ARD Mitmach-Aktion #unsereKinder

Unter dem Hashtag #unsereKinder sammelt die ARD Erfahrungen von Kindern und Familien aus dem Alltag – von Freizeit bis Schule – und macht sie sichtbar. Diese Dokus und Reportagen aus der ARD stellen die Belange von Kindern in den Mittelpunkt und sind hier in der Mediathek der ARD verfügbar.

Die ARD ruft auch zum Mitmachen auf: Auf der interaktiven Deutschlandkarte zu #unsereKinder teilen Familien, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher oder Organisationen ihre Erfahrungen aus ganz Deutschland. Zu sehen sind kinderfreundliche Orte, Problemstellen im Alltag von Familien – aber auch Ideen und Projekte, die zeigen, wie Städte und Gemeinden kinderfreundlicher werden können.

Deutscher Lehrerverband: Leistung fördern statt Daten anhäufen – Schulen sind keine Datensammelstellen

DL-Präsident Düll warnt vor falschen Prioritäten in der Bildungspolitik

Der Deutsche Lehrerverband (DL) spricht sich gegen die Forderungen des sächsischen Kultusministers Conrad Clemens nach einer flächendeckenden, personalisierten Verlaufsdiagnostik von der Kita bis zum Schulabschluss aus. Eine Ausweitung der Datenerfassung löse nicht die zentralen Probleme des Bildungssystems und dürfe nicht von den Herausforderungen im Schulalltag ablenken.

DL-Präsident Stefan Düll erklärt: „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass mehr Daten automatisch zu besserer Bildung führen. Lehrkräfte diagnostizieren Lernstände schon heute kontinuierlich auf Grundlage von Leistungserhebungen, Beobachtungen und pädagogischer Erfahrung. Eine jahrelange zentrale Verlaufsdiagnostik schafft zunächst vor allem neue Datensätze, doch sie resultiert nicht automatisch in besserer Förderung oder in besseren Leistungen.“

Der Deutsche Lehrerverband verweist auf sein Positionspapier zur Schüler-ID, in dem zahlreiche ungeklärte Fragen benannt werden (Januar 2026: https://www.lehrerverband.de/schueler-id/). Bis heute sei offen, welche Daten überhaupt gespeichert werden sollen, wer darauf Zugriff erhält, wie lange sie aufbewahrt werden und welchen konkreten Nutzen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte daraus ziehen.

„Bevor über neue Datenregister gesprochen wird, muss beantwortet werden, welchen konkreten pädagogischen Mehrwert sie für den Unterricht haben. Daten dürfen nicht zum Selbstzweck werden. Schulen sind keine Datensammelstellen für Verwaltungs- oder Forschungsinteressen“, betont Düll. „Zusätzliche Datenerhebung bedeutet in erster Linie eine zusätzliche Belastung der Lehrkräfte durch unterrichtsferne Verwaltungsaufgaben. Das ist Zeit, die dann für das Unterrichten und die individuelle Förderung fehlt.“

Kritisch sieht der Verband auch den Verweis auf internationale Vorbilder wie Kanada. Unterschiede in Schulstruktur, Organisation und pädagogischen Rahmenbedingungen ließen sich nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen.

Nach Auffassung des Deutschen Lehrerverbands bestehen die größten Herausforderungen nicht in fehlenden Daten, sondern in fehlenden Ressourcen für individuelle Förderung. „Wenn zusätzliche Diagnosen besonderen Förderbedarf sichtbar machen, hilft das wenig, solange Lehrkräfte, Förderstunden, Schulpsychologen oder multiprofessionelle Teams fehlen. Entscheidend ist nicht, noch genauer zu messen, sondern wirksam zu handeln“, so Stefan Düll.

