Deutscher Lehrerverband zur OECD-Bildungsstudie: Lehrkräftemangel nicht durch niedrigere Standards lösen

 

Nachhaltige Personalgewinnung braucht Qualität und attraktive Schulen

Die heute veröffentlichte Studie Bildung auf einen Blick 2026 der OECD macht erneut deutlich, dass der Lehrkräftemangel in vielen Industriestaaten zu den größten Herausforderungen der Bildungspolitik gehört. Auch Deutschland steht weiterhin vor der Aufgabe, ausreichend qualifizierte Lehrkräfte für alle Schularten, Fächer und Regionen zu gewinnen und langfristig im Beruf zu halten. Der Deutsche Lehrerverband (DL) sieht sich durch die aktuellen Entwicklungen in seiner langjährigen Forderung bestätigt, den Lehrkräftemangel nicht durch eine Absenkung von Ausbildungsstandards zu bekämpfen, sondern die Attraktivität des Lehrerberufs nachhaltig zu stärken.

„Wer junge Menschen für den Lehrerberuf gewinnen möchte, muss ihnen attraktive Schulen zeigen“, betont DL-Präsident Stefan Düll. „Wenn Lehrkräfte dauerhaft überlastet sind und zahlreiche Aufgaben übernehmen müssen, die nichts mit Unterricht zu tun haben, schwächt das die Attraktivität des Berufs. Gute Vorbilder entstehen dort, wo Lehrkräfte sich auf ihre pädagogische Arbeit konzentrieren können.“

Laut den in der OECD-Studie ausgewerteten PISA-Daten besuchen 55 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland Schulen, deren Schulleitungen berichten, dass das Lernen durch die Abwesenheit von Lehrkräften beeinträchtigt wird. Dies zeigt, dass der Lehrkräftemangel für viele Kinder und Jugendliche längst im Schulalltag angekommen ist. Der Deutsche Lehrerverband fordert deshalb ein Maßnahmenpaket, das sowohl den Berufseinstieg als auch die langfristige Berufsausübung in den Blick nimmt.

Ausbildungsqualität sichern

Der DL warnt davor, auf den Personalmangel mit dauerhaften Abstrichen bei der Lehrerbildung zu reagieren. DL-Präsident Stefan Düll: „Gute Schulen brauchen gut ausgebildete Lehrkräfte. Wer den Lehrkräftemangel wirksam bekämpfen will, darf nicht bei der Qualität der Ausbildung sparen. Unterrichtliche Qualität entsteht durch eine fundierte fachwissenschaftliche Ausbildung und eine hochwertige didaktische und pädagogische Qualifizierung. Dazu gehört ausdrücklich auch die Beibehaltung eines vollwertigen Vorbereitungsdienstes ohne zeitliche Verkürzungen.“

Ebenso sollten für Quer- und Seiteneinsteigende hohe Qualifikationsanforderungen gelten. „Quer- und Seiteneinstieg können einen wichtigen Beitrag zur Unterrichtsversorgung leisten“ hebt Düll hervor, „die Programme dafür müssen jedoch auf eine umfassende Qualifizierung ausgerichtet sein. Schülerinnen und Schüler haben Anspruch auf professionell ausgebildete Lehrkräfte, unabhängig davon, auf welchem Weg diese in den Beruf gelangen. Und die zukünftigen Lehrkräfte im Quer- und Seiteneinstieg verdienen nicht, unvorbereitet in den Unterricht geschickt zu werden und dann womöglich früh auszubrennen.“

Schulen als Arbeitsorte attraktiver machen

Nach Auffassung des Deutschen Lehrerverbands wird sich der Lehrkräftebedarf langfristig nur decken lassen, wenn Schulen für Beschäftigte attraktiver werden. Dazu braucht es eine spürbare Entlastung der Lehrkräfte durch Verwaltungsfachkräfte, einen flächendeckenden Ausbau der Schulsozialarbeit sowie technische Unterstützung durch qualifiziertes IT-Personal. Ebenso wichtig sind moderne und sanierte Schulgebäude mit zeitgemäßer digitaler Infrastruktur und verlässliche Unterstützungssysteme für Schulleitungen. Nur wenn Lehrkräfte sich auf ihre pädagogischen Kernaufgaben konzentrieren können und Schulen als gut ausgestattete, leistungsfähige Arbeitsorte wahrgenommen werden, wird es gelingen, mehr junge Menschen dauerhaft für den Lehrerberuf zu gewinnen.

