Verbindliche Lerninhalte und zentrale Abschlussprüfungen gefordert
Der Deutsche Lehrerverband
(DL) hat zu mehr Offenheit bei der Testung und öffentlichen Darstellung
schulischer Leistungen aufgefordert und zugleich davor gewarnt, Bildung auf
das Messbare und Verwertbare zu verkürzen. Dies sind zwei zentrale Aussagen
eines Memorandums, das der Verband jetzt unter dem Titel „Qualitätssicherung
im Schulwesen“ veröffentlicht hat. Dort heißt es ferner, dass
eine regelmäßige Überprüfung helfe, schulische Qualität
zu sichern und diese auf der Basis verlässlicher Daten zu erhöhen.
Eine Absage erteilte der Lehrerverband einem sog. Schul-Ranking, bei dem
eine Rangliste der Leistungen der Einzelschulen veröffentlicht werde.
Ein solches Verfahren sei ungerecht, denn es berücksichtige nicht, dass
die Einzelschulen im sozialen Umfeld oft sehr unterschiedliche Umstände
vorfänden.
Das wesentliche Kriterium für die Qualität von Schule müsse
der Unterrichtserfolg sein, so der Präsident des Verbandes, Josef Kraus,
und nicht die außerunterrichtliche „Begleitmusik“. Das Schulwesen habe
vielmehr die Aufgabe, konkrete Fertigkeiten und konkretes Wissen zu vermitteln.
Das setze vor allem Verbindlichkeit in den Bildungszielen und Bildungsinhalten
voraus. Der Erwerb von Schlüsselqualifikationen und allgemeinen Kompetenzen
allein sei kaum überprüfbar. Große Aussagekraft im Sinne
einer Standortbestimmung einer Schule, einer Klasse oder eines Kurses habe
darüber hinaus das Ergebnis einer zentralen Abschlussprüfung. Deshalb
sollten in allen Schulformen aller Bundesländer zentrale Abschlussprüfungen
in den wichtigsten Fächern bzw. in den maßgeblichen Profilfächern
durchgeführt werden.
Der Lehrerverband betont zugleich, dass schulische Qualität nicht zum
Nulltarif zu haben sei. Die Qualität einer Schule werde schließlich
zu erheblichen Teilen von ihrer materiellen und personellen Ausstattung bestimmt.
Eine vorbildliche Versorgung mit Lehrkräften, ein gut ausgestatteter
„Vertretungspuffer“, ein angemessener Klassenteiler bzw. angemessene Kursgrößen
sicherten Qualität.
Bei der Veröffentlichung des Memorandums warnte DL-Präsident Josef
Kraus zugleich davor, Bildung im Zuge der internationalen Schulleistungsstudie
„PISA“ nur noch als das zu definieren, was mit PISA messbar sei. Wörtlich:
„Wenn Bildung mit PISA gleichgesetzt wird, dann ist das ist ein sehr einseitiges
Verständnis von Bildung, weil es die wichtigen Aspekte der Persönlichkeitsbildung
bzw. der kulturellen Grundbildung völlig wegdrängt.“
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Waltraud Fuchs (DL)
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