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LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL |
Debatte
aus dem FOCUS vom 6. November 2000
"Meine
Schule ist doch kein Zoo!"
Politiker,
Lehrer und Elternvertreter diskutieren über disziplinarische Maßnahmen
und Leistungsanreize für faule Lehrer, über das Verhalten der
Schüler und über die Mitbestimmung der Eltern.
Die
Teilnehmer des Gesprächs:
-
Willi
Lemke, 54, arbeitete
18 Jahre als Manager beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen; der
Bildungssenator
der Hansestadt (seit 99) ist er zurzeit Vorsitzender der Kultusministerkonferenz.
-
Barbara
von Schnurbein, 51, ist
erste Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern;
die Mutter von fünf Kindern, lebt
in Regen im Bayerischen Wald.
-
Josef
Kraus, 51, ist Präsident des Deutschen Lehrerverbands
und leitet ein Gymnasium in Niederbayern; der Oberstudiendirektor
unterrichtet die Fächer Deutsch, Sport und Psychologie.
-
Reinhard
Schneider, 45, arbeitet an
einem Gymnasium in Vilsbiburg/Bayern und ist mit einer Grundschullehrerin
verheiratet; der Oberstudienrat unterrichtet
die Fächer Deutsch, Geschichte und Sozialkunde.
FOCUS:
Herr
Schneider, Sie unterrichten am Gymnasium in Vilsbiburg unter anderem Deutsch
und Geschichte. Was machen Sie denn so in Ihrer Freizeit?
Schneider:
Von wegen Freizeit. Die hat sich in den letzten Jahren wegen der schulischen
Belastungen stark reduziert. Früher habe ich viel Tennis gespielt,
sogar in der bayerischen Oberliga. Heute finde ich kaum noch Zeit dazu.
FOCUS:
Aber wenn um 13 Uhr die Schule aus ist, haben Sie doch nichts mehr zu tun.
Schneider:
Das ist leider das falsche Bild, das viele vom Lehrerberuf haben. Ich sitze
fast jeden Tag bis abends acht oder neun Uhr am Schreibtisch, um
Arbeiten zu korrigieren und mich auf den Unterricht vorzubereiten.
FOCUS:
Ist Herr Schneider die Ausnahme unter Deutschlands Lehrern?
von
Schnurbein: Ich spreche immer von Lehrkräften und Lehrschwächen.
Herr Schneider ist eine typische Lehrkraft. Ich kenne aber auch viele Fälle
von Lehrschwächen. Das sind Pädagogen, bei denen die Schüler
am nächsten Morgen sofort merken: Der ist überhaupt nicht vorbereitet,
und dann kommt es schon mal vor, dass er einen Lehrfilm mehrfach zeigt,
ohne es selber zu merken.
Schneider:
Natürlich kenne ich auch solche Kollegen. Aber das kommt für
mich nicht in Betracht. Man muss auch zwischen Lehrern verschiedener Schularten
unterscheiden. Ich kann die Arbeitsbelastung eines Grundschullehrers nicht
mit der eines Gymnasiallehrers vergleichen. Ich bin mir sicher, dass es
da viel böses Blut geben wird, aber ich weiß, wovon ich spreche.
In meiner Familie gibt es Grundschullehrer. Sie korrigieren bei Viertklässlern
Aufsätze von einer DIN-A4-Seite, wenn überhaupt. In der 13. Klasse
habe ich dagegen Aufsätze, sie sind 15 Seiten lang.
von
Schnurbein: Sie liegen ja auch in einer anderen Gehaltsstufe,
haben bessere Beförderungschancen und auch die interessierteren Schüler.
Schneider:
Gymnasiallehrer verdienen natürlich mehr, aber dafür ist ihr
Job auch härter.
Lemke:
So schlimm steht es um die Gymnasiallehrer nun auch wieder nicht. Was ist
denn mit dem Hauptschullehrer, der multikulturell sehr unterschiedlich
besetzte Klassen mit 60 oder 70 Prozent nicht muttersprachlich deutschen
Kindern unterrichtet? Das ist bestimmt kein Zuckerschlecken. Für mich
gibt es sowieso nur engagierte und nicht engagierte Lehrer. Wenn sich einer
richtig reinhängt und seinen Beruf ernst nimmt, dann ist er weit mehr
als 40 Stunden in der Woche beschäftigt. Aber leider ist es so, dass
eben der Lehrerberuf gewisse Freiräume zulässt, und da hat der
Staat keine Kontrollmöglichkeiten.
FOCUS:
Was würden Sie ändern?
Lemke:
Ich
möchte engagierten Lehrern auch Leistungsanreize geben, um zu sagen:
Ihr macht das klasse, und dafür zahle ich eine Prämie. Jetzt
sagen natürlich Schlaue: Kannst du doch machen, lässt das Beamtengesetz
zu. Und dann frag ich, warum macht ihr es dann nicht? Dann sagen die mir,
wenn der Schulleiter einem 1000 Mark Prämie zahlt, dann fängt
das Hauen und Stechen im Lehrerzimmer an.
Kraus:
Das stimmt nicht, ich praktiziere das als Schulleiter seit drei Jahren.
Aber ich möchte noch etwas zu den Belastungen sagen. Es gibt Faktoren,
die sind eindeutig objektivierbar. Das ist die Zahl der Wochenstunden und
die Korrekturzeit. Zum Beispiel korrigiert ein Kollege mit Deutsch/Englisch
pro Jahr fast 1000 Stunden lang. Da hat er noch keine Stunde unterrichtet,
da hat er noch keine Stunde vorbereitet.
FOCUS:
Können Sie die Arbeitszeit so genau kontrollieren?
Kraus:
Ich weiß als Schulleiter, ob der Kollege rechtzeitig und sorgfältig
kontrolliert hat. Er muss mir die korrigierten Aufgaben vorlegen. Die werden
stichprobenartig noch einmal durchgecheckt. Das funktioniert gut.
FOCUS:
Das
ist anscheinend so anstrengend, dass sich viele Lehrer in die Frühpension
verabschieden.
Kraus:
Das ist ein Verschleißprozess. Es hat sicher auch damit zu tun, dass
viele Kollegen sagen, ich kann jetzt nicht krank machen, wenn in einer
Woche schon sieben Lehrer auf Skikurs oder vier Lehrer auf Auslandsfahrt
sind. Die Kollegen schleppen sich in die Schule, weil sie wissen, dass
ein Vertretungszirkus beginnt.
Lemke:
Eins ist klar: Wir haben nicht nur engagierte Kollegen, so wie Sie es schildern,
Herr Kraus. Weder in Bayern noch in Bremen.
Kraus:
Es gibt ja auch unter den Kultusministern oder den Ministerpräsidenten
nicht nur Heilige.
Lemke:
Aber wenn ich als Politiker nicht auf Zack bin, wählen mich die Bürger
sofort ab. Wie viele Kollegen haben Sie denn in Ihrer Schulleitertätigkeit
abgemahnt, weil sie nicht so fleißig waren? Oder noch schärfer:
Von wie vielen haben Sie sich getrennt?
Kraus:
Da
ist zunächst einmal die Frage, welche Instrumente die Schulleitung
hat.
Lemke:
Richtig.
Kraus:
Man
kann mit Sanktionsinstrumenten wie mündlichen Abmahnungen oder anderen
diziplinarrechtlichen Dingen arbeiten, aber auch positiv mit Leistungsanreizen.
darin sehe ich einen psychologischen Effekt. Das ist eine Gelegenheit,
wo ein Dienstvorgesetzter seinen Leuten signalisieren kann, ich habe sehr
wohl registriert, dass du was Außergewöhnliches machst.
von
Schnurbein: Warum müssen Lehrer noch mehr Geld
bekommen? Sie gehören weltweit zu den bestbezahlten. In anderen Staaten
sind sie oft nicht verbeamtet und schlechter bezahlt – und es kommt auch
nicht nur schlechter Unterricht dabei heraus.
Lemke:
Der Lehrerberuf muss auch bei uns nicht mit einem Beamtenstatus unabdingbar
verknüpft sein. Ich denke nicht, dass das leistungsfördernd ist.
Kraus:
Nein, der Beamtenstatus für Lehrer muss sein. Wenn irgendeine Verwaltung
in Persönlichkeitsrechte eingreift, ist das hoheitliche Tätigkeit,
die Beamten vorbehalten ist. Das tut nicht nur der Schulleiter, der Zeugnisse
unterschreibt, das tut auch jeder einzelne Lehrer.
Lemke:
Also, das hat mich noch nicht überzeugt. Vorhin haben Sie mir übrigens
nicht geantwortet, wie viele disziplinarische Maßnahmen Sie in Ihrer
Schule durchgezogen haben. Jetzt sagen Sie mir: Wie viele Lehrer sind denn
aus dem öffentlichen Dienst in den letzten zehn Jahren entfernt worden?
Kraus:
Da habe ich nicht den Überblick, weil das nicht an die große
Glocke gehängt wird.
Lemke:
Glauben Sie, mehr als drei? In Bremen war es keiner.
Kraus:
Sagen
Sie mir doch, wie viele angestellte Lehrer, die 15 Jahre im Dienst sind,
entlassen werden können. Wenn der 15 Jahre drin ist, dann ist der
nahezu genauso unkündbar. Es ist doch so: Wenn das Beamtenrecht und
die nachfolgenden Verwaltungsvorschriften konsequent angewendet werden,
dann sind die Instrumente da.
von
Schnurbein: Die Instrumente sind da, aber sie werden kaum
angewandt.
Kraus:
Beim Angestellten aber auch nicht. Übrigens haben wir vergangene Woche
in Bayern eine neue Diziplinarordnung * bekommen. da kann der Schulleiter
gegenüber einem Lehrer eine Geldstrafe verhängen bis zur Hälfte
eines Monatsgehalts.
* Gemeint
sind die Durchführungshinweise des bayerischen Kultusministeriums
vom 16. Oktober 2000 für die Gymnasien zur Disziplinarordnung von
1984.
FOCUS:
Wann geschieht das denn?
Kraus:
Was
weiß ich. Permanente Unpünktlichkeit bei der Rückgabe von
Klausuren oder permanente Unpünktlichkeit, was den Unterrichtsbeginn
betrifft.
von
Schnurbein: Alles reine Theorie. Wir müssen uns doch
fragen, wie wir Schüler vor Lehrern schützen können, die
fortbildungsresistent und beratungsresistent sind. Ich sehe es nicht ein,
dass man länger solche Lehrer mitschleppt, die sogar für das
Kollegium eine Belastung sind.
FOCUS:
Was muss getan werden?
Lemke:
Ich möchte, dass ein Ruck durch unsere Gesellschaft geht, dass wir
die Wirtschaft und die Hochschulen miteinbeziehen. Wir sind alle verantwortlich,
und wir müssen die Lehrer in ihrer schwierigen Arbeit unterstützen.
Denn die Situation an den Schulen hat sich dramatisch
verändert.
Kraus:
Aber
es passiert doch das Gegenteil. Es wird über Lehrer nur dumm dahergelabert.
Jetzt sage ich es mal ganz brutal: Man muss heute Lehrer als faule Säcke
bezeichnen, um Bundeskanzler werden zu können.
Lemke:
Aber Sie sehen auch, was das bedeutet, wenn der ehemalige Ministerpräsident
von Niedersachsen damals einen so hohen Zuspruch bekommen hat.
Kraus:
Das
ist das Problem, das Schule und Fußball gemeinsam haben. In beiden
Bereichen glauben alle, mitreden zu können.
Lemke:
Es
geht doch auch anders. Wir haben jetzt die Bremer Erklärung geschafft.
Zum Ersten Mal haben acht Standesorganisationen der Lehrer ein gemeinsames
Papier unterschrieben. Darin sagen wir nicht, Lehrer seien faule Säcke,
sondern wir sagen, wie schwierig der Beruf des Lehrers heute ist und dass
wir sie in ihrer schweren Arbeit unterstützen. Und dass die Schule
im Gegenzug auch bereit ist, sich intern und extern evaluieren zu lassen.
von
Schnurbein: Aber dann müssen wir in die Schulen dürfen,
müssen wir Transparenz bekommen. Eltern würden Entscheidungen
sicherlich manchmal besser mittragen, wenn sie die Hintergründe kennen
würden. Und ich sehe die Beteiligung von eltern nicht als eine Einmischung.
Selbstverständlich ist der Unterricht weiterhin Sache der Lehrer.
Lemke:
Wie kriegen wir es denn nun hin, die Lehrer aus ihrer Frustration rauszuholen?
Wie können wir sie stärker motivieren?
Kraus:
Es
gibt eine ganz platte Antwort. Lasst uns professionelle Schule machen,
wo nicht jeder Schlaumeier reinredet.
Lemke:
Das heißt aber doch: Lasst uns zufrieden.
Kraus:
In
keinem Industriebereich würde man diese Pseudodemokratisierung machen.
Wir möchten einen professionellen Job erledigen, wir möchten
gut ausgebildet werden, wir möchten Leistungsanreize bekommen, und
wir möchten auch eine Personal- und Sachausstattung, die uns Spielräume
gibt.
Lemke:
Aber
ist es nicht viel besser, wenn die Schulen autonomer werden?
Kraus:
Ich habe meine großen Probleme mit autonomer Schule. Ich möchte
keine Schule, die große Teile ihres Budgets durch Sponsoring reinholt.
Schule ist Aufgabe der öffentlichen Hand.
Lemke:
Ziehen Sie es vor, ohne Sponsoring dahinzusiechen?
Kraus:
Das macht Schule doch abhängig. Schauen Sie in die USA, in die Niederlande.
Da bestimmt McDonald’s schon, wann die große Pause anzufangen hat.
FOCUS:
Der Staat kann aber nicht jeden Computer und Internet-Anschluss für
die Schüler zahlen.
Kraus:
Das ist eine Frage der Prioritätensetzung, das ist Aufgabe der öffentlichen
Hand. Wenn Sie das über Sponsoring machen, da bekommen Sie ein soziales
Gefälle. Schulen im sozialen Brennpunkt erhalten jetzt schon viel
weniger, Hauptschulen werden schlecht dran sein. Gymnasien in vornehmen
Wohngegenden werden dagegen eine Top-Ausstattung erhalten, weil es denen
gelingen wird, Sponsoren zu finden.
Lemke:
Ich habe eine ganz andere Auffassung. Ich sehe das als ganzheitliche Aufgabe
an, und es ist völlig falsch, wenn wir nur sagen, der Staat soll machen,
alles andere interessiert uns nicht.
Kraus:
Das ist doch seine Aufgabe. Wie die Innere Sicherheit ist Bildung eine
staatliche Kernaufgabe.
Lemke:
Da
stimme ich Ihnen zu. Aber wenn wir sehen, wie unsere Schulen zum Teil aussehen,
da müssen wir endlich kapieren, dass das eine gemeinsame Aufgabe ist.
Da hat die Wirtschaft zu helfen, da haben viele Bürger zu helfen.
Ich würde auch gern in einen Wettbewerb zwischen unterschiedlichen
Schultypen treten. Man muss schauen, was machen zum Beispiel die Hauptschulen
gut und die Gymnasien schlecht. Was ist zum Beispiel positiv an der sozialen
Kompetenz auf der Gesamtschule?
Schneider:
Die ist doch nicht vorhanden, das ist nachgewiesen.
Lemke:
Das bestreite ich, es gibt auch andere Untersuchungen. Man darf die soziale
Kompetenz nicht außer Acht lassen, gerade wenn man sich anschaut,
was in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist. Da wollen die Arbeitgeber
nicht den Rambo haben, sondern die Teamfähigen.
Kraus:
Aber auch den, der das Einmaleins kann und über einen großen
Wortschatz verfügt.
Lemke:
Ja. Aber sehen Sie, deshalb überlegen wir hier zusammen, wie wir das
verbessern. Und ich will nicht blocken, sondern ich will öffnen und
Partner finden, um das Schulsystem zu verbessern. Bitte blockieren Sie
nicht ab mit der Bemerkung: nur Unterricht, und alles andere interessiert
uns nicht.
Kraus:
Okay, da sind wir uns einig. Wir brauchen aber dringend eine Inhaltsdebatte.
Es wird heute immer so schön gesagt, es reicht zu wissen, wo ich etwas
nachschlagen oder downloaden kann. Ich brauche aber ganz konkretes Wissen,
ich möchte auch eine Renaissance des Faktenwissens haben.
FOCUS:
In
der heilen Gymnasiumswelt ist das vielleicht ein Thema. Aber an vielen
Schulen fragen sich die Eltern: Wird mein Kind süchtig, weil auf dem
Schulhof Drogen verkauft werden? Da werden Kinder von Mitschülern
um ihr Taschengeld erpresst, Lehrer von Schülern bedroht. Da kann
man doch nicht nur über fachliche Inhalte reden.
Kraus:Die
Berufsfähigkeit dieser gefährdeten Jugendlichen hat auch mit
dem ganz konkreten Wissensfundus zu tun. Das ist eine wichtige prophylaktische
Maßnahme, damit die nicht noch weiter abdriften. Ich muss denen auf
fachlicher Grundlage die Chance geben, einen Ausbildungsplatz zu finden.
Lemke:
Aber das macht nicht nur das Wissen. Ich kenne die Geschichte einer Lehrerin,
die ins Klassenzimmer kommt und einen 14-Jährigen bittet, die Füße
vom Tisch zu nehmen. daraufhin beschimpft er sie aufs Übelste.
Kraus:
Solche krassen Fälle können natürlich immer wieder vorkommen.
Aber auch Lehrer, die 30 Semesterwochenstunden Pädagogik an der Universität
absolvieren würden, könnten da überfordert sein.
FOCUS:
Sind
denn die Schüler in den vergangenen Jahren immer frecher und brutaler
geworden?
Kraus:
Sie sind flüchtiger und unkonzentrierter geworden, und sie sind in
einem höheren Maß als früher gewaltanfällig. Die Ursachen
sind vielfältig. Ein schwindendes Unrechtsbewusstsein bis in die obersten
Ränge von Sport und Politik färbt ab, ganz klar. Das mediale
Angebot baut Hemmschwellen ab, wenn Kindern gestattet wird, sich am Wochenende
20 Hackfleisch-Videos reinzuziehen. Leider kümmern sich auch immer
weniger Eltern um ihre Kinder. Nur ein Beispiel: Heute früh meldet
sich bei uns um neun Uhr eine Schülerin, ihr sei schlecht. Ich habe
sie gefragt: “Haben dir deine Eltern kein Frühstück gemacht?“
Die Antwort: „ Nein, wenn ich um sieben Uhr aus dem Haus gehe, liegen meine
Eltern noch im Bett.“
von
Schnurbein: Aber trotz dieser Extremfälle müssen
Lehrer die Eltern mehr einbeziehen. Eltern wissen oft gar nicht, wie ihr
Kind sich in der Schule verhält.
Kraus:
Ich will, dass man sich zusammensetzt und überlegt, wer kann was besser?
Bildung und Unterricht können wir besser, erzieherische Prägung
können sie besser.
Lemke:
Ich
denke, die Lehrer – sie sind schließlich unsere Angestellten – müssen
sich auch wieder verstärkt ihrer Vorbildfunktion bewusst werden. Zwar
gilt das auch für Eltern, aber die werden nicht dafür bezahlt.
In der Schule wird gekifft, die Lehrer machen die Augen zu. Da wird geprügelt.
Die Lehrer sagen, geht raus aus der Schule, vom Schulhof runter, wenn ihr
euch schon prügeln müsst. Das gefällt mir nicht.
von
Schnurbein: Ich möchte noch einmal zurück zur
Elternbeteiligung kommen. Wir wollen zwar nicht stören, aber mehr
einbezogen werden.
Kraus:
Aber dann sollten Sie auch bitte frühzeitig auf die Schule zugehen
und nicht erst, wenn der Blaue Brief kommt – drei Tage vor dem Jahreszeugnis.
Dann ist nämlich die Schule wieder an allem schuld.
von
Schnurbein: Ich möchte auch mal einen Lehrer, den ich
oft tagsüber nicht erwische, abends anrufen können, um Probleme
mit ihm zu klären.
Kraus:
Nein, das möchte ich nicht. Sie können Ihren Zahnarzt, bloß
weil Ihnen die Zahnbürste abgebrochen ist, auch nicht zu Hause anrufen.
Der Unterricht in der Schule muss für Eltern tabu sein, wir brauchen
keine Väter und Mütter, die dem Lehrer beim Unterricht zuschauen.
Meine Schule ist doch kein Zoo.
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MODERATION: KAYHAN ÖZGENC/HERBERT
REINKE -NOBBE
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