Beamtenstatus stärkt Attraktivität und Verlässlichkeit

Der Deutsche Lehrerverband bekräftigt zudem seine Position, dass das Berufsbeamtentum weiterhin ein wichtiger Baustein für die Gewinnung und Bindung qualifizierter Lehrkräfte bleibt. Gerade in Zeiten eines verschärften Wettbewerbs um akademische Fachkräfte benötigen die Länder attraktive und verlässliche Beschäftigungsbedingungen. Dazu gehört auch die weitere Stärkung des Beamtenstatus für Lehrkräfte.

Die OECD weist zudem darauf hin, dass Lehrkräfte einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit außerhalb des eigentlichen Unterrichts für Vorbereitung, Nachbereitung, Organisation und weitere schulische Aufgaben aufwenden. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, die tatsächliche Arbeitsbelastung von Lehrkräften umfassend in den Blick zu nehmen.

Aus Sicht des Deutschen Lehrerverbands greift die Debatte über die Arbeitszeit von Lehrkräften zu kurz, wenn sie allein auf Anwesenheitszeiten oder Arbeitsorte fokussiert. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, wie die Vielzahl zusätzlicher Aufgaben neben dem Unterricht bewältigt werden kann. Wer den Lehrkräften immer neue Aufgaben überträgt, muss auch bereit sein, die Unterrichtsverpflichtung entsprechend anzupassen. Der DL spricht sich daher für eine Absenkung der Unterrichtsdeputate aus, wo zusätzliche Anforderungen dauerhaft zu leisten sind.

„Zugleich muss die Vertrauensarbeitszeit erhalten bleiben“, betont DL-Präsident Stefan Düll. „Die eigenverantwortliche Gestaltung der Arbeitszeit ist ein wesentliches Merkmal professionellen Lehrkräftehandelns und trägt dazu bei, dass Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Beratung und Schulentwicklung flexibel und bedarfsgerecht erbracht werden können. Entscheidend sind nicht mehr Präsenzvorgaben, sondern weniger Bürokratie, zusätzliche Unterstützungskräfte und bessere Arbeitsbedingungen an den Schulen.“

Bildungspolitik braucht einen langen Atem

Der Lehrkräftemangel ist das Ergebnis langfristiger demografischer Entwicklungen, steigender Schülerzahlen in einzelnen Regionen und einer über Jahre hinweg zu knappen Personalplanung. Die aktuellen Prognosen der Kultusministerkonferenz zeigen, dass Deutschland auch in den kommenden Jahren erhebliche Anstrengungen unternehmen muss, um den Bedarf an Lehrkräften zu decken, auch, weil ein erheblicher Teil der Lehrkräfte in Deutschland in den kommenden Jahren altersbedingt aus dem Schuldienst ausscheiden wird.

„Der Lehrkräftemangel lässt sich nicht durch kurzfristige Notmaßnahmen beseitigen. Notwendig sind nachhaltige Investitionen in Ausbildung, Personalgewinnung und attraktive Arbeitsbedingungen. Wer dauerhaft genug qualifizierte Lehrkräfte gewinnen möchte, muss Schulen zu Orten machen, an denen Menschen gerne arbeiten und an denen junge Menschen, die jetzt noch zur Schule gehen, sich vorstellen können, selbst einmal Lehrerin oder Lehrer zu werden.“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Stefan Düll über presse@lehrerverband.de bzw. über 0151-10 92 68 48.

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Veröffentlicht unter Presse

Deutscher Lehrerverband warnt vor ideologischen Schulexperimenten: Gerechtigkeit braucht Leistung!

Gegliedertes Schulwesen schwächen, Leistungsstandards senken, Unterschiede ignorieren: Der falsche Weg für die Bildung

Der Deutsche Lehrerverband warnt mit Nachdruck vor bildungspolitischen Konzepten, die auf eine Schwächung leistungsorientierter Bildungswege und eine weitere Vereinheitlichung des Schulwesens hinauslaufen. Anlass sind die Vorschläge zu tiefgreifenden Veränderungen der Berliner Schullandschaft durch die Berliner Linke, die nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus die größte Fraktion stellt.

Die Linke will dabei durch den Ausbau der Berliner Gemeinschaftsschulen laut ihrer eigenen Aussage mittelfristig das gegliederte Schulsystem abschaffen, außerdem werden Hausaufgaben und Schulnoten bis einschließlich Klasse 9 in Frage gestellt.

