DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  

Bonn, 7. Dezember 2004            

Lehrerverbandspräsident Kraus kritisiert PISA-Debatte als "völlig unpädagogisch"

"Unsere Schüler brauchen Ermutigung und keine Nörgelorgien!"


Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, hat an alle Beteiligten appelliert, in der Debatte um die deutschen PISA-Ergebnisse mit zu bedenken, wie diese Debatte bei den Schülern ankommt. Wörtlich sagte Kraus:

„Die Art und Weise, wie große Teile der Politik und der Öffentlichkeit über die PISA-Leistungen unserer Schüler herziehen, ist absolut unpädagogisch. Man muss die jetzt gemessenen Schülerleistungen zwar nicht schönreden, aber wenn unsere jungen Leute ständig nur hören, dass sie angeblich nur Mittelmaß oder noch schwächer sind, dann gehen bei ihnen die Jalousien herunter. Jeder pädagogisch halbwegs Kundige weiß, dass junge Menschen zwar durchaus bereit sind, Kritik entgegenzunehmen, dass man ihnen aber auch sagen muss, wo sie etwas geleistet haben und wo sie noch das Potential haben, sich zu steigern. Kinder und Jugendliche brauchen Ermutigung, man kann sie bei ihrem Ehrgeiz packen, aber sie haben das Herumnörgeln an ihrer vermeintlichen Minderwertigkeit satt. Schließlich bietet die aktuelle PISA-Studie genug Befunde, den Heranwachsenden auch einmal zu bekunden, dass sie sich verbessert haben. Beispielsweise haben sie sich insgesamt um bis zu 15 PISA-Punkte, also in etwa um rund das Wissenspensum eines halben Schuljahres, gesteigert, die Gymnasiasten sogar um bis zu 55 Punkte.“

„Den sozial Schwachen nicht ständig einreden, nur das System sei schuld!“

Weiter sagte Kraus: „Absolut kontraproduktiv ist das Gerede um die angebliche Benachteiligung sozial Schwächerer durch das deutsche Bildungssystem. Wenn sozial schwächere Elternhäuser und deren Kinder dies ständig eingetrichtert bekommen, dann erschlägt dies vielfach deren Willen, eigene Lernpotentiale zu nutzen. Nicht wenige machen es sich dann bequem in der Haltung, dass man ja für seinen Bildungsstand nicht verantwortlich sei, es sei ja durch das System so gekommen. Es muss uns vielmehr gelingen, auch solche Menschen zu Anstrengungen zu motivieren und an ihre Holschuld in Sachen Bildung zu erinnern.“
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)


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