Von Josef K r a u s
Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)
Der
Ausbildungsmarkt gibt Anlass zur Sorge. Während die
Lehrstellenbilanz zuletzt halbwegs ausgeglichen war, ist 2009 trotz
des Rückgangs der Zahl der Schulabsolventen mit mehreren
zehntausend jungen Leuten ohne Ausbildungsplatz zu rechnen. Eine Rolle
spielt dabei die ungünstige gesamtwirtschaftliche lage, aber auch
die große Zahl von rund einer Viertelmillion Altbewerbern in
Warteschleifen schlägt zu Buche.
Vor diesem Hintergrund ist eine nationale Kraftanstrengung
erforderlich. Das gesamt deutsche Berufsbildungssystem gerät sonst
in eine Schieflage. Während im Jahr 1991 noch 75 Prozent aller
Jugendlichen ihre berufliche Bildung im dualen System starteten, waren
es zuletzt gerade noch 60 Prozent. Vor allem ist zu befürchten,
dass viele Haupt- und Realschüler auf der Strecke bleiben. Wenn
das duale System aber fast die Hälfte der ausbildungswilligen
Schulabgänger der Haupt- und REalschulen ausgrenzt, ist es kein
Erfolgsmodell mehr. Und im Endeffekt wird sich die Lage auf dem
Ausbildungsstellenmarkt auch auf die Wirtschaft auswirken, denn es
fehlt dann über kurz oder lang an Nachwuchs.
Dass kaum mehr als 20 Prozent der zwei Millionen Betriebe ausbilden,
obwohl 65 Prozent dazu berechtigt wären, ist
gesamtgesellschaftlich kein gutes Zeichen. Der wiederkehrende Hinweis
der Wirtschaft auf die ökonomische Großwetterlage und das
Klagen über das angeblich schlechte Bildungsniveau mancher
Bewerber wirken hier oft genug als Ablenkungsmanöver. staat und
Wirtschaft müssen deshalb jetzt gemeinsam Verantwortung
übernehmen und zum Beispiel auch teil- und vollqualifizierende
Berufsfachschulen als praxiserprobte Alternativen fördern.