Berlin, 12.08.2011
Deutscher
Lehrerverband und Bundesstiftung Aufarbeitung zum
13. August:
Mauerbau
sollte Schwerpunkt im Schulunterricht
werden
Rainer
Eppelmann und Josef Kraus warnen vor einem
„zeitgeschichtlichen Analphabetismus“
Berlin,
12.08.2011. Der
Vorstandsvorsitzende
der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Rainer Eppelmann
und der
Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus fordern
anlässlich des
anstehenden 50. Jahrestags des Mauerbaus vom 13. August 1961 gemeinsam,
in den
Schulen die Vermittlung der Zeitgeschichte der beiden Staaten in
Deutschland zu
intensivieren. Vorhandene Bildungsangebote sollten im Jubiläumsjahr
stärker
genutzt werden. Der
Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus sagte: „Das
zeitgeschichtliche Wissen der jungen Generation ist erschreckend
dürftig. Es
breitet sich mehr und mehr ein zeitgeschichtlicher Analphabetismus
aus.“ Rainer
Eppelmann erklärte: „Der 50. Jahrestag des Mauerbaus soll ein Anlass
sein, dieses
einschneidende Ereignis sowie dessen Hintergründe und Konsequenzen zu
Beginn
des neuen Schuljahrs aufarbeiten. Die ältere Generation, die den
Mauerbau und
die deutsche Teilung noch bewusst erlebt hat, ist aufgerufen, ihre
Erlebnisse
und Erfahrungen den Jüngeren mitzuteilen.“ Zugleich
wandte sich Rainer Eppelmann vehement gegen jede Art von Verklärung der
DDR und
des Mauerbaus. „Die Geschichte der deutschen Teilung und der
kommunistischen
Diktatur in Ostdeutschland muss zu einem gesamtdeutschen Thema werden“,
sagte
der Vorstandsvorsitzende der
Bundesstiftung. „Vor allem die nach 1990 geborenen Menschen sollten die
historischen Zusammenhänge verstehen lernen. Dazu gehört, dass die
SED-Herrschaft sich im August 1961 nur durch Zwang und Gewalt behaupten
konnte.“ Josef Kraus betonte: „Die DDR war ein Unrechtssystem, das
Tausende von
Menschenleben, Zigtausende von politischen Gefangenen und Millionen von
Bespitzelungen zu verantworten hat. Das muss allen Schülern im geeinten
Deutschland, in Ost und West, bewusst gemacht werden.“ Massive
Kritik übte Kraus an der Behandlung des Faches Geschichte in
Deutschland: „Der
Geschichtsunterricht nimmt in vielen Bundesländern zu wenig
Unterrichtszeit
ein. Im Vergleich zu den sogenannten Kernfächern und den zweifellos
wichtigen
MINT-Fächern wird das Fach Geschichte mit durchschnittlich zurzeit nur
1,3
Wochenstunden sträflich vernachlässigt. Das Fach Geschichte muss in den
weiterführenden Schularten aller Bundesländer wieder ein
eigenständiges,
zweistündiges Fach werden.“ Kraus wandte sich auch gegen die
Vorstellung, im
Fach Geschichte komme es nicht auf konkretes Detailwissen, sondern nur
auf
methodisches Können an. Auch im Fach Geschichte sei kanonisches
Fachwissen
notwendig. Ohne diese Kenntnisse sei die Einordnung und Bewertung
historischer
und zumal zeitgeschichtlicher Ereignisse nicht möglich. Über
das Portal www.zeitzeugenbuero.de der Bundesstiftung Aufarbeitung
können sich
Schulen und andere Bildungsträger über Zeitzeugen der SED-Diktatur
informieren
und auch selbst in den Unterricht einladen. Eine
Vielzahl von Bildungsangeboten zum Thema SED-Diktatur und deutsche
Teilung
finden sich unter: http://www.stiftung-aufarbeitung.de/bildungsarbeit-1130.html ----------------------------------------------------------------------------------------------
|