Zugleich warnt der Verband vor möglichen Risiken für Datenschutz und Datensicherheit. Eine personalisierte Schüler-ID sei nur bei klarer Zweckbindung, strengen Zugriffsregelungen und vollständiger rechtlicher Klärung denkbar. Vorrang müsse weiterhin das Prinzip der Datensparsamkeit haben.

„Wer mehr Diagnostik fordert, muss zuerst erklären, wie die Daten geschützt werden und welchen unmittelbaren Nutzen sie für die Schülerinnen und Schüler haben. Unterrichtsqualität entsteht durch gute Lehrkräfte, verlässliche Rahmenbedingungen und ausreichende Unterstützungssysteme, nicht durch immer umfangreichere Datenerfassung“, betont Düll. „Allgemein gibt es die sinnvolle Tendenz, unnötige Bürokratie und Berichtspflichten abzuschaffen. Bayerns Kultusministerin und BMK-Präsidentin Stolz setzt sich mit einem Programm in Bayern zur Entlastung von Schulen und Lehrkräften von Verwaltungsvorschriften dafür ein – das sollte Vorbild für alle Bundesländer sein.“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Stefan Düll über presse@lehrerverband.de bzw. über

0151-10 92 68 48.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Deutscher Lehrerverband zu den Empfehlungen der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“:

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Information, Kommunikation und digitale Teilhabe – und Schutz vor Risiken

Die Vorschläge der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ zeigen, wie komplex der Umgang mit der Internet-Nutzung und dem Social-Media-Zugang bei Kindern und Jugendlichen ist. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Stefan Düll, begrüßt die ausgewogenen Empfehlungen der Expertenkommission, die vor allem auch die Plattformanbieter in die Pflicht nimmt und die Wichtigkeit des Dreiklangs „Schutz, Befähigung und Teilhabe“ für das Online-Nutzungsverhalten durch Kinder und Jugendliche betont.

„Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Information, Kommunikation und digitale Teilhabe, sie brauchen aber zugleich Schutz vor Risiken, Suchtmechanismen und problematischen Inhalten. Unser Ziel muss ein sicherer digitaler Raum sein, der schützt und stärkt, statt auszuschließen, dafür müssen Politik, Schule, Eltern und Plattformen gemeinsam Verantwortung übernehmen“, betont DL-Präsident Stefan Düll. 

„Reine Verbote oder starre Altersgrenzen greifen zu kurz. Entscheidend ist, junge Menschen zu einem kompetenten, reflektierten Umgang mit digitalen Medien zu befähigen. Dafür braucht es verbindliche Medienbildung in den Schulen, eine enge Begleitung durch die Eltern sowie vor allem klare Regeln und mehr Verantwortung für die Plattformanbieter selbst. Medienbildung muss in den Schulen als Querschnittsthema in allen Fächern stattfinden, aber: Sie kann nicht nur einfach „on Top“ als Zusatzaufgabe von den Lehrkräften verlangt werden, Lehrkräfte brauchen dafür Weiterbildungsangebote und Entlastung an anderer Stelle bzw. Unterstützung durch flankierendes Personal“, so der Verbandspräsident.

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Fachtagung: Schule in der digitalen Welt – Potenziale und Perspektiven

Tagung des Deutschen Lehrerverbands

Montag, 15.06.2026, 15:00 – 18:30 Uhr

Pestana Hotel Tiergarten – Stülerstraße 6, 10787 Berlin

Bitte melden Sie sich an unter info@lehrerverband.de 

Die Digitalisierung prägt unseren Alltag und verändert zugleich, wie wir lernen, lehren und Schule gestalten. Unter dem Titel „Schule in der digitalen Welt – Potenziale und Perspektiven“ lädt der Deutsche Lehrerverband dazu ein, zentrale Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen der digitalen Transformation im Bildungsbereich gemeinsam zu beleuchten. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis und Schule diskutieren aktuelle Impulse rund um Künstliche Intelligenz, Medienbildung und innovative Lernformate – und eröffnen Raum für Austausch und Perspektiven für die Schule von morgen.

