Positionspapier des Deutschen Lehrerverbandes (DL)
- Ausgangslage und Zielsetzung
Die Fähigkeit, Nachrichten kritisch einzuordnen, Desinformation zu erkennen und digitale Räume souverän zu nutzen, ist eine zentrale Voraussetzung für demokratische Teilhabe. In einer zunehmend fragmentierten Medienlandschaft, geprägt von Social-Media-Plattformen, Influencer-Ökonomien und algorithmischen Empfehlungssystemen, benötigen Kinder und Jugendliche systematische Unterstützung, um sich sicher, reflektiert und informiert zu bewegen.
Neben dem Digitalparkt und dem Startchancenprogramm braucht es einen Nachrichtenkompetenzpakt auf Bundesebene. Der Deutsche Lehrerverband (DL) begrüßt es, wenn der Bund nachhaltige Strukturen aufbaut, in enger Zusammenarbeit mit den Ländern, die die Kulturhoheit haben. Kinder haben ein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, das Bildungsmaßnahmen leiten muss.
- Anforderungen an den Bund – Rahmen setzen, Impulse geben, Forschung ermöglichen
Bundesrahmen statt Bundesvorgaben: Ein „Bundesrahmen Medien- und Nachrichtenkompetenz“ sollte Mindestkompetenzen für alle Schularten formulieren, Qualitätskriterien für Lernmaterialien definieren und eine gemeinsame Verständigungsbasis schaffen, ohne in Curricula einzugreifen.
Förderung von Fortbildung und Qualifizierung: Lehrkräfte benötigen aktuelle, praxisnahe Angebote. Der Bund sollte ein bundesweites Fortbildungsnetzwerk fördern, OER-Materialien finanzieren und Landesinstitute beim Ausbau digitaler Angebote unterstützen.
Nachhaltige digitale Infrastruktur: Eine verlässliche technische Ausstattung aller Schularten ist notwendig. Der Bund kann durch einen dauerhaften Bildungsinfrastruktur-Fonds, Förderung sicherer Lernplattformen und Unterstützung von Datenschutz-Toolkits beitragen.
Bundesweite Forschungsinitiative: Ein vom Bund finanziertes Programm sollte Wirksamkeit von Medienbildungskonzepten, Umgang Jugendlicher mit Social Media, Desinformation und Fragen der informationellen Selbstbestimmung wissenschaftlich untersuchen.
- Rollenverteilung – ein Wirkungsnetz vieler Akteure
- Bund: Koordination, Finanzierung, Empfehlungen und Qualitätsstandards.
- Länder: Integration in Lehrpläne, Fortbildungsstandards, Qualitätssicherung.
- Schulen: Schulinterne Mediencurricula und Verankerung im Schulprogramm.
- Zivilgesellschaft: Projekte, Expertise, Workshops.
- Medienbranche & Plattformen: Transparenz, Bildungsangebote, Kooperationen.
- Lehrerverbände: Praxisnahe Rückmeldungen, Qualitätsmitwirkung.
- Querschnittsthema: Social-Media-Kompetenz & informationelle Selbstbestimmung
Social-Media-Kompetenz ist ein unverzichtbarer Teil von Nachrichtenbildung. Schulen müssen Funktionsweisen von Algorithmen vermitteln, Manipulationsformen erklären, Influencer-Mechanismen kritisch beleuchten und Medienethik stärken.
Die informationelle Selbstbestimmung von Kindern erfordert Angebote, die befähigen statt bevormunden: Datenschutz, Resilienz gegen digitale Risiken und souveräner Umgang mit eigenen Daten.
Für alle Schularten müssen passende Kompetenzmodelle bereitstehen: Von kindgerechter Orientierung in der Grundschule über Fake-News-Analyse in der Sekundarstufe bis zu Medienethik und Plattformökonomie in der Oberstufe und beruflichen Bildung.
- Forderungen des Deutschen Lehrerverbandes
Der Deutsche Lehrerverband fordert einen bundesweiten Rahmen für Medien- und Nachrichtenkompetenz, unterstützt durch dauerhafte Investitionen in digitale Infrastruktur und qualitätsgesicherte Fortbildung. Ein bundesweites Fortbildungsnetzwerk soll Lehrkräfte stärken, während Medienkompetenz verbindlich in allen Lehrplänen verankert wird. Im Mittelpunkt steht die informationelle Selbstbestimmung der Kinder, gestützt durch klare Qualitätsstandards für externe Partner. Nur in verlässlicher Zusammenarbeit aller Akteure kann eine zukunftsfähige Medienbildung gelingen.
