Deutscher Lehrerverband zu den IQB-Bildungstrends 2024:

Deutschland braucht eine Bildungs-Offensive!

„Wie oft noch wollen wir uns solch alarmierende Befunde leisten?“, fragt DL-Präsident Stefan Düll angesichts der erneut gesunkenen Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften. „Wollen wir wirklich den Spitzenplatz Deutschlands als MINT-Nation aufs Spiel setzen?“ Laut OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2025“ erreicht kein anderes Land einen höheren Anteil an MINT-Abschlüssen im tertiären Bereich – diesen Vorsprung dürfe Deutschland nicht verspielen.

Düll warnt: „Woher sollen die Fachkräfte von morgen kommen – die, die Energiewende, Mobilität und Klimafolgen meistern sollen?“ Statt endloser Zuständigkeitsdebatten und gegenseitiger Schuldzuweisungen brauche es endlich entschlossenes Handeln: „Schluss mit Systemstreitereien, Ideologiedebatten und Digitalpessimismus. Geben wir den jungen Leuten Zutrauen und Zumutung! Sie sind leistungsfähig, wenn wir sie fordern – nicht, wenn wir sie vor jeder Anstrengung bewahren.“

Der DL-Präsident fordert eine umfassende Schul- und MINT-Offensive: gezielte Investitionen in Bildung von der frühkindlichen Förderung bis zur Hochschule, in Digitalisierung und KI-Nutzung, in Begabtenförderung, Mental Health und moderne Schulgebäude. Entscheidend sei zudem ein attraktives Berufsbild für Lehrkräfte – insbesondere in den MINT-Fächern. „Ohne qualifizierte und engagierte Lehrkräfte fehlt uns der Nachwuchs für Forschung, Wirtschaft und Bildung gleichermaßen.“

Die sinkende Zahl von Jugendlichen in der Leistungsspitze bewertet Düll als „besorgniserregend“; Förderung müsse beides leisten: Unterstützung für diejenigen, die Mindeststandards verfehlen, und konsequente Förderung der Leistungsstarken: „Wir dürfen uns keine Vernachlässigung des MINT-Bereichs leisten – zu groß ist seine Bedeutung für den Wohlstand unseres Landes.“

Abschließend betont er: „Bildung braucht Kontinuität, Ausstattung und Vertrauen – aber auch höchsten Einsatz. Schulen müssen Orte sein, an denen Leistung zählt und Zukunft entsteht. Das kostet Geld. Leisten wir es uns endlich.“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Stefan Düll über presse@lehrerverband.de bzw. über 0151-10926848.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Amokdrohungen an Schulen

Deutscher Lehrerverband: „Entscheidend sind Prävention und Schulkultur – und die dafür notwendige Unterstützung!“

Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, zeigt sich besorgt über die jüngsten Amokdrohungen gegen Schulen. „Solche Vorfälle versetzen nicht nur Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte in Angst, sondern stören auch nachhaltig das Vertrauen in den sicheren Lernraum Schule“, betonte der Verbandspräsident.

Am Wochenende gab es gegen drei Schulen im Kreis Wesel Drohungen in den sozialen Medien. Und am Sonntag hatte eine 14-Jährige für Montag eine Amoktat an Schulen in Velbert über eine Messenger-App angedroht. In beiden Fällen finden Ermittlungen statt, aber es droht laut den Behörden keine konkrete Gefahr, so dass der Unterricht weiterhin stattfindet. Laut aktuellen Presseberichten am Dienstag hat die 14-Jährige ausgesagt, sie habe die Amokdrohung „aus Spaß“ geschrieben.

„Neben erschreckenden Gewaltvorfällen, die an Schulen sehr selten stattfinden, haben wir es immer wieder mit Drohungen gegen Schulen zu tun. Wenn daraus glücklicherweise keine Gewaltlage folgt, geht die Berichterstattung darüber oft nicht über die Regionalebene hinaus. Solche Drohungen dürfen nicht einfach als ‚dumme Jugendstreiche‘ abgetan werden. Jede dieser Nachrichten erzeugt reale Verunsicherung und bindet enorme Ressourcen von Polizei und Schule“, erklärt Stefan Düll. „Gleichzeitig müssen wir besonnen reagieren und Prävention in den Mittelpunkt stellen.“

Der Deutsche Lehrerverband sieht vier zentrale Handlungsfelder:

  1. Kommunikation stärken:

Schulen brauchen feste Strukturen für den offenen Austausch zwischen Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern. Niedrigschwellige Ansprechmöglichkeiten für Sorgen und Konflikte können verhindern, dass sich Probleme im Verborgenen zuspitzen.

  1. Digitale Verantwortung fördern:

Der Umgang mit Messenger-Apps und sozialen Medien muss stärker Bestandteil der Medienbildung werden. Schülerinnen und Schüler müssen verstehen, welche Tragweite digitale Botschaften haben – und welche strafrechtlichen Konsequenzen Drohungen nach sich ziehen können.

