DEUTSCHER LEHRERVERBAND
(DL) - PRESSEERKLÄRUNG
Bonn, 15. September 2004
Lehrer kritisieren OECD-Bildungsstudie
als "in weiten Teilen wertlos":
"Die OECD ignoriert mit der
beruflichen Bildung das Herzstück des deutschen Qualifikationssystems"
Heftige Kritik hat der Deutsche Lehrerverband
(DL) an der OECD-Bildungsstudie „Bildung auf einen Blick“ geübt. In
einer ersten Stellungnahme bewertete DL-Präsident Josef Kraus die Studie
wie folgt:
„Die Art und Weise, wie die OECD alljährlich Halbwahrheiten über
das deutsche Bildungswesen verbreitet, ist skandalös. Jedes Jahr werden
die gleichen einseitigen Statistiken verbreitet. Und jedes Jahr wird das
Herzstück des deutschen Qualifikationssystems ignoriert, nämlich
die berufliche Bildung.
Die OECD ist offenbar nicht lernfähig, sonst könnte sie nicht
immer wieder international Zahlen vergleichen, die nicht vergleichbar sind.
Dies betrifft insbesondere die Angaben über Studentenanteile und Akademikerquoten.
In Deutschland gelangen siebzig Prozent der jungen Leute über eine
weltweit anerkannte und hochgeschätzte berufliche Bildung in den Beruf.
Dieses Qualifikationssystem ist unter anderem der Grund dafür, dass
die Quote arbeitsloser Jugendlicher in Deutschland deutlich niedriger ist
als in anderen Ländern.
Die in Deutschland über die duale oder über eine vollzeitschulische
Berufsbildung erworbene Qualifikation braucht den Vergleich mit einer Hochschulbildung
vieler anderer Länder überhaupt nicht zu scheuen. Während
etwa die Ausbildung zur Krankenschwester oder zur Erzieherin in Deutschland
auf dem Weg der Berufsbildung stattfindet, gilt diese Ausbildung in vielen
anderen Ländern als Hochschulausbildung.
Die OECD sollte diese Fakten endlich berücksichtigen und nicht ständig
gebetsmühlenhaft die seit den 80er Jahren längst überholte
Ideologie aufwärmen, als beginne der Mensch erst mit Abitur und Studium.“
Abschließend sagte Kraus: „Dass unsere Klassen in Deutschland zu
groß sind und dass das deutsche Schulsystem unterfinanziert ist, wissen
wir längst. Aber die fast 800.000 Lehrer in Deutschland sind nicht
bereit, sich alljährlich von der OECD ihre engagiertes Arbeiten schlecht
reden zu lassen.“
_____________________________
V.i.S.d.P.: Annerose Heinrich (DL)
| Deutscher
Lehrerverband (DL) - Burbacher Straße 8 - 53129 Bonn
- Tel. (02 28) 21 12 12 - FAX 21 12 24 |
|