Der Präsident des
Deutschen
Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, nimmt zu den heute veröffentlichten
PISA-Ergebnissen der Schüler in Deutschland wie folgt Stellung:
„Die aktuellen
PISA-Ergebnisse sind
erfreulich, aber im Grunde nicht überraschend, denn bereits bei den
PISA-Testungen 2003 und 2006 haben sich Verbesserungen ergeben, so dass
Deutschland selbst hochgerühmte Bildungsländer wie Schweden erreichte
oder übertraf.
Dass Schüler in Deutschland im Bereich Leseverständnis vergleichsweise
schwächer abschneiden als in den Bereichen Mathematik und
Naturwissenschaften,
ist nicht verwunderlich. Schließlich ist Deutschland wie kaum ein
anderes Land
geprägt von sprachlichen Parallelgesellschaften. Wenn ein nennenswerter
Teil
der Schüler aber Probleme mit dem Deutschen hat, können die Ergebnisse
im
Leseverständnis kaum besser sein. Das ist eine unvermindert große
Herausforderung an Vorschule und Schule. Hier muss es zudem endlich
gelingen,
gerade Migrantenfamilien bzw. deren Kinder für das Erlernen solider
Deutschkenntnis zu gewinnen.
Ansonsten sollte
man in Deutschland
endlich aufhören, PISA-Ergebnisse miesmacherisch wie eine nationale
Tragödie zu
diskutieren. Man sollte PISA gelassen auch als das sehen, was es ist:
ein Test,
der einen kleinen Ausschnitt aus dem schulischen Lerngeschehen misst.
Mit
umfassender Allgemein- oder Persönlichkeitsbildung hat PISA nichts zu
tun. PISA
ist auch völlig ungeeignet, um Korrelationen zwischen sozialer Herkunft
und
Bildungsabschluss herzustellen. PISA testet schließlich
Fünfzehnjährige; PISA
erfasst damit weder die vielen Wege vertikaler Durchlässigkeit des
deutschen
Bildungswesens noch die Hälfte der Studierberechtigten, die diese
Berechtigung
außerhalb eines Gymnasiums erwerben.
Die
drängendsten Probleme des
deutschen Schulwesens können im übrigen von PISA nicht wiedergegeben
werden.
Nämlich dass es nach wie vor zu viele Klassen mit 30 und mehr Schülern
gibt und
dass in einigen Fachbereichen Lehrer fehlen, zum Beispiel an den
allgemeinbildenden Schulen in den Naturwissenschaften und an den
berufsbildenden Schulen in technologischen und kaufmännischen Fächern.“
__________________________________________
Für den
Inhalt
verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)