeptlosigkeit der Bildungspolitik bei der Integration ukrainischer Flüchtlingskinder

Zutiefst enttäuscht hat sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Heinz-Peter Meidinger, über die gestrige gemeinsame Erklärung des Kultusministerkonferenz zur Integration von ukrainischen Flüchtlingskindern ins deutsche Schulsystem geäußert.

„Außer einigen warmen Worten und dem geplanten leichteren Zugang von ukrainischen Lehrkräften in den deutschen Schuldienst hat diese KMK-Presseerklärung nichts zu bieten, insbesondere keinerlei Aussagen darüber, woher die finanziellen und vor allem personellen Ressourcen für die Aufnahme von aktuell mehr als Hunderttausend schulpflichtiger ukrainischer Kinder kommen sollen. Es fehlt letztendlich nach wie vor ein Masterplan, ein dauerhaftes Gesamtkonzept, das für eine gelingende Integration erforderlich ist.“

Der DL-Präsident erinnerte daran, dass die KMK-Präsidentin vor kurzem selbst noch die Prognose abgegeben habe, dass bis zu 400 000 Flüchtlingskinder an deutschen Schulen aufgenommen werden müssten und dafür 24 000 zusätzliche Lehrkräfte erforderlich seien. „Leider findet sich in der jetzigen Erklärung kein Wort dazu, durch welche Notmaßnahmen und Zusatzinvestitionen dieser Mehrbedarf zukünftig sichergestellt werden kann. Auch wenn der Deutsche Lehrerverband eher von deutlich geringeren Zahlen ausgeht, bleibt eine riesige Bedarfslücke von mindestens 10 – 15 000 Lehrkräften!“, betonte der Verbandsvorsitzende.

Man fürchte deshalb, so Meidinger, dass es wie schon in früheren Krisenzeiten auf ein „Durchgewurstel“ an den Schulen hinauslaufe, d.h., dass die Mehrbelastungen weitgehend auf dem Rücken der Lehrerkollegien vor Ort abgeladen werden.

Er ergänzte: „Derzeit wird der eigentliche Lehrkräfte-Mehrbedarf für die rund 100 000 ukrainischen Schulkinder in Deutschland dadurch kaschiert, dass ein großer Teil einzeln oder in kleinen Gruppen quasi als Gastschüler in bestehende Regelklassen aufgenommen worden ist und für diese nur rudimentär deutscher Sprachzusatzunterricht vorgehalten wird. Wenn ab nächsten Schuljahr, so wie die KMK es plant, die dauerhafte Integration mit intensivem verpflichtenden deutschen Sprachunterricht das Standardmodell werden soll, muss die Bildungspolitik aber jetzt schon sagen, wie sie das sicherstellen will, ohne dass das auf Kosten der Bildungsqualität insgesamt geht. Löcher stopfen, indem man neue Löcher schafft, ist keine Lösung!“

Abschließend erneuerte der DL-Vorsitzende seine bereits beim Ukrainegipfel im Kanzleramt vor drei Wochen erhobene Forderung, dass sich auch der Bund bei der Bewältigung dieser nationalen Herausforderung mit eigenen Programmen beteiligen muss. Alleine könnten die Länder dies nicht stemmen.

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„Abschaffung der Maskenpflicht kam zu früh!“ Deutscher Lehrerverband fordert Politik zum Handeln auf

Vor dem Hintergrund rapide ansteigender Coronafallzahlen – gerade auch in der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen – sieht sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, in seiner Befürchtung bestätigt, dass die in zahlreichen Bundesländern verfügten Lockerungen beim Gesundheitsschutz an Schulen, insbesondere die teileweise oder generelle Abschaffung der Maskenpflicht, falsch waren und zu früh kamen. Der Verbandsvorsitzende betonte: „Wir befürchten, dass wir ohne schnelle Gegenmaßnahmen der Landesregierungen in diesem Krisenwinter 21/22 an bundesdeutschen Schulen vor einem weitgehenden Kontrollverlust über das Pandemiegeschehen stehen.“ Dies zeigten gerade auch die altersspezifischen Inzidenzzahlen und Steigerungsraten in der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen, die in einigen bundesdeutschen Landkreisen inzwischen die 1000-er Grenze überschritten haben.

Mitursächlich dafür sei nach Ansicht des DL neben der zunehmenden Sorglosigkeit in der Gesamtbevölkerung trotz der bekannten Saisonalität von Corona vor allem die Tatsache, dass die meisten Bundesländer die neben der Impfung wirksamste Hygieneschutzmaßnahme an Schulen in vollen, oft schlecht lüftbaren Klassenzimmern, nämlich die Maskenpflicht im Unterricht, weitgehend aufgehoben haben.