„Die Idee, Leistungsunterschiede einfach wegzuorganisieren, ist ein pädagogischer Irrtum“, betont Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. „Kinder werden nicht dadurch erfolgreicher, dass man Maßstäbe absenkt, sondern indem man sie fördert, herausfordert und ihnen passende Bildungswege eröffnet. Grundlegend ist dabei eine verbindliche frühe Sprachförderung.“

Wer Bildungsprobleme dadurch lösen wolle, dass er bewährte Schulformen infrage stelle, bekämpfe Symptome statt Ursachen, führt der Verbandschef aus: „Das Problem an Deutschlands Schulen sind nicht zu hohe Anforderungen. Die Schulen leiden unter Lehrkräftemangel, Unterrichtsausfall, überbordender Bürokratie und einer chronischen Unterfinanzierung.“

Der Deutsche Lehrerverband kritisiert eine Schulpolitik, die Chancengerechtigkeit mit Ergebnisgleichheit verwechselt. Stefan Düll hebt hervor: „Schülerinnen und Schüler in dieselben Strukturen zu drängen führt nicht zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Das gegliederte Schulwesen bietet jedem jungen Menschen einen Weg an, der seinen Fähigkeiten, Interessen und Zielen entspricht. Die von der Linke besonders infrage gestellten Gymnasien sind ein bewährter Bildungsweg für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler. Wer ihre Rolle schwächt, gefährdet nicht nur die Qualität akademischer Bildung, sondern schwächt den Bildungsstandort insgesamt.“

Besonders irritierend ist aus Sicht des Verbandes die Vorstellung, schulische Leistungsanforderungen seien ein Problem. Leistungsbereitschaft, Anstrengung, Erfolgserlebnisse und Verantwortungsbewusstsein sind keine Relikte vergangener Zeiten. Sie sind die Grundlage für persönlichen Aufstieg, Innovation und gesellschaftlichen Wohlstand. „Ein Bildungssystem, das Leistung relativiert, nimmt jungen Menschen Chancen. Wer Exzellenz verdächtig macht, produziert nicht mehr Gerechtigkeit, sondern weniger Zukunft. Die ideologisch geführte Strukturdebatte lenkt zudem von den tatsächlichen Herausforderungen an den Schulen ab“, unterstreicht DL-Präsident Düll.

Der Deutsche Lehrerverband fordert den Erhalt und die Stärkung des gegliederten Schulwesens in allen Bundesländern sowie klare Leistungsstandards in allen Schularten. Schülerinnen und Schüler müssen entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten wirksam gefördert werden. Zugleich braucht das Bildungssystem mehr Investitionen in Lehrkräfte und Unterrichtsqualität anstelle fortwährender Strukturdebatten. Grundlage bildungspolitischer Entscheidungen sollten wissenschaftliche Evidenz und die Erfahrungen aus dem Schulalltag sein.

„Berlin braucht keine neuen Schulexperimente, sondern gute Schulen mit ausreichend Lehrkräften und Ressourcen. Wer Bildungspolitik gegen Leistung, Differenzierung und pädagogische Realität betreibt, handelt nicht im Interesse der Kinder und Jugendlichen“, erklärt DL-Präsident Stefan Düll abschließend.

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Deutscher Lehrerverband zu PISA 2025:

Ergebnisse ernst nehmen, aber nicht auf Ranglisten verkürzen

Zur Veröffentlichung der PISA-2025-Ergebnisse erklärt Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands: „Die heute vorgestellten PISA-Ergebnisse zeigen, dass Deutschland weiterhin vor großen Herausforderungen im Bildungsbereich steht. Zu viele Jugendliche erreichen die notwendigen Basiskompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nicht. Gleichzeitig ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland stärker ausgeprägt als in den vergangenen PISA-Erhebungen. Diese Befunde dürfen nicht relativiert werden.“

Gleichzeitig warnt der Deutsche Lehrerverband davor, die Studie auf Punktwerte, Ranglisten oder einzelne tagesaktuelle Schlagzeilen zu reduzieren. „Das deutsche Schulsystem mit seinem breiten Fächerkanon wird von PISA nicht vollständig abgebildet. PISA ist ein wichtiges Diagnoseinstrument, aber nicht der alleinige Maßstab für die Qualität von Schule und Bildung. Die Studie misst einen Ausschnitt schulischer Leistungen und ermöglicht internationale Vergleiche. Sie sagt jedoch nicht alles über die Arbeit von Schulen, die Leistungsfähigkeit von Lehrkräften oder die Vielfalt von Bildungsprozessen aus.“

Aus Sicht des Deutschen Lehrerverbands wäre es daher ebenso falsch, die Ergebnisse zu dramatisieren, wie sie zu verharmlosen: „Deutschland darf weder in Alarmismus noch in Selbstzufriedenheit verfallen. Entscheidend ist die Frage, welche Konsequenzen wir aus den Ergebnissen ziehen.“

Düll fordert deshalb: „Wir brauchen eine konsequente Konzentration auf die Grundlagen erfolgreichen Lernens. Dazu gehören eine verbindliche Sprachstandsdiagnostik bereits vor dem Schuleintritt, gezielte Fördermaßnahmen für Kinder mit Unterstützungsbedarf, aber auch die Förderung der Spitzengruppe, ausreichend qualifiziertes Personal in allen Schularten, eine nachhaltige Stärkung der Lehrkräftebildung sowie verlässliche Investitionen in Schulgebäude, Digitalisierung und Unterrichtsqualität. Die angekündigten Reformen von Bund und Ländern müssen nun wirksam und dauerhaft umgesetzt werden.“

