DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 
                                                                                                 

  Berlin, 20.02.2012   


Lehrerverband zum UNESCO-Tag der Muttersprache am 21. Februar:


„Das Beherrschen der Mutter- und Landessprache ist die Basis jeder Bildung“

- Kritik am Umgang der Bildungspolitik mit dem Schulfach Deutsch

Am 21. Februar wird weltweit der „Internationale Tag der Muttersprache“ begangen; er geht zurück auf einen Beschluss der UNESCO-Generalversammlung vom November 1999. Der Deutsche Lehrerverband (DL) hat aus diesem Anlass massive Vorwürfe gegen die Bildungspolitik in Deutschland erhoben. Josef Kraus, der Präsident des DL, beschuldigt die politisch Verantwortlichen anlässlich dieses UNESCO-Tages vor allem, den Deutschunterricht verkommen zu lassen.

Im Einzelnen sagte Josef Kraus dazu:

„Keine andere Nation geht schulisch so gleichgültig mit der eigenen Muttersprache um wie die deutsche. Während in den meisten Ländern der Welt die Landessprache als Unterrichtsfach rund ein Viertel des Gesamtunterrichts ausmacht, ist es in Deutschland nur rund ein Sechstel. Selbst an Gymnasien, die nach ihrem Selbstverständnis eigentlich Schulen der Sprachen sind, haben Schüler in manchen Klassen der Mittelstufe nur noch drei Stunden pro Woche Deutschunterricht, also weniger als ein Zehntel ihres Gesamtunterrichts.

Es kommt hinzu, dass in Deutschland bereits die Grundschullehrpläne mutter- bzw. landessprachlich auf Sparflamme eingestellt sind; hier sind in der Regel gerade eben noch 700 Wörter Grundwortschatz der mickrige Standard. Zugleich wird der Deutschunterricht in der Grundschule zugunsten eines zu diesem Zeitpunkt fragewürdigen Englischunterrichts gekürzt. In höheren Jahrgangsstufen sind anspruchsvolle Literatur und simple Gebrauchstexte im Zuge einer hohlen Kompetenzenpädagogik auf eine Ebene gestellt worden.

Der Deutschunterricht hat sich diesen Vorgaben leider angepasst und das Niveau heruntergefahren: Es gibt oft keinen verbindlichen Lektürekanon mehr; die Deutschlehrer sind gehalten, mit Texthäppchen statt mit Ganzschriften zu arbeiten; anstelle von kompletten Diktaten verlangt man von Schülern das Zustöpseln von Lückentexten; Tests im Fach Deutsch sind zu Multiple-Choice-Tests verkommen.“

Der Lehrerverband fordert die deutschen Länder auf, eine Offensive zu Gunsten des Deutschunterrichts zu starten. Nur so könne die Schule ihren umfassenden Auftrag der Persönlichkeitsbildung, einer soliden kulturellen Grundbildung und einer tragfähigen Förderung der Berufs- und Studierreife erfüllen.

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Für den Inhalt verantwortlich: Anne Schirrmacher, Karen Ullrich (DL)

 

Für Stellungnahmen ist DL-Präsident Josef Kraus unter folgender Rufnummer zu erreichen: 0171 52 45 945.


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