Deutscher Lehrerverband zu den aktuellen Zahlen zur Gewalt gegen Lehrkräfte

DL-Präsident Stefan Düll: „Wer Lehrkräfte angreift, greift die Schule als zentralen Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts an.“

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands (DL), Stefan Düll, äußert sich zu den aktuellen Zahlen zur zunehmenden Gewalt gegen Lehrkräfte: „Die Zahlen sind alarmierend und bestätigen, was viele Lehrkräfte seit Jahren erleben: Gewalt, Bedrohungen und Respektlosigkeit.“

Düll betont: „Wer Lehrkräfte angreift, greift die Schule als zentralen Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts an. Das dürfen wir nicht hinnehmen: Lehrkräfte haben ein Recht auf einen Arbeitsplatz ohne Gewalt.“ Die Zahlen zeigen deutlich, dass Prävention und Schutz bislang unzureichend seien. „Es reicht nicht, Gewalt zu beklagen – wir müssen handeln.“

Der Deutsche Lehrerverband fordert verbindliche Schutzkonzepte für alle Teile der Schulfamilie: „Wir brauchen Prävention, Intervention und Nachsorge. Das heißt zum Beispiel: klare rechtliche Rückendeckung für Lehrkräfte, konsequentes Eingreifen der Schulaufsicht sowie eine deutlich stärkere Präsenz von Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und externen Präventions- und Nachsorgeangeboten. Melde- und sanktionsfähige Strukturen müssten gestärkt werden: Gespräche der Polizei mit den Kindern und Jugendlichen präventiv im Klassenverband oder nach einem Gewaltvorfall auch vor der Strafmündigkeit mit den Täterinnen und Täter sind notwendig.“

Düll weist auch auf den gesellschaftlichen Kontext hin: „Gewaltvorfälle an Schulen sind dabei auch Teil einer gesamtgesellschaftlichen Tendenz mit mehr Aggressivität, wobei bestimmte gesellschaftliche Grundsätze aufgegeben werden. Wir sehen seit Jahren vermehrt Gewalt gegen die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr oder Krankenhauspersonal. Auch ehrenamtlich tätige Personen wie Lokalpolitiker und Schiedsrichter werden zunehmend verbal und oft auch körperlich angegriffen. Die Autorität von Menschen, die aufgrund ihrer Tätigkeit gesellschaftlichen Respekt verdienen, wird zunehmend in Frage gestellt.“

„Als Gesellschaft müssen wir auch darüber reden, wie wir unsere Kinder erziehen und welche Vorbilder wir mit unserem eigenen Verhalten abgeben“, betont DL-Präsident Stefan Düll. „Gerade Eltern, Influencer, Politikerinnen und Politiker sowie andere öffentliche Persönlichkeiten tragen eine besondere Verantwortung. Unser Maßstab muss sein: Würden wir ein solches Verhalten akzeptieren, wenn es alle zeigen würden?“ Respektlosigkeit, Herabwürdigung oder die Billigung von Gewalt dürften niemals zur Normalität werden. „Kinder und Jugendliche orientieren sich an dem, was Erwachsene und öffentliche Vorbilder vorleben. Wer selbst Grenzen überschreitet oder Gewalt relativiert, darf sich nicht wundern, wenn genau dieses Verhalten in Schule und Gesellschaft ankommt.“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Stefan Düll über presse@lehrerverband.de bzw. über 0151-10 92 68 48.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Amokdrohungen an Schulen

Deutscher Lehrerverband: „Entscheidend sind Prävention und Schulkultur – und die dafür notwendige Unterstützung!“

Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, zeigt sich besorgt über die jüngsten Amokdrohungen gegen Schulen. „Solche Vorfälle versetzen nicht nur Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte in Angst, sondern stören auch nachhaltig das Vertrauen in den sicheren Lernraum Schule“, betonte der Verbandspräsident.

Am Wochenende gab es gegen drei Schulen im Kreis Wesel Drohungen in den sozialen Medien. Und am Sonntag hatte eine 14-Jährige für Montag eine Amoktat an Schulen in Velbert über eine Messenger-App angedroht. In beiden Fällen finden Ermittlungen statt, aber es droht laut den Behörden keine konkrete Gefahr, so dass der Unterricht weiterhin stattfindet. Laut aktuellen Presseberichten am Dienstag hat die 14-Jährige ausgesagt, sie habe die Amokdrohung „aus Spaß“ geschrieben.

„Neben erschreckenden Gewaltvorfällen, die an Schulen sehr selten stattfinden, haben wir es immer wieder mit Drohungen gegen Schulen zu tun. Wenn daraus glücklicherweise keine Gewaltlage folgt, geht die Berichterstattung darüber oft nicht über die Regionalebene hinaus. Solche Drohungen dürfen nicht einfach als ‚dumme Jugendstreiche‘ abgetan werden. Jede dieser Nachrichten erzeugt reale Verunsicherung und bindet enorme Ressourcen von Polizei und Schule“, erklärt Stefan Düll. „Gleichzeitig müssen wir besonnen reagieren und Prävention in den Mittelpunkt stellen.“

Der Deutsche Lehrerverband sieht vier zentrale Handlungsfelder:

  1. Kommunikation stärken:

Schulen brauchen feste Strukturen für den offenen Austausch zwischen Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern. Niedrigschwellige Ansprechmöglichkeiten für Sorgen und Konflikte können verhindern, dass sich Probleme im Verborgenen zuspitzen.

  1. Digitale Verantwortung fördern:

Der Umgang mit Messenger-Apps und sozialen Medien muss stärker Bestandteil der Medienbildung werden. Schülerinnen und Schüler müssen verstehen, welche Tragweite digitale Botschaften haben – und welche strafrechtlichen Konsequenzen Drohungen nach sich ziehen können.

  1. Schulkultur festigen:

Ein respektvolles Miteinander, klare Regeln und eine gelebte Kultur der Fürsorge bilden die Grundlage für Sicherheit und Vertrauen. Schulen brauchen ausreichend Zeit, Personal und Unterstützung, um Projekte zu Gewaltprävention, Demokratiebildung, Medienerziehung und sozialem Lernen zu verankern.

  1. Sicherheitsbeauftragte an Schulen:

Dezidierte Sicherheitsbeauftragte, die dafür auch Entlastung beim Unterrichten bekommen sollten, können ein ganzheitliches Sicherheitskonzept für die Schule in ihrer speziellen Lage und Ausstattung erarbeiten, um alle Aspekte von Unfallschutz, Gesundheitsschutz, Katastrophenschutz und Umgang mit Unfällen und Gewalt zusammenzubringen.

„Wir brauchen mehr Schulsozialarbeit, eine verbesserte Ausstattung für Präventionsprojekte und vor allem mehr Zeit, um Beziehungen in den Klassenzimmern zu pflegen“, betont DL-Präsident Stefan Düll.

Ob möglicherweise Berichterstattung über Amokdrohungen oder Spielfilme wie der vergangene Polizeiruf am Sonntagabend über einen Amoklauf an einer Schule zu mehr Nachahmungen von (nicht ernstgemeinten) Drohungen führen können, ließ der Verbandspräsident offen: „Natürlich ist es möglich, dass Jugendliche sich dadurch zu Drohungen gegen ihre Schulen inspirieren lassen, weil sie den Ernst des Themas und die Konsequenzen einer solchen Drohung völlig unterschätzen, doch Ursache und Wirkung kann man hier nicht eindeutig feststellen. Nicht über Amokdrohungen und Amoktaten zu berichten und dieses Thema aus der fiktionalen Behandlung durch Spielfilme auszuschließen, ist aber keine Lösung. Notwendig ist hier eine einfühlsame Einbettung in Berichterstattung und Programm durch die Medien auf der einen Seite, und Medienbildung und psycho-soziale Prävention an den Schulen und in der Gesellschaft insgesamt.“

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Trauer und Bestürzung über den Amoklauf im österreichischen Graz

Mit Bestürzung und Trauer reagiert der Deutsche Lehrerverband auf die Medienberichte von einem Amoklauf an einer Schule im österreichischen Graz. DL-Präsident Stefan Düll: „Wir sind fassungslos und denken mit Trauer und Mitgefühl besonders an die Opfer und ihre Angehörigen – und an alle Mitglieder der Schulfamilie am Bundesoberstufenrealgymnasium in Graz.“

Der Verbandspräsident fährt fort: „Unweigerlich gehen in einer solchen Situation die Gedanken an die Schulen, an denen wir arbeiten, die unsere Kinder und Jugendlichen besuchen. Die Wahrscheinlichkeit eines Amoklaufs ist gering, aber nicht völlig ausgeschlossen.“

Stefan Düll erläutert, dass seit den Amokläufen von Erfurt und Winnenden Schulen und Schulleitungen sich intensiv mit dem Thema beschäftigten. In Zusammenarbeit mit Polizei und Schulträgern erstelle jede Schule Sicherheitskonzepte, die auf die Schule und ihre baulichen Besonderheiten zugeschnitten seien, diese würden jährlich aktualisiert.

„Das Verhalten im Ernstfall einer Gefahrensituation wird in Grundzügen geübt. Da es nicht die eine Amoklage gibt, gibt es keine einheitlichen Szenarien“, führt der DL-Präsident aus. „Als Grundregeln gelten das Verbarrikadieren im Unterrichtsraum bei Schüssen oder Amokalarm. In modernen bzw. modernisierten Schulgebäuden gibt es inzwischen oft Lautsprechersysteme für Durchsagen und Telefone in Klassenräumen, um die Kommunikation auch ohne Handy zu sichern.

Schulen sollten mit Krisenplänen und Kriseninterventionsteams vorbereitet sein. Diese Teams erhalten Schulungen und bilden sich regelmäßig weiter und tauschen sich aus. Neben Amokläufen reagieren sie auch auf andere Krisensituationen im Schulumfeld, z.B. bei schweren Unfällen oder Naturkatastrophen. Informationen etwa über Erste-Hilfe-Trainings oder Verhalten in verschiedenen Notsituationen werden im Rahmen von Konferenzen und internen Fortbildungen an die Lehrkräfte eines Kollegiums weitergegeben.“

Stefan Düll schlägt vor: „Aus meiner Sicht wäre es gut, wenn jede Schule einen Sicherheitsbeauftragten hat, der alle Aspekte von Sicherheit an einer Schule koordiniert und pädagogisch unterfüttert. Das geht von der Verkehrssicherheit, Gesundheitsförderung und Prävention über Unfall- und Brandschutz bis zu Katastrophenlagen. Auch der regelmäßige Kontakt zu den Blaulichtorganisationen würde über diese Person laufen. Für diese Aufgaben braucht es Entlastung von der Unterrichtstätigkeit, wie es sie für den Datenschutzbeauftragten vielfach gibt. Die Sicherheit von Leib und Leben sollte uns hier mindestens so wichtig sein wie der Schutz von Daten.“

