DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

 Interview aus der SYKER KREISZEITUNG vom 13. August  2006

Tarnorganisationen


Von Frauke Albrecht

Die Kultusministerkonferenz und der Lehrerverband haben kürzlich vor Nachhilfe-Angeboten der Scientology-Organisation gewarnt. Sie sagen, es gebe keinen Anlass für Alarmstimmung, dennoch: Wie ernst ist die Situation?

Josef Kraus: Derzeit gelten deutschlandweit 30 Nachhilfeangebote als verdächtig. Selbst wenn die Dunkelziffer um ein Doppeltes höher liegt, ist das kein Anlass zu Panik. Vergessen wir nicht: Es gibt in Deutschland 42.000 Schulen mit zwölf Millionen Schülern. Da wird nicht vor jeder Schule ein Scientologe stehen und mit Köderangeboten locken. Dennoch ist Wachsamkeit geboten. Ein genaues Hinschauen kann bei Scientology nie falsch sein, denn diese Psycho-Sekte arbeitet gerne mit Tarnorganisationen.

Was können Eltern tun? Gibt es eine Liste mit Namen der zu meidenden Organisationen? Wie lassen sich die Scientologen erkennen?

Kraus:
Unsere Schulen kennen sich mittlerweile ganz gut aus, das Internet ermöglicht solide Recherchen, die Innenminister samt Verfassungsschutz wissen, was los ist. Im Bedarfsfall kann man sich an die Aktion Bildungs-Information (ABI) in Stuttgart oder an Sektenbeauftragte der evangelischen oder katholischen Kirche wenden. Verdacht sollte man schöpfen, wenn es nicht mehr um Schulstoff, sondern um Weltanschauung oder gar Ideologie geht, wenn der Name Hubbard bzw. dessen Kürzel LRH auftaucht, wenn Verlagsnamen wie New Era vorkommen oder wenn von Applied Scholastics die Rede ist. Falls Nachhilfe unvermeidbar ist, sollten sich Eltern vom betreffenden Institut eine Garantieerklärung geben lassen, dass es frei von scientologischen Einflüssen ist.

Wie schätzen Sie die Folgen für Kinder ein, die von Scientologen unterrichtet wurden. Gibt es Beispiele von Kindern, die dadurch Schaden erlitten haben?

Kraus: Konkrete Beispiele kennen wir derzeit nicht. Aber aus früheren leidvollen Biographien junger Erwachsener, die in die Fänge von Scientology gerieten, wissen wir, dass die Zugehörigkeit zu einer Sekte oft in einer Art Gehirnwäsche, in dramatischen Veränderungen der Persönlichkeit und im Abbruch aller bisherigen Sozialkontakte endet.


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