„Die Tatsache, dass sich Thüringen mittlerweile an die Spitze der bundesdeutschen Neuinfektionszahlen katapultiert hat, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass dort neben der Maskenpflicht auch die regelmäßige Testpflicht an Schulen abgeschafft wurde. Auch Bayern und Sachsen mit ihren hohen Inzidenzen zählen inzwischen beim Hygieneschutz an Schulen eher zu den Schmuddelkindern als zu den Musterknaben“, betonte Meidinger und ergänzte: „Wenn in diesen Tagen Landesregierungen angesichts Millionen ungeimpfter Schülerinnen und Schüler, vollgestopfter Klassen, abgeschaffter Maskenpflicht, fehlender Raumluftfilteranlagen und lückenhafter Testungen immer noch behaupten, die Schulen seien sicher, dann müsste es ihnen eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben.“

Der DL-Präsident äußerte die große Sorge, dass der Politik ohne Rückkehr zu konsequenten Gesundheitsschutzmaßnahmen an Schulen nur zwei denkbar schlechte Alternativen blieben: Demnächst wieder wie letztes Jahr im Dezember Wechselunterricht unter Wahrung des Mindestabstands anzuordnen oder anderenfalls der Durchseuchung der Schulen zuzuschauen, was angesichts der neuen Studien zu Corona-Langzeitfolgen bei Kindern kaum verantwortbar sei.

Meidinger nahm abschließend auch Stellung zu der Forderung des Bundesgesundheitsministers, die Pandemienotlage für beendet zu erklären: „Für mich hört sich das an wie eine Forderung, die ausschließlich aus dem Blickwinkel von Erwachsenen erhoben wurde und die Tatsache ausblendet, dass viele Kinder überhaupt noch keine Chance hatten, sich impfen zu lassen. Wenn die Feststellung der epidemischen Notlage ausläuft, wird es überdies nochmals erheblich schwieriger, an den Schulen in allen Bundesländern vergleichbare und einheitliche Gesundheitsschutzmaßnahmen umzusetzen. Das Chaos ist damit schon wieder vorprogrammiert.“

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Deutscher Lehrerverband fordert zwei Milliarden Euro für umfassendes Bildungsförderprogramm

Ein umfassendes Konzept eines Lernförder- und Bildungsaktivierungsprogramms hat das Präsidium des Deutschen Lehrerverbands in Berlin vorgestellt, um die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Schülerinnen und Schüler in den nächsten beiden Schuljahren auffangen zu können.

DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger erklärte dazu: „Wir spüren immer deutlicher, dass die Schulschließungen bei fast allen Kindern und Jugendlichen zu Lerneinbußen geführt haben, bei dem Teil, den wir durch Fernunterricht kaum erreicht haben, sogar zu sehr großen. Wir brauchen deshalb ein großes Bildungsförderprogramm, das differenziert nach Bedarf in den nächsten beiden Schuljahren allen Schülerinnen und Schülern Angebote macht, ihre Lernrückstände aufzuholen! Zusatzangebote lediglich für einen kleinen Teil der Kinder, so wie dies die Bildungspolitik derzeit plant, greifen eindeutig zu kurz!“

Wichtig sei auch, bald einen Überblick über die konkreten Lernlücken und den Förderbedarf zu gewinnen, um dann Eltern und Schüler entsprechend beraten zu können.

In dem Konzept des DL wird unterschieden zwischen begleitender Zusatzförderung und dem Angebot eines zusätzlichen Lernjahres.

Zur effektiven und bedarfsgerechten Umsetzung der Fördermaßnahmen plädiert der DL für die Zuweisung von Sonderbudgets an die Einzelschulen, die von diesen flexibel genutzt werden können. Um den dafür notwendigen Personalbedarf zu decken, finden sich in dem Konzept eine Reihe von Vorschlägen, u. a. den Einbezug von Lehramtsstudierenden, des Lehrpersonals von Volkshochschulen und von pensionierten Lehrkräften.

Meidinger forderte schnelle Entscheidungen von Bund und Ländern, um möglichst schnell mit der Umsetzung beginnen zu können. Der DL beziffert die voraussichtlichen Kosten auf mindestens zwei Milliarden Euro.

Das Programm des Deutschen Lehrerverbands können Sie auf unserer Webseite unter https://www.lehrerverband.de/die-zukunftschancen-unserer-kinder-und-jugendlichen-nach-corona-nachhaltig-sichern/ abrufen.

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Konzept des Deutschen Lehrerverbands für ein umfassendes Lernförder- und Bildungsaktivierungsprogramm

Die Zukunftschancen unserer Kinder und Jugendlichen nach Corona nachhaltig sichern!

Bestandsaufnahme und Ausgangslage

Nach der ersten Lockdownphase im Frühjahr 2020 bestand noch die Hoffnung, bei einer Normalisierung des Schulbetriebs in diesem Schuljahr durch spezifische begrenzte Zusatzförderung im dann wieder stattfinden Präsenzunterricht die entstandenen Lernrückstände und Wissensdefizite kurz- und mittelfristig weitgehend ausgleichen zu können. Dieses Ziel ist heute in weite Ferne gerückt.

