Meidinger warnt vor Kleinreden der Infektionsgefahren an deutschen Schulen

Deutscher Lehrerverband fĂŒr mehr GesundheitsprĂ€vention sowie flexible, den Gegebenheiten vor Ort Rechnung tragende differenzierte Unterrichtsmodelle

Als falsch und gefĂ€hrlich hat der DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger die weitgehende Abkehr der LĂ€nder und der Kultusministerkonferenz von den HygienestufenplĂ€nen bezeichnet. Diese sahen eine VerschĂ€rfung von Hygieneschutzmaßnahmen ĂŒber Atemschutzmaskenpflicht auch im Klassenzimmer bis hin zur WiedereinfĂŒhrung der Abstandsregel vor. Er betonte: „Es ist wichtig, dass in Schulen auf regional stark ansteigende Infektionszahlen im Sinne des Gesundheitsschutzes angemessen reagiert wird. Eine bloße BeschrĂ€nkung auf QuarantĂ€nemaßnahmen ist mit Sicherheit nicht ausreichend!“

Der VerbandsprĂ€sident wandte sich scharf gegen den von manchen Politikern erweckten Eindruck, dass Schulen im Infektionsgeschehen keine oder nur eine geringe Rolle spielten. Er wies darauf hin, dass z. B. in Berlin die Altersgruppe der 15- bis 19-jĂ€hrigen aktuell die höchsten Ansteckungsraten ĂŒberhaupt aufweise, eine Altersgruppe, die ganz ĂŒberwiegend noch Schulen besuche. Eine reine Fokussierung an Schulen auf festgestellte Infektionen blende aus, dass es nach aktuellen Studien eine hohe, wohl bis zum Faktor 5 reichende Dunkelziffer nicht erkannter Infektionen unter Kindern gebe, die aber trotz fehlender Krankheitssymptome die Erkrankung sehr wohl etwa an Risikopersonen weitergeben könnten. Da, wo eine Kontaktverfolgung in den GesundheitsĂ€mtern noch möglich sei, landeten die Schulen gegenwĂ€rtig nach dem privaten Umfeld und dem Arbeitsplatz bereits an dritter Stelle.

Das PrĂ€sidium des Deutschen Lehrerverbands, dem die BundesverbĂ€nde DPhV, VDR, BvLB und KEG angehören, ist sich einig, dass es keine auf alle Schulen gleichermaßen anwendbare Einheitslösungen geben kann. Stattdessen muss es den Schulen bei Maßnahmen zu erhöhtem Hygieneschutz ermöglicht werden, abhĂ€ngig vom Infektionsgeschehen, der Schulart, der digitalen Schulausstattung, den Altersgruppen und der sozialen Zusammensetzung der SchĂŒlerschaft flexible, differenzierte und passgenaue Lösungen eigenstĂ€ndig in Absprache mit den GesundheitsĂ€mtern zu entwickeln.

Meidinger erklĂ€rte: „An einer berufsbildenden Schule mit guter digitaler Infrastruktur und einer schon Ă€lteren, eigenstĂ€ndiges Arbeiten gewohnten SchĂŒlerschaft ist es beispielsweise einfacher, wieder vorĂŒbergehend in den Distanzunterricht zu gehen als etwa an einer Grundschule, wo es besonders wichtig ist, Kinder, die zuhause nicht unterstĂŒtzt und betreut werden können, im PrĂ€senzunterricht zu halten. Es könnte aber auch innerhalb einer Schul­art, sei es Gymnasium, Realschule oder Gesamtschule, nach Altersgruppen differenziert vorgegangen werden, um den Hygieneschutz in der Schule und in den Schulbussen zu verbessern!“

Der DL-Vorsitzende betonte abschließend, dass alles getan werden mĂŒsse, um PrĂ€senzunterricht möglichst umfassend und lange aufrecht zu erhalten. Er fĂŒgte an: „Aber nicht um jeden Preis! Wir mĂŒssen die Balance finden zwischen ErfĂŒllung des Bildungsauftrags und gleichzeitigem bestmöglichen Gesundheitsschutz. Wenn man sich aktuell anschaut, welche unterschiedlichen Regeln fĂŒr die Gesellschaft und im Gegensatz dazu an den Schulen gelten, wo Mitglieder aus bis zu 30 Haushalten eng und oft auch noch ohne Maskenschutz nebeneinander sitzen, dann ist diese Balance mit Sicherheit nicht mehr gewahrt! Falls die Politik Schulen offen halten will, muss sie im Vorfeld mehr dafĂŒr tun als derzeit geschieht!“

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Bildungspolitik von der zweiten Welle eiskalt erwischt!

Deutscher Lehrerverband wendet sich mit dringlichen Forderungen und LösungsvorschlÀgen an die Politik

„Wenn jetzt nicht gehandelt wird, drohen flĂ€chendeckende Schulschließungen!“

Die im Deutschen Lehrerverband (DL) organisierten VerbĂ€nde DPhV, VDR, BvLB und KEG schlagen Alarm und fordern die Politik in einer konzertierten Aktion auf, den Gesundheitsschutz fĂŒr LehrkrĂ€fte, SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in der Corona-Krise deutlich zu erhöhen. Die Pandemiesituation wird sich nicht in kurzer Zeit bewĂ€ltigen lassen, daher braucht es langfristige Lösungen und verlĂ€ssliche Handlungsrichtlinien, um das Infektionsrisiko an den Schulen so gering wie möglich zu halten, die dort stattfindenden Kontakte zu beschrĂ€nken und AbstĂ€nde zu wahren.

Im bisherigen Betrieb seit der Wiedereröffnung der Schulen, oft ohne Abstandsregeln und Maskenpflicht, setzen die Kultusminister LehrkrĂ€fte sowie SchĂŒlerinnen und SchĂŒler Gefahren aus, die auf offener Straße mit Bußgeldern belegt werden – ganz so, als ob es das Virus in den Schulen nicht gĂ€be. „Wir sagen: Schulen offen halten: Ja – angepasst an das aktuelle Infektionsgeschehen. Aber Schulen im Vollbetrieb um jeden Preis: Nein! Jetzt braucht es verantwortungsvolles Handeln, weitere Infektionsschutzmaßnahmen und Handlungsrichtlinien bei steigenden Infektionszahlen, sonst drohen in der Konsequenz wieder flĂ€chendeckende Schulschließungen“, betont DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger.

