Heftige Kritik an
Vorabberichten zu einer OECD-Bildungsstudie
"Erhebung
und Interpretation der Daten wissenschaftlich völlig untragbar“
"Das
Schlechtreden des Bildungswesens wird zum Kern des Bildungsproblems“
Der Deutsche
Lehrerverband (DL) hat die ersten Darstellungen der in Arbeit befindlichen
OECD-Lehrerstudie „Attracting, Developing and Retaining Effective Teachers“
heftig kritisiert.
Wörtlich
erklärte DL-Präsident Josef Kraus dazu:
„Wenn das Ergebnis
solcher Studien ist, dass u. a. von einschlägig interessierten Journalisten
kübelweise Beschimpfungen über Deutschlands Schulen und Lehrer
ausgeschüttet werden, dann sind solche Studien das Papier nicht wert,
auf dem sie gedruckt werden.
Die anstehende OECD-Studie
kann ansonsten deshalb nicht als seriös gelten, weil die Datenerhebung
in wissenschaftlich untragbarer Weise zustande kam: Das internationale Expertenteam
zur Begutachtung des deutschen Schulwesens bestand aus einem Spanier, einem
Ungarn, einem Schweden und einem Engländer – vier Leuten also, die in
ihren Herkunftsländern nur einheitliche Schulsysteme kennen. Das Team
hat zudem von 42.000 deutschen Schulen in gerade eben zehn Schultagen ganze
acht Schulen in vier von sechzehn Bundesländern (Hamburg, Brandenburg,
Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen) besucht. Das Team hat darüber
hinaus bereits im September 2003 bei der Befragung deutscher Experten den
Eindruck vermittelt, dass es die Vielfalt des deutschen Bildungswesens weder
durchschauen könne noch durchschauen wolle. Die Art und Weise, wie das
deutsche Schulwesen nunmehr abgekanzelt werde (deutsche Schüler und Lehrer
als „Marionetten“), erinnert zudem an die Kampfvokabeln der 70er Jahre. Das
hat mit Wissenschaft nichts mehr, mit Ideologie aber sehr viel zu tun.
Nachdem wir in den
vergangenen zwei Jahren in Deutschland mit in der Summe mittlerweile dreitausend
Seiten an so genannten Bildungsgutachten zugeschüttet worden sind, ist
der hauptsächliche Effekt solcher neu inszenierten Horrormeldungen, dass
man sie nicht mehr ernst nimmt. Das dämpft auch dort die Reformbereitschaft,
wo sie notwendig wäre.
Generell ist in Deutschland
jetzt ein Zustand erreicht, wo das Schlechtreden von Schule und Lehrerberuf
zum Kern des Bildungsproblems wurde.“
__________________________________________ Für den Inhalt
verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)