Zum
Weltalphabetisierungstag am 8.
September ruft der Deutsche Lehrerverband (DL) die auf Bundes-, Landes-
und
Kommunalebene Verantwortlichen dazu auf, die Bekämpfung des
Analphabetismus
auch in Deutschland zu forcieren.
Im
Einzelnen erklärte DL-Präsident Josef Kraus dazu:
„In einer weitgehend computer- und
maschinengestützten Arbeitswelt verschwinden immer mehr Arbeitsplätze,
die sich
Menschen ohne ausreichende Schreib- und Lesekenntnisse als Nischen
suchen
konnten. Deswegen müssen die Schulen, vor allem die Pflichtschulen, in die
Lage
versetzt werden, lese- und schreibschwache Schüler differenziert zu
fördern.
Wenn den Kindern in den Familien nicht die Freude am Lesen und am Buch
vermittelt wird, müssen die Schulen genügend personelle, finanzielle
und
zeitliche Mittel zur Verfügung haben, um dieses Defizit aufzufangen.
Ein
späteres Kurieren ist erheblich schwieriger.“
Kraus sieht gerade auch in
der in
mehreren deutschen Ländern vollzogenen bzw. geplanten Zusammenlegung
der Haupt-
und der Realschulen die Gefahr, dass gerade die im Lesen und Schreiben
schwächeren Schüler weniger Aufmerksamkeit und Förderung erfahren als
in einer
kleinen Hauptschulklasse, in der entsprechend erfahrene Pädagogen sich
um die
Lese- und Schreibdefizite ihrer Schüler intensiver kümmern können.
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Informationen
zur Lage in Deutschland:
Das Ausmaß des
Analphabetismus in Deutschland
ist höher, als jahrelang angenommen worden war. Nach einer Studie des
Bundesbildungsministeriums, die im März 2011 veröffentlicht wurde, sind
etwa
7,5 Millionen Menschen in der Altersgruppe zwischen 18 und 64 Jahre vom
funktionalen Analphabetismus betroffen; sie können allenfalls einzelne
Sätze
lesen und schreiben, sind aber schon von kürzeren zusammenhängenden
Texten
überfordert. Etwa 2,3 Millionen Menschen in dieser Gruppe können sogar
nur
einzelne Worte schreiben oder lesen. Bisher hatten die Schätzungen bei
etwa 4
Millionen funktionalen Analphabeten gelegen.
Weitere 13,3 Millionen
Erwachsenen,
die zusammenhängende Texte zwar verstehen, lesen und schreiben auch bei
gebräuchlichen Wörtern langsam und/oder fehlerhaft. Das führt häufig
dazu, dass
sie Lesen und Schreiben weitgehend vermeiden.
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Für den
Inhalt verantwortlich: Karen Ullrich, Anne Schirrmacher (DL)
Für
Stellungnahmen ist DL-Präsident Josef Kraus unter 0171
52 45 945 zu erreichen.