Safer Internet Day 2026: Deutscher Lehrerverband fordert sichere digitale Räume für Austausch, Lernen und Zusammenarbeit

  • Plattformanbieter stärker in die Pflicht nehmen
  • Notwendig: Medienbildung, Aufklärung und Sensibilisierung

Anlässlich des Safer Internet Day 2026 betont Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands (DL), die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für ein sicheres und verantwortungsvolles digitales Miteinander. „Safer Internet betrifft uns alle: vor allem, aber nicht nur Kinder und Jugendliche“, so Düll. „Wir alle arbeiten, kommunizieren und lernen täglich online. Deshalb müssen Schutz und Teilhabe immer gemeinsam gedacht werden.“

Mit Blick auf aktuelle Diskussionen zu Altersgrenzen oder Verbotsstrategien für soziale Medien warnt der DL-Präsident vor zu einfachen Lösungen: „Reine Verbote oder starre Altersgrenzen sind kein Allheilmittel. Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Kommunikation und Information.“

Statt Verbote in den Mittelpunkt zu stellen, fordert Düll einen umfassenderen Ansatz: „Wir müssen die digitalen Infrastrukturen stärken, die sicheren Austausch, Lernen und Zusammenarbeit ermöglichen. Das gilt für Social-Media-Plattformen ebenso wie für KI-Anwendungen wie ChatBots. Und wir müssen die Plattformanbieter stärker in die Pflicht nehmen, damit sie sichere und transparente digitale Räume für alle Nutzerinnen und Nutzer bereitstellen.“

Darüber hinaus müssten bestehende Regelungen zur Löschung von schädlichen und extremistischen Inhalten konsequent umgesetzt werden, Zugleich gebe es Inhalte, die rechtlich zulässig, aber dennoch problematisch seien. Düll dazu: „Für diese Inhalte, die im Englischen „awful but lawful“, also „rechtlich korrekt, aber Dreck“ genannt werden, braucht es zum einen verstärkte Medienbildung, Aufklärung und Sensibilisierung. Zum anderen müssen Kinder und Jugendliche Unterstützung und verlässliche Ansprechpartner haben, damit sie in Situationen emotionaler Überforderung oder psychischen Drucks – online wie offline – nicht allein gelassen werden.“

Medienbildung müsse daher konsequent gefördert werden, um junge Menschen zu befähigen, digitale Technologien sicher, reflektiert und selbstbewusst zu nutzen. „Es braucht verlässliche Online-Strukturen, klare Regeln und Verantwortung auf Seiten der Anbieter“, erklärt Düll. „Kinder und Jugendliche müssen die Werkzeuge erhalten, mit denen sie aktuelle und zukünftige Technologien souverän bedienen können. Medienbildung ist dafür unverzichtbar.“

Zum Safer Internet Day appelliert der Deutsche Lehrerverband daher an Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, gemeinsam an einem sicheren digitalen Ökosystem zu arbeiten: „Unser Ziel muss ein Internet sein, das schützt, stärkt und allen eine sichere Teilhabe ermöglicht.“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Stefan Düll über presse@lehrerverband.de bzw. über

0151-10 92 68 48.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

DL-Präsident Stefan Düll zur Diskussion um Social-Media-Altersgrenzen

Eine feste Altersgrenze für die Nutzung von Social-Media-Plattformen ist problematisch – aus mehreren Gründen, eines davon die praktische Umsetzung einer Altersbegrenzung. Zudem betrifft das Suchtpotenzial nicht nur Jugendliche, sondern ebenso Erwachsene. Daher sollten Plattformen gesetzlich verpflichtet werden, alle Nutzer zu schützen, beispielsweise indem „Infinite Scrolling“ mit einem einfachen Klick begrenzt werden kann, indem wirksame Moderationsstrukturen aufgebaut und extremistischer Inhalte konsequent entfernt werden. Das Verhalten älterer Nutzergruppen zeigt zudem: Eine analoge Kindheit bietet keinen automatischen Schutz vor Online-Risiken.

Social Media eröffnet Jugendlichen wichtige Räume zum Lernen und zur Kommunikation – sei es für Hobbys, Interessen oder Hilfsangebote. Dort informieren sie sich auch über gesellschaftliche und politische Themen. Deshalb sollte das demokratische und unterstützende Angebot auf diesen Plattformen gestärkt werden, anstatt den Zugang zu blockieren. Jüngere Kinder brauchen dabei besonders die Begleitung ihrer Eltern, die mit ihren Kindern jeden Alters im Gespräch über ihr Online-Verhalten sein sollten.

Generell dürfen sich Eltern bei dem Thema nicht aus der Verantwortung ziehen. Eltern sind dafür verantwortlich, wann sie ihren Kindern den Zugang zu Smartphones, Tablets und anderen digitalen Endgeräten ermöglichen und wie sie den Zugang zum WLAN handhaben. Altersgrenzen für Social Media helfen nicht, wenn Eltern ihren Kindern Accounts einrichten. Medienkompetenz muss sowohl in Familien als auch in Schulen vermittelt werden, und die Politik ist gefordert, ausreichend qualifiziertes Lehrpersonal für diese und andere Aufgaben bereitzustellen.

Die aktuellen Umsetzungen der australischen Regelungen zeigen: Es gibt zahlreiche praktische und rechtliche Fragen zur Altersverifikation, vielen Jugendlichen gelingt es zudem, sie zu umgehen. Neue Plattformen mit Chatfunktionen werden auftauchen, die von den Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Die Gesetzgeber hinken der Entwicklung hinterher, anstatt den digitalen Raum für alle Nutzer zu einem sicheren Raum zu machen, indem Social-Media-Plattformen und Online-Spiele mit Chatfunktionen z.B. zu bestimmten Default-Settings und Moderationsstrukturen verpflichtet werden.

Kinder und Jugendliche kommen sowohl offline als auch online in Situationen, in denen sie unangemessene oder gefährliche Entscheidungen treffen – wir müssen ihnen helfen, generell Urteilsfähigkeit zu entwickeln. Dafür brauchen sie nicht nur analoge Räume und Freizeitangebote, sondern auch die Möglichkeit zur digitalen Teilhabe.