Programm:

 

Mehr zu DigitalSchoolStory finden Sie unter https://www.digitalschoolstory.de/.

Bitte melden Sie sich an unter info@lehrerverband.de 

Programm der Tagung zum Download als PDF

 

Deutscher Lehrerverband zu den aktuellen Zahlen zur Gewalt gegen Lehrkräfte

DL-Präsident Stefan Düll: „Wer Lehrkräfte angreift, greift die Schule als zentralen Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts an.“

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands (DL), Stefan Düll, äußert sich zu den aktuellen Zahlen zur zunehmenden Gewalt gegen Lehrkräfte: „Die Zahlen sind alarmierend und bestätigen, was viele Lehrkräfte seit Jahren erleben: Gewalt, Bedrohungen und Respektlosigkeit.“

Düll betont: „Wer Lehrkräfte angreift, greift die Schule als zentralen Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts an. Das dürfen wir nicht hinnehmen: Lehrkräfte haben ein Recht auf einen Arbeitsplatz ohne Gewalt.“ Die Zahlen zeigen deutlich, dass Prävention und Schutz bislang unzureichend seien. „Es reicht nicht, Gewalt zu beklagen – wir müssen handeln.“

Der Deutsche Lehrerverband fordert verbindliche Schutzkonzepte für alle Teile der Schulfamilie: „Wir brauchen Prävention, Intervention und Nachsorge. Das heißt zum Beispiel: klare rechtliche Rückendeckung für Lehrkräfte, konsequentes Eingreifen der Schulaufsicht sowie eine deutlich stärkere Präsenz von Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und externen Präventions- und Nachsorgeangeboten. Melde- und sanktionsfähige Strukturen müssten gestärkt werden: Gespräche der Polizei mit den Kindern und Jugendlichen präventiv im Klassenverband oder nach einem Gewaltvorfall auch vor der Strafmündigkeit mit den Täterinnen und Täter sind notwendig.“

Düll weist auch auf den gesellschaftlichen Kontext hin: „Gewaltvorfälle an Schulen sind dabei auch Teil einer gesamtgesellschaftlichen Tendenz mit mehr Aggressivität, wobei bestimmte gesellschaftliche Grundsätze aufgegeben werden. Wir sehen seit Jahren vermehrt Gewalt gegen die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr oder Krankenhauspersonal. Auch ehrenamtlich tätige Personen wie Lokalpolitiker und Schiedsrichter werden zunehmend verbal und oft auch körperlich angegriffen. Die Autorität von Menschen, die aufgrund ihrer Tätigkeit gesellschaftlichen Respekt verdienen, wird zunehmend in Frage gestellt.“

„Als Gesellschaft müssen wir auch darüber reden, wie wir unsere Kinder erziehen und welche Vorbilder wir mit unserem eigenen Verhalten abgeben“, betont DL-Präsident Stefan Düll. „Gerade Eltern, Influencer, Politikerinnen und Politiker sowie andere öffentliche Persönlichkeiten tragen eine besondere Verantwortung. Unser Maßstab muss sein: Würden wir ein solches Verhalten akzeptieren, wenn es alle zeigen würden?“ Respektlosigkeit, Herabwürdigung oder die Billigung von Gewalt dürften niemals zur Normalität werden. „Kinder und Jugendliche orientieren sich an dem, was Erwachsene und öffentliche Vorbilder vorleben. Wer selbst Grenzen überschreitet oder Gewalt relativiert, darf sich nicht wundern, wenn genau dieses Verhalten in Schule und Gesellschaft ankommt.“

Lesen Sie zum Thema auch das Papier „Sicherheit an Schulen – aktuelle Einschätzungen und notwendige strukturelle Schritte“ des Deutschen Lehrerverbands. 

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Amokdrohungen an Schulen

Deutscher Lehrerverband: „Entscheidend sind Prävention und Schulkultur – und die dafür notwendige Unterstützung!“

Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, zeigt sich besorgt über die jüngsten Amokdrohungen gegen Schulen. „Solche Vorfälle versetzen nicht nur Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte in Angst, sondern stören auch nachhaltig das Vertrauen in den sicheren Lernraum Schule“, betonte der Verbandspräsident.

Am Wochenende gab es gegen drei Schulen im Kreis Wesel Drohungen in den sozialen Medien. Und am Sonntag hatte eine 14-Jährige für Montag eine Amoktat an Schulen in Velbert über eine Messenger-App angedroht. In beiden Fällen finden Ermittlungen statt, aber es droht laut den Behörden keine konkrete Gefahr, so dass der Unterricht weiterhin stattfindet. Laut aktuellen Presseberichten am Dienstag hat die 14-Jährige ausgesagt, sie habe die Amokdrohung „aus Spaß“ geschrieben.

„Neben erschreckenden Gewaltvorfällen, die an Schulen sehr selten stattfinden, haben wir es immer wieder mit Drohungen gegen Schulen zu tun. Wenn daraus glücklicherweise keine Gewaltlage folgt, geht die Berichterstattung darüber oft nicht über die Regionalebene hinaus. Solche Drohungen dürfen nicht einfach als ‚dumme Jugendstreiche‘ abgetan werden. Jede dieser Nachrichten erzeugt reale Verunsicherung und bindet enorme Ressourcen von Polizei und Schule“, erklärt Stefan Düll. „Gleichzeitig müssen wir besonnen reagieren und Prävention in den Mittelpunkt stellen.“

Der Deutsche Lehrerverband sieht vier zentrale Handlungsfelder:

  1. Kommunikation stärken:

Schulen brauchen feste Strukturen für den offenen Austausch zwischen Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern. Niedrigschwellige Ansprechmöglichkeiten für Sorgen und Konflikte können verhindern, dass sich Probleme im Verborgenen zuspitzen.

  1. Digitale Verantwortung fördern:

Der Umgang mit Messenger-Apps und sozialen Medien muss stärker Bestandteil der Medienbildung werden. Schülerinnen und Schüler müssen verstehen, welche Tragweite digitale Botschaften haben – und welche strafrechtlichen Konsequenzen Drohungen nach sich ziehen können.

  1. Schulkultur festigen:

Ein respektvolles Miteinander, klare Regeln und eine gelebte Kultur der Fürsorge bilden die Grundlage für Sicherheit und Vertrauen. Schulen brauchen ausreichend Zeit, Personal und Unterstützung, um Projekte zu Gewaltprävention, Demokratiebildung, Medienerziehung und sozialem Lernen zu verankern.

  1. Sicherheitsbeauftragte an Schulen:

Dezidierte Sicherheitsbeauftragte, die dafür auch Entlastung beim Unterrichten bekommen sollten, können ein ganzheitliches Sicherheitskonzept für die Schule in ihrer speziellen Lage und Ausstattung erarbeiten, um alle Aspekte von Unfallschutz, Gesundheitsschutz, Katastrophenschutz und Umgang mit Unfällen und Gewalt zusammenzubringen.

„Wir brauchen mehr Schulsozialarbeit, eine verbesserte Ausstattung für Präventionsprojekte und vor allem mehr Zeit, um Beziehungen in den Klassenzimmern zu pflegen“, betont DL-Präsident Stefan Düll.

Ob möglicherweise Berichterstattung über Amokdrohungen oder Spielfilme wie der vergangene Polizeiruf am Sonntagabend über einen Amoklauf an einer Schule zu mehr Nachahmungen von (nicht ernstgemeinten) Drohungen führen können, ließ der Verbandspräsident offen: „Natürlich ist es möglich, dass Jugendliche sich dadurch zu Drohungen gegen ihre Schulen inspirieren lassen, weil sie den Ernst des Themas und die Konsequenzen einer solchen Drohung völlig unterschätzen, doch Ursache und Wirkung kann man hier nicht eindeutig feststellen. Nicht über Amokdrohungen und Amoktaten zu berichten und dieses Thema aus der fiktionalen Behandlung durch Spielfilme auszuschließen, ist aber keine Lösung. Notwendig ist hier eine einfühlsame Einbettung in Berichterstattung und Programm durch die Medien auf der einen Seite, und Medienbildung und psycho-soziale Prävention an den Schulen und in der Gesellschaft insgesamt.“

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Trauer und Bestürzung über den Amoklauf im österreichischen Graz

Mit Bestürzung und Trauer reagiert der Deutsche Lehrerverband auf die Medienberichte von einem Amoklauf an einer Schule im österreichischen Graz. DL-Präsident Stefan Düll: „Wir sind fassungslos und denken mit Trauer und Mitgefühl besonders an die Opfer und ihre Angehörigen – und an alle Mitglieder der Schulfamilie am Bundesoberstufenrealgymnasium in Graz.“

Der Verbandspräsident fährt fort: „Unweigerlich gehen in einer solchen Situation die Gedanken an die Schulen, an denen wir arbeiten, die unsere Kinder und Jugendlichen besuchen. Die Wahrscheinlichkeit eines Amoklaufs ist gering, aber nicht völlig ausgeschlossen.“

Stefan Düll erläutert, dass seit den Amokläufen von Erfurt und Winnenden Schulen und Schulleitungen sich intensiv mit dem Thema beschäftigten. In Zusammenarbeit mit Polizei und Schulträgern erstelle jede Schule Sicherheitskonzepte, die auf die Schule und ihre baulichen Besonderheiten zugeschnitten seien, diese würden jährlich aktualisiert.

„Das Verhalten im Ernstfall einer Gefahrensituation wird in Grundzügen geübt. Da es nicht die eine Amoklage gibt, gibt es keine einheitlichen Szenarien“, führt der DL-Präsident aus. „Als Grundregeln gelten das Verbarrikadieren im Unterrichtsraum bei Schüssen oder Amokalarm. In modernen bzw. modernisierten Schulgebäuden gibt es inzwischen oft Lautsprechersysteme für Durchsagen und Telefone in Klassenräumen, um die Kommunikation auch ohne Handy zu sichern.

Schulen sollten mit Krisenplänen und Kriseninterventionsteams vorbereitet sein. Diese Teams erhalten Schulungen und bilden sich regelmäßig weiter und tauschen sich aus. Neben Amokläufen reagieren sie auch auf andere Krisensituationen im Schulumfeld, z.B. bei schweren Unfällen oder Naturkatastrophen. Informationen etwa über Erste-Hilfe-Trainings oder Verhalten in verschiedenen Notsituationen werden im Rahmen von Konferenzen und internen Fortbildungen an die Lehrkräfte eines Kollegiums weitergegeben.“

Stefan Düll schlägt vor: „Aus meiner Sicht wäre es gut, wenn jede Schule einen Sicherheitsbeauftragten hat, der alle Aspekte von Sicherheit an einer Schule koordiniert und pädagogisch unterfüttert. Das geht von der Verkehrssicherheit, Gesundheitsförderung und Prävention über Unfall- und Brandschutz bis zu Katastrophenlagen. Auch der regelmäßige Kontakt zu den Blaulichtorganisationen würde über diese Person laufen. Für diese Aufgaben braucht es Entlastung von der Unterrichtstätigkeit, wie es sie für den Datenschutzbeauftragten vielfach gibt. Die Sicherheit von Leib und Leben sollte uns hier mindestens so wichtig sein wie der Schutz von Daten.“

