DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL
25. November 2001

"Großes Risiko, geringer Ertrag"

Zu den aktuellen Berichten über das Schummeln in der Schule mit Hilfe von Handy bzw. SMS nahm der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, wie folgt Stellung:
  1. Der Nutzen des Schummelns per SMS wird maßlos überschätzt. Schüler haben während einer Prüfung allenfalls eine begrenzte Zeit, sich kleinste Informationsmengen auf das Handy-Display zu holen. Komplexere Aufgaben etwa in den Fächern Mathematik oder Deutsch können in dieser knappen Zeit via SMS niemals gelöst werden. Ansonsten sind in höheren Jahrgangsstufen Wörterbücher und Formelsammlungen während schulischer Prüfungen zumeist ohnehin erlaubt.

  2. Angesichts des geringen Nutzens gehen die Schüler ein unverhältnismäßiges Risiko ein, erwischt zu werden. Bereits die Bereitstellung eines eingeschalteten Handys kann als Versuch des Unterschleifs bzw. des Spickens gewertet werden. Die Arbeit kann dann mit einer Sechs bewertet werden.

  3. Auch Lehrer waren einmal Schüler; sie wissen sehr wohl, wie man schummelt und vor allem wie man sich verrät. Schummelnde Schüler sollten die Lehrer nicht unterschätzen.

  4. Gezielte Handy-Verbote an Schulen sind überflüssig. Die Haus und Schulordnungen sind eindeutig; sie verbieten die Nutzung von Geräten, die den Unterricht stören. Deshalb können Handys, die während des Unterrichts klingeln, abgenommen werden.

  5. Lehrer, die einen SMS-Schummelservice betreiben, verstoßen gegen ihre Dienstpflichten; sie können disziplinarrechtlich belangt werden. Bei Lehramtsanwärtern, die einen SMS-Schummelservice betreiben, stellt sich für die Einstellungsbehörden ernsthaft die Frage der Eignung dieser Anwärter für den Lehrerberuf.

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