DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG
Bonn, 6. August 2004
Lehrerverbandspräsident Kraus zur Rückkehr der
Häuser "Springer" und "Spiegel" zur herkömmlichen Rechtschreibung
"Den Schulen droht das orthographische Abseits"
- "Jetzt müssen die Ministerpräsidenten entscheiden"
- "Moratorium einschieben und Übergangsfrist bis 2010
verlängern!"
Zur angekündigten Rückkehr der Axel Springer
AG und des Spiegelverlags zur herkömmlichen Rechtschreibung sagte Josef
Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), in einer ersten
Stellungnahme:
„Offenbar haben es weder die Politik noch die Sprachkommissionen in den
vergangenen 17 Jahren seit Beginn des Reformprozesses verstanden, eine in
breiten Schichten der Bevölkerung akzeptierte Rechtschreibreform zu
konzipieren. Insofern war es zu erwarten, daß die Frage der Rechtschreibreform
über kurz oder lang an der Schule vorbei vom Medienmarkt entschieden
wird.
Für die Schule bedeutet das, daß diese bei einem Festhalten
der Politik an der Rechtschreibreform mehr und mehr ins orthographische Abseits
gerät. Es kann aber nicht Sinn von Schule sein, etwas zu lehren, was
außerhalb der Schule kaum noch oder gar nicht mehr gilt. Schließlich
lernen die Schüler nicht für die Schule, sondern für das Leben.
Auch wenn Teile der Reform schulisch umsetzbar waren, ist die Rechtschreibung
in den Jahren seit Einführung der Reform kaum leichter geworden; vielmehr
hat sich in der Schreibung eine gewisse Beliebigkeit eingeschlichen, und
es sind neue Fehler hinzugekommen. Solide Studien, die die Erleichterungsthese
gestützt hätten, gab es nicht. Die Zahl der Rechtschreibfehler
in Aufsätzen und Diktaten hat sich nach Einschätzung von Deutschlehrern
nicht verringert; die Lesbarkeit der Schriftstücke von Schülern
hat wegen der liberalisierten Kommasetzung gelitten.“
Zur Zukunft der Rechtschreibung in den Schulen
fügte Kraus an:
„Die Schüler dürfen aus dem Hin und Her um die Reform keinen
Nachteil haben. Deshalb müssen die Ministerpräsidenten die
Rechtschreibreform, wie von mehreren CDU/CSU-Ministerpräsidenten vorgesehen,
nun zur Chefsache machen. Es wird ihnen vermutlich kaum etwas anderes übrig
bleiben, als ein Moratorium einzuschieben und die herkömmliche Rechtschreibung
wieder für verbindlich zu erklären. Andernfalls gerät der
schulische Rechtschreibunterricht in eine Glaubwürdigkeitskrise. Vor
allem für Schüler höherer Jahrgangsstufen muß die Übergangsfrist
über den 1. August 2005 hinaus um rund fünf Jahre verlängert
werden. Bis etwa zum Jahr 2010 sollten dann sowohl die herkömmliche
wie auch die seit 1998 verbindlich gelehrte reformierte Rechtschreibung als
richtig gelten. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es auch möglich, vor allem
die hinsichtlich Orthographie besonders relevanten Lese- und Sprachbücher
im Zuge der Ersatzbeschaffung erneut mit herkömmlicher Rechtschreibung
in den Schulen einzuführen. Länger als fünf bis sechs Jahre
halten Bücher in den Kernfächern ohnehin nicht, weil sie dann rein
vom Buchmaterial her verbraucht sind.“
__________________________________________
Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)
| Deutscher Lehrerverband (DL) - Burbacher
Straße 8 - 53129 Bonn - Tel. (02 28) 21 12 12 - FAX 21 12
24 |
|