Massive Kritik hat der Deutsche Lehrerverband (DL) an der
aktuellen OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2009" geübt. In
dieser Studie mahnt die OECD an, Deutschland müsse mehr Akademiker
"produzieren". Verbandspräsident Josef Kraus wies diese
Einschätzung als "höchst einseitig und ignorant" zurück.
Wörtlich sagte Kraus:
"Die OECD hat erneut bewiesen, dass für sie Quote vor Qualität und Pauschalität vor Differenzierung geht.
Die
OECD muss endlich zur Kenntnis nehmen, dass in Deutschland zwei Drittel
der jungen Leute ihren Weg in die berufliche Existenz über eine
weltweit anerkannte berufliche Bildung nehmen. Das ist auch der Grund
dafür, dass Deutschland mit weniger als zehn Prozent eine der
international niedrigsten Quoten jugendlicher Arbeitsloser hat. Andere
Länder dagegen, die mit hohen Quoten an so genannten Akademikern
vermeintlich glänzen, liegen hier bei erschreckenden 20 und mehr
Prozent. Zugleich beweisen etwa Bayern, Österreich und die
Schweiz, dass auch niedrige Akademikerquoten mit besten
Wirtschaftsdaten einhergehen.
Die
OECD ignoriert zudem, dass die Wertschöpfung der deutschen
Volkswirtschaft zu erheblichen Teilen aus dem Mittelstand kommt. Dieser
wiederum trägt sich vor allem mit beruflich hervorragend
qualifizierten Leuten, die keine Hochschule besucht haben.
Die
OECD sollte schließlich zur Kenntnis nehmen, dass in vielen
anderen Ländern der Welt und Europas formale Hochschulzertifikate
für Abschlüsse vergeben werden, für die in Deutschland
eine berufliche Bildung, zum Beispiel an einer Fachschule, steht. Wenn
etwa in Finnland oder in den USA die Berufe der Krankenschwester und
der Kindergartenerzieher einen Hochschulstempel tragen, in Deutschland
bei mindestens gleicher Qualifikation aber nicht, so zeigt dies, wie
sehr die OECD ständig statistische Artefakte in die Welt setzt."