Im Hinblick auf Vorschläge wie Eingangskontrollen mit Wachpersonal und Scannern, wie sie in den USA verbreitet sind, weist der Verbandspräsident darauf hin, dass solche Sicherungen im Widerspruch stehen zum sehr freiheitlichen Verständnis von Schule bei uns: „Es gibt keine unüberwindbaren Zäune oder Maschendraht, Lernende verlassen in der Mittagspause, in Freistunden oder im Sportunterricht das Schulgebäude. Leider zeigen die Amokläufe in den USA, dass selbst starke Sicherheitsmaßnahmen nicht alle Amokläufe verhindern. Wer eine solche Tat plant, oft von langer Hand, findet Wege, die Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen.“

DL-Präsident Stefan Düll betont: „Aus meiner Sicht entscheidend ist daher eine andere Art der Prävention: Schulen müssen mit ausreichend Lehrkräften sowie Sozialpädagogen, Jugendarbeiter und Schulpsychologen ausgestattet sein, um auf Auffälligkeiten aller Art zu achten und rechtzeitig eingreifen zu können, wenn Schülerinnen und Schüler Probleme haben. Manchmal kommen erste Hinweise auch von Mitschülern, die sich über Aussagen oder das Verhalten anderer Kinder und Jugendlicher Sorgen machen. Wesentlich dafür ist ein gutes respekt- und vertrauensvolles Schulklima. Ich plädiere sehr dafür, die Schulen mit ausreichend Fachpersonal auszustatten. Wir wissen nicht, ob und wie viele Amokläufe durch diese Art der Prävention verhindert werden, doch die Investition in die emotionale und psychische Gesundheit und Sicherheit von Kindern und Jugendlichen lohnt sich in jedem Fall.“

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Foto von Sven Alleblas auf Unsplash

 

Respektlosigkeit in der Gesellschaft – Auswirkungen in den Schulen

Foto Stefan Düll: Andreas Gebert, Screenshot Überschrift BILD.de vom untenstehenden Link

Auf Anfrage der Bild am Sonntag hatte sich DL-Präsident Stefan Düll bereits im November zur Problematik von Respektlosigkeit und allgemeiner Verrohung der Gesellschaft und zu den Auswirkungen auf den Schulbereich geäußert – Aussagen, die im Zusammenhang mit den Vorkommnissen zu Silvester eine besondere Aktualität haben.

Stefan Düll trifft folgende ausführliche Einschätzungen:

„Insgesamt gibt es gesellschaftlich – in den sogenannten sozialen Medien, in den Kommentarspalten der Online-Medien, im Straßenverkehr, im Diskurs öffentlicher Personen z.B. in Talkshows, Comedy-Formaten oder in sogenannten Reality-TV-Formaten – eine Tendenz zu Gereiztheit, Unhöflichkeit, Pöbelei, Fäkalsprache und teilweise auch zu Beschimpfung und Eskalation zu körperlicher Gewalt. Der Missbrauch digitaler Plattformen für Hass, Hetze, Mobbing, Sexting trägt zu einem Klima der Aggression bei. Dadurch nehmen auch manche Kinder und Jugendliche Gewalt als Strategie wahr und wenden sie an.

Bei der Gewalt – verbal und psychisch – gegenüber Lehrkräften spielt ein Respektverlust gegenüber Autoritätspersonen eine Rolle, wie wir ihn auch gegenüber Personal von Rettungsdiensten oder gegenüber der Polizei sehen. Im gesellschaftlichen Diskurs nehmen wir eine Zunahme der Respektlosigkeit gegenüber dem Berufsstand der Lehrkräfte wahr, jeder glaubt, die Situation an den Schulen und im Unterricht durch die Erfahrung aus der eigenen Schulzeit einschätzen zu können, aber – wie wir beim aktuellen Lehrkräftemangel sehen – immer weniger wollen die Arbeit machen. Respektlose Äußerungen einiger Politiker gegenüber Lehrkräften waren dabei nicht hilfreich.

