DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

Kolumne aus dem HANDELSBLATT vom 25. April 2008

Schule ist kein Unternehmen

Von Josef   K r a u s
 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)


Schulpolitik droht zu einer Unterabteilung der Wirtschaftspolitik zu werden. Tatsächlich vergeht kaum eine Woche, in der nicht öffentlich vom Standortfaktor Bildung, vom Unternehmen und Dienstleister Schule oder von ranking-tauglichem Wettbewerb in Sachen Bildung schwandroniert wird. Die hohe Politik lässt sich davon sehr beeindrucken. Dem Diktat der Ökonomie folgend, verdonnert sie Schule dazu, Bildungsgänge und Lehrpläne Nützlichkeitskriterien zu unterwerfen. Schließlich, so die Begründung, fordere die Wirtschaft in Zeiten der Globalisierung, dass die Curricula entrümpelt würden und Einschulung, Abitur sowie Hochschulabschluss viel früher erfolgen müssten. So einfach ist es aber nicht.

Wer in Sachen Bildung nur das Verwertbare und Messbare sieht, der hat einen ärmlichen Begriff von Bildung. Natürlich muss Schule junge Leute für später wetterfest machen. Deshalb ist es selbstverständliche Aufgabe von Schule, etwa fundiertes naturwissenschaftliches und ökonomisches Wissen sowie fremdsprachiges Kommunikationsvermögen zu vermitteln. Solches Wissen und Können lässt sich durchaus messen. Schule muss aber mehr leisten. Schule muss jungen Leuten gerade mit Blick auf eine fortschreitend globalisierte Welt auch Orientierungen mitgeben. Dafür gibt es gottlob schulische Bereiche, deren „Output“ sich allerdings nicht immer messen oder sofort verwertbar umsetzen lässt: Literatur, Religion/Ethik, Geschichte, Politik und die musischen Fächer.

Es darf jedenfalls nicht erneut eintreten, was der junge Friedrich Nietzsche im Jahr 1872 boshaft feststelle. Seine Kritik lautete: Dem Menschen wird offenbar nur so viel Kultur gestattet, wie im Interesse des Erwerbs ist. Jede Vision, Schule könne betriebswirtschaftlich durchgestylt werden, ist deshalb fehl am Platz. Betriebe müssen nach Rentabilitätskriterien arbeiten, sonst sind sie weg vom Fenster. Wenn Schule nur noch das machte, was sich „rentiert“, dann wären kulturelle Inhalte und sozial schwierige Schüler weg vom Fenster. Eine Horrorvorstellung!


© 2008 Deutscher Lehrerverband (DL) - Burbacher Straße 8 - 53129 Bonn - Tel. (02 28) 21 12 12 - FAX 21 12 24  DL-Home Seitenanfang