LĂŒften ist gut, LĂŒftungsanlagen sind besser

Die Kultusministerkonferenz KMK will mit der Zahlenkombination 20 – 5 – 20 ĂŒber den Winter kommen und den vollen PrĂ€senzunterricht gewĂ€hrleisten, und das trotz rasant steigender Infektionszahlen: 20 Minuten Unterricht, 5 Minuten Quer- und StoßlĂŒften, um dann erneut 20 Minuten zu unterrichten. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, Schulklassen ab einem bestimmten Infektionsgeschehen wieder zu teilen, schlĂ€gt die Politik ebenso in den Wind wie die Erkenntnisse des Umweltbundesamtes, wonach LĂŒften ohne zusĂ€tzlichen Raumluftfilter in vielen GebĂ€uden nicht ausreicht. LĂŒftungsanlagen sind daher an vielen Schulen zwingende Notwendigkeit. Die Installation der Raumluftreiniger hĂ€tte zudem den positiven Effekt, dass auch Grippeviren minimiert werden und zusĂ€tzliche KrankheitsausfĂ€lle vermieden wĂŒrden. Auch der Einsatz von PlexiglaswĂ€nden zwischen den Tischen trĂ€gt zum Schutz bei. Es braucht eine schnelle Bestandsaufnahme nach einheitlichen Parametern in allen BundeslĂ€ndern, um festzustellen, welche RĂ€ume bereits durch bestehende Systeme gut gelĂŒftet werden und wie viele RĂ€ume eine UnterstĂŒtzung durch Luftfilteranlagen brauchen. Mehrere BundeslĂ€nder haben bereits Programme zur Beschaffung entsprechender GerĂ€te aufgelegt, der Deutsche Lehrerverband fordert die ĂŒbrigen LĂ€nder und die KMK auf, vor dieser Investition in die Gesundheit der SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern und der LehrkrĂ€fte nicht zurĂŒckzuschrecken.

Der kritische Grenzwert von Corona-Neuinfektionen wird in immer mehr StĂ€dten und Kommunen ĂŒberschritten. In diesen Hotspots fordert der Deutsche Lehrerverband, die Klassen unverzĂŒglich zu halbieren. „Es empört uns, dass die beschlossenen und vom RKI empfohlenen Richtwerte einer Inzidenzzahl von 35/50 der Corona-Ampel fĂŒr verschĂ€rfte Hygieneschutzmaßnahmen an Schulen von der Bildungspolitik komplett ignoriert werden, um Schulen unter inakzeptablen Bedingungen offen zu halten“, so Heinz Peter Meidinger. „Die KMK hat bei ihrer letzten Sitzung mit ihrer Entscheidung, dass Quer- und StoßlĂŒften bei Minusgraden ausreichend sei, eine rote Linie ĂŒberschritten und sich damit aus der Verantwortung gegenĂŒber dem Gesundheitsschutz der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler gestohlen. Es braucht Richtlinien und klare Handlungsanweisungen, ab welchen Inzidenzzahlen eine Maskenpflicht fĂŒr welche Klassenstufen gilt und ab wann es notwendig ist, die Klassen wieder zu teilen.

AHA-Regeln mĂŒssen auch in Schulen gelten

„Die Kultusministerkonferenz muss eine ganz klare Orientierung fĂŒr den Schulbetrieb in ihrem KMK-Vier-Stufen-Modell nach den Vorgaben des RKI geben, anhand derer dann tatsĂ€chlich vor Ort entschieden wird“, so die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing. „Hier gilt als Maßstab fĂŒr die Stufe 2 der Inzidenzwert von 35 FĂ€llen binnen 7 Tagen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer kreisfreien Stadt oder innerhalb eines Landkreises, fĂŒr die Stufe 3 der Inzidenzwert von 50, bei dem in den Schulen wieder die AHA-Regeln eingehalten werden sollten, was auf kleinere Klassen hinauslĂ€uft. Es ist die Aufgabe der Politik dafĂŒr zu sorgen, dass diese Regeln eingehalten werden und die GesundheitsĂ€mter hier entsprechend einheitlich, nachvollziehbar und verlĂ€sslich agieren.“ 

Differenzieren nach SchĂŒlergruppen – PrĂ€senz- und Online-Unterricht angepasst an das Infektionsgeschehen in verkleinerten Lerngruppen

Das grundlegende Übel ist, dass die Politik Schule ĂŒber einen Kamm schert. Statt zwischen den einzelnen Schulformen zu differenzieren und entsprechende Bedarfe von GrundschĂŒlern bis hin zu BerufsschĂŒlern klar zu definieren, sind SchĂŒler gleich SchĂŒler.

SchĂŒlerinnen und SchĂŒler ab der Sekundarstufe II mĂŒssen anders als SchĂŒlerinnen und SchĂŒler der Primar- und Sekundarstufe I nicht zwingend durchgĂ€ngig PrĂ€senzunterricht haben, sondern können dann, wenn die technischen Voraussetzungen gewĂ€hrleistet sind, parallel oder im Wechsel zwischen PrĂ€senz- und Distanzunterricht lernen. Dies sollte vor Ort entschieden werden – orientiert an den Inzidenzwerten gemĂ€ĂŸ RKI.

„FĂŒr unsere ganz jungen SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in der Grundschule gilt es, so viel PrĂ€senzunterricht zu ermöglichen. Junge Kinder brauchen beim Lernen die Beziehung, um ein tragfĂ€higes Fundament fĂŒr ihr zukĂŒnftiges Lernen aufbauen zu können“, betont Gerlinde Kohl, die Vorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG).

Mut zu unkonventionellen Lösungen

Joachim Maiß, Vorsitzender des Bundesverbandes fĂŒr LehrkrĂ€fte fĂŒr Berufsbildung (BvLB) weist auf unkonventionelle Wege hin, um flĂ€chendeckende Schulschließungen zu verhindern: „Statt mantrahaft alles schön zu reden, mĂŒssen gemeinsam schnell umsetzbare Lösungen herbeigefĂŒhrt werden: So könnten beispielsweise leerstehende Veranstaltungs-Locations oder Stadtteilzentren als zusĂ€tzliche UnterrichtsrĂ€ume angemietet werden, um Schulklassen zu teilen und so das Gesundheitsrisiko fĂŒr LehrkrĂ€fte wie SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zu minimieren. Denn die Unversehrtheit aller hat oberste PrioritĂ€t, um nicht sehenden Auges in die erneute Schulschließungen mit all ihren gesellschaftlichen Folgen zu rutschen.“

Eugen Straubinger ebenfalls Vorsitzender des Bundesverbandes der LehrkrĂ€fte fĂŒr Berufsbildung, fordert, dass die Absage der KMK zum Einbau von LĂŒftungsanlagen gekippt wird und macht folgende Rechnung auf: „NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer schĂ€tzt, dass flĂ€chendeckend rund 100 Euro pro Schüler in die Filtertechnik investiert werden müssten – und spricht von Unsummen, die das verschlingen würde. Legt man diese Zahl zu Grunde, müssten bei bundesweit 11 Millionen SchĂŒlerinnen und SchĂŒler 1,1 Milliarden Euro investiert werden, um alle rund 43 000 Schulen mit dieser Technik auszustatten. Das sind im Vergleich zu den neun Milliarden Euro, die die Rettung der Lufthansa bisher gekostet hat, Peanuts. Das sollte es den Regierenden wert sein, um das Recht auf Bildung in der Coronakrise nicht zu verspielen.“ Er ergĂ€nzt: „Dazu kommt, dass in den Berufsschulen auch LĂŒftungstechniker und Anlagenbauer ausgebildet werden. Wenn unsere Schulen LĂŒftungsanlagen aus heimischer Produktion beziehen könnten, hĂ€tte dies einen deutlichen Einkommens- und BeschĂ€ftigungseffekt fĂŒr diese Produktionssparte. Dies kĂ€me auch den Auszubildenden im dualen System zugute.“

Vergesst die LehrkrÀfte nicht!

Durch die vorgeschlagenen Maßnahmen Ă€ndert sich das Anforderungsprofil an die LehrkrĂ€fte und die Belastungen steigen deutlich. Distanzunterricht fĂŒr Zuhause bleibende SchĂŒler ist Mehrarbeit. Bei allen Maßnahmen mĂŒssen die Auswirkungen auf und die Anforderungen an die LehrkrĂ€fte berĂŒcksichtigt werden, denn es Ă€ndert sich Umfang, Art und Inhalt der LehrtĂ€tigkeit. Neben Investitionen in die notwendige technische Ausstattung der Schulen, SchĂŒlerinnen und SchĂŒler und LehrkrĂ€fte, deren Fehlen bei den Schulschließungen im FrĂŒhjahr schmerzhaft deutlich wurde, braucht es auch weiterhin UnterstĂŒtzung der LehrkrĂ€fte in der Fortbildung fĂŒr neue digitale Formate und vor allem auch technisches Personal zur Betreuung des IT-Bereiches.

Aber auch, da ist sich das PrÀsidium des DL einig, beim Gesundheitsschutz der LehrkrÀfte bei ihrer TÀtigkeit in den Schulen muss nachgebessert werden. Es sei eigentlich ein Skandal, dass anders als in vielen anderen Berufssparten, die mit vielen Kontakten zu tun haben, LehrkrÀfte nicht von den SchultrÀgern und LÀnderministerien mit einer ausreichenden Zahl an FFP2-Masken ausgestattet wurden.

Politik muss Verantwortung ĂŒbernehmen

Auch JĂŒrgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbandes (VDR), fordert klare Handlungsrichtlinien fĂŒr die Schulen bei entsprechenden Infektionszahlen: „Je nachdem, wie gut die gesamtgesellschaftlichen Maßnahmen zur KontaktbeschrĂ€nkung greifen und wie sich daraufhin jeweils regional das Infektionsgeschehen entwickelt, braucht es klare Vorgaben bei bestimmten Richtwerten, damit nicht nach jeder VerĂ€nderung der Zahlen nach oben oder nach unten die Debatte um die richtigen Gesundheitsschutzmaßnahmen an den Schulen von neuem gefĂŒhrt werden muss. Es mĂŒssen Maßnahmen gelten, die an den Schulen in ganz Deutschland Bildung unter höchsten Sicherheitsbedingungen ermöglichen. Dazu gehören StufenplĂ€ne und beste technische und materielle Ausstattung, wie CO2-Ampeln, Luftreinigungsfilter und FFP2-Masken, und bei steigenden Infektionszahlen Klassenteilungen und ZeitrĂ€ume von Distanzunterricht, die fĂŒr Eltern möglichst organisierbar und ĂŒberschaubar bleiben. Allerdings kann es nicht Aufgabe der Schulen sein, entsprechende Maßnahmen festzulegen. Wir LehrkrĂ€fte und Schulleitungen sind keine Ärzte oder Virologen! Die Verantwortung darf nicht lĂ€nger auf die Kollegen geschoben, sondern muss endlich von der KMK und den BundeslĂ€ndern als den politisch Verantwortlichen ĂŒbernommen werden. Aber genau das passiert aktuell seitens der Politik nicht!“

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie die Mitglieder des PrĂ€sidiums des Deutschen Lehrerverbandes:

DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger: 0160 – 52 75 608 und 030/70 09 47 76 – www.lehrerverband.de  

BundesgeschÀftsstelle DPhV, Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing:

030 / 40 81 67 89 – www.dphv.de  

BundesgeschĂ€ftsstelle VDR, Bundesvorsitzender JĂŒrgen Böhm:

089 / 55 38 76 und 0151 – 11 71 55 89 – www.vdr-bund.de  

BvLB-BundesgeschĂ€ftsstellen, Bundesvorsitzende Joachim Maiß und Eugen Straubinger:

030 / 40 81 66 50 und 0511 / 21 55 60 70 – www.bvlb.de  

KEG-BundesgeschÀftsstelle, Bundesvorsitzende Gerlinde Kohl:

089 / 26 02 47 99 – www.keg-deutschland.de  

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

JE SUIS PROF

Chagrin et profonde consternation face à la décapitation de Samuel Paty

Meidinger: « C’est une attaque contre les devoirs de l’école dans une sociĂ©tĂ© dĂ©mocratique et contre nos valeurs dĂ©mocratiques en gĂ©nĂ©ral. »

L’Association des Professeurs Allemands (Deutscher Lehrerverband) en accord avec toutes les associations membres a rĂ©agi avec effarement et deuil profond au meurtre de notre collĂšgue français Samuel Paty.

Heinz-Peter Meidinger, Le PrĂ©sident de l’Association, a dĂ©clarĂ©:

« En tant que reprĂ©sentants des professeurs allemands, nous voudrions exprimer Ă  quel point nous sommes tous choquĂ©s face au meurtre de notre collĂšgue français. Il a accompli son devoir de professeur, Ă  savoir d’enseigner Ă  ses Ă©lĂšves des valeurs fondamentales de nos sociĂ©tĂ©s comme la dĂ©mocratie, la libertĂ© d’opinion, la dignitĂ© humaine et la tolĂ©rance. Nous nous dĂ©clarons solidaires avec les professeurs et tous ceux en deuil dans notre pays voisin. »

Le PrĂ©sident Meidinger a soulignĂ© qu’avec ce crime affreux, l’assassin a directement et tout-Ă -fait Ă  dessein attaquĂ© l’institution de l’école comme le haut-lieu de l’enseignement des valeurs dans une sociĂ©tĂ© dĂ©mocratique. Et il a rajoutĂ©: « C’est pourquoi il est si important que la politique et la sociĂ©tĂ© soutiennent Ă©minemment nos professeurs et leur devoir d’éducation qui est si important pour l’avenir de notre dĂ©mocratie. En Allemagne aussi, on peut observer plus ou moins rĂ©guliĂšrement que certains groupes, fondĂ©s sur des convictions politiques ou religieuses, essaient d’intimider, de menacer ou de mettre au pilori des enseignants. Nous disons clairement: « RĂ©agissons avant qu’il ne soit trop tard! » 

(version allemande)

Veröffentlicht unter Presse

„Je suis prof!“

Große Trauer und BestĂŒrzung ĂŒber Enthauptung von Samuel Paty

Meidinger: „Ein Angriff auf die Aufgaben von Schule in einer Demokratie und unsere demokratischen Werte insgesamt!“

Mit BestĂŒrzung und großer Trauer hat der Deutsche Lehrerverband mit seinen MitgliedsverbĂ€nden auf den Mord an dem französischen Lehrer Samuel Paty reagiert.

DL-PrĂ€sident Meidinger erklĂ€rte: „Als Vertreter der deutschen LehrkrĂ€fte sind wir entsetzt ĂŒber diesen Mord an einem französischen Kollegen, dem nichts anderes zum VerhĂ€ngnis geworden ist, als dass er seine Pflicht erfĂŒllt hat, nĂ€mlich Kindern und Jugendlichen die Werte der Demokratie, Meinungsfreiheit, MenschenwĂŒrde und Toleranz zu vermitteln und nĂ€her zu bringen. Wir erklĂ€ren uns solidarisch mit den LehrkrĂ€ften und allen Trauernden in unserem Nachbarland!“

Der Verbandsvorsitzende betonte, dass die Tat als Angriff gegen die zentrale Aufgabe der Schule als Ort der Wertevermittlung in einer demokratischen Gesellschaft gerichtet war und auch so verstanden werden mĂŒsse. Er ergĂ€nzte: „Deshalb ist es so wichtig, dass Politik und Gesellschaft hinter ihren LehrkrĂ€ften und deren fĂŒr die Zukunft unserer Demokratie so eminent bedeutsamem Bildungsauftrag stehen! Auch hierzulande gibt es von verschiedenen Seiten immer wieder politisch oder religiös motivierte Versuche, LehrkrĂ€fte einzuschĂŒchtern, zu bedrohen bzw. an den Pranger zu stellen. Unterricht und demokratische Werteerziehung dĂŒrfen fĂŒr LehrkrĂ€fte nicht zur Mutprobe werden! Wir sagen: Wehret den AnfĂ€ngen!“

(Französische Übersetzung unter diesem Link)

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Neue KMK-Verwaltungsvereinbarung:

Meidinger: Da ist eine historische Chance verspielt worden!

Nach Ansicht des DL-PrĂ€sidenten Heinz-Peter Meidinger hat die KMK mit ihrer aktuell vorgelegten neuen Verwaltungsvereinbarung die große Chance vergeben, einen Bildungsstaatsvertrag auf den Weg zu bringen, der endlich das Bildungswesen in Deutschland auf eine sichere, gemeinsame gesetzliche Grundlage mit detaillierten Regelungen stellt.

Meidinger betonte: „Insgesamt muss man der KMK attestieren, dass sie vor einem Jahr mit dem Plan eines großen Bildungsstaatsvertrag als Löwe losgesprungen und jetzt mit einer Einigung auf kleinstem gemeinsamen Nenner in einer einfachen LĂ€ndervereinbarung mit vielen vagen AbsichtserklĂ€rungen als Bettvorleger gelandet ist Damit wurde von der KMK eine historische Chance verspielt, endlich konkret und verbindlich die Vergleichbarkeit und die QualitĂ€t im deutschen Bildungssystem sicher zu stellen und zu erhöhen. Die neue Verwaltungsvereinbarung bringt nur in wenigen Teilbereichen Fortschritte und verbleibt bei den meisten zentralen Fragen der AbschlĂŒsse, der Schulstruktur und Lehramtsausbildung sowie der QualitĂ€tssicherung im Vagen und Allgemeinen!“

Zwar begrĂŒĂŸe der DL die Verabredung eines Rechtschreibrahmens fĂŒr die Grundschule und das Ziel, mehr Angleichung in der Vorabiturphase zwischen den LĂ€ndern zu erreichen. Aber gerade die Absprache, ab 2023 50 Prozent der Abituraufgaben in den KernfĂ€chern aus dem Aufgabenpool zu entnehmen, bleibe wirkungslos, wenn anschließend die LĂ€nder weiter einseitig ihre Bewertungsrahmen Ă€ndern dĂŒrften, wie dies in der Vergangenheit stĂ€ndig geschehen ist.

Meidinger fĂŒhrte aus: „Wenn es schon als Erfolg ausgegeben werde, dass die KMK „die ÜberprĂŒfung der Möglichkeit einheitlicher Namensgebung fĂŒr die Schularten“ verabredet habe, dann ist das zutiefst ernĂŒchternd. Wir befĂŒrchten, dass die neue Verwaltungsvereinbarung keinen Fortschritt auf dem Weg zu mehr Vergleichbarkeit, mehr QualitĂ€t und mehr MobilitĂ€t im deutschen Schulsystem bringen wird. Es bleibt auch fraglich, ob damit die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts fĂŒr ein vergleichbares Abitur in Deutschland erfĂŒllt werden können.“

Wenig Wirkungskraft verspricht sich der DL zudem von der geplanten Einrichtung eines wissenschaftlichen Beirats, bei dem ausdrĂŒcklich alle von Schule direkt Betroffenen, also Vertreter von Eltern, SchĂŒlern und LehrkrĂ€ften außen vor bleiben sollen. „Das mag fĂŒr die KMK bequemer sein, die Akzeptanz fĂŒr vorgeschlagene Konzepte wird es aber nicht erhöhen!“ unterstrich der DL-Vorsitzende abschließend.

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ExpertengesprÀch der KMK

 

Große EnttĂ€uschung beim Deutschen Lehrerverband ĂŒber Absage der KMK an Einbau von Luftfilteranlagen in Schulen

Meidinger: Nur Bayern handelt verantwortungsbewusst, alle anderen BundeslĂ€nder vernachlĂ€ssigen ihre FĂŒrsorgepflicht gegenĂŒber SchĂŒlern und LehrkrĂ€ften!

Grenzenlos enttĂ€uscht hat sich der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, ĂŒber die Ergebnisse des ExpertengesprĂ€chs der Kultusministerkonferenz ĂŒber LĂŒftungskonzepte an Schulen gezeigt. Er betonte: „Man muss es so hart sagen: Die Kultusministerkonferenz kommt ihrer FĂŒrsorgepflicht gegenĂŒber den LehrkrĂ€ften und ihrer Verantwortung gegenĂŒber dem Gesundheitsschutz der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler ein weiteres Mal in keiner Weise ausreichend nach!“

Der Verbandsvorsitzende betonte, dass es im Augenblick vor allem darum gehe, nach Wegfall der Abstandswahrung im Klassenzimmer sowie bei signifikant ansteigenden Infektionszahlen und der Erwartung einer zweiten Welle im Herbst und Winter wirksame kompensatorische Maßnahmen zum Hygieneschutz in Klassenzimmern zu veranlassen.

Er erlĂ€uterte: „Das grĂ¶ĂŸte Problem wird die Aerosolbelastung sein. Wenn jetzt die KMK betont, dass StoßlĂŒften alle 20 Minuten in der Regel genĂŒgt, dann geht diese EinschĂ€tzung völlig an der SchulrealitĂ€t vorbei. Tatsache ist, dass bei einem großen Teil der Klassenzimmer keine effektive QuerlĂŒftung möglich ist, u. a. deshalb, weil Fenster nicht oder nur spaltweise zu öffnen sind. Dazu kommt, dass intensives StoßlĂŒften bei Starkregen und Minusgraden kaum durchfĂŒhrbar ist“.

Es sei deshalb erschreckend, wenn die KMK in ihrer PresseerklĂ€rung nach dem Experten­gesprĂ€ch, zu dem gegenĂŒber dem Hygienekonzept der KMK sehr kritisch eingestellte LehrerverbĂ€nde wie der Deutsche Lehrerverband gar nicht erst eingeladen waren, zu dem Schluss kommt, dass mobile LuftreinigungsgerĂ€te „grundsĂ€tzlich nicht nötig“ sind.

Meidinger betonte: „Die Kultusministerkonferenz nimmt damit in Kauf, dass SchĂŒler und LehrkrĂ€fte bei einer zweiten Infektionswelle in den UnterrichtsrĂ€umen völlig unzureichend geschĂŒtzt sein werden. Allein Bayern nimmt die FĂŒrsorgepflicht ernst und hat 50 Millionen Euro zum Kauf von Luftfilteranlagen und CO2-Ampeln angekĂŒndigt. Es ist zu hoffen, dass ungeachtet des Nichtstuns der KMK wenigstens einzelne LĂ€nder jetzt handeln und Ă€hnliche Programme auflegen. Ich sehe nicht ein, warum ausgerechnet beim Gesundheitsschutz an Schulen geknausert und gespart wird, wenn in anderen Bereichen die Millionen deutlich lockerer sitzen!“

Letztendlich, so der Verbandschef abschließend, gefĂ€hrdet die Bildungspolitik in den BundeslĂ€ndern damit das Ziel, nochmalige flĂ€chendeckende Schulschließungen zu verhindern. Ein Blick in andere LĂ€nder zeige gerade, was auch Deutschland wieder bevorstehen könnte.

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Bundeshauptausschuss des Deutschen Lehrerverbands – Heinz-Peter Meidinger einstimmig als PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbands bestĂ€tigt

DL fordert schnelles Internet fĂŒr alle Schulen und klare einheitliche Standards fĂŒr den Infektionsschutz

Mit ĂŒberwĂ€ltigender Mehrheit ist der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, auf der Bundeshauptausschuss-Sitzung des Dachverbandes von den Delegierten fĂŒr weitere drei Jahre in seinem Amt bestĂ€tigt worden. Ebenso wurde der Schatzmeister des DL, Dominik Berdin, mit ĂŒber 90 Prozent der Stimmen wiedergewĂ€hlt. Als VizeprĂ€sidenten fungieren die Vorsitzenden der MitgliedsverbĂ€nde Prof. Susanne Lin-Klitzing (DPhV), Joachim Maiß sowie Wolfgang Lambl (BvLB), JĂŒrgen Böhm (VDR) und Gerlinde Kohl (KEG). Meidinger fĂŒhrt den Verband ehrenamtlich und leitete bis zum 01.08.2020 das Robert-Koch-Gymnasium in Deggendorf.

Außerdem verabschiedeten die Delegierten einstimmig eine aktualisierte Fassung des 10-Punkte-Plans des Deutschen Lehrerverbands, der die Anforderungen und die Zielvorstellungen fĂŒr einen wirksamen und zukunftsorientierten Unterricht wĂ€hrend und nach Corona formuliert. Der DL fordert einen digital unterstĂŒtzten PrĂ€senzunterricht, fĂŒr dessen Verwirklichung allerdings noch einige Voraussetzungen fehlen.

Im Nachgang der Wahl begrĂŒĂŸte der neugewĂ€hlte Vorsitzende die Ergebnisse des gestrigen Bildungsgipfels, auch wenn dabei wenig Neues herausgekommen sei. Meidinger betonte: „Es ist begrĂŒĂŸenswert, dass jetzt mehr Klarheit herrscht hinsichtlich der schnellen Finanzierung der zugesagten Dienst-Laptops fĂŒr alle LehrkrĂ€fte. Mehr Tempo erwarten wir uns bei der Ausstattung aller deutschen Schulen mit schnellen InternetzugĂ€ngen, eine Grundvoraussetzung fĂŒr die Digitalisierung in Schulen. Die Umsetzung vor Ort – die Mittel des Digitalpakts sind ja schon bereitgestellt – muss deutlich beschleunigt werden. Wir brauchen diese Glasfaser- und BreitbandanschlĂŒsse jetzt sofort und nicht erst in einem Jahr.“

Sinnvoll sei auch, so der wiedergewĂ€hlte Verbandschef, dass die Teilnehmer des Bildungsgipfels endlich die Schaffung einer bundesweiten Bildungs- und Lernplattform sowie die Einrichtung digitaler Kompetenzzentren anstreben, um die Schulen vor Ort bei diesem Umstrukturierungsprozess zu unterstĂŒtzen.

Klar sei aber auch, so Meidinger, dass durch Digitalisierung allein kein besserer Unterricht entstehe, entscheidend fĂŒr Lernerfolge von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern sei nach wie vor die pĂ€dagogisch-fachdidaktische Kompetenz der einzelnen Lehrkraft.

Mit Blick auf die morgige Expertentagung der Kultusministerkonferenz forderte der DL-PrĂ€sident, dass man sich endlich auf einheitliche StufenplĂ€ne zum Hygieneschutz in allen BundeslĂ€ndern verstĂ€ndige. Außerdem reiche der Aufruf an die Schulen, mehr zu lĂŒften, nicht aus. Diese brĂ€uchten auch geeignete technische UnterstĂŒtzung durch Luftfilteranlagen, CO2-Ampeln und Ventilatoren.

Meidinger betonte abschließend: „Auf Deutschland und damit auch Deutschlands Schulen rollt eine neue Infektionswelle zu. Wenn bei vollgestopften Klassenzimmern der Abstand nicht eingehalten werden kann, brauchen wir effektive kompensatorische Maßnahmen, sollen Schulen nicht zu Infektionshotspots werden. Da gibt es dringenden Handlungsbedarf. Das Schlechteste wĂ€re, wenn wegen eines unkontrollierbaren Infektionsgeschehens an Schulen diese wieder großflĂ€chig geschlossen werden mĂŒssten. Das gilt es unter allen UmstĂ€nden zu vermeiden!“

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Aktualisierte Fassung September 2020

Der Deutsche Lehrerverband und seine MitgliedsverbĂ€nde DPhV, VDR, BvLB und KEG sehen die Politik in der Pflicht, Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen möglichst guten Verlauf des Schuljahrs in Zeiten von Corona gewĂ€hrleisten. Die wichtigen Erfahrungen aus der Krise sollten fĂŒr das Bildungssystem nutzbar gemacht werden. Dazu fordert der Deutsche Lehrerverband die Umsetzung des folgenden 10-Punkte-Plans!

Die LehrerverbÀnde hoffen, dass die Quote der Infektionen gering genug liegt, um PrÀsenzunterricht mit möglichst geringem Risiko von Infektionsclustern abzuhalten. Nach wie vor darf die bestehende Gefahr eines wieder zunehmenden Infektionsgeschehens allerdings nicht unterschÀtzt werden.

Der Deutsche Lehrerverband und seine Mitglieder fordern daher deutlich umfassendere Innovationen in grundlegenden pÀdagogischen, technischen, gesundheitsrelevanten und schulorganisatorischen Rahmenbedingungen, die zeitnah umgesetzt werden sollten, als nur die bisher vorgestellten Hygienestandards und StufenplÀne.

Ihre gemeinsamen Forderungen an die Kultusminister und Landesregierungen fĂŒr einen unter den jetzigen Rahmenbedingungen möglichst optimalen Schulbetrieb haben das PrĂ€sidium und der Bundeshauptausschuss des Deutschen Lehrerverbandes im folgenden 10-Punkte-Plan zusammengefasst:

10 Punkte-Plan des DL fĂŒr Unterricht mit (und nach) Corona

  1. Ziel ist der digital unterstĂŒtzte PrĂ€senzunterricht als Regelfall (Plan A) auf der Basis von neu zu erarbeitenden didaktischen Konzepten. Moderner Unterricht verlangt den Einsatz von digitalen Medien. Dazu mĂŒssen sĂ€mtliche Schulen zeitnah so instand gesetzt werden, dass alle LehrkrĂ€fte mit allen SchĂŒlern mit den zur VerfĂŒgung gestellten digitalen EndgerĂ€ten rechtssicher und daten­schutzkonform ĂŒber die digitale Plattform der Schule kommunizieren und lehrplanbezogen interagieren können. Im Notfall kann der digital unterstĂŒtzte PrĂ€senzunterricht aufgrund der von Kultus- und Gesundheitsbehörden regional beurteilten Infektionslage durch Fernunterricht phasenweise ersetzt werden (Plan B) – mit Teilnahmepflicht und klaren Vorgaben fĂŒr Leistungserhebungen und -bewertungen.
  2. FĂŒr den digital unterstĂŒtzten PrĂ€senzunterricht mĂŒssen neben dem Regel­unterricht dauerhaft Förderangebote zur VerfĂŒgung gestellt werden, um SchĂŒlerinnen und SchĂŒler bedarfsorientiert beim Erreichen der angestrebten Bildungsstandards zu unterstĂŒtzen. Dazu bedarf es der Nutzung aller vorhandenen personellen Ressourcen, um durch grĂ¶ĂŸere Lehrerreserven an den Schulen bessere Fördermöglichkeiten und Differenzierungsangebote zu schaffen. Das bedeutet eine schulartspezifische Einstellung zum kommenden Schuljahr ĂŒber Bedarf bis zu 130 Prozent ebenso wie den Einsatz erheblicher zusĂ€tzlicher finanzieller Mittel, um auch kurzfristig deutlich mehr freiwillige Förderangebote zur VerfĂŒgung zu stellen.
  3. Der digital unterstĂŒtzte PrĂ€senzunterricht gemĂ€ĂŸ Plan A ist angepasst an die jeweilige regionale Infektionslage schulart- und altersspezifisch durchzufĂŒhren.
  4. FĂŒr die verlĂ€ssliche Planung des neuen Schuljahrs mĂŒssen die LĂ€nder die Voraussetzungen fĂŒr wöchentliche freiwillige Corona-Testungen der LehrkrĂ€fte (und SchĂŒler) an der Schule sowie einen Visierschutz zur VerfĂŒgung stellen. Praxistaugliche und aerosolvermindernde LĂŒftungskonzepte mĂŒssen zur Ver­fĂŒgung stehen, sonst kann kein voller PrĂ€senzunterricht stattfinden. Dies gebietet die FĂŒrsorgepflicht des Staates als Arbeitgeber gegenĂŒber seinen LehrkrĂ€ften.
  5. Bildung- und Leistungsstandards dĂŒrfen nicht abgesenkt werden, sondern die Curricula und die PrĂŒfungen sind kompetenzorientiert vollstĂ€ndig zu erfĂŒllen. Schulen und LehrkrĂ€fte entscheiden ĂŒber die Art und QuantitĂ€t von Fördermaßnahmen vor Ort. Jede Schule erhĂ€lt dafĂŒr ein zusĂ€tzliches Budget.
  6. Freiwillige Wiederholungen auch zur HĂ€lfte des Schuljahres sollten als flexibles Instrument ermöglicht und von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern als solches genutzt werden, um kumulierte LernrĂŒckstĂ€nde nicht erst am Ende des Schuljahres aufholen zu mĂŒssen.
  7. Digitale Sprechstunden zwischen LehrkrĂ€ften, Eltern und SchĂŒlern sollten in das Unterrichtsdeputat integriert und besonders fĂŒr potenziell versetzungsgefĂ€hrdete SchĂŒler und deren Eltern sowie fĂŒr interessierte Eltern und SchĂŒler durchgefĂŒhrt werden.
  8. Das Zusammenwirken von Eltern, LehrkrĂ€ften und SchĂŒlern ist zu stĂ€rken und besser zu organisieren, um Polarisierungen vorzubeugen und um fĂŒr die gemeinsame BewĂ€ltigung von Krisensituationen besser gerĂŒstet zu sein.
  9. Das Referendariat ist in allen BundeslĂ€ndern auf die ursprĂŒngliche Dauer von zwei Ausbildungsjahren anzuheben, damit Referendare sowohl dem erhöhten Anforderungsprofil im Lehrerberuf genĂŒgen wie auch fĂŒr bedarfsorientierten Förderunterricht fĂŒr SchĂŒler zur VerfĂŒgung stehen.
  10. Lebenslanges Lernen wird nur gelingen, wenn sich Schule als Teil der Gesellschaft inhaltlich mit den HintergrĂŒnden der Pandemie auseinandersetzt und Resilienz entwickelt, mögliche weitere Krisen zu bewĂ€ltigen. HierfĂŒr mĂŒssen Schulen neue Inhalts- und Organisationskonzepte entwickeln.

Je nach Infektionslage kann es immer wieder z. B. regional oder an einzelnen Schulen oder fĂŒr einzelne Klassen vorkommen, dass eine Verlagerung des Unterrichts von der Anwesenheit im SchulgebĂ€ude auf Distanzlernen mit Hilfe von Online-Medien stattfinden muss. „Ein digital gestĂŒtzter PrĂ€senzunterricht ermöglicht FlexibilitĂ€t“, erlĂ€utert der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, und fordert: „Alle Schulen mĂŒssen schnellstmöglich in die Lage versetzt werden, mit digitalen EndgerĂ€ten rechtssicher und datenschutzkonform ĂŒber die digitale Plattform der Schule kommunizieren und lehrplanbezogen interagieren zu können. Digital gestĂŒtzter PrĂ€senzunterricht in den Schulen kann so im Fall der FĂ€lle ziemlich nahtlos auf digital unterstĂŒtzten Fernunterricht umgestellt werden.“

JĂŒrgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR), betont: „Es ist wichtig und vordringlich, eventuelle Defizite, WissenslĂŒcken oder Unterschiede im Lernstand der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zu klĂ€ren und auszugleichen. Es ist eine enorme und sehr verantwortungsvolle Aufgabe, bedarfsorientiert ent­sprechende Förderangebote und Differenzierungsmöglichkeiten anzubieten.“ Dazu benötige man LehrkrĂ€fte ĂŒber das ĂŒbliche Maß und Budget hinaus. Die Ministerien sollten fĂŒr die Schulen die finanziellen und personellen Ressourcen vorhalten, um z. B. durch integrierte Lehrerreserven auch einen Plan B mit PrĂ€senz- und Fernunterricht im regionalen Notfall schnell und unbĂŒrokratisch umsetzen zu können.

Neben den Lerninhalten im PrĂ€senzunterricht und ĂŒber digitale Wege steht in der aktuellen weltweiten Corona-Krise auch der Gesundheitsschutz der Schulfamilie im Fokus. „LehrkrĂ€fte, Verwaltungspersonal und SchĂŒlerinnen und SchĂŒler haben einen Anspruch auf InfektionsprĂ€vention! Die LĂ€nder und SchultrĂ€ger mĂŒssen im Rahmen ihrer FĂŒrsorgeverpflichtung die Voraussetzungen fĂŒr wöchentliche freiwillige Corona-Testungen schaffen und praxistaugliche und aerosolvermindernde LĂŒftungskonzepte vorhalten“, fordert der stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundesverbandes der LehrkrĂ€fte fĂŒr Berufsbildung (BvLB), Wolfgang Lambl. „Außerdem sind digitale Sprechstunden zwischen LehrkrĂ€ften, Eltern, Ausbildenden und SchĂŒlern gerade in Zeiten des Abstandshaltens ein zusĂ€tzlicher Weg, um eine bessere Kommunikation zu gewĂ€hrleisten – damit LehrkrĂ€fte dieses Kommunikationsangebot anbieten können, muss das Unterrichtsdeputat um mindestens eine Stunde abgesenkt werden.“

So notwendig die schnelle Ausstattung in technischer und hygienischer Hinsicht in der aktuellen Situation ist, mĂŒssen die Schulen aber andererseits auch langfristig gestĂ€rkt werden, um fĂŒr zukĂŒnftige Krisen gerĂŒstet zu sein. „Noch bis vor 20 Jahren waren sich alle BundeslĂ€nder erfreulicherweise ungebrochen einig: SchĂŒler brauchen gut ausgebildete LehrkrĂ€fte und der Vorbereitungsdienst umfasste deshalb ĂŒberall zwei Ausbildungsjahre. Richtig so!“, urteilt die DPhV-Vorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing und fordert eine RĂŒckkehr zum 24-monatigen Referendariat, das in allen LĂ€ndern bis auf Bayern z. T. erschreckend heruntergekĂŒrzt wurde, und das obwohl die Anforderungen unbestritten stetig gestiegen sind. „Geben Sie sich angesichts der erhöhten Anforderungen an den Lehrerberuf den nötigen Ruck und kehren Sie zum 24-monatigen Referendariat fĂŒr die kommenden ReferendarsjahrgĂ€nge zurĂŒck“, fordert Lin-Klitzing die Kultusminister der LĂ€nder auf, „damit der Lehrernachwachs endlich wieder richtig gut ausgebildet vor die Klassen treten kann, im ersten Ausbildungsjahr fĂŒr Förderunterricht fĂŒr SchĂŒler zur VerfĂŒgung steht und im zweiten Ausbildungsjahr gut vorbereitet zunehmend Verantwortung fĂŒr ganze Klassen ĂŒbernimmt!“

Gerlinde Kohl von der Katholischen Erziehergemeinschaft KEG weist darauf hin, dass Schulen in der Zukunft neue Inhalts- und Organisationskonzepte und Resilienz entwickeln mĂŒssen, um mögliche weitere Krisen bewĂ€ltigen zu können und zum lebenslangen Lernen anzuleiten. „Lebenslanges Lernen bedeutet Bildungsarbeit, die Reflexion und VerĂ€nderungsprozesse anregt. Lebenslanges Lernen will Transformation mit Blick auf Nachhaltigkeit und fordert starke Institutionen“, unterstreicht die KEG-Bundesvorsitzende den 10-Punkte-Plan fĂŒr den Unterricht mit (und nach) Corona des Deutschen Lehrerverbandes.

Deutscher Lehrerverband zur Bitkom-Umfrage:

Fokus nur auf technischer Ausstattung greift zu kurz

Als wenig ĂŒberraschend und bereits weitgehend bekannt hat der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, die heute prĂ€sentierten Ergebnisse der Meinungs­umfrage im Auftrag des IT-Lobbyverbands BITKOM bezeichnet, der ĂŒber 2500 Software­firmen und IT-Unternehmen vertritt. In der Tat hĂ€tten die Schulschließungen vor Augen gefĂŒhrt, dass in Punkto digitale Ausstattung, IT-Infrastruktur und Lernplattformen die BundeslĂ€nder ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.

Der Verbandsvorsitzende verwies ferner darauf, dass digitale Fortbildungsangebote ins Leere liefen, wenn die fortgebildeten LehrkrÀfte ihre neu erworbenen Kompetenzen nicht nutzen könnten, weil an den Schulen die entsprechenden Voraussetzungen nicht vorhanden seien.

Der Deutsche Lehrerverband, so Meidinger, unterstĂŒtze die Forderungen der Bitkom nach einer schnelleren Umsetzung des Digitalpakts und einer flĂ€chendeckenden, alle Schulen umfassenden professionellen Betreuung der IT-Systeme.

Gleichzeitig ĂŒbte Meidinger aber auch Kritik am Design der im Auftrag der Bitkom erfolgten Befragung, die einseitig auf die Frage der technischen Ausstattung ausgerichtet sei. Er betonte: „Entscheidend ist, inwieweit durch die Verwendung digitaler Technik auch ein pĂ€dagogischer Mehrwert und ein höherer Lernerfolg erreicht werden kann. Deshalb unterstĂŒtzen wir als Lehrerverband die Erarbeitung von Medienkonzepten an allen Schulen, die einen kritisch reflektierten Einsatz digitaler Medien und Tools zum Ziel haben. Außerdem haben wir beim Lockdown gesehen, dass selbst ein gut funktionierender Distanzunterricht nie fĂŒr alle SchĂŒlerinnen und SchĂŒler mit allen Voraussetzungen die EffektivitĂ€t eines hochqualitativen PrĂ€senzunterrichts erreicht.“

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Meidinger fordert eine Verringerung der Arbeitsbelastung von LehrkrÀften in allen Schularten

OECD-Studie unterstreicht den Wettbewerbsvorteil der beruflichen Bildung in Deutschland

Deutschland ist aufgrund der hohen BeschĂ€ftigungs- und Berufschancen von Absolventen des beruflichen Schulwesens auch beim Thema Bildungsgerechtigkeit im internationalen Vergleich deutlich besser aufgestellt als viele andere LĂ€nder – dies zeige auch der neue OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“, so der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger.

Mit einer BeschĂ€ftigungsquote von fast 90 Prozent fĂŒr junge Menschen mit beruflichem Abschluss liegt die berufliche Bildung gleichauf mit den BeschĂ€ftigungschancen von UniversitĂ€tsabsolventen.

Meidinger forderte in diesem Zusammenhang massive Anstrengungen der Politik und der Wirtschaft, auch in Zeiten von Corona diesen Wettbewerbsvorteil zu erhalten. „Der aktuelle RĂŒckgang von angebotenen AusbildungsplĂ€tzen ist hier ein Warnzeichen, das uns hellhörig machen muss!“ betonte der Verbandschef und bezweifelte, ob die im aktuellen Konjunkturpaket dafĂŒr vorgesehenen Maßnahmen ausreichten, um diesen RĂŒckgang aufzuhalten.

Hinsichtlich der von der OECD vorgelegten Daten zur Lehrerbezahlung und der Arbeitsbelastung von LehrkrÀften erklÀrte der DL-PrÀsident:

„Es ist richtig, dass die Einstiegsbezahlung von LehrkrĂ€ften sowohl im Primar- als auch im Sekundarschulbereich signifikant ĂŒber dem Durchschnitt der OECD-Staaten liegt. Es wird aber auch klar, dass im internationalen Vergleich in Deutschland im Laufe des Berufslebens einer Lehrkraft nur sehr geringe GehaltszuwĂ€chse erwartet werden können, die Aufstiegs- und Beförderungschancen also sehr gering sind.

Dazu kommt die im Vergleich zum Ausland sehr hohe Arbeitsbelastung, die deutlich ĂŒber dem OECD-Mittel liegt. Ich wundere mich deshalb nicht, dass trotz einer relativ guten Einstiegsbezahlung derzeit viel zu wenig junge Menschen das Lehramt anstreben. Ohne eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, eine Verringerung der Unterrichtsdeputate und bessere Aufstiegschancen werden wir die AttraktivitĂ€t des Lehrberufs in Deutschland kaum steigern können!“

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FĂŒr Stellungnahmen erreichen Sie DL-PrĂ€sident Heinz-Peter Meidinger unter 0160 – 52 75 608.

FĂŒr den Inhalt verantwortlich: GeschĂ€ftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher