Zur Ifo-Studie: Und wieder einmal steht das Gymnasium im Mittelpunkt

ein Kommentar von Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands

Die einzige Schulart neben der Grundschule, die es in allen Bundesländern gibt, ist mal wieder das Maß aller Dinge. Die Diskutierenden im Bildungsbereich kennen sich da ja am besten aus. Nur die wenigsten unter ihnen haben kein Gymnasium durchlaufen, haben keine allgemeine Hochschulreife erworben. Und sie schicken ihre Kinder möglichst auf ein Gymnasium, ohne die Frage zu stellen, ob sie nicht lieber mit anderen zusammen eine nicht-gymnasiale Schulart besuchen sollten, um das soziale Lernen besser üben zu können und lernschwachen oder lernunwilligen oder lernunfähigen beim Lernen zu helfen.

Wieder einmal wird die Qualität von Bildung und von Bildungserfolg gemessen an Quantität. Ach nein, es geht ja nicht um die bestmögliche Qualität für jedes Kind; es geht um Chancengerechtigkeit. Bei gleichen Anlagen, Potentialen, bei gleicher Lernbereitschaft, bei gleicher Befähigung zur Teilhabe am Bildungsgeschehen und am gesellschaftlichen Leben soll es keinen Unterschied geben zwischen Kindern des unteren und Kindern des oberen Viertels der Gesellschaft. Doch die Studie belegt nicht, dass dieser Anteil gleich groß ist. Wie auch? Das häufige Fehlen von Deutschkenntnissen auf bildungssprachlichem Niveau in der „schwächsten Gruppe“ wird nicht erwähnt. Das kann auch durch längeres gemeinsames Lernen nicht ausgeglichen werden, wenn in den Grundschulklassen keine Kinder mehr mit Deutsch als Muttersprache sitzen, ein Phänomen in vielen westdeutschen Ballungsräumen. Ja, die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund in einem Bundesland mag nichts über Chancengerechtigkeit insgesamt aussagen, die Zahl an Kindern ohne Deutschkenntnisse in einer Grundschulklasse aber sehr wohl.

Die Studie sagt, sie vergleiche „die Wahrscheinlichkeit eines Gymnasialbesuchs für Kinder mit niedrigerem Hintergrund (weder ein Elternteil mit Abitur noch oberes Viertel der Haushaltseinkommen) mit der für Kinder mit höherem Hintergrund (mindestens ein Elternteil mit Abitur und/oder oberes Viertel der Haushaltseinkommen)“. Schon allein das lässt aufhorchen. Das obere Viertel wird also nicht am Einkommen festgelegt, das untere Viertel hingegen schon. Dass viele junge Menschen die Hochschulzugangsberechtigung auch ohne Gymnasium erwerben, wird erwähnt. Zugleich heißt es, dass von dieser Option das obere Viertel häufiger Gebrauch mache. Auch das ist nicht unerwartet. Bildungshaushalte beschäftigen sich mit den verschiedenen Bildungsgängen und nutzen sie dann auch.

Die Datengrundlage für die Studie war der Mikrozensus von 2018 und 2019 – aber nach welchen Kriterien wurden die Daten ausgewählt und zusammengestellt? Es wurde beispielsweise nicht analysiert, wie sich das obere Viertel zusammensetzt. Wie viele der Eltern gehören zur Gruppe mit Migrationsbiographie der 1. und 2. Generation? Gibt es die da nicht? Warum hat man nicht das untere und das obere Fünftel oder Sechstel genommen? Warum analysiert man die beiden Viertel hinsichtlich ihrer Zusammensetzung nicht näher, nach Einkommen, Berufszugehörigkeit, Universitätsausbildung. Und ganz spannend, wie sehen eigentlich das zweite und das dritte Viertel aus? Wie groß ist da der Anteil der Kinder mit Gymnasiumsbesuch?

Die Studie kommt unter anderem zum Ergebnis, dass längeres gemeinsames Lernen in der Grundschule mehr Chancengerechtigkeit bietet als ein Übertritt nach vier Schuljahren. Sie behauptet, das Vorhandensein von nur zwei Schularten, Gymnasium und eine sozusagen Nicht-Gymnasiumsschule wären ebenfalls förderlich für mehr Chancengerechtigkeit. Doch die Studie belegt das an keiner Stelle. Mutmaßungen werden hier als Fakten verkauft. Sie erklärt auch nicht, warum die Bundesländer Berlin und Brandenburg bei Leistungstests schlecht abschneiden und Sachsen und Bayern über alle Schularten hinweg deutlich besser. Ohne Chancengerechtigkeit ist der Bildungserfolg besser bei allen Lernenden im Vergleich zu jenen Bundesländern, die mehr Chancengerechtigkeit bieten? Was ist das für eine Gerechtigkeit, wenn am Ende etwas herauskommt, das geringere Qualität hat?

Gerecht ist es, wenn ich jungen Menschen kostenfreie Bildung gewähre. Gerecht ist, wenn ich jungen Menschen fit für die Grundschule mache. Gerecht ist, wenn ich sie entsprechend ihren Anlagen fördere und fordere. Gerecht ist, wenn ich genügend Personal zur Verfügung stelle, wenn eine Klasse besonderen Förderbedarf hat. Gerecht ist, wenn der Elternwille frei entscheidet, das Kind nicht auf das Gymnasium zu schicken, obgleich das im Übertrittszeugnis steht. Für 50 % aller Kinder in der Jahrgangsstufe 5 einer bayerischen Realschule ist das so; und bei jenen in der Jahrgangsstufe 9 der Realschule ist das immer noch so – sie wechseln also nicht auf das Gymnasium –, obgleich in jedem Jahreszeugnis die Eignung für das Gymnasium weiter vermerkt ist.

Die erneute Schulstrukturdebatte ist von Gestern, wenn nicht von Vorgestern. Bayerns Mittelschul- und Realschul-Abschlussjahrgänge zeigen tolle Ergebnis und sind gesucht auf dem Arbeitsmarkt. Viele schlagen den Weg über das berufliche Schulwesen zum Abitur ein. Nicht nur in Bayern, in allen Bundesländern leistet das berufliche Schulwesen hervorragende Arbeit. In anderen Ländern kann man ein solche qualitätsvolle Ausbildung nur an einer Universität bekommen, wenn man sie überhaupt bekommen kann. Gymnasiale Bildung ist nicht das Maß aller Dinge. Zumal die Autoren der Studie offenbar glauben, dass der Nürnberger Trichter funktioniert. Eigentlich müssten sie fordern, Kinder nach der Geburt den Eltern zu nehmen und in staatlichen Einrichtungen zu bilden und zu erziehen. Dann hätten alle die gleichen Voraussetzungen abgesehen vom genetischen Anteil an ihrer Lernbefähigung und ihres Lernwillens. Dabei leuchtet doch jedem ein, dass Kinder von gebildeten Eltern ohne großes Zutun z.B. in Gesprächen im Alltag etwas für den Schulerfolg lernen, was jene von formal wenig gebildeten Menschen in ihrer Kindheit nicht lernen. Möglicherweise fehlen ihnen dadurch die Voraussetzungen zum Besuch eines Gymnasiums. Aber das deutsche Schulsystem ermöglicht über das mehrgliedrige Schulsystem einerseits sowohl andere Wege zu Abitur und Studium als anderseits auch den Zugang zu angesehenen und gut bezahlten Berufen im Bereich der beruflichen Bildung.

 

Jetzt anmelden! Gemeinsame Tagung Konrad-Adenauer-Stiftung – Deutscher Lehrerverband

Anmeldung unter https://www.adenauercampus.de/de/digitale-bildung/detail/-/content/360gradbildung

360° Bildung: Fachtag und Konferenz

12. Juni 2023, 14:00–18:00 Uhr

Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, Tiergartenstraße 35, 10785 Berlin

Themen der Panels:

  • Medienkompetenz für Demokratieerziehung
  • Wieviel Digitalität braucht die Schule?
  • Schule vernetzen – Strukturen für innovative Schule schaffen

u.a. mit

  • Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands
  • Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin
  • Sandra Jütte, Initiative #UseTheNews
  • Alexander König, Lehrkraft, Autor, Lehrbeauftragter, Berater und Fortbildner
  • Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Deutscher Philologenverband
  • Prof. Dr. Katharina Scheiter, wissenschaftliche Leiterin des Kompetenzverbund lernen:digital Universität Potsdam
  • Prof. Dr. Anne Sliwka, Universität Heidelberg
  • Ekkehard Thümler, Gründer und Geschäftsführer von Tutoring for All
  • Weitere Fortbildungs-Workshops

Vollständiges Programm: Programm Fachtagung 12.06.2024

Anmeldung unter https://www.adenauercampus.de/de/digitale-bildung/detail/-/content/360gradbildung 

Deutscher Lehrerverband zu gendersensibler Sprache

Der Deutsche Lehrerverband fordert die Verwendung einer respektvollen Sprache, die gleichzeitig gendersensibel ist. Dazu gehören Formulierungen wie „Lehrkräfte“, „Kinder und Jugendliche“, „Heranwachsende“, „Schülerinnen und Schüler“, „Mitglieder der Schulleitung“ und „Sekretariatsteam“. Wir verwenden keine Gendersternchen, Gendergaps oder Binnen-I. Dies ist eine Frage der korrekten Orthografie und Grammatik. Außerdem basiert die vermeintliche Notwendigkeit solcher Sonderzeichen auf einer binären Sichtweise der Menschen, auch in Fällen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt.

Als Lehrkräfte orientieren wir uns dabei am Beschluss des Rates für deutsche Rechtschreibung. Dieser ist die maßgebende Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung und gibt das amtliche Regelwerk für die deutsche Rechtschreibung heraus.

Die Festlegung der Bayerischen Staatsregierung basiert ebenfalls auf den Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung und gilt für den gesamten dienstlichen Schriftverkehr, einschließlich Elternbriefe, Arbeitsblätter und Angaben für Leistungsnachweise. Sie gilt jedoch nicht für die Lernenden, die jedoch dazu angehalten werden, eine korrekte und stilistisch gewandte Ausdrucksweise zu verwenden. Jugendliche können sich also anders ausdrücken, aber Verstöße gegen die Sprachrichtigkeit und stilistische Grundsätze werden bemängelt.

Für den gesamten amtlichen Sprachgebrauch gilt weiterhin, dass deutlich gemacht werden soll, dass alle Menschen gemeint sind und nicht nur bestimmte Gruppen. Missverständliche Formulierungen sollten daher vermieden werden. Es geht um respektvolle Formulierungen, die gleichzeitig gendersensibel sind, ohne dies explizit zu kennzeichnen. Das Gendersternchen kann schließlich auch als ausgrenzend verstanden werden.

Der Beschluss des Rates für deutsche Rechtschreibung zu geschlechtergerechter Sprache vom Dezember 2023 kann unter diesem Link nachgelesen werden.

 

Deutscher Lehrerverband: Keine Zivilschutzübungen an den Schulen – aber die Bedrohungslage und Verteidigungsstrukturen als Thema im Unterricht zur Sprache bringen

Bild: Thommy Weiss/pixelio.de

Zivilschutz ist ein Thema für die gesamte Gesellschaft und betrifft Verhaltensweisen, die auf viele verschiedene Situationen zutreffen. Das geht von der Vermittlung von Erster Hilfe, für den Fall, dass man Zeuge eines Unfalls oder eines Kreislaufkollapses wird, über Deutung von Sirenen-Signalen bis hin zu Verhaltensweisen bei Stromausfall oder anderen Infrastrukturproblemen. Infrastruktur kann aufgrund verschiedenster Ereignisse ausfallen, seien es Bauarbeiten, bei denen Leitungen beschädigt werden, Naturkatastrophen wie Regenfälle und daraus resultierende Fluten, oder Angriffe auf die Infrastruktur, durch Sabotage, Kriegsangriffe oder in einer digital gesteuerten und vernetzten Welt vor allem auch Cyber-Angriffe.  

Feuerschutzübungen sowie Ersthilfe-Ausbildung sind Routine an vielen Schulen. Auch Lehrkräfte werden darin möglichst regelmäßig geschult. Allerdings fehlt vielfach die nötige Finanzierung für den Einsatz externen Schulungspersonals. Hier müssen die Länder oder auch der Bund mehr Geld locker machen. Vielfach gibt es auch einen von engagierten Jugendlichen getragenen Schulsanitätsdienst.   

Natürlich werden bei gegebenem Anlass und insbesondere beispielsweise in Hochwassergebieten wie an der Donau, der Elbe, dem Rhein oder der Ahr Verhaltensweisen besprochen zum Selbst- und Fremdschutz. Nach entsprechend verheerenden Ereignissen werden diese auch aufgearbeitet. Auch für solche Ereignisse gibt es regelmäßig schulinterne wie -externe Kriseninterventionsteams sowie die entsprechenden Sicherheitskonzepte. 

Zivilschutzübungen sollten außerhalb von Schulen stattfinden und sich an die Bevölkerung richten. Schulen können Versäumnisse in diesem Bereich nicht auffangen. Sie können nicht alles leisten, was hilfreich für eine funktionierende Gesellschaft ist. Die gesamte erwachsene Bevölkerung Deutschlands muss wissen, wie man sich bei Ausfall von Strom, Gas, Telefon, Internet verhält, welche technischen Geräte dann noch funktionieren oder nicht und welche Vorbereitungsmöglichkeiten es gibt. 

An den Schulen sollte offen für die ehrenamtliche Tätigkeit in den Blaulichtorganisationen geworben werden, für die Jugendfeuerwehr und die Jugendgruppen bei THW, DRK, Wasserwacht, DLRG, ASB, Malteser, Johanniter etc. Alle erwarten professionelle Hilfe im Notfall, aber zu wenige sind bereit, sich ehrenamtlich dafür zu engagieren. Zivilschutzorganisationen können eingeladen werden und über ihre Arbeit berichten. Die Mitarbeit in solchen Verbänden fördert die Persönlichkeitsentwicklung und eröffnet zugleich Einblicke in etwaige spätere Berufsfelder. 

Die thematische Behandlung von Krisen und Katastrophen im Unterricht findet bereits statt. Auch das Thema Krieg ist an den Schulen angekommen. Es wäre naiv anderes zu glauben oder zu wünschen. In vielen Klassen gibt es Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine, Syrien und anderen Ländern. Zudem leben Schülerinnen und Schüler ja nicht in einer abgeschotteten Blase; sie bringen ihre Fragen zu Themen wie Naturkatastrophen und Krieg mit in die Schule, tauschen sich untereinander aus und stellen Fragen dazu im Unterricht. Wer eine Flut wie jene an der Ahr erlebt hat, hat Redebedarf. 

Offener Austausch sorgt hier für Sicherheit und Vertrauen. Das gilt auch im Hinblick auf die sicherheitspolitische Lage unseres Landes. Zu lange haben wir uns einer Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität hingegeben. Erst langsam begreifen wir, dass wir im Sinnen ernstzunehmender Abschreckung zum Schutz unseres Landes, seiner Bevölkerung, seines Wohlstands und seiner Demokratie etwas tun müssen.  

Die aktuellen Demonstrationen gegen rechtsextreme Tendenzen in der Gesellschaft werden von einer breiten Bevölkerungsmehrheit unterstützt und dienen der Verteidigung der Demokratie nach innen. Genauso wichtig, wenn man sich das kriegerische Verhalten und die Drohgebärden manch autoritärer Systeme anschaut, ist die Verteidigung der Demokratie nach außen.  

Daher ist es wichtig und legitim, dass kriegerische Entwicklungen als Thema und die Bundeswehr sowie das NATO-Bündnis als Verteidigungsorganisation der Bundesrepublik Deutschland nicht außen vor gelassen werden. Jugendoffiziere der Bundeswehr besitzen hervorragende Expertise für alle Fragen der Sicherheitspolitik; sie äußern sich nicht parteipolitisch und werben auch nicht für den Dienst in unserer Armee. Es versteht sich von selbst, dass sie als Staatsbürger in Uniform an Schulen jederzeit als Vertretung der Parlamentsarmee eingeladen werden. Das vermittelt jungen Menschen offen und transparent Sicherheit und Vertrauen in unsere Abwehrbereitschaft. 

Die Bundesverbände des DL auf der didacta 2024 in Köln

Die Hallenpläne der didacta finden Sie online unter diesem Link.

Deutscher Philologenverband DPhV und Landesverband Philologenverband NRW – Halle 7 – Stand E030

Panels und Diskussionsrunden mit Referent/innen aus dem Bereich des DPhV:

Dienstag, 20.02.2024, 11:00 – 11:45 Uhr

DPhV-Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing spricht bei der Podiumsdiskussion der Heraeus Bildungsstiftung zum Deutschen Lehrkräftepreis: „Mehr als Klasse! Was gute Schulleitung für die Zukunft ausmacht!“ am, Forum didacta aktuell, Halle 8, Stand A040/B041.

Dienstag, 20.02., 14:15-15:00 Uhr

Susanne Lin-Klitzing bei Aix-Concept zum Thema: „KI in der Schule –Arbeitsentlastung oder Mehrarbeit für Lehrkräfte?“ (Halle 6.1, Stand: D010).

Im Anschluss daran findet ein Interview mit Lehrer-Online statt, zum Thema Lehrkräftegesundheit – Halle 6.1, Stand: F015.

Dienstag, 20.02.2024, 11:30 h – 12:00 h:

Sabine Mistler, Landesvorsitzende PhV NRW, im Gespräch zum Thema „Demokratiebildung in der Schule im Superwahl-Jahr 2024“, Bündnis für Bildung, Halle 6.1, Stände F019 – E018.

Dienstag, 20.02.2024 | 13:45 – 14:30 Uhr

Sabine Mistler, Landesvorsitzende PhV NRW auf dem Panel „KI im Klassenzimmer: Gekommen um zu bleiben und nicht zu ignorieren“ – Forum Bildungsperspektiven, Halle 7, C40/D41

Freitag, 23.02.2024, 09:45-10:30 h:  

Georg-Christopher Hoffmann, Vorsitzender der Jungen Philologen im DPhV, diskutiert auf dem Panel Gesunde Erde – Gesunde Menschen u.a. mit Dr. Eckart von Hirschhausen:  Forum Bildungsperspektiven, Halle 7, C40/D41

 

BvLB – Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung – Halle 6.1 – Stand: B050

Panels und Diskussionsrunden mit Referent/innen aus dem Bereich des BvLB:

Dienstag, 20.02.2024, 15:00-15:45 Uhr

Zentren beruflicher Exzellenz in Europa – auch in Deutschland?! Stefan Nowatschin, Stellv. Bundesvorsitzender und Leiter Exzellenz-Netzwerk Berufliche Bildung, Forum Berufliche Bildung/myQ-Qualifizierung, Halle 6, B48/C49

Mittwoch, 21.02.2024, 15:00-15:45 Uhr

Herausforderungen und Chancen des fachpraktischen Lehrens und Lernen: Fallbeispiele und Erfahrungsaustausch, Frank Hoppen, Sprecher AG Fachlehrkräfte vlbs-NRW und Leiter des Arbeitskreises Fachlehrkräfte im BvLB, Forum Berufliche Bildung/myQ-Qualifizierung, Halle 6, B48/C49

Donnerstag, 22.02.2024, 14:45-15:15 Uhr

Die Lehrkräfte als zentrale Stellgröße für die Weiterentwicklung des Systems der beruflichen Bildung in Deutschland, Bundesvorsitzender Pankraz Männlein, Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V., Yamina Ifli, Stellvertretende Vorsitzende des BvLB Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung, Leiterin des Geschäftsbereichs Lehrkräftebildung des BvLB, Dr. Patrick Geiser, Leiter der AG Junge Berufs- und Wirtschaftspädagogen, Forum Berufliche Bildung/myQ-Qualifizierung, Halle 6, B48/C49,

Freitag, 23.02.2024, 15:00-15:45 Uhr

Wie gelingt eine qualitativ hochwertige Beschulung der Auszubildenden bei rückläufigen Zahlen? Bundesvorsitzender Dr. Sven Mohr, BvLB Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V., Forum Berufliche Bildung/myQ-Qualifizierung, Halle 6, B48/C49

Alle Veranstaltungen des Landesverbands VLW NRW finden Sie unter diesem Link

 

VDR – Verband Deutscher Realschullehrer und Landesverband lehrer nrw – Halle 7.1 | Stand: D014

Panels und Diskussionsrunden mit Referent/innen aus dem Bereich des VDR:

Dienstag, 20.02.2024, 12:15-13:00 Uhr

Ralf Neugschwender, VDR-Bundesvorsitzender, Gute Berufsorientierung – SCHULEWIRTSCHAFT als Problemlöser, Forum didacta aktuell, Halle 8, A40/B41

Mittwoch, 21.02.2024, 15:15-16:00 Uhr

Ralf Neugschwender, VDR-Bundesvorsitzender, Arbeitsplatz Schule: Querausstieg oder Traumberuf – Hat der Lehrberuf ein Imageproblem? Forum didacta aktuell, Halle 8, A40/B41

22.02.2024, 12:00-12:30 Uhr

Im Gespräch mit… Ralf Neugschwender, VDR-Bundesvorsitzender, mobile.schule – Hauptbühne | Halle 7.1 Stand B060

Freitag, 23.02.2024, 13:30-14:15 Uhr

Sven Christoffer, Vorsitzender lehrer nrw, Quereinstieg ist (k)eine Lösung? Fachkräftemangel in der Schule, Forum Bildungsperspektiven, Halle 7, C40/D41

Nachruf Hans-Joachim Kluge

Hans-Joachim Kluge bei einer Tagung des Deutschen Lehrerverbandes im Jahr 2016.

Der Deutsche Lehrerverband trauert um einen ehemaligen Schatzmeister Hans-Joachim Kluge, der am 14.01.2024 im Alter von 89 Jahren in Fulda verstorben ist.

Hans-Joachim Kluge war Diplom-Handelslehrer an der Richard-Müller-Schule in Fulda und Ausbilder von angehenden Wirtschaftspädagogen.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit übte er von 1990 bis 2011 das Amt als Schatzmeister im Präsidium des Deutschen Lehrerverbandes auf Bundesebene aus. Vor seiner Tätigkeit für den Bundes-Dachverband war er als auch als Schatzmeisters für den DL-Mitgliedsverband VLW (Verband der Lehrerinnen und Lehrer an wirtschaftlichen Schulen) auf Landesverbandsebene in Hessen tätig.

Die mit sehr großem Zeitaufwand verbundene ehrenamtliche Tätigkeit als Schatzmeister des Deutschen Lehrerverbandes übte Hans-Joachim Kluge stets verlässlich und mit allergrößter Sorgfalt zum Wohle des Verbands aus.

Über lange Jahre behielt er die kurzfristigen und langfristigen finanziellen Entwicklungen und die besten finanziellen Möglichkeiten des Verbandes im Blick und beriet das Präsidium in konstruktiver und vertrauensvoller Zusammenarbeit zu finanziellen und bildungspolitischen Fragen.

Hans-Joachim Kluge kümmerte sich nicht nur um die Finanzen des Deutschen Lehrerverbandes, sondern war für den Verband auch in bildungspolitischen Fragen tätig, mit besonderem Schwerpunkt auf dem kaufmännischen Handelsschulzweig. Er vertrat den Deutschen Lehrerverband im Deutschen Rat der Europäischen Bewegung und im von der damaligen niedersächsischen Familienministerin von der Leyen mitinitiierten „Forum Familie stark machen“.

Diese ehrenamtlichen Tätigkeiten für den Deutschen Lehrerverband nahm Hans-Joachim Kluge neben seiner beruflichen Vollzeit-Tätigkeit als Diplom-Handelslehrer wahr, bis er im Jahr 2000 in Pension ging. Danach widmete er seine volle Aufmerksamkeit und Kräfte mehr als zehn weitere Jahre der Verbandsarbeit.

In Anerkennung seiner Verdienste als DL-Schatzmeister beschloss die Bundeshauptausschuss-Sitzung des Deutschen Lehrerverbandes in Berlin 2011, Hans-Joachim Kluge zum Ehrenmitglied des Deutschen Lehrerverbandes zu ernennen.

Im Jahr 2020 wurde Hans-Joachim Kluge für seine Verdienste und sein langes ehrenamtliches Engagement mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Präsident Stefan Düll und das Präsidium des Deutschen Lehrerverbandes behalten Hans-Joachim Kluge und sein unermüdliches und beispielgebendes Wirken in dankbarer Erinnerung und sprechen seinen Angehörigen und Freunden tiefes Mitgefühl aus.

Bildnachweis (Landschaft mit Bäumen): pixelio.de/Hannelore Imsande 

PISA 2022 – was es braucht:

  • Nachhaltige Investitionen in nachhaltige Bildung – aber der Bund verweigert den Digitalpakt und die Länder das Startchancenprogramm.
  • Verpflichtende systematische vorschulische Sprachstandstests in den Kindertagesstätten, ggfs. verbunden mit verpflichtenden Vorschuljahren sowie gezielter Sprachförderung im gesamten Bildungsverlauf – aber dafür braucht es mehr ausgebildetes Kita- und Lehrpersonal.
  • Individuelle Diagnostik und Förderung durch Lehrkräfte – aber man belastet die Lehrkräfte mit Verwaltungskram, der von Schulassistenzen oder digital effizienter erledigt werden könnte.
  • Flankierendes Personal für die sozial-emotionale Förderung, also Personal für Schulassistenz, Schulpsychologie, Sozialarbeit und Jugendarbeit – aber man streitet sich über die Zuständigkeiten zwischen Land und Kommune und zwischen Kultus- und Sozialministerien.
  • Ausreichende Versorgung mit qualifizierten Lehrkräften – aber die Länder haben jahrelang eine auf Kante genähte Einstellungspolitik betrieben und wollen jetzt auch noch die Ausbildung verschlimmbessern; allein die von der KMK für die nächsten zehn Jahre prognostizierten 1 Mio. zusätzlichen Schülerinnen und Schüler erhöhen den Lehrkräftebedarf um 80.000 Personen.
  • Wertschätzung für den Beruf und die Berufung Lehrkraft, sie dienen den Ländern – aber die Länder machen bei den Tarifverhandlungen nicht einmal ein Angebot.
  • Konzentrations- und wertschätzende Lernumgebung durch kleinere Klassen und Lerngruppen – aber es fehlt das Personal.
  • Ansprechende Schulbauten – aber die öffentliche Hand schiebt einen 50-Mrd.-Schulsanierungsstau vor sich her.
  • Digitalisierung mit Sinn und Verstand, lernflankierend statt lernersetzend und fokussierend statt ablenkend – aber die Politik setzt auf Masse statt Klasse und der Bund verweigert den Digitalpakt 2.0.
  • Verantwortlichkeit der Eltern für den Bildungserfolg ihrer Kinder im Sinne vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule – aber das Prinzip ‚Fördern und Fordern‘ wird bei Eltern, wo es notwendig wäre, nicht stringent umgesetzt.

Fazit: Geld allein löst nicht alle Herausforderungen, aber es hilft ungemein. Es braucht ein 200-Mrd.-Euro-Sondervermögen ’nachhaltige Bildung‘ vom Bund und von den 16 Ländern für die nächsten 10 Jahre. Und es muss ein Ruck durch die Gesellschaft gehen – nicht nur im Hinblick auf Bildung, sondern auch hinsichtlich des Klimawandels, der inneren und äußeren Sicherheit, sowie des High-Tech-Standorts Deutschland: Leistung ist etwas wert, Arbeit bereichert das Leben, wir können nicht alles haben, Verantwortung statt Vollkaskomentalität, Anpacken statt Zuschauen, Fördern und Fordern, weniger ’nice to have‘, mehr Notwendiges.

 

Presseschau zur Vorstellung der PISA-Ergebnisse 2022 am 05.12.2023

Am 05.12.2023 wurden die Ergebnisse der PISA-Untersuchungen 2022 veröffentlicht. Die Ländernotiz zu Deutschland und die vollständigen Berichtsbände sind unter https://www.oecd.org/berlin/themen/pisa-studie/ herunterladbar.

Die Ergebnisse fallen für Deutschland wie für viele andere Länder schwächer aus als in den Vorjahren, im Vergleich steht Deutschland aktuell nur noch beim OECD-Durchschnitt oder knapp darüber. In vielen Ländern, so auch in Deutschland, nimmt der Anteil der sogenannten Risikoschüler/innen zu, in Deutschland sind dies in Mathematik 30 Prozent.

Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, weist darauf hin, dass die PISA-Ergebnisse nicht überraschend seien, wenn man die Ergebnisse der Leistungsstudien der letzten Jahre betrachtet. Er spricht in zahlreichen Interviews darüber, dass die Schulen zahlreiche zugewanderte Schülerinnen und Schüler integriert haben, in vielen Fällen fehle es aber noch an Sprachkenntnissen, um die entsprechenden altersgemäßen Schulleistungen leisten zu können. In den Spitzenländern wie Japan gebe es deutlich weniger Zuwanderung. Wesentlich sei daher für Deutschland, viel mehr in die frühe Sprachförderung zu investieren, um das aufzufangen. Der Schlüssel zu nachhaltigem Bildungserfolg seien die Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen, Schulen bräuchten mehr Unterstützung – Personal und finanzielle Mittel – von allen politischen Ebenen.

DLF.de, 05.12.2023 – Deutscher Lehrerverband: Spracherwerb muss gefördert werden, Welt TV, 05.12.2023 – Pisa-Schock – „Erstaunlich, wenn das noch irgendjemanden überraschen sollte“; Morgenpost.de, 5.12.2023 – Neue Pisa-Studie zeigt dramatischen Absturz in Mathematik, BILD.de, 05.12.2023 – Diese Methode hat unsere Schüler verdorben; NTV.de, 05.12.2023 –  DL-Präsident zu PISA-Ergebnis: „Sind mit Corona und Zuwanderung an Grenze gekommen“; Augsburger Allgemeine, 05.12.2023 – Der nächste Pisa-Schock: Leistungen so schlecht wie nie;

In der eineinhalbstündigen „Redezeit“ des NDR diskutierte Stefan Düll mit einer Schülervertreterin aus Hamburg und einer Wissenschaftlerin vom Institut der Deutschen Wirtschaft über die PISA-Ergebnisse: Neue PISA-Studie: Was läuft schief an deutschen Schulen? (NDR.de, 06.12.2023)

Die Pressemitteilung des Deutschen Lehrerverbands, 05.12.2023 – PISA: Mehr Anstrengungen für den Bildungsbereich ab der frühkindlichen Bildung

Eine Zusammenfassung aller Aspekte, an denen es aktuell im Schulwesen mangelt, von DL-Präsident Stefan Düll: PISA 2022 – was es braucht

Die Pressemitteilungen der DL-Bundesverbände zu PISA:

DPhV – 05.12.2023 – Aktuelle PISA-Ergebnisse zeigen: Fachunterricht muss wieder Priorität erhalten!

VDR – 05.12.2023 – PISA 2022: Die Lehrkraft macht den Unterschied

Die Pressemitteilung der KMK zu den PISA-Ergebnissen: Stärkung der Basiskompetenzen dringend notwendig – PISA 2022-Ergebnisse vorgestellt (05.12.2023)

 

 

 

Offener Brief an Kultusministerkonferenz

Bitte um Beteiligung Deutschlands an der TALIS-Studie

Sehr geehrte Frau Präsidentin der Kultusministerkonferenz, liebe Frau Günther-Wünsch, sehr geehrte Vizepräsidentinnen, liebe Frau Streichert-Clivot, liebe Frau Prien,

wir möchten Ihre Aufmerksamkeit heute auf ein wichtiges Anliegen lenken, das von Bedeutung für die Weiterentwicklung unseres Bildungswesens ist. Wir bitten Sie zu initiieren, dass auch Deutschland an der kommenden TALIS-Studie (Teaching and Learning International Survey) der OECD teilnimmt. Deren Durchführung ist für 2024, die Veröffentlichung für 2025 geplant.

Da Sie in der Vergangenheit viele Anstrengungen unternommen haben, die Leistungsentwicklung unseres Schulsystems für Schülerinnen und Schüler zu messen (PISA), erwarten wir, dass auch das Arbeitsumfeld der Lehrkräfte als ein wichtiger Faktor für die Unterstützung des Bildungserfolgs, des professionellen Handelns für Lehrkräfte international vergleichbar begutachtet wird.

Denn es sind doch Lehrkräfte, die wesentlich zum Bildungserfolg der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen beitragen. Aus unserer Perspektive müssen die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte, vielfach auch die Rahmenbedingungen unter denen Unterricht in Deutschland stattfindet, kontinuierlich verbessert werden.

Für eine vergleichende Orientierung halten wir das Erheben von international vergleichbaren Daten zu diesem Thema für bedeutsam. Wir weisen darauf hin, dass Deutschland bereits im Bereich der frühkindlichen Bildung an der TALIS-Starting-Strong-Studie teilnimmt, die wichtige internationale Vergleichsdaten zu den Rahmenbedingungen des Beschäftigungsfeldes und pädagogischen Praktiken im Kita-Alltag liefert.

Wir unterstützen dies und weisen darauf hin, dass auch für die Bereiche allgemeinbildender und berufsbildender Schulen mit gleicher Sorgfalt agiert werden sollte. Nach unserer Kenntnis ist eine Teilnahme an der TALIS-Studie (oder einer vergleichbaren OECD-Studie) zu den Arbeitsbedingungen von Lehrpersonen an Schulen derzeit von Ihnen nicht geplant.

Informationen zu Arbeitsbedingungen, Unterrichtspraktiken, Lehr-Lern-Umgebungen und Formen der Zusammenarbeit sind für eine Weiterentwicklung der Aus- und Fortbildung der zukünftigen Lehrkräfte und auch für die Verankerung einer entsprechenden Personalentwicklung an den Schulen bedeutsam. Die TALIS-Studie bietet eine gute Möglichkeit, um den Ist-Zustand unseres Bildungssystems zu den oben genannten Themen zu analysieren, bewährte Praktiken zu identifizieren und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Lehrkräfte abzuleiten.

TALIS konzentriert sich aktuell auf die Sekundarstufe I: Die Teilnahme Deutschlands an der Studie für diese Schulstufe ist ein erster wichtiger Schritt. Langfristig fordern wir auch eine Untersuchung der Situation der Lehrkräfte an allen allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulformen für alle Altersstufen.

Gerade in Hinsicht auf den wachsenden Lehrkräftemangel in Deutschland ist es wichtig, das Arbeitsumfeld der Lehrkräfte zu analysieren und zu verbessern, um den Arbeitsort Schule für junge Menschen attraktiv zu machen. 

Wir appellieren daher an Sie, die Teilnahme Deutschlands an der kommenden TALIS-Studie zu initiieren und die notwendigen Ressourcen dafür bereitzustellen, zumal dies relevante Industriestaaten wie USA, Japan, Frankreich, Großbritannien oder Spanien auch tun.

Eine solche Beteiligung für die Analyse des Arbeitsumfeldes der Lehrkräfte ist ein wichtiger Schritt, auch die pädagogische Qualität, die Leistungsfähigkeit und den Erfolg unserer Schülerinnen und Schüler im Unterricht zu steigern.

Mit der Bitte um Prüfung unseres Anliegens verbleiben wir mit freundlichen Grüßen,

Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands DL

Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands DPhV

Dirk Meußer, amtierender Vorsitzender (kommissarisch) des Verbands Deutscher Realschullehrer VDR

Pankraz Männlein und Dr. Sven Mohr, Vorsitzende des Bundesverbands der Lehrkräfte für Berufsbildung BvLB

Gerlinde Kohl, Bundesvorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft Deutschlands KEG

 

Schule ohne Lehrkräfte? Probleme, Lösungsansätze und Zukunftsperspektiven

Unter diesem Titel diskutierten Vertreterinnen und Vertreter des Deutschen Lehrerverbands mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik, der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der KMK sowie der Eltern und Schüler und zahlreichen Lehrkräften und weiteren an der Bildung Beteiligten das aktuelle Problem des Lehrkräftemangels. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Bildungsjournalisten Martin Spiewak.

von Anne Schirrmacher

Der Lehrkräftemangel beschäftigt aktuell alle Teile der Gesellschaft – Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und Eltern als direkt Betroffene ebenso, je mehr die Auswirkungen deutlich werden, auch die Wirtschaft, viele Institutionen und Stiftungen, und die Politik. Sehr viele Probleme im Bildungsbereich – Unterrichtsausfall, fehlende Förderungsmöglichkeiten, sinkende Leistungen in Studien – hängen indirekt oder direkt auch mit fehlenden Fachkräften im Lehrkräftebereich zusammen. Während die Lehrkräfteverbände bereits seit Jahren vor dem Mangel warnen oder wie im Bereich der Beruflichen Schulen diesem Mangel bereits seit langem ausgesetzt sind, beginnen die politisch Verantwortlichen dieses Thema erst seit einiger Zeit intensiv in den Blick zu nehmen.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung und der Deutsche Lehrerverband hatten drei Fragen formuliert und entsprechend drei Panels von Expertinnen und Experten zusammengestellt, die diese Fragestellungen gemeinsam diskutierten:

  • Was sind die Ursachen für den Lehrkräftemangel und warum entscheiden sich immer weniger junge Menschen für den Beruf?
  • Wege und Irrwege: Wie sind die aktuellen Gegenmaßnahmen der Bundesländer zu bewerten?
  • Wie kann der Arbeitsort Schule langfristig attraktiver werden?

Der Generalsekretär der Konrad-Adenauer-Stiftung Michael Thielen eröffnete die Tagung und wies auf die Dringlichkeit des Themas hin, da neben den Perspektiven der Bildungsrepublik Deutschland die Bildungs- und damit Lebenschancen junger Menschen akut betroffen sind. DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger beschrieb in seiner Begrüßung den Lehrkräftemangel als die zentrale, größte und alle anderen Themen überlagernde Herausforderung der Schulpolitik in Deutschland – er liege wie eine bleierne Decke über allen anderen Problemen der Schul-und Bildungspolitik, Stundenausfall und Unterrichtskürzungen bedrohten längst nicht nur mehr Zusatzangebote, sondern den gesamten Pflichtunterricht.

In seiner Keynote für das erste Panel zur aktuellen Lage entwarf Andreas Schleicher von der OECD ein Bild des Lehrkräfteberufs, das von Eigenverantwortlichkeit und Entscheidungsfreiheit geprägt ist – aktuelle zu enge Vorschriften und Regeln führten zu Frustration bei vielen Lehrkräften. Zu den Teilnehmerinnen des Panels zählte Wiebke Maibaum, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz – als Lehrertochter hat sie einen realistischen Einblick in die Belastungen des Berufs. Zum Zeitpunkt der Tagung war sie zwischen den schriftlichen und mündlichen Abiturprüfungen, entsprechend spielt der Gedanke an die Zukunft eine Rolle: sie habe nicht vor, Lehrerin zu werden – Lehrkräfte müssen aus ihrer Beobachtung heraus zu viel private Zeit investieren und haben zu wenig Spielräume. Isabel Probst, eine ehemalige Gymnasiallehrerin, berät Lehrkräfte, die mit ihrer beruflichen Situation nicht zufrieden sind. Oft geht es zunächst darum, wie an ihrem Platz in der Schule ihr beruflicher Alltag so verändert werden kann, dass wieder mehr Zufriedenheit und Erfüllung entsteht. In vielen Fällen hilft sie als Coach Lehrkräften aber auch, eine Berufsperspektive außerhalb der Schule und des Daseins als Lehrkraft zu entwickeln. Für viele ihrer Klienten tue sich ein pädagogischer Wertekonflikt auf, der sie belaste, neben aller zu erledigender (Verwaltungs-)Arbeit komme die Beziehungsarbeit mit den Schülerinnen und Schülern zu kurz. Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des VDR, kritisierte an den aktuellen angedachten politischen Maßnahmen, dass sie Aspekte des Berufs zerstören, die ihn für die Lebensplanung vieler Lehrkräfte attraktiv gemacht haben, z.B. in Bezug auf Teilzeitmöglichkeiten. Um attraktiv zu sein, brauche der Lehrkräfteberuf auch Karriereentwicklungsmöglichkeiten. Er unterstrich auch die Wichtigkeit der fachlichen Ausbildung, denn Fachlichkeit von hoher Qualität führe auch zu pädagogischer Freiheit.

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der KMK war für viele ihrer Vorschläge in ihrer Stellungnahme zum Lehrkräftemangel zu Beginn dieses Jahres aus vielen verschiedenen Richtungen kritisiert worden. Die Co-Vorsitzende der Kommission, Prof. Dr. Felicitas Thiel, ging in ihrer Keynote sachlich auf viele der Kritikpunkte ein und legte die Gründe für die Empfehlungen der SWK dar. Es sei nicht übertrieben, von einer Bildungskrise zu sprechen: anhand der Schulleistungsstudien werde sichtbar, dass Schülerinnen und Schülern ein Bildungsminimum nicht garantiert werden könne. Um die Chancen einer Generation nicht zu verspielen seien durchaus auch kontroverse Maßnahmen notwendig, insgesamt müssten die Ressourcen, die im System sind, besser verteilt werden. Alle angedachten Notmaßnahmen seien in unterschiedlicher Weise mangelhaft. Prof. Thiel unterstrich auch, dass der Beruf als Lehrkraft nicht zu schwarz gemalt werden dürfe. In der folgenden Gesprächsrunde diskutierte sie mit DPhV-Vorsitzender Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing und Dr. Dorit Stenke, Staatssekretärin im Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein. Prof. Lin-Klitzing wies vor allem auf zwei Aspekte hin: Vorhandene Lehrkräfte müssen auf verschiedenen Ebenen entlastet werden, um sie im System zu halten. Zweitens brauche es einheitliche Standards auf Bundesebene, um die berufsbegleitende Qualifikation von Quereinsteigern sicherzustellen – analog zum grundständigen Lehramtsstudium. Staatssekretärin Stenke berichtete aus der Praxis der Bildungspolitik, wie z.B. für einen Weiterbildungsstudiengang für das Mangelfach Informatik darauf geachtet wurde, nicht Kolleginnen und Kollegen aus den Mangelfächern Mathematik und Physik abzuziehen. Generell müsse man neue Arbeitszeitmodelle denken, Lebensarbeitszeitkonten für Lehrende sei eine Idee, über die in Zukunft geredet werden müsse.  

Mit Spannung erwartet, stand das dritte Panel unter der Frage, welche Maßnahmen nötig sind, um den Arbeitsort Schule attraktiver zu gestalten, so dass auch in Zeiten des demographischen Wandels, in denen insgesamt weniger Fachkräfte in allen beruflichen Bereichen zur Verfügung stehen, sich genügend junge Leute für das Studium auf Lehramt und den Beruf als Lehrkraft entscheiden. Der junge Lehrer Alexander Brand hatte auf einer selbst organisierten Studienreise intensiven Einblick in das Schulsystem von fünf Ländern gewonnen. In seiner Keynote berichtete er von seinen Erfahrungen, vor allem in Singapur. Deutlich wurde, dass sich Ausgestaltungen im Schulwesen in verschiedenen Ländern stark unterscheiden, oft abhängig von der Mentalität und gewachsenen Strukturen. Dabei plädierte Alexander Brand auch in der folgenden Diskussion dafür, nicht einfach Konzepte und Strukturen aus anderen, scheinbar erfolgreicheren Ländern zu übernehmen – sondern zu überlegen, welche Frage/welchen Bedarf diese Strukturen in den jeweiligen Ländern erfüllen, und dann zu überlegen und Konzepte zu entwerfen, wie dieser Bedarf im Einklang mit hiesiger Kultur und Mentalität erfüllt werden kann. Ebenfalls auf dem Panel saß Schulleiterin Silke Müller, die von Gestaltungsfreiheiten im Bereich der niedersächsischen Schulen berichtete. Sie sehe ihre wichtigsten Aufgaben darin, die Schule nach außen zu vertreten, die Qualitätssicherung zu verantworten und ihr Kollegium zu entlasten und Freiräume zu schaffen. Schule sei für sie nach wie vor der beste Ort der Welt, weil die Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit haben, ihre Schülerinnen und Schüler auf die Zukunft vorzubereiten. Auch DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger forderte, darüber nachzudenken, wie man das Image des Lehrkräfteberufs dadurch verbessern kann, indem mehr Freiräume und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten geboten werden. Befragungen zeigten, dass Lehrkräfte sich vor allem mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe, das Unterrichten, und für ihre Schülerinnen und Schüler wünschten. Prof. Dr. Susan Seeber, ebenfalls Mitglied der SKW der KMK, die vor allem auch die Beruflichen Schulen in den Fokus rückte: Berufliche Schulen haben systemimmanent bereits jahrzehntelange Erfahrung mit der Ausbildung und Einbindung von Quereinsteigern und bieten außerdem eine große Bandbreite, wie Lehrkräfte sich entwickeln können.

Einige Motive durchzogen trotz unterschiedlicher Fragestellungen alle drei Gesprächsrunden der Tagung: Die Beteiligten waren sich einig, dass die Qualitätsstandards in der Lehrkräfteausbildung trotz des bestehenden Lehrkräftemangels im Interesse der Schülerinnen und Schüler und ihrer Bildung nicht heruntergefahren werden dürfen. Ebenfalls immer wiederkehrende Aspekte waren die Notwendigkeit von Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten an den Schulen – sowie der große Wunsch, dass Lehrkräfte wieder mehr Zeit und Freiräume für das Unterrichten und die pädagogische Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern gewinnen. Vielleicht schwierig umzusetzen in einer Zeit, in der ohnehin schon Lehrkräfte fehlen: aber gleichzeitig eine Notwendigkeit, damit der Lehrkräftemangel nicht noch gravierender wird.

Die Video-Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie hier auf der Seiter der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Kurzbiographie Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands

Oberstudiendirektor 

Geboren 1964 in Mindelheim, verheiratet, zwei Töchter, wohnhaft in Augsburg  

Studium der Fächer Deutsch, Englisch und Geschichte für das Lehramt an Gymnasien an der LMU München, der George-Washington-University, Washington, D.C., und der Universität Augsburg, Abschluss mit dem Staatsexamen I; Magister Artium in Nordischer Philologie und Germanischer Altertumskunde als Hauptfach; Referendariat mit Staatsexamen II (1994) und Lehrertätigkeit an verschiedenen Gymnasien in Oberbayern und Schwaben 

Ehemals: Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung und der Fulbright-Kommission 

Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes DPhV, Mitglied im Hauptvorstand des Bayerischen Philologenverbandes bpv, Mitglied im dbb-Bundeshauptvorstand, Mitglied im Hauptausschuss des Bayerischen Beamtenbundes BBB; Schulleiter und Seminarvorstand am Justus-von-Liebig-Gymnasium Neusäß, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft höherer Dienst AhD.

Weitere Informationen unter:  

https://www.linkedin.com/in/stefan-d%C3%BCll-b84031279  

Bilder in hoher Auflösung zur Verwendung mit der Rechteangabe: (c) Andreas Gebert/bpv