DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG
Bonn, 5. Dezember 2004
Deutscher Lehrerverband (DL) zur aktuellen PISA-Studie
"20 Prozent Problemschüler heißt: Hier haben
Schulen eine Bring-
Schuld, Schüler und deren Familien eine Hol-Schuld"
- Warnung vor "boshaftem Schlechtrechnen" des deutschen
Pisa-Ergebnisses
Zu den ersten aus der aktuellen Pisa-Studie bekannt
gewordenen Daten sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes
(DL), Josef Kraus:
„Die Pisa-Studie 2003 zeigt noch deutlicher als die Pisa-Studie 2000,
dass das deutsche Bildungsproblem im Kern ein Bildungsproblem von rund einem
Fünftel der Schüler ist. Während die deutschen Gymnasien
bereits im ersten Pisa-Durchgang mit Werten über 550 Pisa-Punkten hervorragend
abschnitten und dem Vernehmen nach ihre Mathematik-Ergebnisse beim zweiten
Pisa-Durchgang teilweise noch um bis zu 50 Punkten verbesserten, erreichen
zwanzig Prozent der deutschen Schüler nur die unterste von sechs Pisa-Qualifikationsstufen.
Für Schule in Deutschland bedeutet das: Bei diesem Fünftel muss
verstärkt angesetzt werden. Allerdings reicht es nicht aus, dass die
Schulen den Problemschülern zusätzliche Förderangebote machen.
Vielmehr müssen diese Angebote auch angenommen werden. Es ist beispielsweise
aus repräsentativen Beispielen bekannt, dass sich manche Migranteneltern
vor allem der ersten Migrantengeneration weigerten, ihre Kinder an Grund-
und Hauptschulen in zusätzliche Deutschkurse zu schicken. Parallelgesellschaften
in Deutschland, das schlägt sich eben dann in Sachen Schulleistung
und in einem – wie schon bei Pisa I - um bis zu 70 Punkte unter dem Durchschnitt
liegenden Pisa-Wert nieder. Zudem ist es keine Seltenheit, dass auch deutsche
Eltern sogar einer fünfmaligen Einladung der Schule zum Gespräch
nicht Folge leisten. Vor diesem Hintergrund geht es nicht an, den Schulen
die Schuld für schwache Schulleistungen der zwanzig Prozent umfassenden
Problemklientel zuzuweisen.“
Für den Umgang von Öffentlichkeit
und Politik mit Pisa II mahnte Kraus mehr Gelassenheit und Sachlichkeit
an. Wörtlich: „Das neueste deutsche Pisa-Ergebnis hat
sich um bis zu fünf internationale Rangplätze und – was noch wichtiger
ist – um bis zu 15 Pisa-Punkte verbessert. Zudem erreichten die deutschen
Schüler im Testbereich Problemlösen mit 513 Punkten einen überdurchschnittlichen
Rang. Mehr war nicht zu erwarten, zumal die nach Pisa I deutschlandweit
angestoßenen Schulreformen erst im Herbst 2003 zu greifen begannen.
Zu diesem Zeitpunkt lag die Pisa-Testung Nummer II bereits ein halbes Jahr
zurück. Die dabei getesteten deutschen Schüler konnten also noch
kaum Nutznießer dieser Reformen sein. Wer das aktuelle Pisa-Ergebnis
trotzdem schlechtrechnet, der hat wohl boshafte Absichten und provoziert
damit, dass Pisa eines Tages nicht mehr ernstgenommen wird.“
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Für Rückfragen: Josef Kraus 0171 – 5245945
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