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Neue
Ruhr/Neue Rhein Zeitung 5. September 2009 Bücher-Ecke Erfrischend unkorrekt Rolf-Michael Simon Er gilt als streitbar, ist es auch. Und wenn sein neues Buch als „Streitschrift” untertitelt ist, werden die Erwartungen nicht enttäuscht – in jeglicher Hinsicht. Denn bei bzw. spätestes nach der Lektüre dieses wunderbaren Buches werden einige Leute Schaum vor dem Mund haben... – dabei sollte es Schamröte sein, die ihnen ins Gesicht geschrieben steht. Aber gerade die werden dieses Buch wahrscheinlich gar nicht erst zur Hand nehmen, gar lesen, weil sie sich denken können, dass Josef Kraus ihnen ebenso gnadenlos wie unterhaltsam den Spiegel vors eigene Gesicht zwingt. Es geht natürlich um Bildung und die Frage, ob dieselbe noch zu retten sei. Und dies hat gar nichts mit dem mutmaßlichen PISA-Schock zu tun, sondern umso mehr mit tatsächlicher Bildung, mit Freiheit statt Gleichheit, mit korrekt verstandener Gerechtigkeit. Dass es dabei alles andere als (bildungs-)politisch korrekt zugeht, darf bei Kraus vorausgesetzt werden – und er enttäuscht abermals nicht. Wohlgemerkt, er polemisiert nicht, sondern fügt akribisch Fakten aneinander, wenn er, beispielsweise, Max- Planck-Bildungsforscher Jürgen Baumert in den Zeugenstand ruft. Es wäre zu wünschen, dass Kernaussagen in politisches Handeln überführt würden – dass Wissen ein großes Stück Freiheit darstellt, dass es Elite auch jenseits von Sport geben muss und dass diese keinesfalls ein Gegensatz zur Demokratie sein kann. Ein engagiertes Buch im Interesse echter Bildung. Josef Kraus: Ist die Bildung noch zu retten? Herbig Verlag, München 2009, 223 S., 16,95 € |