Am 21. Februar wird
weltweit der „Internationale Tag
der Muttersprache“ begangen; er geht zurück auf einen Beschluss der
UNESCO-Generalversammlung vom November 1999. Der Deutsche Lehrerverband
(DL)
hat aus diesem Anlass massive Vorwürfe gegen die Bildungspolitik in
Deutschland
erhoben. Josef Kraus, der Präsident des DL, beschuldigt die politisch
Verantwortlichen anlässlich dieses UNESCO-Tages vor allem, den
Deutschunterricht verkommen zu lassen.
Im
Einzelnen sagte Josef Kraus dazu:
„Keine andere Nation geht
schulisch so gleichgültig
mit der eigenen Muttersprache um wie die deutsche. Während in den
meisten
Ländern der Welt die Landessprache als Unterrichtsfach rund ein Viertel
des
Gesamtunterrichts ausmacht, ist es in Deutschland nur rund ein
Sechstel. Selbst
an Gymnasien, die nach ihrem Selbstverständnis eigentlich Schulen der
Sprachen
sind, haben Schüler in manchen Klassen der Mittelstufe nur noch drei
Stunden
pro Woche Deutschunterricht, also weniger als ein Zehntel ihres
Gesamtunterrichts.
Es
kommt hinzu, dass in Deutschland bereits die
Grundschullehrpläne mutter- bzw. landessprachlich auf Sparflamme
eingestellt
sind; hier sind in der Regel gerade eben noch 700 Wörter
Grundwortschatz der
mickrige Standard. Zugleich wird der Deutschunterricht in der
Grundschule
zugunsten eines zu diesem Zeitpunkt fragewürdigen Englischunterrichts
gekürzt.
In höheren Jahrgangsstufen sind anspruchsvolle Literatur und simple
Gebrauchstexte im Zuge einer hohlen Kompetenzenpädagogik auf eine Ebene
gestellt worden.
Der
Deutschunterricht hat sich diesen Vorgaben
leider angepasst und das Niveau heruntergefahren: Es gibt oft keinen
verbindlichen Lektürekanon mehr; die Deutschlehrer sind gehalten, mit
Texthäppchen statt mit Ganzschriften zu arbeiten; anstelle von
kompletten
Diktaten verlangt man von Schülern das Zustöpseln von Lückentexten;
Tests im Fach
Deutsch sind zu Multiple-Choice-Tests verkommen.“
Der
Lehrerverband fordert die deutschen Länder auf,
eine Offensive zu Gunsten des Deutschunterrichts zu starten. Nur so
könne die
Schule ihren umfassenden Auftrag der Persönlichkeitsbildung, einer
soliden
kulturellen Grundbildung und einer tragfähigen Förderung der Berufs-
und
Studierreife erfüllen.
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Für den Inhalt
verantwortlich: Anne Schirrmacher,
Karen Ullrich (DL)
Für
Stellungnahmen
ist DL-Präsident Josef Kraus unter folgender Rufnummer zu erreichen:
0171 52 45
945.
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