Gemeinsame Pressemitteilung

Lehrerverband und DJH appellieren an EntscheidungstrĂ€ger: Rettungsschirm fĂŒr Jugendherbergen dringend notwendig!

Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) und der Deutsche Lehrerverband (DL) fordern gemeinsam, dass das einzigartige Netz der Jugendherbergen in Deutschland schnell politisch und vor allem finanziell unterstĂŒtzt wird, damit es ĂŒber die Corona-Krise hinaus erhalten bleibt.

Detmold. Die rund 450 Jugendherbergen in Deutschland leiden massiv an den Folgen der Corona-Krise. Nach der explosionsartigen Ausbreitung des Virus hatten die zustĂ€ndigen Gesundheitsbehörden Mitte MĂ€rz die sofortige Schließung aller Jugendherbergen verfĂŒgt, um GĂ€ste und Mitarbeiter zu schĂŒtzen. Eine Stornierung fast aller bestehenden Buchungen, der maximale RĂŒckgang von Neubuchungen und damit der Verlust der Möglichkeit der Erwirtschaftung von Umsatz einerseits sowie laufenden Kosten und Verpflichtungen andererseits haben alle 14 regionalen LandesverbĂ€nde des DJH in massive wirtschaftliche Notlagen gebracht. Gleichzeitig untersagten die BundeslĂ€nder flĂ€chendeckend den Schulen die DurchfĂŒhrung von Klassenfahrten, und das teilweise sogar bis zum Jahresende 2020. Bisher aufgelegte Schutzschirme, Sonderkredite bzw. LiquiditĂ€tshilfen oder direkte finanzielle UnterstĂŒtzungsleistungen des Bundes und der Mehrzahl der LĂ€nder greifen fĂŒr die Jugendherbergen nicht, weil sie in ihrem Status als gemeinnĂŒtzige Bildungs- und Beherbergungsbetriebe in vielen entsprechenden Programmen nicht berĂŒcksichtigt werden.

Der Deutsche Lehrerverband, der als Dachverband seiner BundesverbĂ€nde DPhV, VDR, BvLB und KEG mehr als 165.000 LehrkrĂ€fte vertritt, weist darauf hin, wie wichtig die Arbeit der Jugendherbergen fĂŒr den Bildungsbereich ist. Sie sind seit ĂŒber einem Jahrhundert bewĂ€hrte Partner der Schulen und VerbĂ€nde bei der DurchfĂŒhrung von Klassenfahrten und Gruppenreisen. Dabei stellen die Jugendherbergen nicht nur Kost und Quartier, sondern bieten hochwertige Bildungsprogramme durch das Angebot von pĂ€dagogisch ausgearbeiteten Materialien, Workshops und Methoden der ErlebnispĂ€dagogik. Sie vermitteln Projektbesuche und Ausflugsangebote. Thematische Schwerpunkte sind hĂ€ufig Naturschutzthemen und Orte mit geschichtlicher und kultureller Bedeutung. Die Gruppenreisen bieten Schulklassen nicht nur neue Lerninhalte, sondern auch gruppendynamische Erfahrungen und Entwicklungen. Kurze Reisen im Grundschulbereich ermöglichen Kindern, erste lĂ€ngere Erfahrungen außerhalb ihrer Familie zu sammeln.

Der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, betont: „Wenn zahlreiche Jugendherbergen aus wirtschaftlichen GrĂŒnden und wegen mangelnder UnterstĂŒtzung der Politik schließen mĂŒssten, bedeutet das den Verlust eines wichtigen außerschulischen Bildungsorts, auch auf lange Sicht. Das Netz an Jugendherbergen ist in Deutschland ĂŒber lange Zeit gewachsen – einmal beschĂ€digt, wird es sich auch nach einer Krise nicht einfach schnell wieder erholen, weshalb die Jugendherbergen jetzt Hilfe benötigen.“

Der PrĂ€sident des DJH, Prof. Dr. GĂŒnther Schneider, erinnert daran, dass neben schulischen Klassenfahrten Jugendherbergen seit jeher Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine kostengĂŒnstige Möglichkeit bieten, erste eigenstĂ€ndige Reiseerfahrungen zu machen. Beispiele sind die beliebten Ferienfreizeiten sowie Sport- und Sprach-Camps in den Sommermonaten. Er betont: „Im Lauf der letzten Jahrzehnte haben Jugendherbergen ihr Angebot auch fĂŒr junge Familien und andere Altersgruppen ausgebaut, sodass wir ĂŒber knapp 2.800 pĂ€dagogische Angebote verfĂŒgen. Diese große gesellschaftliche Relevanz spiegelt sich auch im `GemeinwohlAtlas 2019ÂŽ wider, in dem das Deutsche Jugendherbergswerk nach Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Deutschem Roten Kreuz, Weißem Ring und den Johannitern den 6. Platz von insgesamt 137 abgebildeten Organisationen belegt.“

Der Deutsche Lehrerverband hat daher jetzt gemeinsam mit dem Deutschen Jugendherbergswerk alle BĂŒrgermeister, LandrĂ€te, Landtags- und Bundestagsabgeordnete sowie die Spitzen der Landesministerien, in deren Wirkungsbereich die Jugendherbergen fallen, zu folgendem, zeitnahen Handeln aufgefordert:

  • Setzen Sie sich persönlich auf allen Ihnen zur VerfĂŒgung stehenden politischen, wirtschaftlichen und medialen Handlungsebenen fĂŒr eine schnelle und wirksame Verhinderung des Zusammenbruchs des Deutschen Jugendherbergswerks und seiner LandesverbĂ€nde ein! Denn auch wenn in einigen BundeslĂ€ndern mittlerweile LösungsansĂ€tze vorhanden sind, wird die Hilfe des Bundes dringend benötigt.
  • Tragen Sie umgehend dafĂŒr Sorge, dass die Jugendherbergen in Deutschland flĂ€chendeckend durch staatliche Rettungsmaßnahmen in ihrem Fortbestand gesichert werden! Reine KfW-Darlehen reichen dazu nicht aus.
  • Verhindern Sie die die endgĂŒltige Schließung von Jugendherbergen, die in den zurĂŒckliegenden 111 Jahren erfolgreiche Strukturen wirksamer Bildungsarbeit aufgebaut haben und wertvolle Bildungs- und Begegnungsorte sind!

Bleiben die dringend benötigten Hilfen auch weiterhin aus, so sind sich beide VerbĂ€nde einig, steht hinter zukĂŒnftigen Klassenfahrten in deutsche Jugendherbergen als außerschulische Lernorte ein mehr als großes Fragezeichen.

Pressekontakt

Deutsches Jugendherbergswerk (DJH)Deutscher Lehrerverband (DL)
Justin BlumHeinz-Peter Meidinger
KommunikationPrÀsident
Tel.: 05231/7401404Tel.: 030/70094776 (GeschÀftsstelle)
justin.blum@jugendherberge.deinfo@lehrerverband.de

WĂ€hrend die gemeinsame Pressemitteilung gemeinsam mit dem DJH erarbeitet und veröffentlicht wurde, fordert der Deutsche Lehrerverband auch fĂŒr das Netzwerk an Schullandheimen (vgl. www.schullandheim.de) und andere VerbĂ€nde und Netzwerke in den einzelnen BundeslĂ€ndern und auf Bundesebene, die Kinder- und JugendĂŒbernachtungs- und -erholungsstĂ€tten anbieten, UnterstĂŒtzung.