In den meisten Bundesländern summieren sich die Unterrichtsstunden, die nicht in Präsenz erteilt werden konnten, auf inzwischen ungefähr 400 bis 600 Unterrichtsstunden, was in der Spitze etwa einem halben Schuljahr entspricht. Auch wenn der Distanz- und Wechselunterricht nach großen Anfangsschwierigkeiten jetzt deutlich besser läuft, muss konstatiert werden, dass die durchschnittlichen Lernfortschritte dort geringer sind. Allerdings werden auch große Unterschiede deutlich, zwischen Kindern und Jugendlichen, die inzwischen gut mit dem Distanzlernen zurechtkommen, und einem nicht unerheblichen Teil, der inzwischen deutlich hinter der notwendigen Lernprogression liegt.

Dies hat sehr unterschiedliche Gründe. Teilweise liegt es an der technischen Ausstattung, an nicht zur Verfügung stehenden Geräten im Elternhaus. Betroffen sind vor allem auch jüngere Kinder, denen elterliche Unterstützung aus welchen Gründen auch immer fehlt, Schülerinnen und Schüler mit einem besonderen Förderbedarf, mit Handicaps, mit grundsätzlichen Sprachdefiziten, mit Migrationshintergrund oder auch Jugendlichen, deren Leistungsmotivation und Bildungswillen aus anderen Gründen nur gering ausgeprägt ist.

Es würde aber viel zu kurz greifen, den Blick allein auf die entstandenen Wissens- und Kompetenzdefizite in einzelnen Fächern oder auf bestimmte besonders benachteiligte Schülergruppen zu richten. Die schulische Bildung hat durch Corona und die Folgen insgesamt Schaden genommen, die Effektivität von Distanzunterricht hat generell die Wirksamkeit von Präsenzunterricht nicht erreicht. Dazu kommt, dass vieles von dem ausgefallen ist, was schulische Bildungs- und Erziehungsprozesse über die Bildungsinhalte hinaus ausmacht: Gemeinschaftsveranstaltungen, Projekte, musische Bildung (Schultheater, Kunstausstellungen, Musikfeste), Exkursionen, Studienfahrten, Wettbewerbe, Berufsorientierungsveranstaltungen und Schüleraustausch. Was wir also in Deutschland brauchen, ist nicht nur ein Nachholprogramm für eine bestimmte Gruppe, sondern ein umfassendes Bildungsaktivierungs- und Lernförderprogramm, von dem alle Schülerinnen und Schüler profitieren können.

Grundsätzlich lautet aber die Herausforderung, alles zu tun, damit die negativen Folgen von Corona die Zukunfts- und Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen nicht nachhaltig beeinträchtigen.

Bildungspolitik noch ohne tragfähiges Zukunftskonzept

Zunächst sind viele Landesregierungen davon ausgegangen, dass die Phase der Schulschließungen und des Distanzunterrichts so kurz sein werden, dass eine begleitende, auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhende Zusatzförderung von wenigen Stunden ausreichen würde, die entstandenen Bildungsrückstände relativ schnell wieder auszugleichen. Tatsache ist, dass die Lehrkräfte bisher zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit hatten, unter den gegebenen Umständen diese Ausgleichsaufgabe wahrzunehmen.

Ansonsten beschränken sich Schulministerien und Landesregierungen derzeit weitgehend auf Versuche, unzumutbare Härten zu verhindern, bisherige Leistungserhebungs-, Lehrplan- und Versetzungsregelungen zu flexibilisieren oder auch außer Kraft zu setzen sowie Abschlussprüfungen zu verschieben und in Teilen anzupassen. Das ist im Grundsatz nicht zu kritisieren, solange dies nicht zu einem Niveauabsenkungs- und Erleichterungswettbewerb führt, der neue Bildungsungerechtigkeiten zur Folge hat. Allerdings leistet dies im Hinblick auf den notwendigen Ausgleich der Lerndefizite keinen Beitrag und bleibt letzten Endes ein Herumdoktern an den Symptomen.

Bleiben diese Maßnahmen isoliert und folgt ihnen kein Ausgleich, drohen dauerhafte Nachteile. Sollten auch im nächsten Schuljahr wieder – wie schon im letzten Schuljahr – Kinder und Jugendliche unabhängig von ihren Leistungen in die nächste Jahrgangsstufe versetzt werden, laufen diese Gefahr, den Anschluss endgültig zu verpassen und den angestrebten Abschluss nicht zu schaffen. Andernfalls müssten dauerhaft Bildungsstandards und Prüfungsniveaus abgesenkt werden, was dazu führen würde, dass viele Schulabgänger in den nächsten Jahren mit einem geringeren Rüstzeug und Kenntnisstand die Schulen verlassen.

Untaugliche Problemlösungs-Vorschläge

Inzwischen häufen sich Vorschläge, die zu grundsätzlichen Eingriffen in den zeitlichen Ablauf des Schulbetriebs auffordern, um die Lerndefizite aufholen zu können.

Gefordert werden etwa eine Kürzung oder auch Streichung von Ferienzeiten, die Einführung von Samstagsunterricht, die Verlängerung des Schuljahres bis Weihnachten sowie die komplette Streichung und Wiederholung des aktuellen Schuljahres.

Alle diese Vorschläge sind weitgehend untauglich, das Grundproblem zu lösen, also die Schülerinnen und Schülern nach Bedarf wieder an das zu erreichende Leistungsniveau heranzuführen.

Ferienkürzungen und Samstagsunterricht würden zu einer weiteren Überforderung und Überlastung aller Betroffenen führen, also von Lehrkräften, Schülern und Eltern, die schon jetzt an der Belastungsgrenze stehen. Die Verlängerung oder Streichung des Schuljahres würde dazu führen, dass die gesamte Bildungskette, der jährliche Übergang vom Kindergarten zur Primarstufe, von Grundschulen an weiterführende Schulen und von weiterführenden Schulen ins Berufsleben und an Hochschulen unterbrochen würde – mit weitreichenden Folgen für den gesamten Wirtschaftsprozess und im Falle eines zusätzlichen Schuljahres für alle mit einem massiv erhöhten Lehrerbedarf, der nicht aufzufangen ist.

Der Kernpunkt aber ist: Alle diese Vorschläge scheren alle Schülerinnen und Schüler über einen Kamm, sie sind viel zu undifferenziert und werden damit der eigentlichen Herausforderung nicht gerecht. Notwendig ist ein zwar umfassendes, aber differenziertes und flexibles, längerfristig angelegtes Lern- und Bildungsförderungskonzept, angepasst an die unterschiedlichen Bedarfslagen je nach Schülerklientel, Altersstufe und Schulart. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler mit dem Distanzunterricht inzwischen gut zurechtkommt, so dass bei diesen zwar keine basalen Lernlücken aufgetreten sind, trotzdem aber auch besonderer ergänzender Förderbedarf sinnvoll sein kann. Es geht aber auch darum, Kinder und Jugendliche verstärkt in den Bereichen Angebote zu machen und für einen Ausgleich zu sorgen, die in Pandemiezeiten grundsätzlich zu kurz gekommen sind, also z.B. Projektwochen, musische Bildung, Sport, Wahlangebote, Schüleraustausch und Studienfahrten.

Dafür ist die Bereitstellung erheblicher, zusätzlicher Personal-, Zeit- und Finanzressourcen dringend erforderlich.

Feststellung des Lernbedarfs

Insgesamt brauchen wir in allen Bundesländern dringend ein Gesamtkonzept: Kindern und Jugendlichen, die während der Schulschließungen kaum erreicht wurden, muss eine besondere Förderung und Unterstützung im Schulalltags angeboten werden. Doch auch diejenigen, die nur begrenzte Hilfe nötig haben, dürfen nicht übersehen werden. Um den Umfang der notwendigen Maßnahmen bestimmen zu können, ist eine Bestandsaufnahme nötig und zwar so rechtzeitig, dass bis zum Ende des Schuljahres genügend Zeit bleibt für eine intensive Beratung von Schülern und Eltern, welche Form der Unterstützung sinnvoll und notwendig ist. Den Aufwand dafür kann man gering halten, da es nicht um eine fein differenzierte Leistungserhebung, sondern lediglich um die Identifizierung größerer grundsätzlicher Wissenslücken und Kompetenzdefizite geht.

Begleitende Zusatzförderung an Schulen

Schon vor Corona gab es Förderprogramme, die neben einer inhaltlich pädagogischen Konzeption auch und gerade die personelle Ressourcenfrage in den Fokus genommen haben. Wir brauchen inhaltlich ein individualisiertes Förderangebot, das auf der pädagogischen und sozialen Fachkompetenz der Lehrkräfte vor Ort aufbaut. Durch den massiven Lehrkräftemangel an unseren Schulen ist dies allerdings nur mit dem vorhandenen Personal- und Planstellenbestand zusätzlich nicht leistbar.

Mehr Flexibilität und Eigenverantwortung der Einzelschulen

Wir fordern deshalb dringend, den Schulleitungen mehr Flexibilität und Eigenverantwortung einzuräumen. Es muss den Schulen ermöglicht werden, zumindest vorübergehend zusätzlich zu den im Rahmen des fest zugewiesenen, an die Stundenpläne und Fächer gebundenen Unterrichtsbudgets besondere Schwerpunktsetzungen vornehmen zu können, also beispielsweise in Lerngruppen und Fächern mit einem hohen Nachholbedarf durch Teilung und Differenzierung mit Hilfe einer integrierten Lehrerreserve. Im Rahmen einer solchen flexiblen Stundentafel könnte jede Schule bedarfsorientiert und flexibel auf unterschiedliche Förderbedarfe reagieren. Die im Gegenzug notwendigen Kürzungen in anderen Lernangeboten und Fächern dürfen aber nicht dazu führen, dass die zentralen Lehrplanziele dort nicht erreicht werden.

Durch Krisensituationen wie jetzt in der Pandemie kommen Schulen meist besser, wenn ihnen mehr Freiraum zur Verwirklichung eigener, passgenauer Lösungen zugestanden wird.

Gewinnung von zusätzlichen Personalressourcen

Zusätzliche Förderangebote am Nachmittag oder im Rahmen eines binnendifferenzierten Unterrichts mit zwei Lehrkräften in einer Klasse setzen voraus, dass dafür mehr Personal zur Verfügung steht.

Um den generellen Lehrkräftemangel, kurzfristig und zeitlich befristet in der Coronakrise auszugleichen und darüber individualisierte Fördermöglichkeiten durch pädagogisch geschultes Fachpersonal in Kleingruppen anbieten zu können, sieht der DL folgende Möglichkeiten:

  • Lehramtsstudierende gewinnen, denen die erteilten Unterrichtsstunden und Betreuungsaufgaben bezahlt sowie als Schulpraktika anerkannt werden,
  • pensionierte Lehrkräfte zurückholen durch angemessene Vergütungsbedingungen bis hin zur Möglichkeit einer dauerhaften Erhöhung der Pension,
  • Teilzeitkräfte zur freiwilligen Aufstockung durch attraktive Rahmenbedingungen motivieren.

Lernförderung durch außerschulische Bildungspartner

In dieser außergewöhnlichen Situation und auch in Zukunft kann es hilfreich sein, wenn Schulen bei der Lernförderung durch externe Partner und Institutionen mit Angeboten unterstützt werden, bzw. mit Bildungspartnern zusammenarbeiten. Voraussetzung dafür ist, dass nicht nur die Finanzierung dieser Zusatzangebote durch Bund und Länder gesichert, sondern auch dass eine klare Qualitätskontrolle sowie eine enge Zusammenarbeit mit Lehrkräften und Schulen gegeben sind.

In Frage kommen für diese unterstützende, außerschulische Zusatzförderung folgende Institutionen und Ämter:

  • Volkshochschulen,
  • Familienbildungsstätten,
  • Jugendämter mit Inklusionsangeboten und individuellen Lernhilfen,
  • Jobcenter und Sozialämter mit Leistungen wie Bildung und Teilhabe,
  • Jobcenter und Jugendämter im Verbund für Angebote für Berufsschüler/innen,
  • Gesundheitsämter und Krankenkassen mit präventiven lernsteigernden Angeboten,
  • freie Jugendhilfeträger mit individuellen Hilfen für alle Altersgruppen,
  • Anbieter von Nachhilfekursen,
  • Anbieter von Lernplattformen,
  • Personen in Nebentätigkeit, wie Lehramtsstudierende,
  • freie Anbieter mit Mentoringprogrammen in denen außerschulischen Personen bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen für eine enge Begleitung von Schülerinnen und Schülern mit einem besonders großen Nachholbedarf gewonnen werden.

Diese Institutionen als Bildungspartner sollen mit ihren Fachkräften wie Schulsozialarbeiter/innen, Inklusionsfachkräfte, Schulpsychologen, Bildungsfachkräfte mit medizinisch-pflegerischer Grundausbildung Maßnahmen und Angebote passgenau für den Schulbereich entwickeln.

Ein zusätzliches freiwilliges Lernjahr

Ein Teil der Schülerinnen und Schüler hat seit dem ersten Lockdown und auch während der derzeitigen Schulschließungsphase erhebliche Lerndefizite angesammelt, die zwei Schuljahre betreffen und kaum mehr bis Schuljahresende aufgeholt werden können. Hier besteht die große Gefahr, dass diese Kinder und Jugendlichen auch mit einer begleitenden Zusatzförderung im nächsten Jahr den Anschluss nicht mehr schaffen können und werden.

Auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme über den Förderbedarf und der anschließenden intensiven Beratung der Eltern und Schüler, ob und in welcher Form ein freiwilliges zusätzliches Lernjahr Sinn macht, wird dann eine Entscheidung über die Wahrnehmung dieses Zusatzjahres getroffen.

Der DL sieht hierzu zwei Möglichkeiten:

  • Individuelles freiwilliges Wiederholen mit Befreiung von den negativen Folgen einer Pflichtwiederholung sowie eine integrierte Zusatzförderung bei Defiziten aus dem vorangegangenen Schuljahr,
  • Das Angebot für Kinder und Jugendliche in eigenen Lerngruppen das Schuljahr zu wiederholen mit einem angepassten Lehrplan, der in erster Linie darauf gerichtet ist, die Lernrückstände, die in zwei Jahren entstanden sind, systematisch abzubauen.

Weil der Lehrermehrbedarf für die Wiederholungsjahre nur in kleinen Schritten, verteilt über ca. 10 Jahre anfallen wird, muss dieses Modell nicht am allgemeinen Lehrermangel scheitern.

Finanzierung und Langfristigkeit

Um diese Herkulesaufgabe schultern zu können, die langfristigen Zukunfts- und Bildungschancen unserer Kinder und Jugendlichen in der Schule trotz und nach Corona zu sichern, bedarf es auch finanziell einer großen Kraftanstrengung, die am besten gemeinsam von Bund und Ländern, analog dem Digitalpakt, zu schultern ist.

Wir fordern dazu ein Lern- und Bildungsförderprogramm in Höhe von mindestens zwei Milliarden Euro allein für den Zeitraum bis Sommer 2022. Ob eine Verlängerung notwendig ist, muss rechtzeitig vor Ende des nächsten Schuljahres geprüft werden.

Verantwortlich: Präsidium des Deutschen Lehrerverbands, April 2021

Download als PDF:

Lernförderkonzept DL_April_2021

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Früher impfen, mehr testen, Stufenpläne verabschieden!

Deutscher Lehrerverband fordert mehr Gesundheitsschutz an Schulen und ein Gesamtkonzept zum Ausgleich von Lerndefiziten!

Über die Weigerung der Ständigen Impfkommission, Lehrkräfte bei den Impfungen mehr zu priorisieren, zeigen sich die im Deutschen Lehrerverband organisierten Lehrerverbände (DPhV, VDR, BvLB und KEG) sehr enttäuscht.

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, betonte: „Es geht nicht darum, dass Lehrkräfte eher als alte Menschen geimpft werden wollen. Aber wenn es unserer Gesellschaft wichtig ist, Kinder baldmöglichst wieder zurück in unsere Schulen zu holen und diese zu sicheren Orten zu machen, dann darf man mit der Impfung von Lehrkräften nicht so lange warten, bis dieses Schuljahr vorbei ist.“ Leider habe aber der Appell der Bundeskanzlerin, die Impfpriorität von Lehrkräften zu überprüfen, bislang bei den zuständigen Behörden keinerlei Wirkung gezeigt, so Meidinger.

Er verwies auf eine aktuelle Studie der TU Berlin, wonach das Risiko, sich im Präsenzunterricht in vollen Lerngruppen an Schulen anzustecken, um ein Mehrfaches höher sei als in Supermärkten, in Großraumbüros und in Museen oder bei Kulturveranstaltungen.

Der Deutsche Lehrerverband mahnte aber auch dringend an, weitere Maßnahmen zum besseren Gesundheitsschutz an Schulen zu ergreifen. DL-Vorsitzender Meidinger nannte neben einem an das regionale Infektionsgeschehen gekoppelten Hygienestufenplan eine qualifizierte Maskenpflicht in Klassenräumen mit chirurgischen Atemschutzmasken als Mindeststandard, regelmäßige Schnell-Selbsttestungen von Lehrkräften und Schülern wie in Österreich sowie die flächendeckende Ausrüstung von schlecht belüftbaren Unterrichtsräumen mit Raumluftfilteranlagen. Er betonte: „Nur mit einem solchen Gesundheitsschutzpaket lassen sich Schulöffnungen derzeit verantworten, wenn wir nicht wollen, dass Mutationsvarianten, die sich unter Kinder und Jugendlichen besonders stark verbreiten, den gerade anlaufenden Schulbetrieb schnell wieder lahmlegen.“

Als wenig durchdacht und auch in der Sache kontraproduktiv hat Meidinger die Forderung nach Einführung eines verpflichtenden Samstagsunterrichts bis zum Schuljahresende bezeichnet: „Zum einen kommt die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler mit dem Distanzunterricht inzwischen gut zurecht, so dass bei diesen kaum große Lernlücken auftreten. Für die Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die wir im Distanzunterricht nicht erreichen, nützt auch digitales Lernen am Samstag nichts. Wir erleben gerade eine äußerst anstrengende Schulphase für Lehrkräfte, Schüler und Eltern, die von allen Beteiligten deutlich mehr Einsatz als sonst erfordert. In einer solchen Situation jetzt noch die notwendige Verschnaufpause am Wochenende zusammenstreichen zu wollen, ist absolut kontraproduktiv. Mit der gegenwärtigen Schulrealität haben solche Vorschläge wenig zu tun!“

Meidinger forderte allerdings von der Bildungspolitik in allen Bundesländern ein Gesamt-konzept ein, wie man die Kinder und Jugendlichen, die während der Schulschließungen kaum erreicht wurden, so fördern könne, dass sie wieder den Anschluss erreichen. Ein sinnvoller Baustein eines solchen Konzepts sei neben dem freiwilligen Wiederholen das zusätzliche schulische Angebot besonderer individueller Förderung in überschaubaren Lerngruppen. Voraussetzung dafür seien Lernstandserhebungen und eine intensive Beratung der gefährdeten Schüler. Der DL-Präsident abschließend: „Wir teilen die Einschätzung absolut nicht, dass dieses Schuljahr für die Mehrheit der Kinder verloren ist. Aber es sind zusätzliche Anstrengungen nötig, um für leistungsschwächere Kinder trotz Corona eine erfolgreiche Fortsetzung der Schullaufbahn und das Erreichen des angestrebten Abschlusses zu sichern.“

