Lehrerverband übt heftige
Kritik an OECD-Lehrerstudie
Heftige
Kritik hat der Deutsche Lehrerverband (DL) an der heute veröffentlichten
Lehrerstudie der OECD geübt. In einer ersten Stellungnahme sagte DL-Präsident
Josef Kraus zu einzelnen Punkten der Studie:
Zur Erhebungsmethode: „Diese Studie
hat eine äußerst dürftige Basis. Die Tätigkeit von fast
800.000 Lehrern an Deutschlands 42.000 Schulen ist viel zu komplex, als dass
sie von einer Handvoll sogenannter OECD-Experten an zehn Schultagen bei einer
Rundreise durch vier Bundesländer und beim Besuch von acht Schulen erfasst
werden könnte. Daraus weitreichende Schlussfolgerungen zu ziehen ist
höchst unseriös.“
Zur Bezahlung deutscher Lehrer: „ Die
deutschen Lehrergehälter sind im wesentlichen Abbild des Lohngefüges
im gesamten deutschen Beschäftigungssystem. Alle Berufsgruppen und Leistungsempfänger
in Deutschland gehören im weltweiten Vergleich zu den jeweiligen Spitzengruppen;
das gilt für den Industriearbeiter ebenso wie für den Sozialhilfeempfänger.
Außerdem liegt die Arbeitszeit der deutschen Lehrer international im
oberen Bereich.“
Zum Beamtenstatus deutscher Lehrer: „Der
Beamtenstatus steht für Unterrichtsgarantie sowie für pädagogische
und politische Unabhängigkeit der Lehrer. Angestellte Lehrer dagegen
sind streikberechtigt. In vielen Ländern der OECD entfällt deshalb
jedes Jahr an vielen Tagen der Unterricht. Ansonsten bietet auch das Beamtenrecht
hinreichend Möglichkeiten zur Belohnung bzw. zur Sanktionierung der Lehrer.
In mehreren Bundesländern gibt es eine regelmäßige periodische
Beurteilung durch die Dienstvorgesetzten der Lehrer; davon hängt es
dann unter anderem ab, ob ein Lehrer befördert wird oder eine Prämie
erhält.“
Zum Engagement der deutschen Lehrer in Sachen Fortbildung:
„Das gesamte Fortbildungsgeschehen in Deutschlands Schulen ist seitens der
OECD überhaupt nicht erfassbar. Der größte Teil der Lehrerfortbildung
findet im regionalen oder im Rahmen der Einzelschulen statt. Dazu gibt es
keine Statistiken. Faktum ist, dass jeder Lehrer pro Jahr de facto mindestens
drei Fortbildungstage nutzt. In manchen Bundesländern ist dies sogar
vorgeschrieben.“
Zum Durchschnittsalter deutscher Lehrer:
„Wenn Lehrer mit 28 Jahren in ihren Beruf kommen und das Ruhestandsalter bei
62 Jahren liegt, dann ist das Durchschnittsalter der Lehrerschaft bei ausgewogener
Altersstruktur rein rechnerisch 45 Jahre; davon liegt Deutschland nicht weit
entfernt. Ansonsten ist es seitens der OECD in hohem Maße diskriminierend
so zu tun, als seien ältere Lehrer schlechtere Lehrer. Wenn wir in Deutschland
ein Problem haben, dann damit, dass der Lehrerberuf für junge Leute
nicht mehr attraktiv genug ist und es deshalb schwerfallen wird, in den kommenden
zehn Jahren die in dieser Zeit mehr als 300.000 aus Altersgründen ausscheidenden
Lehrer zu ersetzen.“
Grundsätzliches zu den OECD-„Studien“: „Die
OECD sollte endlich aufhören, sich als allwissendes Über-Ministerium
für Deutschlands Schulen zu inszenieren. Das von ihr geradezu kultivierte
Schlechtreden und Schlechtrechnen des deutschen Schulwesens ist mittlerweile
zum Teil des deutschen Bildungsproblems geworden,“ so Kraus abschließend.
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)