Deutscher Lehrerverband zum ifo-Chancenmonitor 2026:

Für mehr Bildungsgerechtigkeit: Konsequent in Personal, Professionalität und Prävention investieren

Der Deutsche Lehrerverband fordert angesichts der Ergebnisse des Chancenmonitors 2026 ein klares Handeln in der Bildungspolitik: mehr gezielte frühe Förderung, verbindliche und flächendeckende Sprachstandsdiagnostik vor der Einschulung, ausreichend Zeit für individuelle Förderung von Jungen und Mädchen in der Schule sowie eine konsequente Stärkung der professionellen Arbeitsbedingungen von Lehrkräften. Bildungsgerechtigkeit darf nicht länger ein Schlagwort bleiben, sondern muss im Alltag der Schulen spürbar werden: Durch Qualität im Unterricht, realistische Klassengrößen, multiprofessionelle Teams und eine an der pädagogischen Praxis orientierte Bildungspolitik.

„Wer mehr Bildungsgerechtigkeit will, muss endlich konsequent in Personal, Professionalität und Prävention investieren, beginnend bei der Kita bis zum Schulabschluss“, betont Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands „Strukturdebatten helfen den Kindern nicht. Entscheidend ist, dass Lehrkräfte die Zeit, die Unterstützung und die Ausbildung haben, um individuell fördern zu können.“

Laut Chancenmonitor 2026 hängt der Bildungserfolg in Deutschland noch immer von sozialer Herkunft, Einkommen und familiären Voraussetzungen ab. Gleichzeitig macht ein Blick auf die Elterngeneration heutiger Schülerinnen und Schüler deutlich, dass pauschale Erklärungen über soziale Herkunft zu kurz greifen. Über die Hälfte der 25- bis 45-Jährigen – also der heutigen Eltern – besitzt inzwischen eine Hochschulzugangsberechtigung, während nur eine Minderheit maximal einen Hauptschulabschluss aufweist. Bildung ist für viele Familien selbstverständlich geworden.

Alarmierend ist allerdings das Zurückbleiben von Jungen, das sich in allen sozialen Gruppen zeigt und sich im Verlauf der Schulzeit weiter verstärkt.

„Dass Jungen quer durch alle sozialen Schichten geringere Bildungschancen haben und im Laufe der Schulzeit weiter zurückfallen, ist ein ernstes bildungspolitisches Warnsignal“, so Düll. „Das dürfen wir nicht hinnehmen. Schule muss ein Ort sein, an dem Begabungen unabhängig von Startbedingungen und Geschlecht erkannt und entwickelt werden.“

Zugleich warnt der Deutsche Lehrerverband vor einer zu engen Fixierung auf das Gymnasium als vermeintlich einzigen Königsweg. Inzwischen wird rund ein Drittel der Hochschulzugangs-berechtigungen über berufliche Schulen erworben – etwa über berufliche Gymnasien oder Fachoberschulen. Damit zeigt sich deutlich: Es gibt mehrere gleichwertige Wege zur Hochschulreife und zum Studium.

„Diese Vielfalt der Bildungswege ist eine Stärke des deutschen Bildungssystems und sollte stärker anerkannt werden“, erklärt Düll. „Gerade in Bundesländern wie Bayern mit einer starken Realschule und einem gesellschaftlich anerkannten Realschulabschluss entscheiden sich Eltern teilweise bewusst für diesen Weg – selbst dann, wenn eine Abiturempfehlung vorliegt. Das geschieht nicht aus Bildungsferne, sondern aus der Überzeugung, dass ein praxisnaher und beruflich orientierter Bildungsweg für das eigene Kind sinnvoller sein kann.“

Bildungspolitik muss deutlich machen, dass erfolgreiche Bildungsbiografien auch jenseits des Gymnasiums möglich sind und gesellschaftliche Anerkennung verdienen.

„Unser Ziel muss es sein, jedem Kind einen passenden Bildungsweg zu eröffnen – leistungsorientiert, durchlässig und frei von sozialen Verzerrungen“, so Stefan Düll abschließend. „Der Chancenmonitor zeigt klar: Dafür ist jetzt entschlossenes und praxisnahes politisches Handeln notwendig.“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Stefan Düll über presse@lehrerverband.de bzw. über 0151-10 92 68 48.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Veröffentlicht unter Presse

Deutscher Lehrerverband zu den aktuellen Zahlen zur Gewalt gegen Lehrkräfte

DL-Präsident Stefan Düll: „Wer Lehrkräfte angreift, greift die Schule als zentralen Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts an.“

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands (DL), Stefan Düll, äußert sich zu den aktuellen Zahlen zur zunehmenden Gewalt gegen Lehrkräfte: „Die Zahlen sind alarmierend und bestätigen, was viele Lehrkräfte seit Jahren erleben: Gewalt, Bedrohungen und Respektlosigkeit.“

Düll betont: „Wer Lehrkräfte angreift, greift die Schule als zentralen Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts an. Das dürfen wir nicht hinnehmen: Lehrkräfte haben ein Recht auf einen Arbeitsplatz ohne Gewalt.“ Die Zahlen zeigen deutlich, dass Prävention und Schutz bislang unzureichend seien. „Es reicht nicht, Gewalt zu beklagen – wir müssen handeln.“

Der Deutsche Lehrerverband fordert verbindliche Schutzkonzepte für alle Teile der Schulfamilie: „Wir brauchen Prävention, Intervention und Nachsorge. Das heißt zum Beispiel: klare rechtliche Rückendeckung für Lehrkräfte, konsequentes Eingreifen der Schulaufsicht sowie eine deutlich stärkere Präsenz von Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und externen Präventions- und Nachsorgeangeboten. Melde- und sanktionsfähige Strukturen müssten gestärkt werden: Gespräche der Polizei mit den Kindern und Jugendlichen präventiv im Klassenverband oder nach einem Gewaltvorfall auch vor der Strafmündigkeit mit den Täterinnen und Täter sind notwendig.“

