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Aus "news.de" vom 8. Juni 2010
Vier-Schultage-Woche in den USA
Kraus: "Dann finden wir uns bald auf dem Niveau von Entwicklungsländern wieder"
Der
US-Bundesstaat Georgia hat an vielen Schulen die Vier-Tage-Woche eingeführt.
Keine Seltenheit in den USA. Die Schüler freut's. Warum sind nur die deutschen
Minister bei der Sparklausur nicht drauf gekommen?
«Vier-Tage-Woche!» Für Schüler dürfte das ein
Schlachtruf der Kategorie «Hitzefrei!» oder «Die Sechste fällt aus!» sein. Doch
die Freude der Schüler war den Ministern bei ihrer Sparklausur am Wochenende
offenbar keinen Punkt in ihrer Liste wert. Dabei hätten sie doch nur in die USA
hinüber schauen müssen: Die sparen dank der Vier-Tage-Woche nicht nur Geld,
sondern erhalten auch Arbeitsplätze und verbessern die Quote der Schulabgänger
mit Abschluss.
Auch
Lehrer, ihres Zeichens zum Großteil Beamte und damit sehr wohl vom Sparkurs
betroffen, wären sicher angetan gewesen von der Idee, nun noch mehr frei zu
haben. Möchte man meinen, doch das Vorurteil vom arbeitsscheuen Berufsstand
bestätigt sich wieder einmal nicht. Josef Kraus, Vorsitzender des Deutschen
Lehrerverbandes, scheut nicht vor einer drastischen Formulierung zurück: «Wenn
sie noch mehr rausschneiden, finden wir uns über kurz oder lang auf dem Niveau
von Entwicklungsländern wieder.»
Aber was
ist mit der grandiosen Abschlussquote von 80 Prozent, die im US-Staat Georgia
mit der Fünf-Tage-Woche seit langem nicht mehr erreicht worden war? Kein
Argument für den Direktor des Gymnasiums Vilsbiburg bei Landshut.
«Abschlussquoten sind überhaupt kein Kriterium», grummelt er. «Die kann man
immer hinmanipulieren.» Man müsse sich nur gewisse Erfahrungen in Deutschland
anschauen: Wenn die Quotenschraube nach oben gedreht werde, drehe sich die
Qualitätsschraube nach unten.
Josef Kraus
denkt vor allem an die Schwächsten, denen der fehlende Schultag noch weniger
Chance ließe, etwas zu lernen. «Unsere Spitzenschüler setzen sich immer durch.»
So ist es denn wohl auch in den USA - eben weil Spitzenschüler dort häufig die
staatlichen Schulen gar nicht besuchen. Bei den meisten werde sich statt eines
stärkeren Erholungseffekts nur die Tendenz zu «Augen, die ausschauen wie
Bildschirme» verstärken, in die Kraus und seine Kollegen schon an einem ganz
normalen Wochenende schauen müssen. Nach drei freien Tagen falle es den Schülern
nur noch schwerer, am Montag wieder Stoff in sich aufzunehmen - daran hat der
Schulleiter kurz nach den vielen Brückentagen-Wochenenden der vergangenen Wochen
keinen Zweifel.
Die 330.000
Euro, die der Bezirk Peach County in Georgia durch seine Kürzung spart, glänzen
bei genauerem Hinsehen jedoch auch goldener, als sie sind. Wir lesen zum
Beispiel den Satz: «Montags spielen die Schüler in Peach County im US-Staat
Georgia den lieben langen Tag Videospiele.» Und manche Eltern machen sich Sorgen
um die Entwicklung ihrer Kinder. Überhaupt, die Eltern. Wenn sie am fünften
Arbeitstag eine Kinderbetreuung zahlen müssen, bleibt die Haushaltssanierung
letztlich an ihnen hängen.
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