Die
Reaktionen waren reichlich hysterisch, so dass das Datenmaterial in
seiner gesamten Fülle überhaupt nicht mehr wahrgenommen wurde - im
Grunde bis heute nicht.
Die Studie löste heftige Reaktionen aus: Was hat sich seitdem verändert?
Die
Bilanz ist durchwachsen: Positiv ist, dass allen klar wurde, dass
Leistungsanforderungen nötig sind. Negativ ist, dass wir ohne Not eine
Debatte um die verschiedenen Schultypen bekamen. Die ganze Schulpolitik
und Schulpraxis ist heute ja auf die Frage ausgerichtet: Wie schneiden
wir bei Pisa besser ab? Das führt zu einer Verarmung des Lehrstoffs.
Wenn Pisa für eine Verarmung der Bildung sorgt: Was muss in der Bildungspolitik passieren?
Wir
brauchen eine Debatte über Inhalte: Was müssen unsere Schüler in
Literatur, in Musik, in Physik können? Da müssen wir unbedingt
vorankommen, gerade auch in Bereichen, die in jüngster Zeit
unterbelichtet waren. Ich denke an Fächer wie Geschichte, Ethik oder
Kunst. In denen schneiden deutsche Schüler ja ganz gut ab. Ich würde
mir auch wünschen, dass wir bei der individuelleren Förderung der
schwächeren und der Spitzen-Schüler schneller vorankommen.
Wo sehen Sie die Schulen in der Zukunft?
Ich
halte die deutschen Schulen schon jetzt für viel besser, als es immer
wieder heißt. Aber wir werden bei Pisa 2009 wahrscheinlich weiter einen
Schritt nach vorne machen.
Interview: Maximilian Kuball
Quelle: Berliner Zeitung