Düll weist auch auf den gesellschaftlichen Kontext hin: „Gewaltvorfälle an Schulen sind dabei auch Teil einer gesamtgesellschaftlichen Tendenz mit mehr Aggressivität, wobei bestimmte gesellschaftliche Grundsätze aufgegeben werden. Wir sehen seit Jahren vermehrt Gewalt gegen die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr oder Krankenhauspersonal. Auch ehrenamtlich tätige Personen wie Lokalpolitiker und Schiedsrichter werden zunehmend verbal und oft auch körperlich angegriffen. Die Autorität von Menschen, die aufgrund ihrer Tätigkeit gesellschaftlichen Respekt verdienen, wird zunehmend in Frage gestellt.“

„Als Gesellschaft müssen wir auch darüber reden, wie wir unsere Kinder erziehen und welche Vorbilder wir mit unserem eigenen Verhalten abgeben“, betont DL-Präsident Stefan Düll. „Gerade Eltern, Influencer, Politikerinnen und Politiker sowie andere öffentliche Persönlichkeiten tragen eine besondere Verantwortung. Unser Maßstab muss sein: Würden wir ein solches Verhalten akzeptieren, wenn es alle zeigen würden?“ Respektlosigkeit, Herabwürdigung oder die Billigung von Gewalt dürften niemals zur Normalität werden. „Kinder und Jugendliche orientieren sich an dem, was Erwachsene und öffentliche Vorbilder vorleben. Wer selbst Grenzen überschreitet oder Gewalt relativiert, darf sich nicht wundern, wenn genau dieses Verhalten in Schule und Gesellschaft ankommt.“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Stefan Düll über presse@lehrerverband.de bzw. über 0151-10 92 68 48.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Stärkung der Nachrichten-, Medien- und Social-Media-Kompetenz in allen Schularten

Positionspapier des Deutschen Lehrerverbandes (DL) 

  1. Ausgangslage und Zielsetzung

Die Fähigkeit, Nachrichten kritisch einzuordnen, Desinformation zu erkennen und digitale Räume souverän zu nutzen, ist eine zentrale Voraussetzung für demokratische Teilhabe. In einer zunehmend fragmentierten Medienlandschaft, geprägt von Social-Media-Plattformen, Influencer-Ökonomien und algorithmischen Empfehlungssystemen, benötigen Kinder und Jugendliche systematische Unterstützung, um sich sicher, reflektiert und informiert zu bewegen.

Neben dem Digitalparkt und dem Startchancenprogramm braucht es einen Nachrichtenkompetenzpakt auf Bundesebene. Der Deutsche Lehrerverband (DL) begrüßt es, wenn der Bund nachhaltige Strukturen aufbaut, in enger Zusammenarbeit mit den Ländern, die die Kulturhoheit haben. Kinder haben ein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, das Bildungsmaßnahmen leiten muss.

  1. Anforderungen an den Bund – Rahmen setzen, Impulse geben, Forschung ermöglichen

Bundesrahmen statt Bundesvorgaben: Ein „Bundesrahmen Medien- und Nachrichtenkompetenz“ sollte Mindestkompetenzen für alle Schularten formulieren, Qualitätskriterien für Lernmaterialien definieren und eine gemeinsame Verständigungsbasis schaffen, ohne in Curricula einzugreifen.

Förderung von Fortbildung und Qualifizierung: Lehrkräfte benötigen aktuelle, praxisnahe Angebote. Der Bund sollte ein bundesweites Fortbildungsnetzwerk fördern, OER-Materialien finanzieren und Landesinstitute beim Ausbau digitaler Angebote unterstützen.

Nachhaltige digitale Infrastruktur: Eine verlässliche technische Ausstattung aller Schularten ist notwendig. Der Bund kann durch einen dauerhaften Bildungsinfrastruktur-Fonds, Förderung sicherer Lernplattformen und Unterstützung von Datenschutz-Toolkits beitragen.

Bundesweite Forschungsinitiative: Ein vom Bund finanziertes Programm sollte Wirksamkeit von Medienbildungskonzepten, Umgang Jugendlicher mit Social Media, Desinformation und Fragen der informationellen Selbstbestimmung wissenschaftlich untersuchen.

  1. Rollenverteilung – ein Wirkungsnetz vieler Akteure
  • Bund: Koordination, Finanzierung, Empfehlungen und Qualitätsstandards.
  • Länder: Integration in Lehrpläne, Fortbildungsstandards, Qualitätssicherung.
  • Schulen: Schulinterne Mediencurricula und Verankerung im Schulprogramm.
  • Zivilgesellschaft: Projekte, Expertise, Workshops.
  • Medienbranche & Plattformen: Transparenz, Bildungsangebote, Kooperationen.
  • Lehrerverbände: Praxisnahe Rückmeldungen, Qualitätsmitwirkung.
  1. Querschnittsthema: Social-Media-Kompetenz & informationelle Selbstbestimmung

Social-Media-Kompetenz ist ein unverzichtbarer Teil von Nachrichtenbildung. Schulen müssen Funktionsweisen von Algorithmen vermitteln, Manipulationsformen erklären, Influencer-Mechanismen kritisch beleuchten und Medienethik stärken.

Die informationelle Selbstbestimmung von Kindern erfordert Angebote, die befähigen statt bevormunden: Datenschutz, Resilienz gegen digitale Risiken und souveräner Umgang mit eigenen Daten.

Für alle Schularten müssen passende Kompetenzmodelle bereitstehen: Von kindgerechter Orientierung in der Grundschule über Fake-News-Analyse in der Sekundarstufe bis zu Medienethik und Plattformökonomie in der Oberstufe und beruflichen Bildung.

  1. Forderungen des Deutschen Lehrerverbandes

Der Deutsche Lehrerverband fordert einen bundesweiten Rahmen für Medien- und Nachrichtenkompetenz, unterstützt durch dauerhafte Investitionen in digitale Infrastruktur und qualitätsgesicherte Fortbildung. Ein bundesweites Fortbildungsnetzwerk soll Lehrkräfte stärken, während Medienkompetenz verbindlich in allen Lehrplänen verankert wird. Im Mittelpunkt steht die informationelle Selbstbestimmung der Kinder, gestützt durch klare Qualitätsstandards für externe Partner. Nur in verlässlicher Zusammenarbeit aller Akteure kann eine zukunftsfähige Medienbildung gelingen.

didacta Köln 2026

Stände der DL-Bundesverbände und ihrer Landesverbände in NRW:

DPhV/PhV NRW: Halle 7.1 / Stand E030

BvLB/vlbs/vlw: Halle 6.1 / C041

VDR/lehrer nrw: Halle 7.1. / B036

 

Vortragsprogramm

Der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung BvLB und seine Landesverbände in NRW vlbs und vlw bieten an ihrem Stand Halle 6.1 / C041 an rund 40 Terminen Vorträge zu verschiedenen berufs- und bildungspolitischen Themen an, die Details sind unter „Events“ unter dem Link https://www.didacta-koeln.de/aussteller/bvlbbundesverband_der_le/ zu finden.

 

Podien und Gesprächsrunden mit Beteiligung von Mitgliedern der DL-Verbände in der Reihenfolge der Termine:

 

Dienstag, 10.03.2026 | 11:30 – 12:15 Uhr

Warum Lehrkraft werden?

Forum didacta aktuell, Halle 6 E70/F79

Tobias Braune – Landesvorsitzender junge lehrer nrw, Pia Hegener – Leiterin des Referates 515 „Ganztag, Familiengrundschulzentren“ im MSB NRW, Olaf Korte – Schulleiter Realschule Kastanienallee in Velbert, Wiebke Meyer – Fachleiterin Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Dortmund, Jochen Smets – Pressesprecher lehrer nrw e. V.

https://www.didacta-koeln.de/event/warum_lehrkraft_werden/

 

Dienstag, 10.03.2026 | 12:00 – 12:45 Uhr

Zwischen Selfie und Selbstzweifel – Wie geht’s der jungen und digitalen Generation wirklich?

Forum Bildungsperspektiven, Halle 8 B40/C41

Mareike Wulf – Parlamentarische Staatssekretärin Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Amy Kirchhoff – Generalsekretärin Bundesschülerkonferenz, Clara Lösel – Poetry Artist & Bestseller-Autorin, Pankraz Männlein – Bundesvorsitzender BvLB, Moderation: Matthias Graf von Kielmansegg, Geschäftsführer Vodafone Stiftung Deutschland gGmbH

https://www.didacta-koeln.de/event/zwischen_selfie_und_selbstzweifel_-_wie_gehts_der_jungen_und_digitalen_generation_wirklich/

 

Dienstag, 10.03.2026 | 14:45 – 15:30 Uhr

Forum Schulpraxis, Halle 7 B10/C11

Schutz, Teilhabe, Kompetenz: Was brauchen Jugendliche im Umgang mit Social Media?

Romance Bassingha – Jugendreporterin & Studentin, Lilli Berthold – Stellvertretende Generalsekretärin Bundesschülerkonferenz, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing – Bundesvorsitzende DPhV, Timm Lutter– D21-Präsidiumsmitglied und Director Unternehmenskommunikation & Public Affairs Cornelsen

Initiative D21 e.V. und Cornelsen Verlag

https://www.didacta-koeln.de/event/schutz_teilhabe_kompetenz_was_brauchen_jugendliche_im_umgang_mit_social_media/

 

Mittwoch, 11.03.2026 | 11:00 – 11:45 Uhr

Halle 6, Stand F11b

Lust. Macht. Gewalt – Was New Adult über Geschlechterrollen lehrt und warum Schule mitreden sollte

Gabriele Kasigkeit – Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des DPhV & Leitung der AG für frauenpolitische Fragen im DPhV, Merle Lotter – Uni Köln Kinder- und Jugendmedienforschung, Juli Reiher – BookTokerin, Moderation: Nele Kister – Eduversum

https://www.didacta-koeln.de/event/lust_macht_gewalt_-_was_new_adult_ueber_geschlechterrollen_lehrt_und_warum_schule_mitreden_sollte/

 

Mittwoch, 11.03.2026 | 11:45 – 12:30 Uhr

Forum Berufliche Bildung/myQ-Qualifizierung, Halle 6 B30/C39

Mitreden erwünscht! Demokratie lehren, lernen, leben

Jürgen Böhm – Bildungsstaatssekretär Land Sachsen-Anhalt, Mia Homner – Notarfachangestellte im 2. Ausbildungsjahr Städt. Berufsschule für Rechts- und Verwaltungsberufe München, Gabriel Just – Medizinischer Fachangestellter im 2. Ausbildungsjahr Staatliche Berufsschule III Bamberg Business School, Pankraz Männlein – Bundesvorsitzender BvLB, Juliane Stubenrauch-Böhme – Ministerialrätin Stiftung Bildungspakt Bayern, Moderation: Kate Maleike

https://www.didacta-koeln.de/event/mitreden_erwuenscht_demokratie_lehren_lernen_leben/

 

Mittwoch, 11.03.2026 | 11:45 – 12:30 Uhr

Forum didacta aktuell, Halle 6 E70/F79

Schulleitung mit Wirkung – Kollegien im Wandel stärken

Martin Fugmann – Geschäftsführender Vorstand Heraeus Bildungsstiftung, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing – Bundesvorsitzende DPhV, Christian Stork – Lehrer, Erprobungsstufenkoordinator Städt. Gymnasium Köln-Deutz Thusneldastraße, André Szymkowiak – Schulleiter|DLP-Preisträger 2023 Gymnasium Thusneldastraße KI-Pilotschule, Moderation: Jan-Martin Wiarda

https://www.didacta-koeln.de/event/transformation_gestalten_-_was_leitungspersoenlichkeiten_staerkt_und_kollegien_motiviert/

 

Mittwoch, 11.03.2026 | 14:15 – 15:00 Uhr

Forum didacta aktuell, Halle 6 E70/F79

Lernen und Prüfen neu denken – aber wie?

