| DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) -
PRESSEERKLÄRUNG
Bonn, 9. August 2007
Lehrerverband:
"Deutschlandweites Zentralabitur ist ein Irrweg"
- "Vorrang muss eine Prüfung zur Mittleren Reife haben"
Zum Vorschlag des
baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger, ein
deutschlandweites Zentralabitur einzuführen, nimmt der Präsident des Deutschen
Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, wie folgt
Stellung:
1. Die deutschen Länder sind in Sachen Zentralabitur
ohnehin auf einem guten Weg. Allein im vergangenen bzw. im laufenden Jahr haben
die Länder Hessen, NRW, Niedersachsen und Hamburg auf ein Landes-Zentralabitur umgestellt. Ein
Landes-Zentralabitur ist somit in der überwältigenden Mehrzahl der deutschen
Länder Praxis. Damit ist bereits ein transparenter Vergleich der Abituransprüche
möglich.
2. Bei einem deutschlandweit einheitlichen Abitur ist zu
befürchten, dass es zu einer Nivellierung des
Anspruchs auf mittlerem oder unterem Niveau kommt. Die Erfahrungen
mit den Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz (KMK), im besonderen mit den
KMK-Abiturvereinbarungen der Jahre 1987 und 1996, lassen solches erahnen. Das
föderale Wettbewerbsprinzip wäre
damit restlos außer Kraft gesetzt.
3. Ein deutschlandweites Zentralabitur wäre nur möglich,
wenn mindestens drei Jahre zuvor die Lehrpläne der gymnasialen Oberstufe
deutschlandweit vereinheitlicht worden wären. Wichtiger als solche Lehrpläne und
entsprechende Abiturprüfungen erscheint eine konsequente Fortschreibung der
bereits bestehenden Einheitlichen
Prüfungsanforderungen für das Abitur (sog.
EPAs).
4. Für mehrere Fächer wäre ein bundeseinheitliches
Abitur eine Verarmung. In den Fächern Geschichte, Geographie und
Sozialkunde/Politik etwa müssen auch landesspezifische Inhalte abgeprüft werden
dürfen.
5. Völlig unverständlich ist, welch kurze Halbwertszeit
mittlerweile Änderungen des Grundgesetzes haben. Immerhin war der
Bildungsföderalismus im Jahr 2006 im Zuge der Föderalismusreform deutlich gestärkt
worden. Dem laufen Überlegungen zu einem deutschlandweiten Abitur völlig
zuwider.
6. Die Einführung eines deutschlandweiten Zentralabiturs
erfordert eine Vereinheitlichung der Ferienregelungen, denn die Unterrichtszeit
der Abschlussklasse bis zum Abitur differiert sonst um bis zu sechs Wochen; dies
wäre für einen erheblichen Teil der Schüler ungerecht. Umgekehrt ist eine
Vereinheitlichung der Ferientermine über ganz Deutschland hinweg aus Gründen des
dann geballten Verkehrsaufkommens und des Tourismus nicht
möglich.
7. Das große innerdeutsche Gefälle in Sachen
Schulleistung gibt es nicht so sehr in der gymnasialen Oberstufe, sondern in den
nichtgymnasialen Schulformen der Sekundarstufe I. Insofern wäre eine
Einführung von Abschlussprüfungen zum Erwerb der Mittleren Reife in allen Bundesländern
vorrangig.
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Für den Inhalt
verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)
| Deutscher Lehrerverband (DL) - Burbacher
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