Von Josef K r a u s
Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)
Lehrermangel - das ist kein Sommerlochthema. Es handelt sich hier
vielmehr um ein erstes Problem, das auf die Schulen im Schuljahr
2009/10 zukommt. Ob im neuen Schuljahr nun 30 000 oder gar 40 000
Lehrer fehlen werden, mag einen Streit der Statistiker wert sein. In
jedem Fall geht es hier um deutschlandweit 700 000 bis zu 1 000 000
Unterrichtsstunden pro Woche, die gefährdet sind. Planerisch
erschwerend kommt hinzu, dass die Lehrer nicht quer durch alle
Fachbereiche fehlen, sondern ganz besonders in den
naturwissenschaftlichen Fächern, in der Mathematik, in der
Informatik, im Fach Latein sowie an den beruflichen Schulen in der
Elektrotechnik, Metalltechnik und der Wirtschaftspädagogik.
Die Kritik an den Kultusministern ob deren miserabler Personalplanung
ist berechtigt, sie hilft aber ad hoc nicht weiter. Also ist die
Kreativität der Schulen gefordert. Ohne deren Findigkeit wäre
das System Schule längst zusammengebrochen. So werden die Schulen
auch im kommenden Schuljahr in den betroffenen Fächern sogenannte
Nebenberufler rekrutieren: pensionierte Lehrer, Ingenieure oder auch
Diplom-Informatiker.
Das klingt nach Notlösung, und das ist es auch. Die Alternative
freilich hieße Unterrichtsausfall, zumindest
Unterrichtskürzung oder größere Klassen. Also
rücken - wie schon seit zwei Jahren - erneut Ingenieure in die
Schulen ein, um die eine oder andere Klasse in Mathematik, Physik oder
Chemie zu übernehmen. Für die schulische Stundenplanung ist
das ein schwieriges Unterfangen, denn die "Hilfslehrer" müssen ja
auch in ihrem Hauptberuf präsent sein. Außerdem stehen diese
Zusatzlehrer meist nur für vier oder sechs Stunden pro Woche zur
Verfügung.
Konkret heißt das: um etwa eine fehlende Mathematik- oder
Physik-Lehrkraft zu ersetzen, braucht man fünf Ingenieure als
"Nebenberufler". Die Erfahrungen damit sind nicht ganz so schlecht,
denn unter diesen Ersatzleuten gibt es auch pädagogische Talente.
Eine Dauerlösung aber kann es nicht sein. Denn es ist nicht so,
dass jeder einfach aus dem Stand als Lehrer arbeiten kann. Eine
entsprechende Ausbildung braucht es schon.