DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 
                                                                                                 

 

Berlin,  26.03.2015


DL-Präsident Josef Kraus zum „Pakt für Digitale Bildung“

„Bedeutung der digitalen Bildung nicht überschätzen –
Chancen und Risiken abwägen“

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, äußerte sich zum Papier der Bundesregierung mit dem Titel „Pakt für Digitale Bildung“ wie folgt:

„Erstens: Medienbildung ist ein wichtiger Auftrag von Schule. Die Bundesregierung soll aber nicht so tun, als seien die Schulen hinter dem Mond. Ob die Medienerziehung in den Schulen auf dem neuesten Stand von Hard- und Software stattfinden kann, hängt allerdings davon ab, inwieweit die Schulträger ihre Schulen medial gut ausstatten. Hier gibt es regional erhebliche Unterschiede.

Zweitens: Man darf die Risiken, die eine überzogene Digitalisierung von Bildung anrichtet, nicht übersehen. Schule muss die jungen Leute von der Vorstellung abhalten, mit Hilfe moderner Medien könne man sich mühelos und punktuell die gerade gebrauchten Informationen einholen. Eine solche Vorstellung verführt die jungen Leute zu Flüchtigkeit, sie provoziert Häppchenbildung und leistet einem undifferenzierten Umgang mit Sprache Vorschub. Ein so genanntes Down-load- oder Just-in-time-Wissen bringt wenig. Bildung braucht Konzentration, Ausdauer, Geduld und Ganzheitlichkeit.

Drittens: Sinnvolle Medienbildung baut auf einer intensiven Förderung des Lesens auf. Dafür braucht man zunächst vor allem Printmedien. Denn wer sich in einem Buch, in einem Lexikon oder in einer Bibliothek nicht auskennt, der kommt auch mit dem Internet nicht zurecht. Das gilt vor allem für die Grundschule. Ein Informatikunterricht in der Grundschule ist viel zu früh. In den weiterführenden Schulen freilich sollte dieses Fach wenigstens für einzelne Jahrgangsstufen zum Pflichtfach werden.

Viertens: Zu einer modernen Medienbildung gehört es, dass junge Leute auf die gravierenden Gefahren des Missbrauchs neuer Medien – zum Beispiel die Preisgabe von persönlichen Daten, Verschuldung, Cyber-Mobbing – eingestimmt werden. Die Schulen allein können das nicht leisten. Dazu brauchen die Schulen die Unterstützung durch Profis, auch zum Zwecke der Elternbildung.“


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Für den Inhalt verantwortlich: Anne Schirrmacher, Karen Ullrich (DL)

 

Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Josef Kraus unter 0171 52 45 945.



 


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