DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

 Kolumne aus dem "Handelsblatt" vom 7. September 2009

Ernste Notlage für Schulen

Von Josef   K r a u s
 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)



Lehrermangel - das ist kein Sommerlochthema. Es handelt sich hier vielmehr um ein erstes Problem, das auf die Schulen im Schuljahr 2009/10 zukommt. Ob im neuen Schuljahr nun 30 000 oder gar 40 000 Lehrer fehlen werden, mag einen Streit der Statistiker wert sein. In jedem Fall geht es hier um deutschlandweit 700 000 bis zu 1 000 000 Unterrichtsstunden pro Woche, die gefährdet sind. Planerisch erschwerend kommt hinzu, dass die Lehrer nicht quer durch alle Fachbereiche fehlen, sondern ganz besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern, in der Mathematik, in der Informatik, im Fach Latein sowie an den beruflichen Schulen in der Elektrotechnik, Metalltechnik und der Wirtschaftspädagogik.

Die Kritik an den Kultusministern ob deren miserabler Personalplanung ist berechtigt, sie hilft aber ad hoc nicht weiter. Also ist die Kreativität der Schulen gefordert. Ohne deren Findigkeit wäre das System Schule längst zusammengebrochen. So werden die Schulen auch im kommenden Schuljahr in den betroffenen Fächern sogenannte Nebenberufler rekrutieren: pensionierte Lehrer, Ingenieure oder auch Diplom-Informatiker.

Das klingt nach Notlösung, und das ist es auch. Die Alternative freilich hieße Unterrichtsausfall, zumindest Unterrichtskürzung oder größere Klassen. Also rücken - wie schon seit zwei Jahren - erneut Ingenieure in die Schulen ein, um die eine oder andere Klasse in Mathematik, Physik oder Chemie zu übernehmen. Für die schulische Stundenplanung ist das ein schwieriges Unterfangen, denn die "Hilfslehrer" müssen ja auch in ihrem Hauptberuf präsent sein. Außerdem stehen diese Zusatzlehrer meist nur für vier oder sechs Stunden pro Woche zur Verfügung.

Konkret heißt das: um etwa eine fehlende Mathematik- oder Physik-Lehrkraft zu ersetzen, braucht man fünf Ingenieure als "Nebenberufler". Die Erfahrungen damit sind nicht ganz so schlecht, denn unter diesen Ersatzleuten gibt es auch pädagogische Talente. Eine Dauerlösung aber kann es nicht sein. Denn es ist nicht so, dass jeder einfach aus dem Stand als Lehrer arbeiten kann. Eine entsprechende Ausbildung braucht es schon.


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