DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL
26. November 2001

"Konsequente innerschulische Kontrolle wichtig,
gegebenenfalls Zusammenarbeit mit der Polizei sinnvoll"


Zu den aktuellen Berichten über das Ausmaß des Schuleschwänzens nahm der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, wie folgt Stellun
g:
  1. Das Schuleschwänzen ist ein ernstes Problem. Das Ausmaß ist statistisch nicht eindeutig erfasst. Bekannt ist,
  1. Bei zwölf Millionen Schülern und 42.000 Schulen in Deutschland dürfte die tägliche Zahl an Schwänzern bei etwa 100.000 liegen.
  1. Die Schulen bzw. die Lehrer der ersten Schulstunde sind gefordert, mit Beginn des Unterrichts eine konsequente Anwesenheitskontrolle durchzuführen. Sollte sich bis zehn Minuten nach Unterrichtsbeginn nicht aufgeklärt haben, wo ein Kind ist, sollte bei den Eltern angefragt werden. Bestehen auch dann noch Unsicherheiten, so sollte die Polizei eingeschaltet werden. Diese konsequente Kontrolle ist nicht unpädagogisch, sondern sie ist Ausdruck der Fürsorgepflicht der Schulen gegenüber den Kindern und den Eltern. Eltern müssen Gewissheit haben, wo ihr Kind um 8 Uhr ist.

  2. Eine konsequente Anwesenheitskontrolle in den Schulen ist eine wichtige Maßnahme der Prävention gegen Kriminalität. Dadurch können Kinder davor geschützt werden, auf dem Schulweg selbst Opfer zu werden, und sie können davor geschützt werden, an „geschwänzten“ Tagen selbst Täter - zum Beispiel als Ladendieb - zu werden.

  3. Eine konsequente Kontrolle in den Schulen ist zudem eine wichtige Maßnahme zur Vermeidung schulischen Versagens. Erfahrungsgemäß sind die Schulschwänzer unter den Schulversagern überrepräsentiert.

  4. Das Nürnberger Modell einer Zusammenarbeit zwischen Schule, Polizei und Kaufhäusern hat sich bewährt. Das Schuleschwänzen hat sich damit etwa halbiert. Dieses Modell sollte auch in anderen Großstädten Schule machen.

  5. Es ist pädagogisch durchaus sinnvoll, dass dem Alter nach schulpflichtige Kinder und Jugendliche von der Polizei vormittags etwas in Spielhallen und in Kaufhäusern auf ihren Schulbesuch angesprochen werden.

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