Der Deutsche Lehrerverband weist darauf hin, dass die aktuellen Ergebnisse zahlreiche Entwicklungen bestätigen, die bereits durch den IQB-Bildungstrend und andere Bildungsstudien sichtbar geworden sind. Die Befunde seien daher nicht überraschend. Umso wichtiger sei es, langfristige Strategien konsequent umzusetzen, statt nach jeder neuen Studie kurzfristige Debatten zu führen.

Positiv bewertet der Verband, dass viele Jugendliche ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Schule äußern und das Interesse an naturwissenschaftlichen Themen gegenüber früheren Erhebungen gestiegen ist. Solche Befunde zeigen, dass Schulen trotz schwieriger Rahmenbedingungen wichtige Bildungs- und Integrationsleistungen erbringen.

Düll erklärt weiter: „Wer PISA ernst nimmt, darf die Verantwortung nicht allein den Schulen zuschieben. Lehrkräfte arbeiten seit Jahren unter Bedingungen, die von Personalmangel, wachsender Heterogenität, zusätzlichen Integrationsaufgaben und steigenden gesellschaftlichen Erwartungen geprägt sind. Die Ergebnisse sind deshalb nicht nur ein Auftrag an die Schulen, sondern vor allem auch an Politik und Gesellschaft.“

Düll ergänzt: „Mir als Schulleiter fällt in der Schulpraxis der letzten Jahre ein weiterer Aspekt auf: Aufgrund der Vielzahl von Aufgaben, die die Schule gesellschaftlich leisten soll, wird die reine und vor allem kontinuierliche Unterrichtszeit andauernd durch Projekte und Aktionen unterbrochen. Möglicherweise müssen wir der konzentrierten Unterrichtszeit wieder die notwendige Bedeutung einräumen. Unter diesem Aspekt möchte ich auch eine Lanze brechen für grundlegendes Fachwissen, das nicht für die Konzentration auf Kompetenzen vernachlässigt werden darf.“

Abschließend betont Düll: „PISA 2025 zeigt Probleme, die entschlossen angegangen werden müssen. Die Studie sollte aber nicht als Anlass für den nächsten PISA-Schock dienen, sondern als Anstoß für kontinuierliche Verbesserungen. Gute Bildung entsteht nicht durch Empörung über Testergebnisse, sondern durch verlässliche Bildungspolitik mit langfristigen Investitionen und die tägliche Arbeit engagierter Lehrkräfte. Darauf sollte sich die Debatte jetzt konzentrieren.“

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ARD Mitmach-Aktion #unsereKinder

Unter dem Hashtag #unsereKinder sammelt die ARD Erfahrungen von Kindern und Familien aus dem Alltag – von Freizeit bis Schule – und macht sie sichtbar. Diese Dokus und Reportagen aus der ARD stellen die Belange von Kindern in den Mittelpunkt und sind hier in der Mediathek der ARD verfügbar.

Die ARD ruft auch zum Mitmachen auf: Auf der interaktiven Deutschlandkarte zu #unsereKinder teilen Familien, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher oder Organisationen ihre Erfahrungen aus ganz Deutschland. Zu sehen sind kinderfreundliche Orte, Problemstellen im Alltag von Familien – aber auch Ideen und Projekte, die zeigen, wie Städte und Gemeinden kinderfreundlicher werden können.

Zum 10. Juli 2026 – Tag der Solidarität mit Juden und Israel

Foto von D A V I D S O N L U N A auf UnsplashAm 7. Oktober 2023, am jüdischen Feiertag Simchat Tora, wurde Israel von Terroristen der radikal-islamischen palästinensischen Hamas überfallen. Seitdem erleben Israel und die jüdische Gemeinschaft weltweit zahlreiche Anfeindungen und offenen Judenhass – auch hier in Deutschland. Die Meldestelle RIAS verzeichnet auch für 2025 wie im Vorjahr ein hohes Niveau von antisemitischen Vorfällen und schreibt in ihrem Jahresbericht:

„Für Jüdinnen:Juden in Deutschland blieb Antisemitismus damit auch 2025 ein alltagsprägendes Phänomen, das ihnen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen begegnete. Eine Vielzahl antisemitischer Vorfälle ereignete sich an Orten des Alltags, etwa an Arbeitsplätzen, an Schulen oder Hochschulen, aber auch an Orten der Freizeit wie Sportplätzen oder Bars. Auch antisemitische Vorfälle vor jüdischen Einrichtungen wurden bekannt. Zudem war Antisemitismus in Deutschland 2025 weiterhin sehr sichtbar im öffentlichen Raum, etwa in Form antisemitischer Schmierereien oder der Verbreitung antisemitischer Inhalte bei Versammlungen. Ein breiter gesellschaftlicher Widerspruch zu antisemitischen Aussagen und Solidarität mit Jüdinnen:Juden blieben hingegen oft aus. Die weiterhin hohe Zahl antisemitischer Vorfälle ist für viele Jüdinnen:Juden nach wie vor eine täglich spürbare Belastung.

Insbesondere israelbezogener Antisemitismus prägte 2025 das Vorfallgeschehen, doch auch bei anderen Erscheinungsformen von Antisemitismus gab es keinen Rückgang. Der Blick auf die politisch-weltanschaulichen Hintergründe zeigt, dass der Anteil an Vorfällen von antiisraelischem Aktivismus leicht zurückging, während die Zahl der Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund zunahm und erneut einen Höchststand erreichte.“ (Quelle: https://report-antisemitism.de/documents/17-06-26_RIAS_Bund_Jahresbericht_2025.pdf)

Der Verein „DEIN – Demokratie und Information“ (www.dein-ak.com) hat deshalb für den 10. Juli 2026 zum Tag der Solidarität mit Juden und Israel aufgerufen.

Auch der Deutsche Lehrerverband unterstützt diesen Tag gemeinsam mit vielen Organisationen und Institutionen aus Politik und Gesellschaft. Die Unterstützerliste ist auf der Webseite des Vereins unter https://www.dein-ak.com/unterst%C3%BCtzer-2026 einsehbar.

„Der Bildungsauftrag der Schulen beinhaltet auch, zu Toleranz und zu demokratischem Verhalten zu erziehen“, betont Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. „Dazu gehört, im Schulalltag klar Stellung gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus zu beziehen. Angesichts der deutschen Geschichte ist es unerträglich, dass das Unsicherheitsgefühl jüdischer Schülerinnen, Schüler und ihrer Familien in Deutschland wächst – verstärkt seit dem 7. Oktober 2023. Nie wieder ist jetzt! Deshalb sind wir alle aufgerufen, jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern unsere Solidarität zu zeigen, nicht nur am 10. Juli.“

Stefan Düll weist auch auf die verdienstvolle Arbeit der Zeitzeugen hin: „Ihre Arbeit ist unschätzbar, um Kindern und Jugendlichen die deutsche Vergangenheit und die daraus resultierende Verantwortung Deutschlands zu vermitteln. Das Engagement und die Kraft dieser Persönlichkeiten, die das Gespräch mit der jungen Generation über ihre schwierigen und traumatisierenden Erlebnisse suchen, kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Doch es gibt immer weniger Zeitzeugen. Umso wichtiger ist es, Wege zu finden, das Wissen um den Holocaust und die Judenverfolgung weiterhin mit Authentizität und Betroffenheit zu vermitteln.

Gedenkstätten und Museen sind Orte, die Schulen in der Vermittlung dieser Themen unterstützen, ebenso ist die Arbeit der Organisationen sehr wertvoll, die für Workshops und Projekttage an die Schulen kommen und die Lehrkräfte unterstützen. Gleichzeitig brauchen die Schulen die Unterstützung der Gesellschaft bei dieser Aufgabe – Eltern, Vereine, Institutionen, Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Zusätzlich braucht es Fort- und Weiterbildungen, die Lehrkräfte helfen, Strategien für den Schulalltag zu entwickeln, um auf antisemitische, rassistische, homophobe und andere diskriminierende Aussagen und Verhaltensweisen pädagogisch zu reagieren.

Im Unterricht muss eine kompetente Auseinandersetzung mit den geschichtlichen Hintergründen und der aktuellen Lage des Nahost-Konflikts, vor allem seit dem 7. Oktober 2023, stattfinden, die das unbedingte Existenzrecht des demokratischen Staates Israels genauso im Blick hat wie die Leiden der palästinensischen Zivilbevölkerung und die Hoffnung auf eine Zwei-Staaten-Lösung.“

 

Foto: D A V I D S O N L U N A auf Unsplash

Deutscher Lehrerverband: Leistung fördern statt Daten anhäufen – Schulen sind keine Datensammelstellen

DL-Präsident Düll warnt vor falschen Prioritäten in der Bildungspolitik

Der Deutsche Lehrerverband (DL) spricht sich gegen die Forderungen des sächsischen Kultusministers Conrad Clemens nach einer flächendeckenden, personalisierten Verlaufsdiagnostik von der Kita bis zum Schulabschluss aus. Eine Ausweitung der Datenerfassung löse nicht die zentralen Probleme des Bildungssystems und dürfe nicht von den Herausforderungen im Schulalltag ablenken.

DL-Präsident Stefan Düll erklärt: „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass mehr Daten automatisch zu besserer Bildung führen. Lehrkräfte diagnostizieren Lernstände schon heute kontinuierlich auf Grundlage von Leistungserhebungen, Beobachtungen und pädagogischer Erfahrung. Eine jahrelange zentrale Verlaufsdiagnostik schafft zunächst vor allem neue Datensätze, doch sie resultiert nicht automatisch in besserer Förderung oder in besseren Leistungen.“

Der Deutsche Lehrerverband verweist auf sein Positionspapier zur Schüler-ID, in dem zahlreiche ungeklärte Fragen benannt werden (Januar 2026: https://www.lehrerverband.de/schueler-id/). Bis heute sei offen, welche Daten überhaupt gespeichert werden sollen, wer darauf Zugriff erhält, wie lange sie aufbewahrt werden und welchen konkreten Nutzen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte daraus ziehen.

„Bevor über neue Datenregister gesprochen wird, muss beantwortet werden, welchen konkreten pädagogischen Mehrwert sie für den Unterricht haben. Daten dürfen nicht zum Selbstzweck werden. Schulen sind keine Datensammelstellen für Verwaltungs- oder Forschungsinteressen“, betont Düll. „Zusätzliche Datenerhebung bedeutet in erster Linie eine zusätzliche Belastung der Lehrkräfte durch unterrichtsferne Verwaltungsaufgaben. Das ist Zeit, die dann für das Unterrichten und die individuelle Förderung fehlt.“

Kritisch sieht der Verband auch den Verweis auf internationale Vorbilder wie Kanada. Unterschiede in Schulstruktur, Organisation und pädagogischen Rahmenbedingungen ließen sich nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen.

Nach Auffassung des Deutschen Lehrerverbands bestehen die größten Herausforderungen nicht in fehlenden Daten, sondern in fehlenden Ressourcen für individuelle Förderung. „Wenn zusätzliche Diagnosen besonderen Förderbedarf sichtbar machen, hilft das wenig, solange Lehrkräfte, Förderstunden, Schulpsychologen oder multiprofessionelle Teams fehlen. Entscheidend ist nicht, noch genauer zu messen, sondern wirksam zu handeln“, so Stefan Düll.

Zugleich warnt der Verband vor möglichen Risiken für Datenschutz und Datensicherheit. Eine personalisierte Schüler-ID sei nur bei klarer Zweckbindung, strengen Zugriffsregelungen und vollständiger rechtlicher Klärung denkbar. Vorrang müsse weiterhin das Prinzip der Datensparsamkeit haben.

„Wer mehr Diagnostik fordert, muss zuerst erklären, wie die Daten geschützt werden und welchen unmittelbaren Nutzen sie für die Schülerinnen und Schüler haben. Unterrichtsqualität entsteht durch gute Lehrkräfte, verlässliche Rahmenbedingungen und ausreichende Unterstützungssysteme, nicht durch immer umfangreichere Datenerfassung“, betont Düll. „Allgemein gibt es die sinnvolle Tendenz, unnötige Bürokratie und Berichtspflichten abzuschaffen. Bayerns Kultusministerin und BMK-Präsidentin Stolz setzt sich mit einem Programm in Bayern zur Entlastung von Schulen und Lehrkräften von Verwaltungsvorschriften dafür ein – das sollte Vorbild für alle Bundesländer sein.“

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Deutscher Lehrerverband zu den Empfehlungen der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“:

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Information, Kommunikation und digitale Teilhabe – und Schutz vor Risiken

Die Vorschläge der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ zeigen, wie komplex der Umgang mit der Internet-Nutzung und dem Social-Media-Zugang bei Kindern und Jugendlichen ist. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Stefan Düll, begrüßt die ausgewogenen Empfehlungen der Expertenkommission, die vor allem auch die Plattformanbieter in die Pflicht nimmt und die Wichtigkeit des Dreiklangs „Schutz, Befähigung und Teilhabe“ für das Online-Nutzungsverhalten durch Kinder und Jugendliche betont.

„Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Information, Kommunikation und digitale Teilhabe, sie brauchen aber zugleich Schutz vor Risiken, Suchtmechanismen und problematischen Inhalten. Unser Ziel muss ein sicherer digitaler Raum sein, der schützt und stärkt, statt auszuschließen, dafür müssen Politik, Schule, Eltern und Plattformen gemeinsam Verantwortung übernehmen“, betont DL-Präsident Stefan Düll. 

„Reine Verbote oder starre Altersgrenzen greifen zu kurz. Entscheidend ist, junge Menschen zu einem kompetenten, reflektierten Umgang mit digitalen Medien zu befähigen. Dafür braucht es verbindliche Medienbildung in den Schulen, eine enge Begleitung durch die Eltern sowie vor allem klare Regeln und mehr Verantwortung für die Plattformanbieter selbst. Medienbildung muss in den Schulen als Querschnittsthema in allen Fächern stattfinden, aber: Sie kann nicht nur einfach „on Top“ als Zusatzaufgabe von den Lehrkräften verlangt werden, Lehrkräfte brauchen dafür Weiterbildungsangebote und Entlastung an anderer Stelle bzw. Unterstützung durch flankierendes Personal“, so der Verbandspräsident.

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Stefan Düll als Präsident des Deutschen Lehrerverbands bestätigt

Fachtagung und Bundeshauptausschuss-Sitzung beim Deutschen Lehrerverband

Der Bundeshauptausschuss des Deutschen Lehrerverbandes

Der Bundeshauptausschuss des Deutschen Lehrerverbands (DL) hat heute in Berlin seinen Präsidenten Stefan Düll einstimmig im Amt bestätigt. Düll steht damit weiterhin an der Spitze des Dachverbands mit seinen Mitgliedern Deutscher Philologenverband DPhV, Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung BvLB, Bundesverband Reale Bildung BVRB und Katholische Erziehergemeinschaft KEG. Ebenfalls wiedergewählt wurde der Schatzmeister des Verbandes, Dominik Berdin.

Stefan Düll dankte den Delegierten für das Vertrauen: „Ich freue mich über die breite Unterstützung und sehe dies als Auftrag, die Anliegen der Lehrkräfte in Deutschland weiterhin mit Nachdruck zu vertreten. Schule steht vor großen Herausforderungen – von der Digitalisierung bis zur Lehrkräftegewinnung. Dafür braucht es eine starke Stimme.“

Der Deutsche Lehrerverband setzt sich insbesondere für bessere Rahmenbedingungen im Schulbereich, die Stärkung der Lehrkräfte sowie für eine zeitgemäße Bildungspolitik ein.

Digitalisierung der Schule im Fokus

Bereits am Vortag des Bundeshauptausschusses hatte sich der Deutsche Lehrerverband im Rahmen einer Tagung intensiv mit den Perspektiven der digitalen Transformation im Bildungsbereich befasst. Unter dem Titel „Schule in der digitalen Welt – Potenziale und Perspektiven“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Projektpraxis und Schule zentrale Fragen rund um Künstliche Intelligenz, Medienbildung und innovative Lernformate.

DL-Präsidiumsmitglieder und weitere Tagungsteilnehmer von links nach rechts: BvLB-Bundesvorsitzender Jörg Riemer, DL-Vize-Präsidentin Susanne Lin-Klitzing (DPhV-Bundesvorsitzende), Referent und Autor Florian Nuxoll, DL-Vize-Präsidentin Gerlinde Kohl (KEG-Bundesvorsitz), DL-Vize-Präsident Pascal Koch (ebenfalls BvLB-Bundesvorsitz), DL-Schatzmeister Dominik Berdin, DL-Präsident Stefan Düll.

In seiner Eröffnung hob DL-Präsident Stefan Düll die wachsende Bedeutung digitaler Kompetenzen für Lehrkräfte ebenso für Kinder und Jugendliche hervor: Schulen müssten befähigt werden, digitale Entwicklungen aktiv zu gestalten und pädagogisch sinnvoll zu nutzen. Impulse aus Wissenschaft und aus der Praxis – unter anderem zur Rolle von KI im Unterricht durch den Experten Florian Nuxoll sowie zu Lernkonzepten wie „#DigitalSchoolStory“ – verdeutlichten die Chancen, aber auch die Herausforderungen der digitalen Transformation.

Der Deutsche Lehrerverband wird die auf dieser Tagung gewonnenen Erkenntnisse in seine weitere Arbeit einfließen lassen und sich weiterhin dafür einsetzen, dass Digitalisierung in Schulen pädagogisch fundiert, nachhaltig und mit den notwendigen Ressourcen umgesetzt wird.

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Fachtagung: Schule in der digitalen Welt – Potenziale und Perspektiven

Tagung des Deutschen Lehrerverbands

Montag, 15.06.2026, 15:00 – 18:30 Uhr

Pestana Hotel Tiergarten – Stülerstraße 6, 10787 Berlin

Bitte melden Sie sich an unter info@lehrerverband.de 

Die Digitalisierung prägt unseren Alltag und verändert zugleich, wie wir lernen, lehren und Schule gestalten. Unter dem Titel „Schule in der digitalen Welt – Potenziale und Perspektiven“ lädt der Deutsche Lehrerverband dazu ein, zentrale Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen der digitalen Transformation im Bildungsbereich gemeinsam zu beleuchten. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis und Schule diskutieren aktuelle Impulse rund um Künstliche Intelligenz, Medienbildung und innovative Lernformate – und eröffnen Raum für Austausch und Perspektiven für die Schule von morgen.

Programm:

 

Mehr zu DigitalSchoolStory finden Sie unter https://www.digitalschoolstory.de/.

Bitte melden Sie sich an unter info@lehrerverband.de 

Programm der Tagung zum Download als PDF

 

Deutscher Lehrerverband zum ifo-Chancenmonitor 2026:

Für mehr Bildungsgerechtigkeit: Konsequent in Personal, Professionalität und Prävention investieren

Der Deutsche Lehrerverband fordert angesichts der Ergebnisse des Chancenmonitors 2026 ein klares Handeln in der Bildungspolitik: mehr gezielte frühe Förderung, verbindliche und flächendeckende Sprachstandsdiagnostik vor der Einschulung, ausreichend Zeit für individuelle Förderung von Jungen und Mädchen in der Schule sowie eine konsequente Stärkung der professionellen Arbeitsbedingungen von Lehrkräften. Bildungsgerechtigkeit darf nicht länger ein Schlagwort bleiben, sondern muss im Alltag der Schulen spürbar werden: Durch Qualität im Unterricht, realistische Klassengrößen, multiprofessionelle Teams und eine an der pädagogischen Praxis orientierte Bildungspolitik.

„Wer mehr Bildungsgerechtigkeit will, muss endlich konsequent in Personal, Professionalität und Prävention investieren, beginnend bei der Kita bis zum Schulabschluss“, betont Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands „Strukturdebatten helfen den Kindern nicht. Entscheidend ist, dass Lehrkräfte die Zeit, die Unterstützung und die Ausbildung haben, um individuell fördern zu können.“

Laut Chancenmonitor 2026 hängt der Bildungserfolg in Deutschland noch immer von sozialer Herkunft, Einkommen und familiären Voraussetzungen ab. Gleichzeitig macht ein Blick auf die Elterngeneration heutiger Schülerinnen und Schüler deutlich, dass pauschale Erklärungen über soziale Herkunft zu kurz greifen. Über die Hälfte der 25- bis 45-Jährigen – also der heutigen Eltern – besitzt inzwischen eine Hochschulzugangsberechtigung, während nur eine Minderheit maximal einen Hauptschulabschluss aufweist. Bildung ist für viele Familien selbstverständlich geworden.

Alarmierend ist allerdings das Zurückbleiben von Jungen, das sich in allen sozialen Gruppen zeigt und sich im Verlauf der Schulzeit weiter verstärkt.

„Dass Jungen quer durch alle sozialen Schichten geringere Bildungschancen haben und im Laufe der Schulzeit weiter zurückfallen, ist ein ernstes bildungspolitisches Warnsignal“, so Düll. „Das dürfen wir nicht hinnehmen. Schule muss ein Ort sein, an dem Begabungen unabhängig von Startbedingungen und Geschlecht erkannt und entwickelt werden.“

Zugleich warnt der Deutsche Lehrerverband vor einer zu engen Fixierung auf das Gymnasium als vermeintlich einzigen Königsweg. Inzwischen wird rund ein Drittel der Hochschulzugangs-berechtigungen über berufliche Schulen erworben – etwa über berufliche Gymnasien oder Fachoberschulen. Damit zeigt sich deutlich: Es gibt mehrere gleichwertige Wege zur Hochschulreife und zum Studium.

„Diese Vielfalt der Bildungswege ist eine Stärke des deutschen Bildungssystems und sollte stärker anerkannt werden“, erklärt Düll. „Gerade in Bundesländern wie Bayern mit einer starken Realschule und einem gesellschaftlich anerkannten Realschulabschluss entscheiden sich Eltern teilweise bewusst für diesen Weg – selbst dann, wenn eine Abiturempfehlung vorliegt. Das geschieht nicht aus Bildungsferne, sondern aus der Überzeugung, dass ein praxisnaher und beruflich orientierter Bildungsweg für das eigene Kind sinnvoller sein kann.“

Bildungspolitik muss deutlich machen, dass erfolgreiche Bildungsbiografien auch jenseits des Gymnasiums möglich sind und gesellschaftliche Anerkennung verdienen.

„Unser Ziel muss es sein, jedem Kind einen passenden Bildungsweg zu eröffnen – leistungsorientiert, durchlässig und frei von sozialen Verzerrungen“, so Stefan Düll abschließend. „Der Chancenmonitor zeigt klar: Dafür ist jetzt entschlossenes und praxisnahes politisches Handeln notwendig.“

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