Im Hinblick auf Vorschläge wie Eingangskontrollen mit Wachpersonal und Scannern, wie sie in den USA verbreitet sind, weist der Verbandspräsident darauf hin, dass solche Sicherungen im Widerspruch stehen zum sehr freiheitlichen Verständnis von Schule bei uns: „Es gibt keine unüberwindbaren Zäune oder Maschendraht, Lernende verlassen in der Mittagspause, in Freistunden oder im Sportunterricht das Schulgebäude. Leider zeigen die Amokläufe in den USA, dass selbst starke Sicherheitsmaßnahmen nicht alle Amokläufe verhindern. Wer eine solche Tat plant, oft von langer Hand, findet Wege, die Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen.“

DL-Präsident Stefan Düll betont: „Aus meiner Sicht entscheidend ist daher eine andere Art der Prävention: Schulen müssen mit ausreichend Lehrkräften sowie Sozialpädagogen, Jugendarbeiter und Schulpsychologen ausgestattet sein, um auf Auffälligkeiten aller Art zu achten und rechtzeitig eingreifen zu können, wenn Schülerinnen und Schüler Probleme haben. Manchmal kommen erste Hinweise auch von Mitschülern, die sich über Aussagen oder das Verhalten anderer Kinder und Jugendlicher Sorgen machen. Wesentlich dafür ist ein gutes respekt- und vertrauensvolles Schulklima. Ich plädiere sehr dafür, die Schulen mit ausreichend Fachpersonal auszustatten. Wir wissen nicht, ob und wie viele Amokläufe durch diese Art der Prävention verhindert werden, doch die Investition in die emotionale und psychische Gesundheit und Sicherheit von Kindern und Jugendlichen lohnt sich in jedem Fall.“

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Respektlosigkeit in der Gesellschaft – Auswirkungen in den Schulen

Foto Stefan Düll: Andreas Gebert, Screenshot Überschrift BILD.de vom untenstehenden Link

Auf Anfrage der Bild am Sonntag hatte sich DL-Präsident Stefan Düll bereits im November zur Problematik von Respektlosigkeit und allgemeiner Verrohung der Gesellschaft und zu den Auswirkungen auf den Schulbereich geäußert – Aussagen, die im Zusammenhang mit den Vorkommnissen zu Silvester eine besondere Aktualität haben.

Stefan Düll trifft folgende ausführliche Einschätzungen:

„Insgesamt gibt es gesellschaftlich – in den sogenannten sozialen Medien, in den Kommentarspalten der Online-Medien, im Straßenverkehr, im Diskurs öffentlicher Personen z.B. in Talkshows, Comedy-Formaten oder in sogenannten Reality-TV-Formaten – eine Tendenz zu Gereiztheit, Unhöflichkeit, Pöbelei, Fäkalsprache und teilweise auch zu Beschimpfung und Eskalation zu körperlicher Gewalt. Der Missbrauch digitaler Plattformen für Hass, Hetze, Mobbing, Sexting trägt zu einem Klima der Aggression bei. Dadurch nehmen auch manche Kinder und Jugendliche Gewalt als Strategie wahr und wenden sie an.

Bei der Gewalt – verbal und psychisch – gegenüber Lehrkräften spielt ein Respektverlust gegenüber Autoritätspersonen eine Rolle, wie wir ihn auch gegenüber Personal von Rettungsdiensten oder gegenüber der Polizei sehen. Im gesellschaftlichen Diskurs nehmen wir eine Zunahme der Respektlosigkeit gegenüber dem Berufsstand der Lehrkräfte wahr, jeder glaubt, die Situation an den Schulen und im Unterricht durch die Erfahrung aus der eigenen Schulzeit einschätzen zu können, aber – wie wir beim aktuellen Lehrkräftemangel sehen – immer weniger wollen die Arbeit machen. Respektlose Äußerungen einiger Politiker gegenüber Lehrkräften waren dabei nicht hilfreich.

Zudem haben wir in den Schulen junge Menschen, die von klein auf Misserfolge erleben, deswegen frustriert sind und diesen Frust in Form von Gewalt rauslassen. Wir haben auch Schülerinnen und Schüler mit Fluchterfahrungen, die Gewalt erleben mussten und aus einer Situation des Überlebenskampfes kommen. Das hat bei einzelnen von ihnen zur Wahrnehmung von Gewalt als Strategie geführt. Wir bekommen Berichte über Respektlosigkeit gegenüber Lehrkräften, insbesondere Lehrerinnen, aber nicht nur, die auf patriarchaler Erziehung mancher junger Menschen mit Migrationshintergrund beruht. Respektlosigkeit und Gewalt gegenüber Lehrkräften, auch aus misogynen Gründen, kommen allerdings in allen gesellschaftlichen Gruppen vor. 

Ein zusätzlicher Grund für den Anstieg in Umfragen und Statistiken ist, dass allgemein ein höheres Bewusstsein in der Gesellschaft für Grenzüberschreitungen vorhanden ist, darüber mehr gesprochen wird und Gewaltvorfälle häufiger gemeldet werden. Es werden mehr statistische Daten zu Gewalt in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft systematischer erfasst, so auch im Schulbereich. Unterschiede zwischen Bundesländern können teilweise auch auf unterschiedliche Richtlinien zurückgehen, welche Art von Vorfällen auf welche Weise differenziert gemeldet und statistisch ausgewertet werden. 

Die oben beschriebene gesellschaftliche Verrohung zeigt sich auch bei einem Teil der Eltern, nicht aber bei der Mehrheit. Manche Eltern sehen nicht, dass Schule und Eltern eine Erziehungspartnerschaft eingehen müssen – sie werfen der Schule sehr schnell unpädagogisches Verhalten, Versagen oder Unfähigkeit vor oder fehlendes Einfühlungsvermögen. Selbst bei erheblichen Disziplinarverstößen ihrer Kinder sehen sie jede erzieherische Reaktion der Schule und der Lehrkräfte als unverhältnismäßig an. Bei dieser Minderheit der Eltern kommt es auch zu Beschimpfungen von Lehrkräften und im Ausnahmefall zu körperlicher Gewalt.“

Teile der Aussagen wurden in der Bild am Sonntag vom 05.01.2025 zitiert: https://m.bild.de/news/inland/gewalt-statt-respekt-die-enthemmte-gesellschaft-673df07bb1787a186e12e9fd.

PISA: Mehr Anstrengungen für den Bildungsbereich ab der frühkindlichen Bildung

Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen sind Schlüssel zu nachhaltigem Bildungserfolg

Mehr Anstrengungen für den Bildungsbereich ab der frühkindlichen Bildung. Das fordert der Deut­sche Lehrerverband anlässlich der heute veröffentlichten PISA-Ergebnisse 2022. Alle politischen Ebenen sind gefordert, endlich die Konsequenzen aus dieser und anderen Studien zu ziehen. 

Schon die Ergebnisse der IQB-Studien haben gezeigt: Ein Teil der Schülerinnen und Schüler wird bereits in frühen Jahren aufgrund mangelhafter Lese-, Schreib- und Mathematikkenntnisse abge­hängt. Ohne diese essenziellen Grundkompetenzen scheitern diese jungen Menschen in Schule und Alltag. Ihre Bildungskarriere erleidet Schiffbruch, bevor sie begonnen hat. Die schulische Fächer- und die alltägliche Lebensvielfalt bleibt ihnen verschlossen.

Im Vorschulbereich müssen fehlende Sprachbeherrschung und fehlendes Kulturverständnis iden­tifiziert werden. Die Kinder müssen ihren sozial-kulturellen Hintergrund mit der hiesigen Gesellschaft verbinden können. Darauf aufbauend müssen die Grundschulen sich auf die Grund­fähigkeiten des Lesens, Schreibens und Rechnens als Schlüssel zum nachhaltigen Bildungserfolg konzentrieren – immer in Bezug zur gesellschaftlichen Vielfalt unseres freiheitlichen und demo­kratischen Landes in Europa.

Angesichts der zahlreichen Baustellen im deutschen Schulwesen – vom Lehrkräftemangel über Lernlücken aus der Corona-Zeit bis hin zu baufälligen Schulgebäuden – braucht es keine Struk­turdebatte, sondern Ressourcen für unser bestehendes Bildungssystem. Damit gelingt Chancen­gerechtigkeit für Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Bildungshintergründen. 

Notwendig sind verpflichtende systematische vorschulische Sprachstandstests in den Kinder­tagesstätten, ggfs. verbunden mit verpflichtenden Vorschuljahren sowie gezielter Sprachförderung im gesamten Bildungsverlauf. In allen Schularten braucht es individuelle Diagnostik und Förderung durch Lehrkräfte, die dafür entsprechende Zeitressourcen bekommen, unterstützt durch flankie­rendes Personal für die sozial-emotionale Förderung. Durch kleinere Klassen und Lerngruppen sowie ansprechende Schulbauten entsteht eine konzentrationsfördernde und wertschätzende Lernumgebung. Diese individuelle Förderung ist nur möglich, wenn an den Schulen eine aus­reichende Zahl von qualifiziertem Personal in allen Bereichen vorhanden ist. 

Trotz Lehrkräftemangel darf die Qualifikation von Quer- und Seiteneinsteigern nicht hinter die der grundständigen Lehrkräfteausbildung zurückstehen. Gleichzeitig ist für den Bildungserfolg der Kin­der auch auf die Verantwortlichkeit der Eltern im Sinne einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule hinzuweisen. Die auf wirtschaftliche Verwertung von Bildung aus­gerichtete PISA-Studie darf den Blick nicht verstellen für die Bedeutung kultureller Schul­erfolgsfaktoren, wie sie auch in musischen Fächern gefördert werden.

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Stefan Düll über presse@lehrerverband.de bzw. über 0151-10926848.

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Deutscher Lehrerverband fordert Nachbesserung beim Bundesinfektionsschutzgesetz-Entwurf:

Auch Grundschulen im Notfall durch Maskenpflicht vor Schulschließungen schützen!

Im Hinblick auf die Beratungen der Neufassung des Bundesinfektionsschutzgesetzes im Bundestag hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, dringend Nachbesserungen angemahnt.

