Zum BDA-Positionspapier „Lehrerbildung verbessern“

Als insgesamt recht konstruktiven Beitrag der BDA, der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, hat das Präsidium des Deutschen Lehrerverbands die 9 Forderungen der BDA „Lehrerbildung verbessern“ vom August 2020 gewürdigt. DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger betonte: „Wir begrüßen es, dass sich die BDA für eine Stärkung und einen höheren Stellenwert der Lehrerbildung an den Universitäten einsetzt. In vielen Punkten können wir die Forderungen unterstützen, so etwa nach einer wirksamen Bekämpfung des Lehrermangels, besseren Rahmenbedingungen für Lehrertätigkeit und auch mehr Ressourcen für digitale Unterrichtsmedien und die entsprechende Ausbildungs- und Fortbildungskapazitäten. Eine qualitativ hochwertige Lehrerbildung ist die notwendige Grundlage und letztendlich auch der Garant bestmöglicher Bildungs- und Lernergebnisse!“

Auch Vizepräsidentin Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing unterstützt ganz klar die Forderung der BDA an die Kultusministerien und Kommunen, besser für die räumliche und sächliche Ausstattung der Schulen zu sorgen. Gerade die aktuelle Corona-Krise habe gezeigt, wie viel hier noch im Argen liege.

„Konkretere Forderungen hätte ich mir allerdings für die universitäre Lehrerbildung gewünscht“, so die DPhV-Vorsitzende und Vizepräsidentin Lin-Klitzing, „denn dort mangelt es an digitalen fachdidaktischen Angeboten in Forschung und Lehre. Der Kern der Lehrerbildung muss die Bildung im Fach sein. Die Universität muss sich in ihren Lehrangeboten den fachdidaktischen Herausforderungen angesichts der Digitalisierung stellen: Was verändert sich beispielsweise im Fach Chemie, wenn nicht mehr im Labor, sondern digital experimentiert wird? Was verändert sich in historischen und geisteswissenschaftlichen Fächern, wenn angesichts der Digitalisierung anders und weltweit vernetzt auf Quellen zugegriffen werden kann? Was bedeutet das für den schulischen Unterricht? Hier können die Studienseminare in der schulpraktischen Ausbildungsphase manches kompensieren, aber nicht alles.“

Eine entschiedene Gegenposition nimmt der DL allerdings zur BDA-Forderung nach Abschaffung des Staatsexamens in der Lehrerbildung ein. Dies bekräftigte Vizepräsident Jürgen Böhm, Vorsitzender des Realschullehrerverbands VDR:

„Glücklicherweise halten viele Bundesländer noch am Staatsexamen für das allgemeinbildende Schulwesen fest. Die Umstellung auf das Bachelor-Master-System hat der Lehrerbildung nicht gut getan und auch vielfach zu einer Verkürzung des Referendariats und damit zu Qualitätseinbußen geführt. Der DL fordert ein Referendariat von 24 Monaten in allen Bundesländern und in allen Lehramtsstudiengängen. Auch die Forderung nach Lehrkräften mit nur einem Unterrichtsfach lehnen wir ab!“

Vizepräsidentin und KEG-Vorsitzende Gerlinde Kohl ergänzte, dass eine qualitativ hochwertige Lehrerbildung auch einen wichtigen Beitrag dazu leisten könnte, dass Schule und Lehrkräfte bei der Bewältigung von Krisen wie der Corona-Epidemie zukünftig noch besser aufgestellt seien. Je kompetenter und besser Lehrkräfte ausgebildet seien, desto flexibler und methodisch differenzierter könnten sie auf Krisensituationen reagieren.

Vizepräsident und stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands der Lehrkräfte für Berufsbildung BvLB Wolfgang Lambl unterstützte die Forderung im BDA-Papier nach funktionsfähigen digitalen Plattformen, die umfassendes digitales Lernen ermöglichen sollen. Er verwies in diesem Zusammenhang abschließend auf den 10-Punkte-Plan des DL zur Zukunft der Bildung auch nach Corona, worin der digital unterstützte Präsenzunterricht als Unterrichtsmodell der Zukunft beschrieben werde.

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Das Konzept „Gut gerüstet ins neue Schuljahr: 10-Punkte-Plan für Unterricht mit (und nach) Corona“ des Deutschen Lehrerverbandes finden Sie unter https://www.lehrerverband.de/10-punkte-plan-mit-und-nach-corona/

Das BDA-Positionspapier „Lehrerbildung verbessern“ ist abrufbar unter https://www.arbeitgeber.de/www/arbeitgeber.nsf/res/BDA-Position%20Lehrerbildung.pdf/$file/BDA-Position%20Lehrerbildung.pdf

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608. Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Deutscher Lehrerverband fordert mehr als nur das Aufstellen von Hygienestandards von der KMK

Der Deutsche Lehrerverband und seine Mitgliedsverbände DPhV, VDR, BvLB und KEG sehen die Politik in der Pflicht, im nächsten Schuljahr Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen möglichst guten Verlauf des kommenden Schuljahrs in Zeiten von Corona gewährleisten. Für das neue Schuljahr sollten die wichtigen Erfahrungen aus der Krise für das Bildungssystem nutzbar gemacht werden. Dazu fordert der Deutsche Lehrerverband die Umsetzung des folgenden 10-Punkte-Plans!

Die Lehrerverbände hoffen, dass die Quote der Infektionen gering genug liegt, um Präsenzunterricht mit möglichst geringem Risiko von Infektionsclustern abzuhalten. Nach wie vor darf die bestehende Gefahr eines wieder zunehmenden Infektionsgeschehens allerdings nicht unterschätzt werden.

Der Deutsche Lehrerverband und seine Mitglieder fordern daher deutlich umfassendere Innovationen in grundlegenden pädagogischen, technischen, gesundheitsrelevanten und schulorganisatorischen Rahmenbedingungen, die zu Beginn des neuen Schuljahrs umgesetzt sein sollten, als nur die heute von der KMK vorgestellten Hygienestandards für das neue Schuljahr.

Ihre gemeinsamen Forderungen an die Kultusminister und Landesregierungen für einen unter den jetzigen Rahmenbedingungen möglichst optimalen Schulstart im Herbst hat das Präsidium des Deutschen Lehrerverbandes in folgendem 10-Punkte-Plan zusammengefasst:

10 Punkte-Plan des DL für Unterricht mit (und nach) Corona

  1. Ziel ist der digital unterstützte Präsenzunterricht als Regelfall (Plan A) auf der Basis eines neu zu erarbeitenden didaktischen Konzeptes. Moderner Unterricht verlangt den Einsatz von digitalen Medien. Dazu müssen sämtliche Schulen in den Sommerferien 2020 so instand gesetzt werden, dass alle Lehrkräfte mit allen Schülern mit den zur Verfügung gestellten eigenen digitalen Endgeräten rechtssicher und datenschutzkonform über die digitale Plattform der Schule kommunizieren und lehrplanbezogen interagieren können. Im Notfall kann der digital unterstützte Präsenzunterricht aufgrund der von Kultus- und Gesundheitsbehörden regional beurteilten Infektionslage durch Fernunterricht phasenweise ersetzt werden (Plan B) – mit Teilnahmepflicht, verbindlich zu erreichenden Kompetenzzielen und klaren Vorgaben für Leistungserhebungen und -bewertungen.
  2. Für den digital unterstützten Präsenzunterricht im Schuljahr 2020/21 müssen neben dem Regelunterricht dauerhaft Förderangebote zur Verfügung gestellt werden, um Schülerinnen und Schüler bedarfsorientiert beim Erreichen der angestrebten Bildungsstandards zu unterstützen. Dazu bedarf es der Nutzung aller vorhandenen personellen Ressourcen, um durch größere Lehrerreserven an den Schulen bessere Fördermöglichkeiten und Differenzierungsangebote zu schaffen. Das bedeutet eine schulartspezifische Einstellung zum kommenden Schuljahr über Bedarf bis zu 130 Prozent ebenso wie den Einsatz erheblicher zusätzlicher finanzieller Mittel, um auch kurzfristig deutlich mehr freiwillige Förderangebote zur Verfügung zu stellen.
  3. Der digital unterstützte Präsenzunterricht gemäß Plan A ist angepasst an die jeweilige regionale Infektionslage schulart- und altersspezifisch durchzuführen.
  4. Für die verlässliche Planung des neuen Schuljahrs müssen die Länder die Voraussetzungen für wöchentliche freiwillige Corona-Testungen der Lehrkräfte (und Schüler) an der Schule sowie einen Visierschutz zur Verfügung stellen. Praxistaugliche und aerosolvermindernde Lüftungskonzepte müssen zwei Wochen vor Schulbeginn zur Verfügung stehen, sonst kann kein voller Präsenzunterricht stattfinden. Dies gebietet die Fürsorgepflicht des Staates als Arbeitgeber gegenüber seinen Lehrkräften.
  5. Bildung- und Leistungsstandards dürfen nicht abgesenkt werden, sondern die Curricula und die Prüfungen sind kompetenzorientiert vollständig zu erfüllen. Schulen und Lehrkräfte entscheiden über die Art und Quantität von Fördermaßnahmen vor Ort. Jede Schule erhält dafür ein zusätzliches Budget.
  6. Freiwillige Wiederholungen auch zur Hälfte des Schuljahres sollten als flexibles Instrument ermöglicht und von Schülerinnen und Schülern als solches genutzt werden, um kumulierte Lernrückstände nicht erst am Ende des Schuljahres aufholen zu müssen.
  7. Digitale Sprechstunden zwischen Lehrkräften, Eltern und Schülern sollten in das Unterrichtsdeputat integriert und wöchentlich zweistündig für potentiell versetzungsgefährdete Schüler und deren Eltern sowie für interessierte Eltern und Schüler durchgeführt werden. Dazu ist das Unterrichtsdeputat um mindestens eine Stunde abzusenken.
  8. Das Zusammenwirken von Eltern, Lehrkräften und Schülern ist zu stärken und besser zu organisieren, um Polarisierungen vorzubeugen und um für die gemeinsame Bewältigung von Krisensituationen besser gerüstet zu sein.
  9. Das Referendariat ist in allen Bundesländern auf die ursprüngliche Dauer von zwei Ausbildungsjahren anzuheben, damit Referendare sowohl dem erhöhten Anforderungsprofil im Lehrerberuf genügen wie auch für bedarfsorientierten Förderunterricht für Schüler zur Verfügung stehen.
  10. Lebenslanges Lernen wird nur gelingen, wenn sich Schule als Teil der Gesellschaft inhaltlich mit den Hintergründen der Pandemie auseinandersetzt und Resilienz entwickelt, mögliche weitere Krisen zu bewältigen. Hierfür müssen Schulen neue Inhalts- und Organisationskonzepte entwickeln.

Da bisher niemand voraussagen kann, wie sich nach Schulstart das Corona-Infektionsgeschehen entwickelt, kann es je nach Infektionslage immer wieder z. B. regional oder an einzelnen Schulen oder für einzelne Klassen vorkommen, dass eine Verlagerung des Unterrichts von der Anwesenheit im Schulgebäude auf Distanzlernen mit Hilfe von Online-Medien stattfinden muss. „Ein digital gestützter Präsenzunterricht ermöglicht Flexibilität“, erläutert der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, und fordert: „In der verbleibenden Zeit bis zum Beginn des nächsten Schuljahres müssen alle Schulen in die Lage versetzt werden, mit digitalen Endgeräten rechtssicher und datenschutzkonform über die digitale Plattform der Schule kommunizieren und lehrplanbezogen interagieren zu können. Digital gestützter Präsenzunterricht in den Schulen kann so im Fall der Fälle ziemlich nahtlos auf digital unterstützten Fernunterricht umgestellt werden.“

Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR), betont: „Im neuen Schuljahr ist es wichtig und vordringlich, eventuelle Defizite, Wissenslücken oder Unterschiede im Lernstand der Schülerinnen und Schüler zu klären und auszugleichen. Es ist eine enorme und sehr verantwortungsvolle Aufgabe, bedarfsorientiert entsprechende Förderangebote und Differenzierungsmöglichkeiten anzubieten.“ Dazu benötige man Lehrkräfte über das übliche Maß und Budget hinaus. Die Ministerien sollten für die Schulen die finanziellen und personellen Ressourcen vorhalten, um z. B. durch integrierte Lehrerreserven auch einen Plan B mit Präsenz- und Fernunterricht im regionalen Notfall schnell und unbürokratisch umsetzen zu können.

Neben den Lerninhalten im Präsenzunterricht und über digitale Wege steht in der aktuellen weltweiten Corona-Krise auch der Gesundheitsschutz der Schulfamilie im Fokus. „Lehrkräfte, Verwaltungspersonal und Schülerinnen und Schüler haben einen Anspruch auf Infektionsprävention! Die Länder und Schulträger müssen im Rahmen ihrer Fürsorgeverpflichtung die Voraussetzungen für wöchentliche freiwillige Corona-Testungen schaffen und praxistaugliche und aerosolvermindernde Lüftungskonzepte vorhalten“, fordert der stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB), Wolfgang Lambl. „Außerdem sind digitale Sprechstunden zwischen Lehrkräften, Eltern, Ausbildenden und Schülern gerade in Zeiten des Abstandshaltens ein zusätzlicher Weg, um eine bessere Kommunikation zu gewährleisten – damit Lehrkräfte dieses Kommunikationsangebot anbieten können, muss das Unterrichtsdeputat um mindestens eine Stunde abgesenkt werden.“

So notwendig die schnelle Ausstattung in technischer und hygienischer Hinsicht in der aktuellen Situation ist, müssen die Schulen aber andererseits auch langfristig gestärkt werden, um für zukünftige Krisen gerüstet zu sein. „Noch bis vor 20 Jahren waren sich alle Bundesländer erfreulicherweise ungebrochen einig: Schüler brauchen gut ausgebildete Lehrkräfte und der Vorbereitungsdienst umfasste deshalb überall zwei Ausbildungsjahre. Richtig so!“, urteilt die DPhV-Vorsitzende  Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing und fordert eine Rückkehr zum 24-monatigen Referendariat, das in allen Ländern bis auf Bayern z.T. erschreckend heruntergekürzt wurde, und das obwohl die Anforderungen unbestritten stetig gestiegen sind. „Geben Sie sich angesichts der erhöhten Anforderungen an den Lehrerberuf den nötigen Ruck und kehren Sie zum 24-monatigen Referendariat für die kommenden Referendarsjahrgänge zurück“, fordert Lin-Klitzing die Kultusminister der Länder auf, „damit der Lehrernachwachs endlich wieder richtig gut ausgebildet vor die Klassen treten kann, im ersten Ausbildungsjahr für Förderunterricht für Schüler zur Verfügung steht und im zweiten Ausbildungsjahr gut vorbereitet zunehmend Verantwortung für ganze Klassen übernimmt!“

Gerlinde Kohl von der Katholischen Erziehergemeinschaft KEG weist darauf hin, dass Schulen in der Zukunft neue Inhalts- und Organisationskonzepte und Resilienz entwickeln müssen, um mögliche weitere Krisen bewältigen zu können und zum lebenslangen Lernen anzuleiten. „Lebenslanges Lernen bedeutet Bildungsarbeit, die Reflexion und Veränderungsprozesse anregt. Lebenslanges Lernen will Transformation mit Blick auf Nachhaltigkeit und fordert starke Institutionen“, unterstreicht die KEG-Bundesvorsitzende den 10-Punkte-Plan für den Unterricht mit (und nach) Corona des Deutschen Lehrerverbandes.

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Für Stellungnahmen erreichen Sie die Mitglieder des Präsidiums des Deutschen Lehrerverbandes:

DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger: 0160 – 52 75 609 und 030/70 09 47 76 – www.lehrerverband.de

Bundesgeschäftsstelle DPhV, Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing: 030/ 40 81 67 89 – www.dphv.de

Bundesgeschäftsstelle VDR, Bundesvorsitzender Jürgen Böhm: 0 89 / 55 38 76 und 0151 – 11 71 55 89 – www.vdr-bund.de

BvLB-Bundesgeschäftsstellen: 030/ 40 81 66 50 und 0511/ 21 55 60 70 – www.bvlb.de

KEG-Bundesgeschäftsstelle: 089 / 26 02 47 99 – www.keg-deutschland.de

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Gemeinsame Pressemitteilung

Lehrerverband und DJH appellieren an Entscheidungsträger: Rettungsschirm für Jugendherbergen dringend notwendig!

Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) und der Deutsche Lehrerverband (DL) fordern gemeinsam, dass das einzigartige Netz der Jugendherbergen in Deutschland schnell politisch und vor allem finanziell unterstützt wird, damit es über die Corona-Krise hinaus erhalten bleibt.

Detmold. Die rund 450 Jugendherbergen in Deutschland leiden massiv an den Folgen der Corona-Krise. Nach der explosionsartigen Ausbreitung des Virus hatten die zuständigen Gesundheitsbehörden Mitte März die sofortige Schließung aller Jugendherbergen verfügt, um Gäste und Mitarbeiter zu schützen. Eine Stornierung fast aller bestehenden Buchungen, der maximale Rückgang von Neubuchungen und damit der Verlust der Möglichkeit der Erwirtschaftung von Umsatz einerseits sowie laufenden Kosten und Verpflichtungen andererseits haben alle 14 regionalen Landesverbände des DJH in massive wirtschaftliche Notlagen gebracht. Gleichzeitig untersagten die Bundesländer flächendeckend den Schulen die Durchführung von Klassenfahrten, und das teilweise sogar bis zum Jahresende 2020. Bisher aufgelegte Schutzschirme, Sonderkredite bzw. Liquiditätshilfen oder direkte finanzielle Unterstützungsleistungen des Bundes und der Mehrzahl der Länder greifen für die Jugendherbergen nicht, weil sie in ihrem Status als gemeinnützige Bildungs- und Beherbergungsbetriebe in vielen entsprechenden Programmen nicht berücksichtigt werden.

Der Deutsche Lehrerverband, der als Dachverband seiner Bundesverbände DPhV, VDR, BvLB und KEG mehr als 165.000 Lehrkräfte vertritt, weist darauf hin, wie wichtig die Arbeit der Jugendherbergen für den Bildungsbereich ist. Sie sind seit über einem Jahrhundert bewährte Partner der Schulen und Verbände bei der Durchführung von Klassenfahrten und Gruppenreisen. Dabei stellen die Jugendherbergen nicht nur Kost und Quartier, sondern bieten hochwertige Bildungsprogramme durch das Angebot von pädagogisch ausgearbeiteten Materialien, Workshops und Methoden der Erlebnispädagogik. Sie vermitteln Projektbesuche und Ausflugsangebote. Thematische Schwerpunkte sind häufig Naturschutzthemen und Orte mit geschichtlicher und kultureller Bedeutung. Die Gruppenreisen bieten Schulklassen nicht nur neue Lerninhalte, sondern auch gruppendynamische Erfahrungen und Entwicklungen. Kurze Reisen im Grundschulbereich ermöglichen Kindern, erste längere Erfahrungen außerhalb ihrer Familie zu sammeln.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, betont: „Wenn zahlreiche Jugendherbergen aus wirtschaftlichen Gründen und wegen mangelnder Unterstützung der Politik schließen müssten, bedeutet das den Verlust eines wichtigen außerschulischen Bildungsorts, auch auf lange Sicht. Das Netz an Jugendherbergen ist in Deutschland über lange Zeit gewachsen – einmal beschädigt, wird es sich auch nach einer Krise nicht einfach schnell wieder erholen, weshalb die Jugendherbergen jetzt Hilfe benötigen.“

Der Präsident des DJH, Prof. Dr. Günther Schneider, erinnert daran, dass neben schulischen Klassenfahrten Jugendherbergen seit jeher Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine kostengünstige Möglichkeit bieten, erste eigenständige Reiseerfahrungen zu machen. Beispiele sind die beliebten Ferienfreizeiten sowie Sport- und Sprach-Camps in den Sommermonaten. Er betont: „Im Lauf der letzten Jahrzehnte haben Jugendherbergen ihr Angebot auch für junge Familien und andere Altersgruppen ausgebaut, sodass wir über knapp 2.800 pädagogische Angebote verfügen. Diese große gesellschaftliche Relevanz spiegelt sich auch im `GemeinwohlAtlas 2019´ wider, in dem das Deutsche Jugendherbergswerk nach Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Deutschem Roten Kreuz, Weißem Ring und den Johannitern den 6. Platz von insgesamt 137 abgebildeten Organisationen belegt.“

Der Deutsche Lehrerverband hat daher jetzt gemeinsam mit dem Deutschen Jugendherbergswerk alle Bürgermeister, Landräte, Landtags- und Bundestagsabgeordnete sowie die Spitzen der Landesministerien, in deren Wirkungsbereich die Jugendherbergen fallen, zu folgendem, zeitnahen Handeln aufgefordert:

  • Setzen Sie sich persönlich auf allen Ihnen zur Verfügung stehenden politischen, wirtschaftlichen und medialen Handlungsebenen für eine schnelle und wirksame Verhinderung des Zusammenbruchs des Deutschen Jugendherbergswerks und seiner Landesverbände ein! Denn auch wenn in einigen Bundesländern mittlerweile Lösungsansätze vorhanden sind, wird die Hilfe des Bundes dringend benötigt.
  • Tragen Sie umgehend dafür Sorge, dass die Jugendherbergen in Deutschland flächendeckend durch staatliche Rettungsmaßnahmen in ihrem Fortbestand gesichert werden! Reine KfW-Darlehen reichen dazu nicht aus.
  • Verhindern Sie die die endgültige Schließung von Jugendherbergen, die in den zurückliegenden 111 Jahren erfolgreiche Strukturen wirksamer Bildungsarbeit aufgebaut haben und wertvolle Bildungs- und Begegnungsorte sind!

Bleiben die dringend benötigten Hilfen auch weiterhin aus, so sind sich beide Verbände einig, steht hinter zukünftigen Klassenfahrten in deutsche Jugendherbergen als außerschulische Lernorte ein mehr als großes Fragezeichen.

Pressekontakt

Deutsches Jugendherbergswerk (DJH)Deutscher Lehrerverband (DL)
Justin BlumHeinz-Peter Meidinger
KommunikationPräsident
Tel.: 05231/7401404Tel.: 030/70094776 (Geschäftsstelle)
justin.blum@jugendherberge.deinfo@lehrerverband.de

Während die gemeinsame Pressemitteilung gemeinsam mit dem DJH erarbeitet und veröffentlicht wurde, fordert der Deutsche Lehrerverband auch für das Netzwerk an Schullandheimen (vgl. www.schullandheim.de) und andere Verbände und Netzwerke in den einzelnen Bundesländern und auf Bundesebene, die Kinder- und Jugendübernachtungs- und -erholungsstätten anbieten, Unterstützung.

Deutscher Lehrerverband zum Weltlehrertag 2019

Mehr Wertschätzung für Lehrkräfte durch Politik und Gesellschaft hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, anlässlich des Weltlehrertags am morgigen 5. Oktober 2019 eingefordert.

Er erinnerte daran, dass die Anforderungen an den Lehrerberuf in den letzten Jahrzehnten angesichts von wachsender Heterogenität der Schülerschaft, Integrationsproblemen, Inklusion und Digitalisierung enorm gestiegen seien.

Der Verbandsvorsitzende betonte: „Gute Bildung ist nach wie vor die größte Chance für Kinder und Jugendliche, in diese Gesellschaft erfolgreich zu starten und später als mündige Bürger ihr Leben und die Zukunft der Gesellschaft verantwortlich mitzugestalten. Außerdem ist Schule gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung und Individualisierung der Gesellschaft ein ganz wichtiger, wenn nicht der letzte Ort, wo Konsensbildung, Besinnung auf gemeinsame kulturelle Werte und staatsbürgerliche Bildung noch möglich ist.“

Unsere Lehrkräfte benötigten – so Meidinger – zur Erfüllung ihrer Aufgaben aber deutlich mehr Rückendeckung von Gesellschaft und Politik als bisher.

„Wer zulässt, dass befristet angestellte Lehrkräfte während der Ferien regelmäßig entlassen werden, wer den Schulen und Lehrern bei steigenden Gewaltvorfällen und zunehmendem Cybermobbing nicht aktiv beisteht und wer zulässt, dass die Arbeitsbelastung von Lehrkräften ständig steigt, muss sich nicht wundern, wenn dieser an sich so erfüllende und wichtige Beruf von immer weniger jungen Menschen angestrebt wird. Das muss sich dringend ändern!“, sagte der DL-Präsident.

Er verwies abschließend auf das immer noch gültige Zitat des großen deutschen Philosophen und Psychiaters Karl Jaspers:

„Das Schicksal einer Gesellschaft wird dadurch bestimmt, wie sie ihre Lehrer achtet.“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0172 – 28 45 840.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher