1.
Es muss Schluss sein mit der bildungspolitischen
Selbstverleugnung der Deutschen. Unsere Stärken sind ein reich differenziertes
Schulwesen und eine weltweit anerkannte berufliche Bildung. Unsere Zukunft liegt
in dieser Vielfalt und nicht in schulischer
Einfalt.
2.
Nichts ist so ungerecht wie die gleiche Behandlung
Ungleicher. Eine Wohlfühlschule mit Abitur-Vollkaskoanspruch für alle ist der
falsche Weg, denn in Bildung geht es um Qualität und nicht um Quote. Eine
weitere inflationäre Steigerung der Abiturientenquote senkt das Bildungsniveau
für alle.
3.
Der Mensch beginnt nicht erst mit dem Abitur.
Vielmehr ist eine möglichst individuelle Förderung aller Begabungen in einem
vielfältig verzweigten und durchlässigen System sinnvoll. Die Möglichkeiten
solcher Förderung sind nicht ausgeschöpft, weil es den Schulen an den dafür
notwendigen Lehrern fehlt.
4.
Die Hauptschule ist keine Restschule, sondern die
optimale Schule für tüchtige, praktisch begabte junge Leute. Wenn Hauptschule
Restschule wäre, dann wären alle „Volksparteien“ mit Ergebnissen zwischen 20 und
38 Prozent Restparteien.
5.
Jungen Leute haben häufig zu wenig konkretes Wissen
in den Bereichen Kultur, Literatur, Geschichte, Politik, Philosophie und
Religion sowie in den Naturwissenschaften. Sie sind damit nicht mündig und
müssen in der Folge jedem alles glauben.
6.
Die Mutter- und Landessprache ist das A und O einer
jeden Bildung. Deshalb ist es eine Schande, dass kein anderes Land der Welt die
Muttersprache mit so wenigen Unterrichtsstunden ausstattet, wie es die Deutschen
tun.
7.
Demokratie braucht gebildete Leistungseliten, die
zugleich Verantwortungseliten sind. Deshalb brauchen wir eine Offensive für eine
breit angelegte Förderung besonders Begabter.
8.
Bildung ist mehr als Pisa und mehr als
wirtschaftliche Verwertbarkeit. Bildung hat einen übernützlichen Wert, nämlich
den Auftrag, persönliche und kulturelle Identität zu
fördern.
9.
Staat und Gesellschaft müssen ein anspruchsvolles
Bildungswesen vorhalten. Das ist deren Bringschuld. Es gibt aber auch eine
Holschuld der Adressaten von Bildung. Chancen sind schließlich Chancen, aber
keine Garantien. Deshalb gelingt keine Bildungsoffensive ohne konsequente
häusliche Erziehung.
10. Wir brauchen Lehrer, die von der
Gesellschaft geachtet und gestärkt werden. Vor allem brauchen wir genügend
Lehrer. Dafür muss der Lehrerberuf ideell und materiell aufgewertet
werden.
11. Bildungszentralismus bedeutet
Konsens auf unterem Anspruchsniveau. Wir brauchen stattdessen einen föderalen
Wettbewerb, bei dem die leistungsstärksten Länder den Ton angeben und bei dem
sich die anderen nach der Decke strecken.