DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

 
Aus dem KÖLNER STADT-ANZEIGER vom 30. November
2007

  "Wir sind auf dem richtigen Weg"

Interview mit DL-Präsident Josef   K r a u s


KÖLNER STADT-ANZEIGER:
Herr Kraus, freuen Sie sich über die bessere Platzierung Deutschlands im PISA-Test?

JOSEF KRAUS: Das Ergebnis ist ein kleiner Grund zur Freude, ja. Vor allem freue ich mich für unsere Schüler, die langsam nicht mehr hören konnten, dass sie so schlecht sind und dass die Finnen oder die Russen sehr viel besser sind als sie. Als Pädagoge würde ich darunter- schreiben: Weiter so! Es ist kein Grund, sich zurückzulehnen, aber ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Welche Maßnahmen haben denn Ihrer Meinung nach zu einer Verbesserung geführt?

KRAUS: Zunächst haben die Kultusminister sich endlich auf einheitliche Bildungsstandards geeinigt. Das hatte wohl motivierenden Charakter für die schlechteren Bundesländer. Da gab es ja Bundesländer, die nach eher beliebigen Rahmenplänen unterrichtet haben. Die haben sich durch die einheitlichen Standards jetzt nach der Decke gestreckt. Außerdem haben wir unsere Schüler in den vergangenen Jahren daran gewöhnt, nicht nur Detailfragen zu beantworten, sondern komplexe Probleme zu bearbeiten.

Glauben Sie, dass der Streit um die Frage des richtigen Schulsystems nun abebbt?

KRAUS: Für mich war diese Frage immer zweitrangig. Die deutsche Gesamtschule ist nicht leistungsfähig. Da ist es mir egal, ob die finnische Gesamtschule funktioniert oder nicht. Deren Rahmenbedingungen, etwa zwei Prozent Migrantenkinder, sind so weit von unserer Wirklichkeit entfernt, dass sich ein Vergleich diesbezüglich gar nicht ziehen lässt.

Der OECD-Bildungskoordinator Andreas Schleicher meint, man könne nicht von einem positiven Trend sprechen, weil die Pisa-Tests gar nicht vergleichbar seien.

KRAUS: Was der sich erlaubt, ist hanebüchen. Scheinbar sind für Herrn Schleicher nur schlechte deutsche Ergebnisse gute Ergebnisse. Manche fordern ja jetzt schon seinen Rücktritt. Das lese ich gerne. Die OECD müsste doch dafür sorgen, dass der Test eine Längsschnittanalyse erlaubt. Schließlich macht er doch nur dann Sinn, wenn ich sehe, wie sich ein Land entwickelt.

Das Gespräch führte
Claudia Lehnen


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