Zudem haben wir in den Schulen junge Menschen, die von klein auf Misserfolge erleben, deswegen frustriert sind und diesen Frust in Form von Gewalt rauslassen. Wir haben auch Schülerinnen und Schüler mit Fluchterfahrungen, die Gewalt erleben mussten und aus einer Situation des Überlebenskampfes kommen. Das hat bei einzelnen von ihnen zur Wahrnehmung von Gewalt als Strategie geführt. Wir bekommen Berichte über Respektlosigkeit gegenüber Lehrkräften, insbesondere Lehrerinnen, aber nicht nur, die auf patriarchaler Erziehung mancher junger Menschen mit Migrationshintergrund beruht. Respektlosigkeit und Gewalt gegenüber Lehrkräften, auch aus misogynen Gründen, kommen allerdings in allen gesellschaftlichen Gruppen vor. 

Ein zusätzlicher Grund für den Anstieg in Umfragen und Statistiken ist, dass allgemein ein höheres Bewusstsein in der Gesellschaft für Grenzüberschreitungen vorhanden ist, darüber mehr gesprochen wird und Gewaltvorfälle häufiger gemeldet werden. Es werden mehr statistische Daten zu Gewalt in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft systematischer erfasst, so auch im Schulbereich. Unterschiede zwischen Bundesländern können teilweise auch auf unterschiedliche Richtlinien zurückgehen, welche Art von Vorfällen auf welche Weise differenziert gemeldet und statistisch ausgewertet werden. 

Die oben beschriebene gesellschaftliche Verrohung zeigt sich auch bei einem Teil der Eltern, nicht aber bei der Mehrheit. Manche Eltern sehen nicht, dass Schule und Eltern eine Erziehungspartnerschaft eingehen müssen – sie werfen der Schule sehr schnell unpädagogisches Verhalten, Versagen oder Unfähigkeit vor oder fehlendes Einfühlungsvermögen. Selbst bei erheblichen Disziplinarverstößen ihrer Kinder sehen sie jede erzieherische Reaktion der Schule und der Lehrkräfte als unverhältnismäßig an. Bei dieser Minderheit der Eltern kommt es auch zu Beschimpfungen von Lehrkräften und im Ausnahmefall zu körperlicher Gewalt.“

Teile der Aussagen wurden in der Bild am Sonntag vom 05.01.2025 zitiert: https://m.bild.de/news/inland/gewalt-statt-respekt-die-enthemmte-gesellschaft-673df07bb1787a186e12e9fd.

PISA: Mehr Anstrengungen für den Bildungsbereich ab der frühkindlichen Bildung

Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen sind Schlüssel zu nachhaltigem Bildungserfolg

Mehr Anstrengungen für den Bildungsbereich ab der frühkindlichen Bildung. Das fordert der Deut­sche Lehrerverband anlässlich der heute veröffentlichten PISA-Ergebnisse 2022. Alle politischen Ebenen sind gefordert, endlich die Konsequenzen aus dieser und anderen Studien zu ziehen. 

Schon die Ergebnisse der IQB-Studien haben gezeigt: Ein Teil der Schülerinnen und Schüler wird bereits in frühen Jahren aufgrund mangelhafter Lese-, Schreib- und Mathematikkenntnisse abge­hängt. Ohne diese essenziellen Grundkompetenzen scheitern diese jungen Menschen in Schule und Alltag. Ihre Bildungskarriere erleidet Schiffbruch, bevor sie begonnen hat. Die schulische Fächer- und die alltägliche Lebensvielfalt bleibt ihnen verschlossen.

Im Vorschulbereich müssen fehlende Sprachbeherrschung und fehlendes Kulturverständnis iden­tifiziert werden. Die Kinder müssen ihren sozial-kulturellen Hintergrund mit der hiesigen Gesellschaft verbinden können. Darauf aufbauend müssen die Grundschulen sich auf die Grund­fähigkeiten des Lesens, Schreibens und Rechnens als Schlüssel zum nachhaltigen Bildungserfolg konzentrieren – immer in Bezug zur gesellschaftlichen Vielfalt unseres freiheitlichen und demo­kratischen Landes in Europa.

