20.
Dezember 2000 Domino-Radio
für Kinder - "Quasselbox" - Hessischer Rundfunk 2
Josef
Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, zur
Frage eines späteren Schulbeginns um 9 Uhr „Ich halte von einem späteren
Schulbeginn nichts! Dagegen gibt es eine stattliche Zahl an Gründen. Erstens
sind die Höhepunkte der Tagesleistung viel zu individuell, als dass
man daraus einen späteren Schulbeginn ableiten könnte. Es gibt
auch sehr viele Schüler, die Morgen-Sprinter sind. Jedem können
wir es nicht recht machen. Die üblichen Schulzeiten zwischen 8 und
13 Uhr sind ein guter Kompromiss. Und wenn Schüler am Morgen nicht
fit sind, weil sie nicht ausgeschlafen haben, dann - Hand aufs Herz! -
weil sie regelmäßig zu spät zu Bett gehen. Zweitens
bin ich der Überzeugung, dass die überwältigende Anzahl
der Eltern vor allem jüngerer Schüler den Schulbeginn um 8 Uhr
will, damit sie dann selbst ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen
können. Drittens:
Man muss in dieser Frage auch an das vor allem auf dem flachen Land hochkomplizierte
Schulbussystem denken. Dieses ist außerhalb der üblichen beruflichen
Rush-Hours nicht organisierbar. Vor allem aber viertens:
Man sollte an die Schüler selbst denken. Nach vielen Gesprächen
mit Schülern zu dieser Frage bin ich zu der Überzeugung gelangt,
dass wohl 90 Prozent der Schüler um 8 Uhr beginnen wollen, damit sie
um 1 Uhr mittags mit der Schule fertig sind. Sie möchten ihren Nachmittag
planen und selbst gestalten können. Das ist nur noch eingeschränkt
möglich, wenn die Schule erst um 9 Uhr beginnt und dann - mit Mittagspause
- frühestens nachmittags um 3 Uhr endet. Ich kann dieses Denken sehr
gut nachvollziehen: Es gibt schließlich auch ein Leben außerhalb
der Schule.“
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