  1. Schulkultur festigen:

Ein respektvolles Miteinander, klare Regeln und eine gelebte Kultur der Fürsorge bilden die Grundlage für Sicherheit und Vertrauen. Schulen brauchen ausreichend Zeit, Personal und Unterstützung, um Projekte zu Gewaltprävention, Demokratiebildung, Medienerziehung und sozialem Lernen zu verankern.

  1. Sicherheitsbeauftragte an Schulen:

Dezidierte Sicherheitsbeauftragte, die dafür auch Entlastung beim Unterrichten bekommen sollten, können ein ganzheitliches Sicherheitskonzept für die Schule in ihrer speziellen Lage und Ausstattung erarbeiten, um alle Aspekte von Unfallschutz, Gesundheitsschutz, Katastrophenschutz und Umgang mit Unfällen und Gewalt zusammenzubringen.

„Wir brauchen mehr Schulsozialarbeit, eine verbesserte Ausstattung für Präventionsprojekte und vor allem mehr Zeit, um Beziehungen in den Klassenzimmern zu pflegen“, betont DL-Präsident Stefan Düll.

Ob möglicherweise Berichterstattung über Amokdrohungen oder Spielfilme wie der vergangene Polizeiruf am Sonntagabend über einen Amoklauf an einer Schule zu mehr Nachahmungen von (nicht ernstgemeinten) Drohungen führen können, ließ der Verbandspräsident offen: „Natürlich ist es möglich, dass Jugendliche sich dadurch zu Drohungen gegen ihre Schulen inspirieren lassen, weil sie den Ernst des Themas und die Konsequenzen einer solchen Drohung völlig unterschätzen, doch Ursache und Wirkung kann man hier nicht eindeutig feststellen. Nicht über Amokdrohungen und Amoktaten zu berichten und dieses Thema aus der fiktionalen Behandlung durch Spielfilme auszuschließen, ist aber keine Lösung. Notwendig ist hier eine einfühlsame Einbettung in Berichterstattung und Programm durch die Medien auf der einen Seite, und Medienbildung und psycho-soziale Prävention an den Schulen und in der Gesellschaft insgesamt.“

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Austausch und Zusammenhalt statt Distanzierung

In einem Artikel der FAZ in der Rhein-Main-Ausgabe vom 21.07.2025 wird geschildert, wie Eltern von Schülerinnen und -Schülern an einem Gymnasium in Frankfurt/Main sich mit Petitionen dagegen organisieren, dass eine Berufsschule während der dringend anstehenden Sanierung ihrer asbestbelasteten Gebäude die leerstehenden Gebäudeteile der ehemaligen „Neuen Börse“ im Ortsteil Bockenheim nutzt, in denen auch zwei Gymnasien ansässig sind. (Link zum Artikel hinter Paywall auf den Seiten der FAZ, Link bei News4teachers.de ohne Paywall) Die Eltern fürchten einen angeblichen schlechten Einfluss der älteren Berufsschüler auf die jüngeren Kinder und Jugendlichen der im Aufbau befindlichen Gymnasien.

Der Mitgliedsverband BvLB des Deutschen Lehrerverbands, der die Lehrkräfte an beruflichen Schulen vertritt, wendet sich entschieden gegen die Haltung der Eltern. Die BvLB-Vorsitzenden Pankraz Männlein und Sven Mohr betonen: „Berufsschülerinnen und Berufsschüler sind keine Problemfälle – sie sind Teil der Lösung. Sie tragen Verantwortung im Berufsalltag, sie stemmen Versorgung, Transport, Pflege und Organisation. Sie halten, oft unsichtbar, unsere Gesellschaft am Laufen – jetzt und in Zukunft. Ihre berufliche Ausbildung ist ein Pfeiler unseres Bildungssystems sowie unseres Wohlstands.“

Zurecht fordert der BvLB Begegnung, Miteinander und Respekt statt Bildungsdünkel und sozialer Distanzierung: „Unsere pluralistische Demokratie lebt von Durchlässigkeit, von gegenseitiger Wertschätzung – und von der Anerkennung, dass berufliche und akademische Bildung gleichwertig sind. Wer das ignoriert, untergräbt nicht nur das Selbstwertgefühl hunderttausender junger Menschen in der Berufsausbildung, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt.“ Die BvLB-Vorsitzenden unterstreichen: „Lassen wir uns nicht von diffusen Ängsten oder diffamierenden Äußerungen leiten. Statt Mauern zu errichten, sollten wir Brücken bauen – zwischen Schulformen, Lebenswegen und Milieus. Denn nur so funktioniert eine demokratische, inklusive und zukunftsfähige Gesellschaft.“ Die ausführliche Presse-Erklärung des BvLB finden Sie unter diesem Link. Die Pressemitteilung des Landesverbands des BvLB, des Gesamtverbands der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen in Hessen glb, finden Sie unter diesem Link

Der Deutsche Lehrerverband steht solidarisch an der Seite seines Mitgliedsverbandes BvLB. DL-Präsident Stefan Düll betont: „Die Beruflichen Schulen sind eine wichtige und wesentliche Säule des Schul- und Bildungswesens in Deutschland. Berufsschulen bilden in systemrelevanten Berufen aus, ohne die unsere Gesellschaft nicht funktioniert. Gymnasien haben hier keine Berührungsängste – und die Eltern von gymnasialen Schülerinnen und Schülern sollten auch keine haben. Viele Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen haben übrigens Abitur und haben sich für eine berufliche Ausbildung anstelle eines Studiums entschieden. In der heutigen Zeit braucht es mehr gesellschaftliche Kommunikation, Austausch und Zusammenhalt statt Distanzierung.

Ich bin selbst Schulleiter an einem Gymnasium in Neusäß, das sich das Gelände mit einer Realschule und einem beruflichen Schulzentrum, das mehrere berufliche Schulformen vereint, teilt. Seit Jahren haben wir Lernende aus den beruflichen Schulen auch in unseren Gebäuden. Während der gerade abgeschlossenen Sanierung meiner Schule waren wir zu Gast in ehemaligen Gebäudeteilen der beruflichen Schule. Die organisatorische Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen und das Miteinander der Schülerinnen und Schüler aller Schulformen ist bereichernd und unproblematisch. Es finden gemeinsame Veranstaltungen statt, und das berufliche Schulzentrum stellt uns immer wieder ihre große Aula zur Verfügung. Wer etwas braucht, bekommt die Unterstützung der anderen Schulen. Im vorliegenden Fall in Frankfurt ermutige ich alle Beteiligten, aufeinander zuzugehen und einander kennenzulernen. Im Übrigen: Alle Berufsschüler waren einmal in der 5. und 6. Klasse, und die Fünftklässler werden einmal ältere Teenager und junge Erwachsene sein.“

Die ausführliche Presse-Erklärung des BvLB finden Sie unter diesem Link: „Mehr Respekt für berufliche Bildung“. Der Deutsche Beamtenbund dbb hat sich unter diesem Link geäußert: Streit um Unterbringung von Berufsschule – Geyer: „Keine Menschen zweiter Klasse!“ Die Pressemitteilung des Landesverbands des BvLB, des Gesamtverbands der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen in Hessen glb, finden Sie unter diesem Link: Berufliche Schulen sind kein Störfaktor, sie sind unverzichtbarer Teil unsere Bildungslandschaft.  

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Alle Beteiligten an den Schulen nachhaltig unterstützen!

Schulen brauchen

  • flankierendes Personal
  • mehr Zeit für Demokratiebildung
  • Medienbildung
  • angemessene digitale Ausstattung

„Schulen und die Lehrkräfte in Deutschland brauchen mehr Unterstützung, das zeigt das neue Schulbarometer“, betont Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, im Hinblick auf die Ergebnisse des heute veröffentlichten Deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung. „Die Kolleginnen und Kollegen nennen als große Probleme herausforderndes Verhalten von Schülerinnen und Schüler und die heterogene Zusammensetzung von Schulklassen. Die dafür notwendige Kraft und Zeit fehlen dann für den Unterricht. Gerade angesichts der Belastung durch den Lehrkräftemangel braucht es daher an den Schulen mehr flankierendes Personal in den Bereichen Verwaltung, IT, Schulsozialarbeit und Schulpsychologie, um die Lehrkräfte zu unterstützen.“

Der DL-Präsident hebt hervor: „Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte wünscht sich mehr Demokratiebildung an den Schulen, viele wünschen sich dafür mehr Zeit im Unterricht. Das deckt sich mit unseren Beobachtungen, dass das Interesse der Kolleginnen und Kollegen an Fortbildungen, wie Demokratiebildung im Unterricht umgesetzt werden kann, sehr hoch ist. Anlässlich einer Fachtagung und Fortbildung zu diesem Thema gemeinsam mit unserem Mitgliedsverband DPhV und der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt hat der Deutsche Lehrerverband im März 2025 sein Thesenpapier „Die Bedeutung von Demokratie- und Wertebildung in Schulen“ veröffentlicht. Die Medienbildung und auch der Umgang mit KI muss dabei als wichtiger Bestandteil der Demokratiebildung der jungen Generation begriffen werden. Die jungen Leute müssen lernen, Informationen zu recherchieren, Quellen zu bewerten, KI-Ergebnisse einzuschätzen und Fake News zu erkennen!“

Das Schulbarometer berichtet, dass die befragten Lehrkräfte für die Verwendung von KI an der Schule und durch Lehrkräfte Chancen und Risiken sehen. „KI-Tools können ein Element der Entlastung für Lehrkräfte sein“, unterstreicht DL-Präsident Stefan Düll. „Dafür brauchen wir einerseits an den Schulen datenschutzkonforme, kostenfreie KI-Programme, mit denen Verwaltungstätigkeiten und Unterrichtsvor- und -nachbereitungen, Analyse und Feedback unterstützt werden. Andererseits braucht es ein umfassendes Angebot an Fort- und Weiterbildung für die Lehrkräfte, um diese Werkzeuge selbst zu nutzen und um Schülerinnen und Schülern die sinnvolle Anwendung von KI-Tools auch unter fachdidaktischen Aspekten zu vermitteln. Ich fordere von den bildungspolitischen Verantwortlichen, dass der Digitalpakt 2.0 endlich beschlossen und mit den dafür notwendigen Mitteln ausgestattet wird! Die laut des aktuellen Haushaltsentwurfs geplanten 6,5 Milliarden für „Investitionen in die Kindertagesbetreuung und digitale Bildung“ sind eindeutig zu wenig, um hier alle Bedarfe des Bildungsbereichs abzudecken.

Es darf bei der Anwendung von KI an der Schule nie darum gehen, dass Kinder und Jugendliche Lern- und Entwicklungsschritte überspringen und durch KI-Werkzeuge ersetzen. Stattdessen müssen sie lernen, die Feedback- und Korrekturoptionen von KI-Programmen für ihren tatsächlichen Lernfortschritt zu nutzen. Es ist eine der Herausforderungen des heutigen Schulalltags, den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass es sinnvoll ist, selbst denken, argumentieren, formulieren und schreiben zu lernen und zu üben, statt sich ein fertiges KI-Produkt herstellen zu lassen, dass sie aufgrund mangelnden Wissens und Fähigkeiten selbst nicht einschätzen können. Wie bei allen hochumstrittenen digitalen Themen unserer Zeit – Handyverbote an Schulen, Altersbegrenzungen von Social-Media-Plattformen – kommen wir mit rigorosen Verboten nicht weiter. Stattdessen müssen wir die Herausforderung annehmen, die Kindern und Jugendlichen altersgemäß an die digitalen Instrumente heranzuführen, damit sie sich verantwortungsvoll in analogen wie digitalen Umgebungen sicher bewegen können.“

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Digitale Teilhabe ist Realität und muss gelernt werden

Statement von Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands: 

„Eine gesetzliche Altersgrenze für soziale Medien klingt verlockend, ist aber weder realistischerweise umsetzbar noch sinnvoll. Wir alle leben längst in einer digitalen Welt – Kinder und Jugendliche müssen lernen, sich dort sicher und verantwortungsvoll zu bewegen. Pauschale Verbote helfen dabei nicht weiter.

Zudem nutzen viele Familien Social Media, um miteinander in Kontakt zu bleiben – auch über Generationen hinweg. Das gilt für Kinder, deren Verwandte in einem anderen Teil von Deutschland wohnen, genauso wie für geflüchtete Kinder, die mit ihrem Vater in der ukrainischen Armee oder mit ihren Großeltern in Aleppo kommunizieren. Ein Verbot wäre kaum umsetzbar und greift unnötig in den Alltag ein.

Stattdessen braucht es eine gezielte Förderung von Medienkompetenz – in den Familien, aber vor allem in den Schulen. Politik und Bildungseinrichtungen müssen hier Verantwortung übernehmen, auch in der Lehrerausbildung und mit besserer Ausstattung. Das Suchtpotenzial von Internet und Social Media als „Digital Crack“ spüren die Erwachsenen ebenso wie die Kinder und Jugendlichen – viele haben schon erlebt, dass sie mehr Zeit online verbringen als geplant. Da kann allerdings nicht die Lösung sein, den Jugendlichen plötzlich mit dem 16. Geburtstag den Zugang zu eröffnen, sondern Kindern und Jugendlichen entsprechend ihrem Alter an eine immer eigenverantwortlichere Nutzung des Internets und der verschiedenen Online-Dienste – auch Social Media – heranzuführen.

Eltern haben dabei einerseits eine Vorbildfunktion in ihrem eigenen Gebrauch des Internets und eine begleitende Erziehungsrolle. Die Politik wiederum muss diese Aufgabe in der Lehrerausbildung und in der personellen Ausstattung der Schulen berücksichtigen.

Social Media-Dienste wie Youtube sind auch wichtige Lernorte – neben zusätzlichen Erklärungen von Schulinhalten können Kinder und Jugendliche dort auch Anleitungen und Inspiration für verschiedene Hobbies finden. Challenges auf Tiktok können sowohl harmlos und gemeinschaftsbildend sein – z.B. in den Bereichen wie Musik und Tanz – als auch schädlich: Wichtig ist hier, den Kindern und Jugendlichen eine gute Urteilsfähigkeit zu vermitteln, die sie genauso brauchen, wenn es um Mutproben in ihrer Peergroup vor Ort geht.

Wir sollten nicht ständig diskutieren, was Kindern verboten wird – sondern was wir ihnen ermöglichen. Mehr Freizeitangebote, mehr sichere Online-Räume, mehr Bildung. Denn digitale Teilhabe ist Realität – und die muss man lernen, nicht verbieten.“

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Trauer und Bestürzung über den Amoklauf im österreichischen Graz

Mit Bestürzung und Trauer reagiert der Deutsche Lehrerverband auf die Medienberichte von einem Amoklauf an einer Schule im österreichischen Graz. DL-Präsident Stefan Düll: „Wir sind fassungslos und denken mit Trauer und Mitgefühl besonders an die Opfer und ihre Angehörigen – und an alle Mitglieder der Schulfamilie am Bundesoberstufenrealgymnasium in Graz.“

Der Verbandspräsident fährt fort: „Unweigerlich gehen in einer solchen Situation die Gedanken an die Schulen, an denen wir arbeiten, die unsere Kinder und Jugendlichen besuchen. Die Wahrscheinlichkeit eines Amoklaufs ist gering, aber nicht völlig ausgeschlossen.“

Stefan Düll erläutert, dass seit den Amokläufen von Erfurt und Winnenden Schulen und Schulleitungen sich intensiv mit dem Thema beschäftigten. In Zusammenarbeit mit Polizei und Schulträgern erstelle jede Schule Sicherheitskonzepte, die auf die Schule und ihre baulichen Besonderheiten zugeschnitten seien, diese würden jährlich aktualisiert.

„Das Verhalten im Ernstfall einer Gefahrensituation wird in Grundzügen geübt. Da es nicht die eine Amoklage gibt, gibt es keine einheitlichen Szenarien“, führt der DL-Präsident aus. „Als Grundregeln gelten das Verbarrikadieren im Unterrichtsraum bei Schüssen oder Amokalarm. In modernen bzw. modernisierten Schulgebäuden gibt es inzwischen oft Lautsprechersysteme für Durchsagen und Telefone in Klassenräumen, um die Kommunikation auch ohne Handy zu sichern.

Schulen sollten mit Krisenplänen und Kriseninterventionsteams vorbereitet sein. Diese Teams erhalten Schulungen und bilden sich regelmäßig weiter und tauschen sich aus. Neben Amokläufen reagieren sie auch auf andere Krisensituationen im Schulumfeld, z.B. bei schweren Unfällen oder Naturkatastrophen. Informationen etwa über Erste-Hilfe-Trainings oder Verhalten in verschiedenen Notsituationen werden im Rahmen von Konferenzen und internen Fortbildungen an die Lehrkräfte eines Kollegiums weitergegeben.“

Stefan Düll schlägt vor: „Aus meiner Sicht wäre es gut, wenn jede Schule einen Sicherheitsbeauftragten hat, der alle Aspekte von Sicherheit an einer Schule koordiniert und pädagogisch unterfüttert. Das geht von der Verkehrssicherheit, Gesundheitsförderung und Prävention über Unfall- und Brandschutz bis zu Katastrophenlagen. Auch der regelmäßige Kontakt zu den Blaulichtorganisationen würde über diese Person laufen. Für diese Aufgaben braucht es Entlastung von der Unterrichtstätigkeit, wie es sie für den Datenschutzbeauftragten vielfach gibt. Die Sicherheit von Leib und Leben sollte uns hier mindestens so wichtig sein wie der Schutz von Daten.“

Im Hinblick auf Vorschläge wie Eingangskontrollen mit Wachpersonal und Scannern, wie sie in den USA verbreitet sind, weist der Verbandspräsident darauf hin, dass solche Sicherungen im Widerspruch stehen zum sehr freiheitlichen Verständnis von Schule bei uns: „Es gibt keine unüberwindbaren Zäune oder Maschendraht, Lernende verlassen in der Mittagspause, in Freistunden oder im Sportunterricht das Schulgebäude. Leider zeigen die Amokläufe in den USA, dass selbst starke Sicherheitsmaßnahmen nicht alle Amokläufe verhindern. Wer eine solche Tat plant, oft von langer Hand, findet Wege, die Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen.“

DL-Präsident Stefan Düll betont: „Aus meiner Sicht entscheidend ist daher eine andere Art der Prävention: Schulen müssen mit ausreichend Lehrkräften sowie Sozialpädagogen, Jugendarbeiter und Schulpsychologen ausgestattet sein, um auf Auffälligkeiten aller Art zu achten und rechtzeitig eingreifen zu können, wenn Schülerinnen und Schüler Probleme haben. Manchmal kommen erste Hinweise auch von Mitschülern, die sich über Aussagen oder das Verhalten anderer Kinder und Jugendlicher Sorgen machen. Wesentlich dafür ist ein gutes respekt- und vertrauensvolles Schulklima. Ich plädiere sehr dafür, die Schulen mit ausreichend Fachpersonal auszustatten. Wir wissen nicht, ob und wie viele Amokläufe durch diese Art der Prävention verhindert werden, doch die Investition in die emotionale und psychische Gesundheit und Sicherheit von Kindern und Jugendlichen lohnt sich in jedem Fall.“

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Deutscher Lehrerverbands: Keine Experimente bei der Beamtenversorgung

Der Deutsche Lehrerverband (DL) lehnt den Vorschlag von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) nach Einbeziehung der Beamtinnen und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung entschieden ab. DL-Präsident Stefan Düll betont: „Das bewährte Pensionssystem ist verfassungsrechtlich geschützt und sichert die Attraktivität des öffentlichen Dienstes. Experimentelle Schnellschüsse, die die Rechtssicherheit gefährden und neue Haushaltsrisiken durch Doppelbelastungen schaffen, sind keine Lösung für die Rentenprobleme.“

Die vom Berufsbeamtentum geforderte besondere Loyalität zum Staat – etwa Streikverbot, Neutralitätspflicht und Verfassungstreue – ist untrennbar mit dem verfassungsrechtlich geschützten Alimentationsprinzip und mit der Pensionsversorgung verknüpft. Eine Umstellung würde zudem zu erheblichen finanziellen Mehrbelastungen für Bund und Länder führen, ohne die Rentenkasse strukturell zu entlasten.

„Angesichts des Lehrkräftemangels müssen wir zusehen, dass wir die Attraktivität des Lehrkräfteberufs beibehalten und steigern und nicht mindern“, hebt Düll hervor. „Die Unsicherheit bei der Versorgung, die eine solche Umstellung zur Folge hätte, würde sicherlich nicht mehr, sondern eher weniger junge Menschen bewegen, den Beruf als Lehrkraft für sich in den Blick zu nehmen. Wie wichtig der Beamtenstatus der Lehrkräfte für die Schulen und Schülerinnen und Schüler ist, zeigt sich aktuell in Berlin, wo in der GEW organisierte Lehrkräfte, die einen Angestelltenstatus haben, ausgerechnet in der Zeit der Abitur- und MSA-Prüfungen streiken.“

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DL-Präsident Stefan Düll zur Einordnung der AfD als gesichert rechtsextremistisch:

„Lehrkräfte sind zur Verfassungstreue verpflichtet!“

Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, betont nach der Einordnung der AfD als gesichert rechtsextremistische Partei durch das Bundesamt für Verfassungsschutz: „Es versteht sich von selbst, dass nach der Einordnung der AfD als gesichert rechtsextremistische Partei nicht zur Tagesordnung übergegangen werden kann. Bund und Länder müssen für den gesamten öffentlichen Dienst prüfen, wie sie damit bei bereits Beschäftigten wie bei Neueinstellungen umgehen. Die Unvereinbarkeit von rechtsextremistischer AfD-Mitgliedschaft und Verfassungstreue liegt auf der Hand: Beamtinnen und Beamte leisten einen Diensteid auf Grundgesetz und ggf. Landesverfassung, und auch die Angestellten des öffentlichen Dienstes haben eine Dienstpflicht zur Verfassungstreue.“

Düll weist auf den besonderen Bildungs- und Erziehungsauftrag der Lehrkräfte hin: „Extremistinnen und Extremisten haben daher im Schuldienst nichts zu suchen. Bei der Neueinstellung ist die Mitgliedschaft in politisch oder religiös extremistischen verfassungsfeindlichen Organisationen abzufragen. Bei den bereits angestellten und verbeamteten Lehrkräften gehe ich davon aus, dass es sich um Einzelfälle handelt, die eine AfD-Mitgliedschaft haben. Die Ansprüche an Beamtinnen und Beamten sind hoch: Bewerberinnen und Bewerber für die Verbeamtung müssen sich „durch ihr gesamtes Verhalten zu der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes bekennen und für deren Erhaltung eintreten“ (Bundesbeamtengesetz §60 bzw. Beamtenstatusgesetz § 33).“

Düll führt weiter aus: „Angesichts der Entwicklungen der letzten Jahre ist Demokratie- und Wertebildung ein sehr wichtiges Thema. Wie sie am besten umgesetzt werden kann, wird nicht nur an den Schulen, sondern auch in vielen Veranstaltungen des Bildungsbereiches diskutiert. Der Deutsche Lehrerverband hat dazu im März in Wittenberg gemeinsam mit dem DPhV und mit der Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen-Anhalt eine stark nachgefragte Weiterbildungstagung veranstaltet. Inhaltlich ist die Beschäftigung mit dem Grundgesetz ein guter Ansatz, um über die Grundlagen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen. Die Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz sollte daher auch verpflichtender Teil der Lehrkräfteausbildung sein, wie unser Mitgliedsverband DPhV fordert. Auf der praktischen Ebene ist der Umgang mit digitalen Medien ein wichtiger Aspekt der Demokratiebildung, damit die Kinder und Jugendlichen lernen, Quellen einzuschätzen, Algorithmen zu verstehen und nicht auf Fake News und AI-Konstrukte hereinzufallen.“

Das Thesenpapier des Deutschen Lehrerverbandes und seiner Mitgliedsverbände DPhV, VDR, BvLB und KEG „Die Bedeutung von Demokratie- und Wertebildung in Schulen“ finden Sie auf der Webseite des Deutschen Lehrerverbands: https://www.lehrerverband.de/thesenpapier-des-deutschen-lehrerverbandes-und-seiner-mitgliedsverbaende-dphv-vdr-bvlb-keg/.  

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Ausgewiesene Bildungsexpertin zur Bundesbildungsministerin nominiert

 

Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, gratuliert der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien

Der Deutsche Lehrerverband gratuliert der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien zur Nominierung als Bundesbildungsministerin. „Wir wünschen ihr für diese Tätigkeit viel Kraft und gutes Gelingen!“, sagt Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. „Sie ist eine kenntnisreiche Bildungspolitikerin und ausgewiesene Bildungsexpertin, mit der immer ein guter, sachlicher Austausch auf Landes- und Bundesebene in Fragen der Bildungspolitik möglich ist.“

Seit 2017 leitet sie das Bildungsministerium in Schleswig-Holstein und ist auf Bundesebene als Koordinatorin der B-Länder der Bildungsministerkonferenz BMK aktiv, 2022 hatte sie das Amt der Präsidentin der KMK inne. „Sie kennt daher sehr genau die Anliegen der Schulen, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte auf Landesebene, wo die Entscheidungen in der Bildungspolitik getroffen werden, und die Suche nach gemeinsamen Konzepten, Programmen und Empfehlungen, die auf der Bundesebene der Bildungsministerkonferenz stattfindet“, betont Düll.

„Wir erwarten nach Bildung der neuen Bundesregierung einen zügigen Beschluss des Bildungsministeriums gemeinsam mit der BMK für einen Digitalpakt 2.0. Beschluss und damit Umsetzung eines fortgesetzten Digitalpakts wurden von der bisherigen Bundesregierung verzögert, so dass viele Schulen in ihrem Digitalisierungsprozess vor Problemen der Anschlussfinanzierung stehen. Frau Prien als neue Bildungsministerin kennt die Kolleginnen und Kollegen und die Abläufe der BMK, so dass sich das Bildungsministerium auf Bundesebene und die Länder hoffentlich zum Wohle der Sache schnell einigen werden.

Wir setzen darauf, dass Frau Prien als neue Bildungsministerin im Bundeskabinett für den Bereich der schulischen Bildung Mittel aus den zusätzlichen Infrastrukturgeldern sichern wird. Dies ist notwendig für den Bereich des Digitalpakts, der für die neue Laufzeit auf mindestens 10 Milliarden aufgestockt und danach verstätigt werden sollte. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Schulbausanierung bzw. Schulneubau, hier gibt es bundesweit einen Investitionsstau von 55 Milliarden. Da die Kommunen als Schulträger finanziell sehr unterschiedlich ausgestattet sind, braucht es auch hier Bundesmittel für ein Sanierungsprogramm“, fordert Düll.

„Die eigentliche Bildungspolitik wird auf Länderebene entschieden, auf Bundesebene gibt es Raum für zusätzliche Initiativen und Förderprogramme, wie die Fortsetzung des Startchancen-Programm für Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler. Durch die Zusammenlegung der Bildung u.a. mit den Bereichen Familie und Jugend wird der soziale Aspekt der Bildung betont. Ministerin Prien wird sicher auch den Qualitätsaspekt der Bildung im Blick behalten, damit Abschlüsse nicht nur auf dem Papier zu einer Berufsausbildung oder zu einem Studium befähigen.

Nachdem das bisherige BMBF nun auf ein Bildungsministerium zuständig für den Schulbereich und ein Forschungsministerium für den Bereich der Hochschulen aufgeteilt worden ist, ist es wichtig, dass der Blick auf die Qualität der Lehrkräftebildung auf Bundesebene nicht unter den Tisch fällt. Für eine Fortsetzung der Qualitätsinitiative Lehrkräftebildung (ein Programm des BMBF von 2014 bis 2024) setzen wir auf eine enge Zusammenarbeit der neuen Ministerien für Bildung und für Forschung“, betont DL-Präsident Düll abschließend.

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Thesenpapier des Deutschen Lehrerverbandes und seiner Mitgliedsverbände DPhV, VDR, BvLB, KEG

 

Bild: Christian/Pixelio.de

Die Bedeutung von Demokratie- und Wertebildung in Schulen

Demokratie will verteidigt werden. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung bildet das Fundament unserer Gesellschaft. Sie garantiert Rechte und Freiheiten, die wir heute als selbstverständlich ansehen – doch diese Werte müssen jeder neuen Generation bewusst gemacht und vermittelt werden. Angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen ist es wichtiger denn je, sich aktiv gegen Intoleranz, Rassismus, Antisemitismus und jede Form von Diskriminierung zu stellen. Solidarität, respektvolles Miteinander und persönliches Engagement sind Grundpfeiler einer lebendigen Demokratie. Es liegt in der Verantwortung der Bildungseinrichtungen, diese Haltungen und Werte zu fördern.

Schulen übernehmen dabei eine zentrale Rolle: Neben der Vermittlung von Wissen sind sie Orte der Persönlichkeitsentwicklung und der Förderung gesellschaftlicher Teilhabe. Sie bieten den Raum, in dem Kinder und Jugendliche lernen, Verantwortung zu übernehmen, verschiedene Perspektiven zu verstehen und demokratische Prozesse aktiv mitzugestalten. Demokratie- und Wertebildung sind daher nicht nur wichtige Bildungsinhalte, sondern auch essenzielle Grundlagen für ein friedliches und respektvolles Miteinander.

Forderungen zur Stärkung der Demokratie- und Wertebildung

Wir, der Deutsche Lehrerverband und seine Mitgliedsverbände DPhV, VDR, BvLB und KEG, fordern die Umsetzung klarer Maßnahmen, um die Demokratiebildung an Schulen nachhaltig zu stärken. Zentral ist dabei die Stärkung des Fachunterrichts in den Fächern Politik, Geschichte und Sozialkunde. Die Inhalte und Kenntnisse dieser Fächer bilden die Basis für eine fundierte Auseinandersetzung mit politischen Prozessen und gesellschaftlichen Konflikten. Stundenkürzungen in diesem Bereich beeinträchtigen nicht nur die Qualität der Bildung, sondern schwächen auch den demokratischen Diskurs. Ergänzend dazu sollte für die Kinder und Jugendlichen der Besuch von Religions- oder Ethikunterricht verpflichtend sein, um eine werteorientierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Weltanschauungen zu ermöglichen.

Demokratiebildung sollte jedoch nicht auf einzelne Fächer beschränkt bleiben – sie muss als fächerübergreifende Querschnittsaufgabe verstanden werden. Lehrkräfte aller Fächer sollten die Möglichkeit erhalten, demokratische Werte und Fragen in ihren Unterricht einzubetten. Dies erfordert eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz und seinen Werten im Rahmen der Lehrkräfteausbildung und gezielte Aus- und Weiterbildungsangebote, in welchen Formen diese Kompetenzen im Schulalltag umgesetzt werden können. Außerdem brauchen Lehrkräfte Lernräume, in denen sie ausprobieren und üben können, wie sie auf extremistische Äußerungen im Unterricht reagieren und Diskussionen zu kontroversen Themen sicher moderieren können. Ebenso wichtig ist es, Lehrkräfte zu unterstützen, wenn sie sich gegen Hass, Gewalt und Diskriminierung an ihren Schulen einsetzen. Sie verdienen die uneingeschränkte Rückendeckung der Schulleitungen sowie der Verantwortlichen in Bildungsverwaltung und Politik.

Darüber hinaus sollte die praktische Erfahrung demokratischer Prozesse gefördert werden. Projekte wie Schülerparlamente oder Debattierclubs bieten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, demokratische Entscheidungsprozesse aktiv zu erleben. Langfristige Kooperationen mit gesellschaftlichen Initiativen gegen Diskriminierung und für Wertevermittlung erweitern den Horizont der Jugendlichen und stärken ihr Verantwortungsbewusstsein. Auch die schulische Sozialarbeit und Schulpsychologie spielen hierbei eine wichtige Rolle, indem sie die Schülerinnen und Schüler in ihrer persönlichen Entwicklung begleiten und unterstützen.

Medienbildung als integraler Bestandteil der Demokratiebildung

In einer Zeit, in der Fake News und Künstliche Intelligenz die Informationslandschaft zunehmend prägen, ist Demokratiebildung ohne Medienbildung undenkbar. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, Informationen kritisch zu hinterfragen, Quellen zu prüfen und zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden. Dafür braucht es ausreichend qualifizierte Lehrkräfte im Bereich Informatik sowie eine umfassende Aus- und Weiterbildung aller Lehrkräfte, um Medienbildung als fächerübergreifendes Thema vermitteln zu können.

Eine zeitgemäße digitale Ausstattung der Schulen ist hierbei unerlässlich. Neben Hardware und einer stabilen IT-Infrastruktur sind Fachkräfte nötig, die Schulen im Umgang mit digitalen Medien unterstützen. Dazu gehört der praktische Umgang mit Medien, der es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, selbst journalistisch tätig zu werden. Kooperationen mit ausgewählten Initiativen aus dem Medienbereich tragen ebenfalls dazu bei, dass Kinder und Jugendliche die Mechanismen der Medienwelt verstehen und kritisch hinterfragen lernen.

Schulen brauchen gesellschaftliche Unterstützung

Die Vermittlung demokratischer Werte und die Förderung eines kritischen Bewusstseins sind zentrale Aufgaben der Schulen – heute mehr denn je. Demokratie- und Wertebildung stärken nicht nur den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern befähigen junge Menschen, verantwortungsvoll und engagiert an der Gestaltung unserer Zukunft mitzuwirken. Damit dies gelingt, brauchen die Schulen bei dieser Aufgabe die Unterstützung der Gesellschaft, die Unterstützung der gesellschaftlichen Akteure und Institutionen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Zu diesem Netzwerk gehören Eltern, Vereine, Ausbildungsbetriebe, gesellschaftliche Institutionen, Kirchen und andere religiösen Gemeinschaften. Nur so kann unsere demokratische Grundordnung auch für kommende Generationen erhalten werden.

 Bild: christian  / pixelio.de