Angesichts der zahlreichen Baustellen im deutschen Schulwesen – vom Lehrkräftemangel über Lernlücken aus der Corona-Zeit bis hin zu baufälligen Schulgebäuden – braucht es keine Struk­turdebatte, sondern Ressourcen für unser bestehendes Bildungssystem. Damit gelingt Chancen­gerechtigkeit für Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Bildungshintergründen. 

Notwendig sind verpflichtende systematische vorschulische Sprachstandstests in den Kinder­tagesstätten, ggfs. verbunden mit verpflichtenden Vorschuljahren sowie gezielter Sprachförderung im gesamten Bildungsverlauf. In allen Schularten braucht es individuelle Diagnostik und Förderung durch Lehrkräfte, die dafür entsprechende Zeitressourcen bekommen, unterstützt durch flankie­rendes Personal für die sozial-emotionale Förderung. Durch kleinere Klassen und Lerngruppen sowie ansprechende Schulbauten entsteht eine konzentrationsfördernde und wertschätzende Lernumgebung. Diese individuelle Förderung ist nur möglich, wenn an den Schulen eine aus­reichende Zahl von qualifiziertem Personal in allen Bereichen vorhanden ist. 

Trotz Lehrkräftemangel darf die Qualifikation von Quer- und Seiteneinsteigern nicht hinter die der grundständigen Lehrkräfteausbildung zurückstehen. Gleichzeitig ist für den Bildungserfolg der Kin­der auch auf die Verantwortlichkeit der Eltern im Sinne einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule hinzuweisen. Die auf wirtschaftliche Verwertung von Bildung aus­gerichtete PISA-Studie darf den Blick nicht verstellen für die Bedeutung kultureller Schul­erfolgsfaktoren, wie sie auch in musischen Fächern gefördert werden.

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Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Deutscher Lehrerverband fordert Nachbesserung beim Bundesinfektionsschutzgesetz-Entwurf:

Auch Grundschulen im Notfall durch Maskenpflicht vor Schulschließungen schützen!

Im Hinblick auf die Beratungen der Neufassung des Bundesinfektionsschutzgesetzes im Bundestag hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, dringend Nachbesserungen angemahnt.

Er betonte: „Wir hoffen zwar alle auf weitestgehende Normalität im nächsten Schuljahr möglichst ohne Einschränkungen. Das darf uns aber nicht davon abhalten, im Falle einer erneuten heftigen Coronawelle alles zu tun, um Schulschließungen durch zu hohe Personalausfälle zu verhindern.

An den weiterführenden Schulen sieht der Bundesinfektionsschutzgesetz-Entwurf deshalb bei heftigem Infektionsgeschehen die Möglichkeit vor, durch Anordnung einer Maskenpflicht Infektionen im Schulbereich zu erschweren und dadurch den Präsenzunterricht zu sichern. Für die Grundschulen ist dies bislang aus unerfindlichen Gründen nicht vorgesehen, obwohl gerade für die Jüngeren die Sicherung des Präsenzunterrichts besonders wichtig ist. Im Vergleich zu Schulschließungen, wie wir sie übrigens auch jetzt nach Schulstart schon wieder vereinzelt leider erleben mussten, ist eine präventive Maskenpflicht das eindeutig geringere Übel. Deshalb fordern wir diesbezüglich dringend eine Nachbesserung des Gesetzentwurfs! „

Darüber hinaus forderte der Verbandsvorsitzende eine möglichst einheitliche Verfahrensweise der Länder bei der Anwendung der gesetzlichen Möglichkeiten. Es müsse nachvollziehbar mit klaren Kriterien definiert werden, wann eine Gefährdung des Präsenzunterrichts vorliegt.

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher