DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

Aus "Hessische Allgemeine"  vom 16. September 2004


Gesamtschule versagt

Kraus will das gegliederte Schulsystem beibehalten

Die OECD-Studie ist ihr Papier nicht wert. Sie wiederholt etwas, was wir längst und viel genauer wissen, nämlich dass das deutsche Bildungswesen unterfinanziert ist. Vor allem aber ignoriert diese Studie mit ihrer Abiturvollkasko-Attitüde völlig das berufliche Bildungswesen als das Kernstück des Qualifikationssystems in Deutschland. Dadurch entsteht der schiefe Eindruck, als habe Deutschland zu wenig Akademiker, wo Millionen Deutsche doch mit ihrer weltweit beneideten Bildung problemlos mit sog. Hochschulabsolventen anderer Nationen mithalten können.

Wer aus der OECD-Studie gar die Forderung nach Abschaffung des gegliederten Schulsystems ableitet, fällt in die Ideologie der 70er Jahre zurück. Hier sollte man endlich die innerdeutsche PISA-Studie des Jahres 2002 zur Kenntnis nehmen; dort schneiden gerade diejenigen deutschen Länder am besten ab, die das gegliederte, differenzierte Schulsystem am ausgeprägtesten haben, nämlich Baden-Württemberg und Bayern. Diese beiden können auch mit vielgerühmten Ländern wie Schweden mithalten. Die Gesamtschule dagegen hat in Deutschland versagt, wiewohl sie um rund 30 Prozent besser ausgestattet ist als Hauptschule, Realschule und Gymnasium zusammen; das bestätigen unzählige Studien. Sodann sollte man endlich wahrnehmen, dass deutsche Bundesländer mit vereinheitlichten Schulsystemen in der internationalen Rangskala ganz weit hinten liegen. Das gilt im besonderen für das deutsche PISA-Schlusslicht Bremen, das sich auf der internationalen PISA-Skala zwischen Brasilien und Mexiko wiederfindet.

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