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Deutscher Lehrerverband unterstützt Vorstoß aus Schleswig-Holstein für verbindlichen Hygienestufenplan

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat den Vorstoß des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Daniel Günther, für einen verbindlichen – an eindeutigen regionalen Inzidenzwerten orientierten – bundesweiten Hygienestufenplan als absolut überfällig und unabdingbar für eine verantwortbare Öffnung von Schulen bezeichnet. Dies sei nicht nur ein guter Vorschlag, wie man in Anlehnung an das Infektionsgeschehen die Schulen oder auch die Geschäfte wieder öffnen könne, ein solcher Plan gewährleiste auch, dass man bei eventuell wieder steigenden Infektionszahlen nicht wie beim jetzigen zweiten Lockdown zu spät reagiere.

Der Verbandsvorsitzende betonte: „Dieser Vorschlag entspricht der Forderung der Lehrerverbände nach einer klaren Orientierung für die Schulen, welcher Unterrichtsbetrieb bei welchen Inzidenzzahlen in einer Region möglich ist. Dies gibt den Schulen bei fallenden oder auch steigenden Infektionszahlen die Chance, sich auf den Unterrichtsbetrieb – sei es Präsenz-, Wechsel- oder Distanzunterricht – perspektivisch vorzubereiten. Außerdem ist so eher gewährleistet, dass die Balance zwischen Gesundheitsschutz und Bildungsauftrag gewährleistet ist und nicht verloren geht!“

Meidinger erneuerte allerdings die dringliche Forderung seines Verbandes, unabhängig davon alles zu tun, um Schulen zu sicheren Orten zu machen. Immer noch fehle es an FFP2-Masken, Raumluftfilteranlagen und Maßnahmen zu mehr Gesundheitsschutz auf dem Schulweg, etwa durch Einsatz von mehr Schulbussen.

Eine wichtige Voraussetzung für mehr Gesundheitsschutz an Schulen sei außerdem die baldige Impfung von Lehrkräften. Der DL-Präsident schloss sich ausdrücklich der Einschätzung der baden-württembergischen Kultusministerin an, dass Lehrkräfte bei der Impfpriorität eher berücksichtigt werden müssten als derzeit vorgesehen. Er betonte abschließend: „Wer will, dass Schulen so bald wie möglich öffnen, muss diese zu sicheren Orten machen. Wenn Lehrkräfte nach dem jetzigen Stand erst gegen Ende des Schuljahres geimpft werden sollen, ist dies absolut kontraproduktiv!“

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Gemeinsamer Appell von Kinder- und Jugendärzt/inn/en und Lehrkräften: Schulen zu sicheren Orten für Schüler und Lehrkräfte machen, Schulschließungen vermeiden und die Lebenschancen von Kindern wahren!

Berlin, 02.01.2021 Im Hinblick auf das Treffen der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten mit der Bundeskanzlerin am 5. Januar 2021 appellieren die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) und der Deutsche Lehrerverband (DL) gemeinsam an die Politik, alles dafür zu tun, damit Unterricht im neuen Jahr wieder unter verantwortbaren Bedingungen stattfinden kann, obwohl die SARS-CoV-2 Pandemie zunächst fortbestehen wird.

Den Vorschlag, die Weihnachtsferien bis Ende Januar zu verlängern und dafür die Sommerferien zu verkürzen, lehnen beide Dachverbände ab. Dazu sagte der DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger: „Eine Verlängerung von Ferien ist nichts anderes als eine weitere Phase der Schulschließung, in der wir Kinder und Jugendliche sich selbst überlassen und unseren Bildungsauftrag nicht wahrnehmen. Außerdem führen solche Vorschläge nicht zu mehr Verlässlichkeit von Schule, sondern zu mehr Verunsicherung!“

Beide Organisationen sind sich einig, dass Präsenzunterricht sowohl zur Erfüllung des Bildungsauftrages als auch unter psychosozialen Gesichtspunkten das Beste für Kinder und Jugendliche ist. Dazu sagte der Generalsekretär der DAKJ Hans-Iko Huppertz: „Schule und Bildung gehören zu den Grundbedürfnissen der Kinder. Schulschließung bedeutet auch nachteilige Auswirkungen auf die psychosoziale und motorische Entwicklung, Kindeswohlgefährdung, Benachteiligung sozial Schwächerer, Gefährdung von Kindern mit besonderen Bedarfen und aktuelle Beeinträchtigung der Gesundheit der Kinder und Jugendlichen.“  

Allerdings sind sich DAKJ und DL bewusst, dass die Frage, in welcher Weise der Schulbetrieb nach den Weihnachtsferien wieder möglich ist, nicht losgelöst vom regionalen und überregionalen Infektionsgeschehen betrachtet werden kann. Auch wenn Schulen in der Regel nicht zu den Infektions-Hotspots zählen, sind sie Teil des Infektionsgeschehens und Infektionen werden dabei sowohl von außen in die Schulen hineingetragen als auch durch Übertragungen innerhalb der Schule wieder in die Allgemeinheit gestreut.

