Lehrerverband zur aktuellen PISA-Auswertung:
"Die interessantesten Daten sind nach wie vor nicht veröffentlicht"
| 1. |
Die interessantesten
Ergebnisse sind in dieser Zusammenfassung erneut nicht enthalten, nämlich
die Leistungsdaten der Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen im innerdeutschen
Vergleich. Nachdem im Frühsommer 2002 die Ergebnisse der Gymnasien im Vergleich
der Bundesländer vorgelegt worden waren, wäre es nun an der Zeit und möglich
gewesen, auch die Daten der nichtgymnasialen Schulformen zu veröffentlichen.
Man kann nur hoffen, dass dies in der angekündigten 400 Seiten umfassenden
Gesamtstudie erfolgt. Andernfalls drängt sich der Eindruck auf, es könnten
Daten aus politischen Opportunitätsgründen zurückgehalten werden. |
| 2. |
Interessant ist, dass
das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hier erstmals Referenzdaten
aus Schulstudien von 1968/69 heranzieht. Demnach sind im Bereich Gymnasien
vor allem die beiden Stadtstaaten Hamburg und Bremen dramatisch zurückgefallen,
während sich Bayern in der Spitzenposition behauptete. |
| 3. |
Völlig unzulässig
ist die Behauptung einiger erster Interpreten, die Notengebung in den Schulen
sei willkürlich. Wenn Schüler mit ein und derselben PISA-Testleistung in
den Schulzeugnissen in Mathematik unterschiedliche Noten haben, so ist dies
zunächst völlig erwartungsgemäß, denn in PISA wurden nicht konkrete Schulleistungen
gemessen, sondern Basisqualifikationen. Im Grunde entspricht das der Tatsache,
dass Schüler mit vergleichbarem Intelligenzquotienten sehr unterschiedliche
Noten haben können. Näher zu analysieren ist vielmehr die Frage, inwieweit
die Notengebung von Bundesland zu Bundesland differiert. Aus der TIMS-Studie
und aus der Erfahrung mit Schülern, die während ihrer Schullaufbahn das Bundesland
wechseln, weiß man hinreichend, dass dies der Fall ist. Zudem ist die Variabilität
in der Notengebung vor allem in Bundesländern mit relativ unverbindlichen
Lehrplänen und ohne zentrale Abschlussprüfung besonders ausgeprägt. Es ist
also dringend notwendig, die Erarbeitung von bundesweit akzeptierten Standards
zu forcieren und neben Jahrgangsstufentests landeseinheitliche zentrale Abschlussprüfungen
zu etablieren. |
| 4. |
Spätestens jetzt müsste
klar sein, dass es den Bundesländern in unterschiedlichem Maße gelingt, Migrantenkinder
schulisch zu integrieren. Wenn Migranten schulisch vor allem in den süddeutschen
Ländern erfolgreicher sind, dann ist das eindrucksvoller Beweis gegen die
immer wieder aufgetischte Behauptung, Bayern und Baden-Württemberg mit ihren
gegliederten Schulsystemen würden sozial selektieren. |
| 5. |
Besorgniserregend ist der Befund, dass die Schüler der neuen Länder signifikant seltener bereit sind, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Dies muss ein nachhaltiger Impuls für alle Erzieher in den ostdeutschen Elternhäusern und Schulen sein. |
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