Er betonte: „Wir hoffen zwar alle auf weitestgehende Normalität im nächsten Schuljahr möglichst ohne Einschränkungen. Das darf uns aber nicht davon abhalten, im Falle einer erneuten heftigen Coronawelle alles zu tun, um Schulschließungen durch zu hohe Personalausfälle zu verhindern.

An den weiterführenden Schulen sieht der Bundesinfektionsschutzgesetz-Entwurf deshalb bei heftigem Infektionsgeschehen die Möglichkeit vor, durch Anordnung einer Maskenpflicht Infektionen im Schulbereich zu erschweren und dadurch den Präsenzunterricht zu sichern. Für die Grundschulen ist dies bislang aus unerfindlichen Gründen nicht vorgesehen, obwohl gerade für die Jüngeren die Sicherung des Präsenzunterrichts besonders wichtig ist. Im Vergleich zu Schulschließungen, wie wir sie übrigens auch jetzt nach Schulstart schon wieder vereinzelt leider erleben mussten, ist eine präventive Maskenpflicht das eindeutig geringere Übel. Deshalb fordern wir diesbezüglich dringend eine Nachbesserung des Gesetzentwurfs! „

Darüber hinaus forderte der Verbandsvorsitzende eine möglichst einheitliche Verfahrensweise der Länder bei der Anwendung der gesetzlichen Möglichkeiten. Es müsse nachvollziehbar mit klaren Kriterien definiert werden, wann eine Gefährdung des Präsenzunterrichts vorliegt.

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Forderungen des DL für einen sicheren Schulstart im Herbst 2022

Der DL richtet den dringenden Appell an die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker von Bund und Ländern, alles zu tun, damit die Schulen im Herbst 22 bestens auf eine erwartete neuerliche Coronawelle vorbereitet sein werden.

Dazu ist insbesondere notwendig:

  1. Das Bundesinfektionsschutzgesetz sollte so geändert werden, dass im Bedarfsfall an Schulen sowohl regional als auch flächendeckend wieder besondere Gesundheitsschutzmaßnahmen wie die erweiterte Maskenpflicht angeordnet werden können.
  2. In jedem Land sind rechtzeitig die notwendigen Rechtsverordnungen zu konzipieren und zu erlassen, die zur Vorbereitung auf eine neue Pandemiewelle notwendig sind.
  3. Es muss dafür gesorgt werden, dass Schulen ausreichend mit Testkapazitäten und Hygieneschutzmitteln ausgestattet sind.
  4. Im Vorfeld des nächsten Schuljahres müssen alle Anstrengungen unternommen werden, damit möglicher neuerlicher Fernunterricht problemlos laufen kann. Insbesondere sollte die Versorgung der Schulen mit schnellem Internet vorangetrieben, der professionelle IT-Support der Schulen massiv ausgebaut, der für Distanzunterricht und die Nutzung von Lernplattformen erforderliche Datenschutz sichergestellt und Kapazitäten für die entsprechenden Fortbildungen geschaffen werden.
  5. Bund und Länder müssen dafür Sorge tragen, dass im Falle der Entwicklung eines an aktuelle Virusvarianten angepassten Impfstoffes Lehrkräfte zu den Gruppen gezählt werden, die damit vorrangig geimpft bzw. geboostert werden.
  6. Bildungspolitik und die Landesregierungen sollten rechtzeitig im Vorfeld des nächsten Schuljahres in einen intensiven Dialog mit allen Beteiligten, den Lehrerverbänden, Eltern- und Schülervertretungen, eintreten.

„Außer warmen Worten nichts zu bieten“

Deutscher Lehrerverband kritisiert Konzeptlosigkeit der Bildungspolitik bei der Integration ukrainischer Flüchtlingskinder

Zutiefst enttäuscht hat sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Heinz-Peter Meidinger, über die gestrige gemeinsame Erklärung des Kultusministerkonferenz zur Integration von ukrainischen Flüchtlingskindern ins deutsche Schulsystem geäußert.

„Außer einigen warmen Worten und dem geplanten leichteren Zugang von ukrainischen Lehrkräften in den deutschen Schuldienst hat diese KMK-Presseerklärung nichts zu bieten, insbesondere keinerlei Aussagen darüber, woher die finanziellen und vor allem personellen Ressourcen für die Aufnahme von aktuell mehr als Hunderttausend schulpflichtiger ukrainischer Kinder kommen sollen. Es fehlt letztendlich nach wie vor ein Masterplan, ein dauerhaftes Gesamtkonzept, das für eine gelingende Integration erforderlich ist.“

Der DL-Präsident erinnerte daran, dass die KMK-Präsidentin vor kurzem selbst noch die Prognose abgegeben habe, dass bis zu 400 000 Flüchtlingskinder an deutschen Schulen aufgenommen werden müssten und dafür 24 000 zusätzliche Lehrkräfte erforderlich seien. „Leider findet sich in der jetzigen Erklärung kein Wort dazu, durch welche Notmaßnahmen und Zusatzinvestitionen dieser Mehrbedarf zukünftig sichergestellt werden kann. Auch wenn der Deutsche Lehrerverband eher von deutlich geringeren Zahlen ausgeht, bleibt eine riesige Bedarfslücke von mindestens 10 – 15 000 Lehrkräften!“, betonte der Verbandsvorsitzende.

Man fürchte deshalb, so Meidinger, dass es wie schon in früheren Krisenzeiten auf ein „Durchgewurstel“ an den Schulen hinauslaufe, d.h., dass die Mehrbelastungen weitgehend auf dem Rücken der Lehrerkollegien vor Ort abgeladen werden.

Er ergänzte: „Derzeit wird der eigentliche Lehrkräfte-Mehrbedarf für die rund 100 000 ukrainischen Schulkinder in Deutschland dadurch kaschiert, dass ein großer Teil einzeln oder in kleinen Gruppen quasi als Gastschüler in bestehende Regelklassen aufgenommen worden ist und für diese nur rudimentär deutscher Sprachzusatzunterricht vorgehalten wird. Wenn ab nächsten Schuljahr, so wie die KMK es plant, die dauerhafte Integration mit intensivem verpflichtenden deutschen Sprachunterricht das Standardmodell werden soll, muss die Bildungspolitik aber jetzt schon sagen, wie sie das sicherstellen will, ohne dass das auf Kosten der Bildungsqualität insgesamt geht. Löcher stopfen, indem man neue Löcher schafft, ist keine Lösung!“

Abschließend erneuerte der DL-Vorsitzende seine bereits beim Ukrainegipfel im Kanzleramt vor drei Wochen erhobene Forderung, dass sich auch der Bund bei der Bewältigung dieser nationalen Herausforderung mit eigenen Programmen beteiligen muss. Alleine könnten die Länder dies nicht stemmen.

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

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Deutscher Lehrerverband fordert zwei Milliarden Euro für umfassendes Bildungsförderprogramm

Ein umfassendes Konzept eines Lernförder- und Bildungsaktivierungsprogramms hat das Präsidium des Deutschen Lehrerverbands in Berlin vorgestellt, um die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Schülerinnen und Schüler in den nächsten beiden Schuljahren auffangen zu können.

DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger erklärte dazu: „Wir spüren immer deutlicher, dass die Schulschließungen bei fast allen Kindern und Jugendlichen zu Lerneinbußen geführt haben, bei dem Teil, den wir durch Fernunterricht kaum erreicht haben, sogar zu sehr großen. Wir brauchen deshalb ein großes Bildungsförderprogramm, das differenziert nach Bedarf in den nächsten beiden Schuljahren allen Schülerinnen und Schülern Angebote macht, ihre Lernrückstände aufzuholen! Zusatzangebote lediglich für einen kleinen Teil der Kinder, so wie dies die Bildungspolitik derzeit plant, greifen eindeutig zu kurz!“

Wichtig sei auch, bald einen Überblick über die konkreten Lernlücken und den Förderbedarf zu gewinnen, um dann Eltern und Schüler entsprechend beraten zu können.

In dem Konzept des DL wird unterschieden zwischen begleitender Zusatzförderung und dem Angebot eines zusätzlichen Lernjahres.

Zur effektiven und bedarfsgerechten Umsetzung der Fördermaßnahmen plädiert der DL für die Zuweisung von Sonderbudgets an die Einzelschulen, die von diesen flexibel genutzt werden können. Um den dafür notwendigen Personalbedarf zu decken, finden sich in dem Konzept eine Reihe von Vorschlägen, u. a. den Einbezug von Lehramtsstudierenden, des Lehrpersonals von Volkshochschulen und von pensionierten Lehrkräften.

Meidinger forderte schnelle Entscheidungen von Bund und Ländern, um möglichst schnell mit der Umsetzung beginnen zu können. Der DL beziffert die voraussichtlichen Kosten auf mindestens zwei Milliarden Euro.

Das Programm des Deutschen Lehrerverbands können Sie auf unserer Webseite unter https://www.lehrerverband.de/die-zukunftschancen-unserer-kinder-und-jugendlichen-nach-corona-nachhaltig-sichern/ abrufen.

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Bildungspolitik von der zweiten Welle eiskalt erwischt!

Deutscher Lehrerverband wendet sich mit dringlichen Forderungen und Lösungsvorschlägen an die Politik

„Wenn jetzt nicht gehandelt wird, drohen flächendeckende Schulschließungen!“

Die im Deutschen Lehrerverband (DL) organisierten Verbände DPhV, VDR, BvLB und KEG schlagen Alarm und fordern die Politik in einer konzertierten Aktion auf, den Gesundheitsschutz für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler in der Corona-Krise deutlich zu erhöhen. Die Pandemiesituation wird sich nicht in kurzer Zeit bewältigen lassen, daher braucht es langfristige Lösungen und verlässliche Handlungsrichtlinien, um das Infektionsrisiko an den Schulen so gering wie möglich zu halten, die dort stattfindenden Kontakte zu beschränken und Abstände zu wahren.

Im bisherigen Betrieb seit der Wiedereröffnung der Schulen, oft ohne Abstandsregeln und Maskenpflicht, setzen die Kultusminister Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler Gefahren aus, die auf offener Straße mit Bußgeldern belegt werden – ganz so, als ob es das Virus in den Schulen nicht gäbe. „Wir sagen: Schulen offen halten: Ja – angepasst an das aktuelle Infektionsgeschehen. Aber Schulen im Vollbetrieb um jeden Preis: Nein! Jetzt braucht es verantwortungsvolles Handeln, weitere Infektionsschutzmaßnahmen und Handlungsrichtlinien bei steigenden Infektionszahlen, sonst drohen in der Konsequenz wieder flächendeckende Schulschließungen“, betont DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger.

Lüften ist gut, Lüftungsanlagen sind besser

Die Kultusministerkonferenz KMK will mit der Zahlenkombination 20 – 5 – 20 über den Winter kommen und den vollen Präsenzunterricht gewährleisten, und das trotz rasant steigender Infektionszahlen: 20 Minuten Unterricht, 5 Minuten Quer- und Stoßlüften, um dann erneut 20 Minuten zu unterrichten. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, Schulklassen ab einem bestimmten Infektionsgeschehen wieder zu teilen, schlägt die Politik ebenso in den Wind wie die Erkenntnisse des Umweltbundesamtes, wonach Lüften ohne zusätzlichen Raumluftfilter in vielen Gebäuden nicht ausreicht. Lüftungsanlagen sind daher an vielen Schulen zwingende Notwendigkeit. Die Installation der Raumluftreiniger hätte zudem den positiven Effekt, dass auch Grippeviren minimiert werden und zusätzliche Krankheitsausfälle vermieden würden. Auch der Einsatz von Plexiglaswänden zwischen den Tischen trägt zum Schutz bei. Es braucht eine schnelle Bestandsaufnahme nach einheitlichen Parametern in allen Bundesländern, um festzustellen, welche Räume bereits durch bestehende Systeme gut gelüftet werden und wie viele Räume eine Unterstützung durch Luftfilteranlagen brauchen. Mehrere Bundesländer haben bereits Programme zur Beschaffung entsprechender Geräte aufgelegt, der Deutsche Lehrerverband fordert die übrigen Länder und die KMK auf, vor dieser Investition in die Gesundheit der Schülerinnen und Schülern und der Lehrkräfte nicht zurückzuschrecken.

Der kritische Grenzwert von Corona-Neuinfektionen wird in immer mehr Städten und Kommunen überschritten. In diesen Hotspots fordert der Deutsche Lehrerverband, die Klassen unverzüglich zu halbieren. „Es empört uns, dass die beschlossenen und vom RKI empfohlenen Richtwerte einer Inzidenzzahl von 35/50 der Corona-Ampel für verschärfte Hygieneschutzmaßnahmen an Schulen von der Bildungspolitik komplett ignoriert werden, um Schulen unter inakzeptablen Bedingungen offen zu halten“, so Heinz Peter Meidinger. „Die KMK hat bei ihrer letzten Sitzung mit ihrer Entscheidung, dass Quer- und Stoßlüften bei Minusgraden ausreichend sei, eine rote Linie überschritten und sich damit aus der Verantwortung gegenüber dem Gesundheitsschutz der Schülerinnen und Schüler gestohlen. Es braucht Richtlinien und klare Handlungsanweisungen, ab welchen Inzidenzzahlen eine Maskenpflicht für welche Klassenstufen gilt und ab wann es notwendig ist, die Klassen wieder zu teilen.

AHA-Regeln müssen auch in Schulen gelten

„Die Kultusministerkonferenz muss eine ganz klare Orientierung für den Schulbetrieb in ihrem KMK-Vier-Stufen-Modell nach den Vorgaben des RKI geben, anhand derer dann tatsächlich vor Ort entschieden wird“, so die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing. „Hier gilt als Maßstab für die Stufe 2 der Inzidenzwert von 35 Fällen binnen 7 Tagen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer kreisfreien Stadt oder innerhalb eines Landkreises, für die Stufe 3 der Inzidenzwert von 50, bei dem in den Schulen wieder die AHA-Regeln eingehalten werden sollten, was auf kleinere Klassen hinausläuft. Es ist die Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass diese Regeln eingehalten werden und die Gesundheitsämter hier entsprechend einheitlich, nachvollziehbar und verlässlich agieren.“ 

Differenzieren nach Schülergruppen – Präsenz- und Online-Unterricht angepasst an das Infektionsgeschehen in verkleinerten Lerngruppen

Das grundlegende Übel ist, dass die Politik Schule über einen Kamm schert. Statt zwischen den einzelnen Schulformen zu differenzieren und entsprechende Bedarfe von Grundschülern bis hin zu Berufsschülern klar zu definieren, sind Schüler gleich Schüler.

Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe II müssen anders als Schülerinnen und Schüler der Primar- und Sekundarstufe I nicht zwingend durchgängig Präsenzunterricht haben, sondern können dann, wenn die technischen Voraussetzungen gewährleistet sind, parallel oder im Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht lernen. Dies sollte vor Ort entschieden werden – orientiert an den Inzidenzwerten gemäß RKI.

„Für unsere ganz jungen Schülerinnen und Schüler in der Grundschule gilt es, so viel Präsenzunterricht zu ermöglichen. Junge Kinder brauchen beim Lernen die Beziehung, um ein tragfähiges Fundament für ihr zukünftiges Lernen aufbauen zu können“, betont Gerlinde Kohl, die Vorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG).

Mut zu unkonventionellen Lösungen

Joachim Maiß, Vorsitzender des Bundesverbandes für Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB) weist auf unkonventionelle Wege hin, um flächendeckende Schulschließungen zu verhindern: „Statt mantrahaft alles schön zu reden, müssen gemeinsam schnell umsetzbare Lösungen herbeigeführt werden: So könnten beispielsweise leerstehende Veranstaltungs-Locations oder Stadtteilzentren als zusätzliche Unterrichtsräume angemietet werden, um Schulklassen zu teilen und so das Gesundheitsrisiko für Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler zu minimieren. Denn die Unversehrtheit aller hat oberste Priorität, um nicht sehenden Auges in die erneute Schulschließungen mit all ihren gesellschaftlichen Folgen zu rutschen.“

Eugen Straubinger ebenfalls Vorsitzender des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung, fordert, dass die Absage der KMK zum Einbau von Lüftungsanlagen gekippt wird und macht folgende Rechnung auf: „NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer schätzt, dass flächendeckend rund 100 Euro pro Schüler in die Filtertechnik investiert werden müssten – und spricht von Unsummen, die das verschlingen würde. Legt man diese Zahl zu Grunde, müssten bei bundesweit 11 Millionen Schülerinnen und Schüler 1,1 Milliarden Euro investiert werden, um alle rund 43 000 Schulen mit dieser Technik auszustatten. Das sind im Vergleich zu den neun Milliarden Euro, die die Rettung der Lufthansa bisher gekostet hat, Peanuts. Das sollte es den Regierenden wert sein, um das Recht auf Bildung in der Coronakrise nicht zu verspielen.“ Er ergänzt: „Dazu kommt, dass in den Berufsschulen auch Lüftungstechniker und Anlagenbauer ausgebildet werden. Wenn unsere Schulen Lüftungsanlagen aus heimischer Produktion beziehen könnten, hätte dies einen deutlichen Einkommens- und Beschäftigungseffekt für diese Produktionssparte. Dies käme auch den Auszubildenden im dualen System zugute.“

Vergesst die Lehrkräfte nicht!

Durch die vorgeschlagenen Maßnahmen ändert sich das Anforderungsprofil an die Lehrkräfte und die Belastungen steigen deutlich. Distanzunterricht für Zuhause bleibende Schüler ist Mehrarbeit. Bei allen Maßnahmen müssen die Auswirkungen auf und die Anforderungen an die Lehrkräfte berücksichtigt werden, denn es ändert sich Umfang, Art und Inhalt der Lehrtätigkeit. Neben Investitionen in die notwendige technische Ausstattung der Schulen, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte, deren Fehlen bei den Schulschließungen im Frühjahr schmerzhaft deutlich wurde, braucht es auch weiterhin Unterstützung der Lehrkräfte in der Fortbildung für neue digitale Formate und vor allem auch technisches Personal zur Betreuung des IT-Bereiches.

Aber auch, da ist sich das Präsidium des DL einig, beim Gesundheitsschutz der Lehrkräfte bei ihrer Tätigkeit in den Schulen muss nachgebessert werden. Es sei eigentlich ein Skandal, dass anders als in vielen anderen Berufssparten, die mit vielen Kontakten zu tun haben, Lehrkräfte nicht von den Schulträgern und Länderministerien mit einer ausreichenden Zahl an FFP2-Masken ausgestattet wurden.

Politik muss Verantwortung übernehmen

Auch Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbandes (VDR), fordert klare Handlungsrichtlinien für die Schulen bei entsprechenden Infektionszahlen: „Je nachdem, wie gut die gesamtgesellschaftlichen Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung greifen und wie sich daraufhin jeweils regional das Infektionsgeschehen entwickelt, braucht es klare Vorgaben bei bestimmten Richtwerten, damit nicht nach jeder Veränderung der Zahlen nach oben oder nach unten die Debatte um die richtigen Gesundheitsschutzmaßnahmen an den Schulen von neuem geführt werden muss. Es müssen Maßnahmen gelten, die an den Schulen in ganz Deutschland Bildung unter höchsten Sicherheitsbedingungen ermöglichen. Dazu gehören Stufenpläne und beste technische und materielle Ausstattung, wie CO2-Ampeln, Luftreinigungsfilter und FFP2-Masken, und bei steigenden Infektionszahlen Klassenteilungen und Zeiträume von Distanzunterricht, die für Eltern möglichst organisierbar und überschaubar bleiben. Allerdings kann es nicht Aufgabe der Schulen sein, entsprechende Maßnahmen festzulegen. Wir Lehrkräfte und Schulleitungen sind keine Ärzte oder Virologen! Die Verantwortung darf nicht länger auf die Kollegen geschoben, sondern muss endlich von der KMK und den Bundesländern als den politisch Verantwortlichen übernommen werden. Aber genau das passiert aktuell seitens der Politik nicht!“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie die Mitglieder des Präsidiums des Deutschen Lehrerverbandes:

DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger: 0160 – 52 75 608 und 030/70 09 47 76 – www.lehrerverband.de  

Bundesgeschäftsstelle DPhV, Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing:

030 / 40 81 67 89 – www.dphv.de  

Bundesgeschäftsstelle VDR, Bundesvorsitzender Jürgen Böhm:

089 / 55 38 76 und 0151 – 11 71 55 89 – www.vdr-bund.de  

BvLB-Bundesgeschäftsstellen, Bundesvorsitzende Joachim Maiß und Eugen Straubinger:

030 / 40 81 66 50 und 0511 / 21 55 60 70 – www.bvlb.de  

KEG-Bundesgeschäftsstelle, Bundesvorsitzende Gerlinde Kohl:

089 / 26 02 47 99 – www.keg-deutschland.de  

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher