Noten erfĂĽllen eine wichtige Funktion: Sie geben eine klare RĂĽckmeldung, wo ein SchĂĽler steht

Es gibt gute Gründe, warum in keinem Land der Welt auf Noten im Schulsystem verzichtet wird, auch in den angeblich so fortschrittlichen skandinavischen Ländern nicht, zumindest, was Abschlussprüfungen betrifft:

Zum einen hat sich gezeigt, dass Verbalbeurteilungen nicht objektiver, dafür aber kaum vergleichbar und damit für Schüler, Eltern, zukünftige Arbeitgeber und Universitäten schwer lesbar sind. Aus diesen Einschätzungen ist oft nicht erkennbar, ob Schüler im oberen Leistungsdrittel, in der Mitte oder eher darunter stehen. Da dabei manches sprachlich geglättet wird, nehmen außerdem Eltern solche Einschätzungen sehr selektiv wahr. Das heißt, sie sehen eher das Positive und nicht die leicht angedeuteten Schwächen.

Notenzeugnisse sind außerdem Grundlage für eine Lehrstellenbewerbung oder einen Studienplatz. Der Verzicht auf Noten in der Schule würde dazu führen, dass nicht Schulnoten, sondern andere Kriterien, Verbalisierungs- und Selbstdarstellungsfähigkeit, Beziehungen, Einfluss von Eltern, Zusatzqualifikationen wie Auslandsaufenthalte, die vor allem vermögende Eltern finanzieren können, zu den entscheidenden Kriterien werden, aufgrund derer Arbeitsplätze, Anstellungen und Studienplätze verteilt werden.

Natürlich haben auch Ziffernnoten eine subjektive Komponente, sie können von Vergleichsgruppen abhängig und daher letztlich im Einzelfall nicht völlig objektiv sein. Doch wissenschaftliche Studien zeigen: Die Einzelnote mag manchmal ungerecht sein, die Durchschnittsnoten in der Summe sind es nicht. So weist die Abiturdurchschnittsnote immer noch die höchste Prognosekraft dafür auf, ob – bezogen auf die Mehrzahl der Studienfächer – ein erfolgreicher Abschluss erzielt werden kann. Und im Übrigen: Auch die große Mehrzahl der Betroffenen, der Schüler und Eltern, lehnt Ziffernnoten nicht ab. Alles, was ich an Alternativen kenne, von der schriftlichen Beurteilung bis hin zum Eltern-Lehrer-Gespräch erfüllt nicht die Funktion von Noten, nämlich eine klare Rückmeldung zu geben, wo der Schüler in Bezug auf seine Leistungen steht.

Deutscher Lehrerverband begrĂĽĂźt Sondierungsergebnisse im Bildungsbereich

Als überwiegend positiv hat der Deutsche Lehrerverband die jetzt veröffentlichten Sondierungsergebnisse im Bereich Bildung und Forschung begrüßt. Laut DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger gelte dies in erster Linie für die grundsätzliche Zusage, zusätzliche Finanzmittel für Bildung zu mobilisieren, für das Versprechen einer Investitionsoffensive für Schulen sowie für einen verstärkten Ausbau der digitalen Infrastruktur in Bildungseinrichtungen und den angestrebten Berufsbildungspakt samt Stärkung der höheren Berufsbildung und des dualen Studiums. Der Verbandsvorsitze betonte: „Ich begrüße auch das grundsätzliche Festhalten an der Kultushoheit der Länder. Die beabsichtigte Anpassung des Art 104c GG reicht nach unserer Auffassung völlig aus, um eine stärkere Beteiligung des Bundes an Bildungsinvestitionen in Zukunft zu ermöglichen.“

Skeptisch zeigte sich Meidinger, ob der vereinbarte Nationale Bildungsrat tatsächlich einen Beitrag zu besseren Bildungschancen und mehr Zukunftsinvestitionen in Deutschland liefern könne. Das werde entscheidend davon abhängen, ob hier bei der Besetzung auf Fachexpertise und oder doch wieder auf parteipolitischen Proporz Wert gelegt werde, so der Dachverbands-Vorsitzende.

Abschließend betonte der DL-Präsident: „Was von den Aussagen zur Stärkung der Bildung im Sondierungspapier einer künftigen großen Koalition zu halten ist, wird sich erst zeigen, wenn die konkreten Haushaltszusagen im Rahmen der folgenden Koalitionsverhandlungen dafür vorliegen. Ohne ein Finanzierungskonzept bleiben diese Sondierungsergebnisse Makulatur!“

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger unter 0172 – 28 45 840.

FĂĽr den Inhalt verantwortlich:

Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher 

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