Gemeinsam fordern die beiden Verbände deshalb die Politik auf, jetzt für bundeseinheitliche und verbindliche Rahmenbedingungen und zusätzlichen Gesundheitsschutzmaßnahmen zu sorgen, damit unsere Schulen so bald wie möglich für eine Rückkehr zum Unterrichtsbetrieb bestmöglich vorbereitet sind.

Zu den dringlich zu ergreifenden Maßnahmen zählen:

  1. Es muss ein bundesweiter Hygienestufenplan etabliert werden, der abhängig vom Infektionsgeschehen und der Altersstufe klar festlegt, welche Gesundheitsschutzmaßnahmen notwendig sind und welche schulorganisatorischen Konsequenzen daraus folgen: Präsenzunterricht mit oder ohne Maskenpflicht, Wiederherstellung des Mindestabstands mit Wechselunterricht oder phasenweiser Distanzunterricht. Nochmalige komplette Schulschließungen bzw. Ferienverlängerungen sollen dadurch vermieden werden. Für einen solchen Hygienestufenplan hat die DAKJ zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene bereits Vorschläge erarbeitet.

 

  1. Der Infektionsschutz an Schulen ist deutlich zu verbessern.
  • Alle Unterrichtsräume und Lehrerzimmer müssen belüftbar sein.
  • Der Abstand von 1,5 m zwischen muss bei Wechselunterricht eingehalten werden können.
  • Lehrkräften sollen zum Gesundheitsschutz in ausreichender Zahl geeignete Atemschutzmasken zur Verfügung gestellt werden, auch um nicht zu Kontaktpersonen der Kategorie 1 zu werden.
  • Schnellteste auf Infektionen mit SARS-CoV-2 sollen bedarfsorientiert an Schulen vorgehalten werden.
  • Die Sanitäranlagen sollen in einen hygienisch einwandfreien Zustand versetzt werden.
  • Der Transport in Schulbussen und im öffentlichen Personennahverkehr ist unter Hygienegesichtspunkten zu regeln.
  • Lehrkräfte als Hygienebeauftragte sind in jeder Schule vorzusehen.
  • Strukturierte Ausbruchsanalysen bei Infektionsfällen in der Schule durch das Gesundheitsamt sind verpflichtend. Außerdem sind Schulöffnungen und Schulschließungen durch wissenschaftliche Untersuchungen zu begleiten

Falls möglich sollten Schulen für die Einhaltung der Mindestabstandsregeln zusätzliche Räume zur Verfügung gestellt und außerdem deutlich mehr Busse eingesetzt werden, zumal diese derzeit ausreichend verfügbar sind. Noch ist unklar, wie neue Virusmutanten z.B. die südenglische Linie B1.1.7 das Infektionsgeschehen beeinflussen könnten. Aber die gemeinsam empfohlenen Maßnahmen könnten auch bei anderen Mutanten das Infektionsrisiko minimieren.

Das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Bildung und Betreuung sowie ausreichender Gesundheitsschutz für Lehrkräfte und Schüler müssen gleichermaßen berücksichtigt und gewährleistet werden.

Deshalb liegt nach Auffassung von DKAJ und DL der Ball jetzt auf dem Spielfeld der Politik. Die Landesregierungen und der Bund haben die oberste Verpflichtung, deutlich mehr als bisher dafür zu tun, dass Unterricht ab Ende der Weihnachtsferien wieder möglich wird, damit die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen nicht dauerhaft massiv gefährdet werden. Von dem Treffen am 5.1.2021 zwischen den Ministerpräsidenten der Länder und der Bundeskanzlerin erwarten die beiden Verbände jetzt eindeutige, die Rechte der Kinder und die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften berücksichtigende Beschlüsse.

Prof. Dr. med. Hans-Iko Huppertz, Generalsekretär – Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin – Mobil  0170 5821842 – www.dakj.de

Prof. Dr. med. Johannes Hübner, Erster Vorsitzender – Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie – Mobil 0176 24194368

Chausseestr. 128/129 in 10115 Berlin

Heinz-Peter Meidinger, Präsident – Deutscher Lehrerverband – Mobil 0160/5275608 – Dominicusstr. 3 – 10823 Berlin – www.lehrerverband.de – Anne Schirrmacher, DL-Bundesgeschäftsführerin – Tel. 030 70 09 47 76

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