Patricia Drewes – Schulleiterin Hans-Ehrenberg-Schule in Bielefeld, Institut für zeitgemäße Prüfungskultur, Amy Kirchhoff – Generalsekretärin Bundesschülerkonferenz, Prof. Dr. Kai Maaz – Geschäftsführender Direktor des DIPF, Ralf Neugschwender – Bundesvorsitzender Verband Deutscher Realschullehrer (VDR), Moderation: Dr. Matthias Degen

https://www.didacta-koeln.de/event/lernen_und_pruefen_neu_denken_-_aber_wie/

 

Mittwoch, 11.03.2026 | 15:15 – 16:00 Uhr

Forum Berufliche Bildung/myQ-Qualifizierung, Halle 6 B30/C39

Duale Berufsausbildung in Deutschland, Österreich, Schweiz – Wettbewerbsvorteil der Wirtschaft

Pankraz Männlein – Bundesvorsitzender BvLB, Marissa Matzka – Mitglied der Geschäftsleitung Dr.-Ing. Paul Christiani GmbH & Co. KG, Michael Vierlinger – Direktor Berufsschule Linz 6, Christian Villiger – Geschäftsführer libs – Industrielle Berufslehren Schweiz, Moderation: Dr. Jan Hofer

https://www.didacta-koeln.de/event/duale_berufsausbildung_in_deutschland_oesterreich_schweiz_-_wettbewerbsvorteil_der_wirtschaft/

 

Donnerstag, 12.03.2026 | 14:00 – 15:00 Uhr

Workshop-Fläche Berufliche Bildung, Halle 6 Stand B70/C79

Mit KI exzellente Berufliche Bildung Nachhaltige Entwicklung (BBNE) gestalten?!

Alexander Bickel – Vertriebsleiter DACH FESTO Didactic, Dr. Julia Pargmann – Universität Hamburg, Dr. Michael Scharp – Forschungsleiter Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung GmbH, Christine Stache – Vorstandsmitglied Bundesverband Deutscher Berufsausbilder e.V., Moderation: Stefan Nowatschin, BvLB

https://www.didacta-koeln.de/event/mit_ki_exzellente_berufliche_bildung_nachhaltige_entwicklung_bbne_gestalten/

 

Donnerstag, 12.03.2026 | 14:15 – 15:00 Uhr

Forum Bildungsperspektiven, Halle 8 B40/C41

Next Level Berufsorientierung: Individualisiert. Digital. Wirkungsvoll.

Ralf Neugschwender – Bundesvorsitzender Verband Deutscher Realschullehrer (VDR), Dr. Hans-Joachim Prinz – Präsident Didacta Verband e.V., Christina Ramb – Mitglied der Hauptgeschäftsführung Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Aline Sommer-Noack – Stellvertretender Vorsitz Bundeselternrat, Moderation: Dr. Matthias Degen

https://www.didacta-koeln.de/event/next_level_berufsorientierung_individualisiert_digital_wirkungsvoll/

 

Donnerstag, 12.03.2026 | 15:00 – 16:30 Uhr

Congress-Centrum Nord, Konferenzraum D

Zeit für Stärken – Wie Technologie den menschlichen Kern stärkt 

Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing – Bundesvorsitzende DPhV, Daniel Jung – KI-Coach und SPIEGEL-Bestsellerautor, Lydia Clahes – Lehrercoach und Autorin, Daniel Zacharias – CEO Sdui Group, Moderation Anja Backhaus

https://www.didacta-koeln.de/event/zeit_fuer_staerken/

 

Freitag, 13.03.2026 | 11:00 – 11:45 Uhr

Bühne Bildungsmedien, Halle 7 C38/D39

Bildung auf Autopilot? Koordinaten für eine zukunftsfähige, menschliche und leistungsstarke Schule

Christian Schulze – Stellv. Vorsitzender Junge Philologen NRW; Seminarbetreuer ZfsL Düren

Prof. Dr. Markus Ritter – Ruhr-Universität Bochum

https://www.didacta-koeln.de/event/bildung_auf_autopilot_koordinaten_fuer_eine_zukunftsfaehige_menschliche_und_leistungsstarke_schule/

 

Samstag, 14.03.2026 | 15:30 – 16:30 Uhr

Workshop-Fläche Schulische Bildung, Halle 8 Stand C58/D59

Fit for Job

Georg Hoffmann – Vorsitzender Junge Philologen NRW; Seminarbetreuer ZfsL Aachen

Christian Schulze – Stellv. Vorsitzender Junge Philologen NRW; Seminarbetreuer ZfsL Düren

https://www.didacta-koeln.de/event/fit_for_job/

 

Safer Internet Day 2026: Deutscher Lehrerverband fordert sichere digitale Räume für Austausch, Lernen und Zusammenarbeit

  • Plattformanbieter stärker in die Pflicht nehmen
  • Notwendig: Medienbildung, Aufklärung und Sensibilisierung

Anlässlich des Safer Internet Day 2026 betont Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands (DL), die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für ein sicheres und verantwortungsvolles digitales Miteinander. „Safer Internet betrifft uns alle: vor allem, aber nicht nur Kinder und Jugendliche“, so Düll. „Wir alle arbeiten, kommunizieren und lernen täglich online. Deshalb müssen Schutz und Teilhabe immer gemeinsam gedacht werden.“

Mit Blick auf aktuelle Diskussionen zu Altersgrenzen oder Verbotsstrategien für soziale Medien warnt der DL-Präsident vor zu einfachen Lösungen: „Reine Verbote oder starre Altersgrenzen sind kein Allheilmittel. Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Kommunikation und Information.“

Statt Verbote in den Mittelpunkt zu stellen, fordert Düll einen umfassenderen Ansatz: „Wir müssen die digitalen Infrastrukturen stärken, die sicheren Austausch, Lernen und Zusammenarbeit ermöglichen. Das gilt für Social-Media-Plattformen ebenso wie für KI-Anwendungen wie ChatBots. Und wir müssen die Plattformanbieter stärker in die Pflicht nehmen, damit sie sichere und transparente digitale Räume für alle Nutzerinnen und Nutzer bereitstellen.“

Darüber hinaus müssten bestehende Regelungen zur Löschung von schädlichen und extremistischen Inhalten konsequent umgesetzt werden, Zugleich gebe es Inhalte, die rechtlich zulässig, aber dennoch problematisch seien. Düll dazu: „Für diese Inhalte, die im Englischen „awful but lawful“, also „rechtlich korrekt, aber Dreck“ genannt werden, braucht es zum einen verstärkte Medienbildung, Aufklärung und Sensibilisierung. Zum anderen müssen Kinder und Jugendliche Unterstützung und verlässliche Ansprechpartner haben, damit sie in Situationen emotionaler Überforderung oder psychischen Drucks – online wie offline – nicht allein gelassen werden.“

Medienbildung müsse daher konsequent gefördert werden, um junge Menschen zu befähigen, digitale Technologien sicher, reflektiert und selbstbewusst zu nutzen. „Es braucht verlässliche Online-Strukturen, klare Regeln und Verantwortung auf Seiten der Anbieter“, erklärt Düll. „Kinder und Jugendliche müssen die Werkzeuge erhalten, mit denen sie aktuelle und zukünftige Technologien souverän bedienen können. Medienbildung ist dafür unverzichtbar.“

Zum Safer Internet Day appelliert der Deutsche Lehrerverband daher an Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, gemeinsam an einem sicheren digitalen Ökosystem zu arbeiten: „Unser Ziel muss ein Internet sein, das schützt, stärkt und allen eine sichere Teilhabe ermöglicht.“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Stefan Düll über presse@lehrerverband.de bzw. über

0151-10 92 68 48.

Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

DL-Präsident Stefan Düll gratuliert Staatsministerin Anna Stolz zur Übernahme der Präsidentschaft der Bildungsministerkonferenz

 

  • Deutscher Lehrerverband begrüßt Leistungsorientierung der neuen BMK-Präsidentin
  • Papier des DL zur Schüler-ID: Messung und Erfassung von Daten führt nicht automatisch zu besseren Leistungen
  • Föderaler Austausch in der Bildung von entscheidender Bedeutung 

Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, gratuliert der bayerischen Staatsministerin für Unterricht und Kultus, Anna Stolz, herzlich zur Übernahme der Präsidentschaft der Bildungsminister-konferenz in der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) und wünscht ihr für das Amt mit seinen zahlreichen Aufgaben und Perspektiven alles Gute, viel Kraft und gutes Gelingen.

Düll hebt hervor: „Der Deutsche Lehrerverband begrüßt die Schwerpunktsetzung, die Staatsministerin Stolz für ihre Amtszeit als BMK-Präsidentin angekündigt hat: die Förderung einer gesunden und positiven Leistungskultur an Schulen. Das ist in der gesellschaftlichen Debatte ein wichtiges politisches Signal. Leistung und ein gewisser Druck sind ein selbstverständlicher Teil des Lebens, auch Schule muss grundsätzlich Leistung fordern. Lernvorgaben, Tests und Noten holen Schülerinnen und Schüler aus ihrer Komfortzone und regen ihren Ehrgeiz und ihre Weiterentwicklung an. Es geht um die richtige Mischung aus Zutrauen und Zumutung.“

Angesichts der Diskussion um die Einführung einer Schüler-ID warnt der DL-Präsident davor, davon auszugehen, dass Messung und Erfassung von Daten automatisch zu besseren Schülerleistungen führen. Er verwies in diesem Kontext auf das Papier des Deutscher Lehrerverbands zu den Risiken, Chancen und dem noch notwendigen Klärungsbedarf hinsichtlich einer Schüler-ID. Die Einführung einer personalisierten Schüler-ID sollte klar definierten Zielen mit echtem Mehrwert für die Leistungsförderung dienen und darf die Bürokratie an den Schulen nicht aufblähen.

„Bildung ist eines der zentralen gesellschaftlichen Zukunftsthemen“, betont Düll. „Gerade weil Bildung Ländersache ist, kommt dem Austausch zwischen den Ländern und dem Dialog zwischen den Ländern und der Bundesebene eine entscheidende Bedeutung zu. Die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz hat die Möglichkeit, wichtige Akzente zu setzen und Debatten und Entwicklungen anzustoßen.“

Das Bildungssystem steht vor den Herausforderungen einer zunehmend heterogenen Schülerschaft, dem wachsenden Bedarf an Medien- und Demokratiebildung sowie dem anhaltenden Lehrkräftemangel: Düll sieht für die Bildungsministerkonferenz und ihrer Präsidentin wichtige Aufgaben: „Von der BMK müssen klare Impulse ausgehen, damit diese Herausforderungen überall im Land und an jeder Schule wirksam angegangen werden können: mit den notwendigen Ressourcen, sowohl was Personal als auch was Geldmittel angeht.“

Das Papier des Deutschen Lehrerverbands zur Schüler-ID finden Sie  unter dem Link https://www.lehrerverband.de/schueler-id.

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Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

Schüler-ID – Chancen, Risiken und notwendige Klärungen

Die Diskussion um eine Schüler-ID wird seit einiger Zeit geführt und das Konzept oft als Lösung für verschiedene Herausforderungen im Bildungsbereich gesehen. Allerdings fehlt bei der Verwendung des Stichworts „Schüler-ID“ bislang eine klare Zieldefinition.

Dabei muss vor allem zwischen zwei Konzepten unterschieden werden: einem Bildungsverlaufsregister für Forschung und Wissenschaft und einem personengebundenen Datensatz für die schulische Praxis. Anonymisierte Daten ermöglichen lediglich allgemeine Förderstrategien, während personalisierte Daten strenge Datenschutz- und Zugriffsbeschränkungen erfordern. Während ein anonymisiertes Register für wissenschaftliche Zwecke grundsätzlich unproblematisch erscheint, wirft eine personalisierte Schüler-ID verschiedene ungeklärte Fragen und Risiken auf. Die bisherige Diskussion vermischt beide Ansätze und bleibt damit unklar.

Eine Einführung einer personalisierten Schüler-ID sollte klar definierten Zielen dienen. Ohne diese Klärung ist jede Datenerhebung nicht nur fragwürdig, sondern auch datenschutzrechtlich unzulässig.  Die Resultate einer Schüler-ID sollte letztendlich den Schülern in ihrem Bildungserwerb, den Lehrkräften in ihrer didaktisch-pädagogischen Arbeit mit den Schülern und den Schulleitungen in ihrer organisatorischen Planung und pädagogischen Verwaltung zugutekommen. Übergeordnete anonymisierte Datenauswertung in der Bildungsverwaltung und in der Forschung der Universitäten sollte für Unterstützungsprogramme und die Entwicklung neuer Lernkonzepte in der Lehrkräfteausbildung genutzt werden. Datenerhebung darf nicht zum unbegrenzten Datensammeln ausarten.

Aktuell ist noch ungeklärt, was genau gespeichert werden soll, wer Zugriff erhält, wie lange Daten aufbewahrt werden und wie die Auswertung erfolgt. Hier besteht die Gefahr einer Überfrachtung mit sensiblen Informationen und unklaren Zuständigkeiten, deshalb sollte nach dem Prinzip der Daten-sparsamkeit gehandelt werden. Der Unterschied zur geplanten Bürger-ID muss eindeutig sein: Bildungsrelevante Datensätze einzelner identifizierbarer Personen sollten im Regelfall nur auf der Schulebene zugänglich sein und ausgewertet werden.

Internationale Vorbilder wie Kanada werden häufig unkritisch herangezogen, sind aber aufgrund unterschiedlicher Schulsysteme nicht einfach übertragbar. So wechseln die Lehrkräfte in Kanada jeweils nach einem Schuljahr, während im deutschen Schulsystem eine Lehrkraft eine Schulklasse als Klassenlehrkraft oder als Fachlehrkraft oft über mehrere Jahre begleitet. 

Besonders dringlich sind die Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit. Ohne klare Zweckbindung und rechtliche Rahmenbedingungen ist die Einführung nicht möglich. Neben der DSGVO sind die EU-Datenverordnung, das Gesetz über digitale Dienste und – bei möglicher KI-Nutzung – die EU-Verordnung über künstliche Intelligenz zu beachten. Auf der praktischen Ebene stellt sich die Frage: Wer trägt Verantwortung für Betrieb, Finanzierung und Datenschutz? Wird jedes Bundesland ein eigenes System entwickeln, was wiederum zu Übertragungsproblemen im Fall eines Umzugs von einem Bundesland in ein anderes führen kann?

Ein zentrales Spannungsfeld bleibt der Schutz vor Stigmatisierung gegenüber dem Bedarf an relevanten Informationen. Für sicherheitsrelevante Fälle wie Gewaltvorfälle oder Bedrohungen müssen Informationen gezielt und dosiert an berechtigte Personen (Schulleitung, Beratungs-lehrkräfte, multiprofessionelle Teams) weitergegeben werden – nicht an das gesamte Kollegium. Für solche Fälle braucht es jedoch nicht zwingend eine Schüler-ID, sondern bessere Vernetzung mit Polizei und Jugendhilfe. Eine Schüler-ID sollte sich daher auf die Abbildung des Bildungsstandes, die Planung individueller Förderung und die Verbesserung von Unterricht und Maßnahmen konzentrieren.

Ein pädagogischer Mehrwert kann nur entstehen, wenn die Schüler-ID die Arbeit in den Schulen erleichtert und nicht zusätzliche Bürokratie erzeugt. Notwendig sind technische Lösungen, die die pädagogische Arbeit unterstützen, sowie ergänzende personelle Ressourcen für Dateneingabe und Auswertung und zur personalisierten Förderung. Daten allein führen nicht zu Fortschritt – sie müssen fachlich interpretiert und in konkrete Fördermaßnahmen umgesetzt werden.

Die entscheidende Frage: Welche zusätzliche Unterstützung erhalten Lehrkräfte konkret durch eine Schüler-ID, und wie kann sie Schülern in ihrem Bildungserwerb wirklich im Alltag helfen? Auswertungen von Schulstudien – also anonymisierte Daten – können zu flächendeckenden Fördermaßnahmen und Unterrichtskonzepten für verschiedene Klassenstufen oder Schulformen führen, um z.B. Lesefähigkeiten oder Mathematikverständnis im Schulalltag verstärkt zu fördern. Wenn die Ergebnisse einer personalisierten Schüler-ID besonderen Bedarf an Unterstützung anzeigen, hilft das allerdings nicht weiter, wenn die vorhandenen Ressourcen (Personal, Zeit, Material) nicht die besondere Förderung des jeweiligen Schülers ermöglichen. Dabei gilt es auch, die Förderung besonders begabter Schülerinnen und Schüler im Blick zu haben.

Die Forschung an den Universitäten sollte dem alltagspraktischen Wohl an den Schulen im Interesse der Leistungsförderung der Schüler dienen – nicht die Schulen als Datensammelstelle für schulalltagsentkoppelte Forschungsinteressen der Universitäten. Das konkrete pädagogische Handeln muss im Vordergrund stehen.

Lehrkräfte arbeiten auch heute schon mit den Erkenntnissen, die sich aus Ergebnissen von Leistungskontrollen und Jahrgangs ergeben. Bildungsverwaltung und Forschung müssen vor der Einführung einer Schüler-ID die Frage beantworten, inwiefern das System einer Verbesserung neben einer reinen Digitalisierung und Datenüberfrachtung dieses pädagogischen Prozesses darstellt.

Diese Vielzahl von Fragen müssen diskutiert und beantwortet werden, ehe über die Einführung einer flächendeckenden Schüler-ID entschieden werden kann. Auf keinen Fall sollte die personalisierte Schüler-ID als Maßnahme für Personaleinsparungen im Bildungsbereich verstanden werden. Angesichts der Mittelknappheit in allen Bereichen darf es auch nicht dazu kommen, dass unverhältnismäßig hohe Investitionen in eine unwirksame Maßnahme unternommen werden.

Präsidium Deutscher Lehrerverband – Januar 2026

Das Papier des Deutschen Lehrerverbands zur Schüler-ID können Sie hier (Deutscher Lehrerverband Papier Schüler ID) als PDF herunterladen. 

Deutscher Lehrerverband und #UseTheNews starten Partnerschaft für Medien- und Demokratiebildung

Die Nachrichtenkompetenz-Initiative #UseTheNews und der Deutsche Lehrerverband engagieren sich für Demokratie- und Medienbildung an den Schulen und gehen eine Partnerschaft zur gegenseitigen Unterstützung ein. Die Zusammenarbeit soll dazu beitragen, die Nachrichtenkompetenz von Schülerinnen und Schülern in einer digitalisierten Welt zu fördern. Als Basis für eine funktionierende Demokratie müssen Kinder und Jugendliche den Umgang mit Medien und Informationen einüben und den Unterschied zwischen Nachrichten und Desinformation erkennen lernen.  

„Gemeinsam mit unserem breiten Netzwerk von Partnern aus Medien und Bildung werben wir dafür, dass in Deutschland bis 2030 jedes Schulkind auf ein verbindliches und zeitgemäßes Unterrichtsangebot zur Vermittlung von Informations- und Nachrichtenkompetenz vertrauen kann. Die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Lehrerverband ist dabei von herausragender Bedeutung“, begrüßt Meinolf Ellers, Geschäftsführer der UseTheNews gGmbH die Kooperation.

„In Zeiten von Desinformation und breitflächiger Verwendung von KI ist Demokratiebildung ohne Medienbildung undenkbar“, betont Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. „Schülerinnen und Schüler müssen lernen, Informationen kritisch zu hinterfragen, Quellen zu prüfen und zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden. Lehrkräfte brauchen hier die Unterstützung durch Weiterbildung und durch Angebote externer Fachleute z.B. aus dem Journalismus für Unterrichtsbesuche und Projekttage – das macht die Netzwerkarbeit der Bildungsinitiative #UseTheNews so wertvoll.“

Der Deutsche Lehrerverband vertritt als Dachverband die vier Bundesverbände DPhV, VDR, BvLB und KEG.

Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands (DPhV), der vor allem Gymnasiallehrkräfte vertritt, hebt hervor: „Demokratiebildung braucht eine fachliche und fächerübergreifende Verankerung in den Lehrplänen sowie schulorganisatorische Spielräume. Umfassende Medienkompetenz und Demokratiebildung, wie beispielsweise die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz, sind dazu auch in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung zu vermitteln.“

Ralf Neugschwender vom Verband Deutscher Realschullehrer VDR führt aus: „Demokratiebildung und Medienbildung sind für Schülerinnen und Schüler vor dem Hintergrund von Verschwörungsmythen und Fake-News wichtiger denn je geworden. Demokratiebildung braucht Zeit, Raum und feste Verankerung im Schulalltag – die Lehrkräfte müssen in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft die jungen Menschen auf ihrem Weg zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern bestmöglich unterstützen.“

Pankraz Männlein und Dr. Sven Mohr, Bundesvorsitzende des Verbands der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB), unterstreichen die Bedeutung der beruflichen Bildung: „Die beruflichen Schulen sind für einen großen Teil der jungen Menschen die letzte schulische Station, an der auf ihr demokratisches Bewusstsein noch eingewirkt werden kann. Deshalb benötigen auch unsere Lehrkräfte entsprechende Fortbildungen für fächerübergreifende Medien- und Demokratiebildung sowie Unterstützung durch außerschulische Kooperationspartner. Ebenso wichtig ist eine entsprechend zeitgemäße digitale Ausstattung der Schulen, wie z. B. mit Lehr-Lern-Landschaften, um auch selbstgesteuerte, motivierende und soziale Lernkulturen zu fördern.“

Gerlinde Kohl, Bundesvorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG), hebt hervor: „Nachrichten und digitale Medien sind im Alltag von Kindern fester Bestandteil und können sie mit Inhalten konfrontieren, die sie überfordern. Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist die Begleitung durch Erwachsene entscheidend, damit Kinder das Gehörte und Gesehene altersgerecht verarbeiten und einen kritischen Umgang mit Medien lernen. Medienexpertinnen und -experten können dabei sowohl Kinder als auch Erwachsene unterstützen, um eine verantwortungsbewusste Mediennutzung zu fördern.“

Über #UseTheNews

Die UseTheNews gGmbH geht der Nachrichtennutzung und -kompetenz junger Menschen auf den Grund und entwickelt neue Informations- und Bildungsangebote. Im Sinne einer funktionierenden und wehrhaften Demokratie verfolgt #UseTheNews das Ziel, Kindern und Jugendlichen bundesweit ein verlässliches Angebot zum sicheren Umgang mit Informationen und zur faktenbasierten Meinungsbildung zu machen. Initiiert wurde #UseTheNews 2020 von der Deutschen Presse-Agentur dpa und der Hamburger Behörde für Kultur und Medien, begleitet von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg und dem Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut. Die Initiative wird von einem Kuratorium aus namhaften Persönlichkeiten aus Medien und Politik unterstützt.

Über den Deutschen Lehrerverband

Der Deutsche Lehrerverband vertritt als Dachverband die vier Bundesverbände DPhV, VDR, BvLB und KEG, mit Lehrkräften an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen aller Schulformen. Der Deutsche Lehrerverband setzt sich ein für eine starke Verankerung der Demokratiebildung an Schulen durch den Ausbau politischer und ethischer Bildung sowie fächerübergreifende Ansätze. Ziel ist es, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler zu befähigen, demokratische Werte zu leben, kritisch zu denken und verantwortungsvoll mit Medien umzugehen.

Pressekontakt:

UseTheNews gGmbH / dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Jens Petersen
Leiter Konzernkommunikation
Telefon: +49 40 4113 32843
E-Mail: pressestelle@dpa.com

Stefan Düll, Präsident Deutscher Lehrerverband – 0151-10 92 68 48
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Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband: 030-70 09 47 46
info@lehrerverband.de 

DL-Präsident Stefan Düll zur Diskussion um Social-Media-Altersgrenzen

Eine feste Altersgrenze für die Nutzung von Social-Media-Plattformen ist problematisch – aus mehreren Gründen, eines davon die praktische Umsetzung einer Altersbegrenzung. Zudem betrifft das Suchtpotenzial nicht nur Jugendliche, sondern ebenso Erwachsene. Daher sollten Plattformen gesetzlich verpflichtet werden, alle Nutzer zu schützen, beispielsweise indem „Infinite Scrolling“ mit einem einfachen Klick begrenzt werden kann, indem wirksame Moderationsstrukturen aufgebaut und extremistischer Inhalte konsequent entfernt werden. Das Verhalten älterer Nutzergruppen zeigt zudem: Eine analoge Kindheit bietet keinen automatischen Schutz vor Online-Risiken.

Social Media eröffnet Jugendlichen wichtige Räume zum Lernen und zur Kommunikation – sei es für Hobbys, Interessen oder Hilfsangebote. Dort informieren sie sich auch über gesellschaftliche und politische Themen. Deshalb sollte das demokratische und unterstützende Angebot auf diesen Plattformen gestärkt werden, anstatt den Zugang zu blockieren. Jüngere Kinder brauchen dabei besonders die Begleitung ihrer Eltern, die mit ihren Kindern jeden Alters im Gespräch über ihr Online-Verhalten sein sollten.

Generell dürfen sich Eltern bei dem Thema nicht aus der Verantwortung ziehen. Eltern sind dafür verantwortlich, wann sie ihren Kindern den Zugang zu Smartphones, Tablets und anderen digitalen Endgeräten ermöglichen und wie sie den Zugang zum WLAN handhaben. Altersgrenzen für Social Media helfen nicht, wenn Eltern ihren Kindern Accounts einrichten. Medienkompetenz muss sowohl in Familien als auch in Schulen vermittelt werden, und die Politik ist gefordert, ausreichend qualifiziertes Lehrpersonal für diese und andere Aufgaben bereitzustellen.

Die aktuellen Umsetzungen der australischen Regelungen zeigen: Es gibt zahlreiche praktische und rechtliche Fragen zur Altersverifikation, vielen Jugendlichen gelingt es zudem, sie zu umgehen. Neue Plattformen mit Chatfunktionen werden auftauchen, die von den Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Die Gesetzgeber hinken der Entwicklung hinterher, anstatt den digitalen Raum für alle Nutzer zu einem sicheren Raum zu machen, indem Social-Media-Plattformen und Online-Spiele mit Chatfunktionen z.B. zu bestimmten Default-Settings und Moderationsstrukturen verpflichtet werden.

Kinder und Jugendliche kommen sowohl offline als auch online in Situationen, in denen sie unangemessene oder gefährliche Entscheidungen treffen – wir müssen ihnen helfen, generell Urteilsfähigkeit zu entwickeln. Dafür brauchen sie nicht nur analoge Räume und Freizeitangebote, sondern auch die Möglichkeit zur digitalen Teilhabe.

DL-Präsident Stefan Düll zu den angekündigten Protesten gegen die Wehrpflicht während der Unterrichtszeit

Am Freitag, 5.12.2025, berät der Deutsche Bundestag abschließend über den Gesetzentwurf zum „Wehrdienst-Modernisierungsgesetz“, das danach beschlossen werden soll. Ebenfalls am Freitag wird in diesem Zusammenhang unter Schülerinnen und Schülern zu einem „bundesweiten Schulstreik“ als Protest gegen die Regelungen des neuen Gesetzes aufgerufen. DL-Präsident Stefan Düll äußert sich zu der Situation: 

„Die aktuelle Debatte über eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht beschäftigt auch unsere Schülerinnen und Schüler. Die Aufgabe der Schule besteht darin, sachlich über die rechtlichen Grundlagen, die sicherheitspolitische Situation sowie den gesellschaftlichen Kontext – insbesondere die Bedrohung durch Russland und dessen Unterstützer – zu informieren und Orientierungswissen zu vermitteln. Dabei ist wichtig: Niemand soll zum Wehrdienst gezwungen werden. Das Grundgesetz garantiert das Recht auf Verweigerung des Kriegsdienstes mit der Waffe. Wie bei anderen gesellschaftlichen und politischen Themen schaffen viele Lehrkräfte Raum für die Fragen der Schülerinnen und Schüler, wenn die Unterrichtszeit und Lehrplan es zulassen.  

Eine Ausweitung der Wehrpflicht auf Frauen oder die Einführung eines allgemeinen Pflichtdienstes findet derzeit im Deutschen Bundestag keine verfassungsändernde Mehrheit. Aufrufe zu Schulstreiks vermitteln hier einen falschen Eindruck. Ein verpflichtender Einsatz im Pflege- oder Rettungsbereich wäre rechtlich nur in einer besonderen Notlage zulässig und muss daher freiwillig bleiben. Schülerinnen können sich selbstverständlich mit ihren Mitschülern solidarisch zeigen und an politischen Aktionen teilnehmen, sofern sie die schulrechtlichen Vorgaben beachten. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich auch generell damit beschäftigen, wer hinter Aufrufen zu Protesten und Demonstrationen steht bzw. wer sich damit solidarisiert, um sich mit ihrer Teilnahme nicht für undurchsichtige Zwecke instrumentalisieren zu lassen.

Sogenannte „Schulstreiks“ während der Unterrichtszeit gelten rechtlich nicht als Streiks, da Schülerinnen und Schüler keine Arbeitnehmer sind. Wer gegen die Reaktivierung der Wehrpflicht demonstrieren möchte, kann dies jederzeit außerhalb der Unterrichtszeit tun; die Versammlungs- und Meinungsfreiheit ist umfassend gewährleistet. Eine Demonstrationsteilnahme während der Unterrichtszeit ist ein unerlaubtes Fernbleiben vom Unterricht und liegt in der Verantwortung der Eltern bzw. der volljährigen Schüler. Sie erfordern die vorherige Abmeldung bei der Schulleitung, um unnötige Nachfragen bei den Eltern zu vermeiden, sowie die Bereitschaft, pädagogische oder disziplinarische Konsequenzen zu akzeptieren.

Die Schule wird in solchen Fällen mit Augenmaß handeln. In der Regel wird den Teilnehmenden ein Gespräch außerhalb des Unterrichts angeboten, um über Sinn, Folgen und alternative Formen politischer Beteiligung zu sprechen. Wer jedoch unentschuldigt dem Unterricht fernbleibt und Gesprächsangebote ablehnt, muss mit erzieherischen Maßnahmen bis hin zu einem Verweis rechnen.“

Foto von Maheshkumar Painam auf Unsplash