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DEUTSCHER
LEHRERVERBAND (DL) -
PRESSEERKLÄRUNG
Berlin, 17.08.2011
Massive
Kritik des Lehrerverbandes: „Bildungsmonitor
ist irreführend und
wissenschaftlich peinlich“ Warnung vor einer „Verzweckung von
Bildung“
Für
den Deutschen Lehrerverband (DL) ist der
soeben veröffentlichte Bildungsmonitor 2011 der Initiative Neue Soziale
Marktwirtschaft (INSM) „irreführend und wissenschaftlich peinlich“. Im
Einzelnen
nannte DL-Präsident Josef Kraus einige Belege für diese Kritik: „Irreführend
ist erstens, dass sich die Verantwortlichen für dieses
Monitoring
erneut von Quoten blenden lassen. Dabei müsste man doch längst wissen,
dass
sich Qualität und Quote reziprok verhalten und dass hohe Quote oft um
den Preis
einer Absenkung von Ansprüchen erkauft wird. Das Beispiel Bremens
etwa mit
dem Spitzenplatz bei der Akademisierung belegt dies. Denn dieser
vermeintliche
Spitzenplatz wird – wie alle PISA-Studien belegen – um den Preis eines
niedrigen Anspruchsniveaus erkauft. Irreführend
ist zweitens, dass in der INSM-Studie Länder beim
Faktor Integration
auf Spitzenplätzen landen, die aufgrund der Umstände keinerlei
Probleme mit
einer multiethnischen Jugend und die zudem geringe Geburtenraten
haben.
Während die drei größten Bundesländer NRW, Bayern und Baden-Württemberg
beispielsweise Migrantenanteile von 20 bis 35 Prozent haben, sind es
in
Sachsen und Thüringen zwischen drei und fünf Prozent. Irreführend
ist drittens, dass in der Studie zwar 111 Kriterien
aufgelistet werden,
eines der wichtigsten Kriterien für Bildungsqualität, nämlich die
Unterrichtsdichte, nicht vorkommt. Irreführend
ist viertens, dass mit der INSM-Studie so getan wird,
als gingen hohe Abschluss-
und Betreuungsquoten mit günstigen Wirtschaftsdaten einher. Das ist
aber
mitnichten der Fall. Die von der INSM für Bildung ausgewiesenen
Rankingplätze
der Bundesländer decken sich keineswegs mit deren ökonomischen Daten,
zum
Beispiel mit einer niedrigen Quote an Arbeitslosen bzw. an
arbeitslosen
Jugendlichen.“ Kraus
forderte die INSM auf, Studien dieser
Art zukünftig auf eine seriöse Basis zu stellen oder ganz zu
unterlassen. In
der vorliegenden Form sei „dieser Zahlen- und Ranking-Salat
wissenschaftlich
peinlich und überflüssig wie ein Kropf“. Eine solche Studie befördere
allenfalls
den Trend, Bildung immer noch mehr zu verzwecken und unter das Diktat
der Ökonomie
zu stellen. Hinweis: Der
Deutsche Lehrerverband hat sich kürzlich
auf seiner Jahrestagung 2011 in Kooperation mit der
Konrad-Adenauer-Stiftung
kritisch mit der Frage „Wozu Bildungsökonomie?“ sowie mit einer
Fixierung der
Bildungspolitik auf Testergebnisse und Quoten befasst. Die sechs
Vorträge
dieser Tagung werden demnächst in einer Dokumentation veröffentlicht.
Ferner
wird im bevorstehenden Herbst eine Studie von DL-Präsident Josef Kraus
mit dem
Titel „Das Schulleistungsgefälle in Deutschland – Fakten, Diagnosen und
Hintergründe“ erscheinen. Hinweise
zu beiden Publikationen erhalten Sie
rechtzeitig auf der Webseite des Deutschen Lehrerverbandes unter www.lehrerverband.de . ---------------------------------------------------------------------------------------------- Für den
Inhalt verantwortlich: Karen Ullrich, Anne Schirrmacher (DL) Für Stellungnahmen ist DL-Präsident Josef Kraus unter folgender Rufnummer zu erreichen: 0171 52 45 945.
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