DEUTSCHER
LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG
Bonn,
20.03.2000
Lehrerverband
appelliert an Eltern:
"Waffen
haben in Haushalten mit Minderjährigen nichts zu suchen"
-
Wegen
Gewöhnungseffekt "Abrüstung in den Elternhäusern" gefordert
-
„Schulen
allein sind mit dem Gewaltproblem überfordert"
-
Vorwurf
der "Doppelmoral" an die Gesellschaft
Im Zusammenhang mit den jüngsten
Vorfällen jugendlicher Gewalt, bei denen Waffen aus dem Elternhaus
im Spiel waren, hat der Deutsche Lehrerverband (DL) die Eltern minderjähriger
Kinder eindringlich aufgefordert, alle Waffen aus dem Haushalt verschwinden
zu lassen. Lehrerverbandspräsident Josef Kraus, der selbst Leiter
eines Gymnasiums ist und mehrere Jahre als Schulpsychologe tätig war,
begründete seine Forderung nach „Abrüstung in den Elternhäusern“
mit der Gefahr einer Gewöhnung der Kinder an Waffen. Wörtlich
sagte Kraus: „Wenn in den Elternhäusern Waffen vorhanden sind oder
gar gehortet werden, dann wachsen die Kinder in die Vorstellung hinein,
Waffenbesitz und Waffengebrauch seien völlig normal. Das senkt die
Hemmschwellen, so dass nur noch andere Belastungsfaktoren hinzu zu kommen
brauchen, damit etwas explodiert.“
Kraus verteidigt zugleich
die Schulen gegen Schuldzuweisungen in Sachen jugendlicher Gewalt. Er will
die Schulen auch vor gesellschaftlichen und erzieherischen Ansprüchen
geschützt wissen, die Schulen nicht leisten könnten:
„Die in den deutschen Schulen
zuletzt bekannt gewordenen Gewalttaten haben primär keine schulischen
Ursachen. Insofern kann das Gewaltproblem auch nicht in erster Linie von
den Schulen gelöst werden. Hier muss sich die Gesellschaft fragen,
ob sie nicht eine doppelte Moral betreibt, indem sie Schulen einerseits
zu mehr Erziehung zur Friedfertigkeit auffordert, es zugleich aber zulässt,
dass tagtäglich ein Bombardement an gewalttätigen Vorbildern
auf unsere Kinder herunterprasselt."
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Waltraud Fuchs (DL)
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