DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

 Kolumne aus dem "Handelsblatt" vom 11. Mai 2009

Gefährliche Schieflage

Von Josef   K r a u s
 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)


Der Ausbildungsmarkt gibt Anlass zur Sorge. Während die Lehrstellenbilanz zuletzt halbwegs ausgeglichen war, ist 2009 trotz des Rückgangs der Zahl der Schulabsolventen mit mehreren zehntausend jungen Leuten ohne Ausbildungsplatz zu rechnen. Eine Rolle spielt dabei die ungünstige gesamtwirtschaftliche lage, aber auch die große Zahl von rund einer Viertelmillion Altbewerbern in Warteschleifen schlägt zu Buche.

Vor diesem Hintergrund ist eine nationale Kraftanstrengung erforderlich. Das gesamt deutsche Berufsbildungssystem gerät sonst in eine Schieflage. Während im Jahr 1991 noch 75 Prozent aller Jugendlichen ihre berufliche Bildung im dualen System starteten, waren es zuletzt gerade noch 60 Prozent. Vor allem ist zu befürchten, dass viele Haupt- und Realschüler auf der Strecke bleiben. Wenn das duale System aber fast die Hälfte der ausbildungswilligen Schulabgänger der Haupt- und REalschulen ausgrenzt, ist es kein Erfolgsmodell mehr. Und im Endeffekt wird sich die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt auch auf die Wirtschaft auswirken, denn es fehlt dann über kurz oder lang an Nachwuchs.

Dass kaum mehr als 20 Prozent der zwei Millionen Betriebe ausbilden, obwohl 65 Prozent dazu berechtigt wären, ist gesamtgesellschaftlich kein gutes Zeichen. Der wiederkehrende Hinweis der Wirtschaft auf die ökonomische Großwetterlage und das Klagen über das angeblich schlechte Bildungsniveau mancher Bewerber wirken hier oft genug als Ablenkungsmanöver. staat und Wirtschaft müssen deshalb jetzt gemeinsam Verantwortung übernehmen und zum Beispiel auch teil- und vollqualifizierende Berufsfachschulen als praxiserprobte Alternativen fördern.


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