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Kolumne aus dem "Handelsblatt" vom 25. Juli 2008
Bedrohlicher Lehrermangel
Von Josef K r a u s
Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)
Wenn
es nach Stammtischen ginge, dürfte es keinen Mangel an Lehrern
geben. Denn angeblich haben Lehrer den bestbezahlten unkündbaren
Halbtagsjob der Welt. Junge Leute wissen es besser, sonst hätten
wir keine Engpässe beim Lehrernachwuchs. Aber bereits
Achtzehnjährigen ist bekannt, dass der Lehrerberuf weder materiell
noch ideell sonderlich attraktiv ist. Man beginnt als 26-jähriger
Referendar mit rund 1000 Euro monatlich, um dann in Lehrämter
einzusteigen, die oft keinerlei Aufstiege bieten. Das von nicht wenigen
Politikern und Publizisten verbreitete Image von Lehrern als „faulen
Säcken“, eine oft überdimensionale Arbeitsbelastung, eine in
Teilen der Elternschaft praktizierte Klagewut gegen jede unliebsame
schulische Entscheidung sowie der Mangel vieler Kinder an
rudimentären Umgangsformen tun ein Übriges. Wer will da noch
Lehrer werden? Folge: Den Schulen bleibt der Nachwuchs weg.
Dabei wäre Nachwuchs dringend
nötig, immerhin gehen von den derzeit 800.000 aktiven deutschen Lehrern in den
kommenden zehn Jahren weit mehr als 300.000 in den Ruhestand. Die 16 deutschen
Länder hätten es wissen können, denn die Altersstruktur der Lehrerschaft ist
bekannt. Recht verlässliche Größen sind auch die Schülerzahlen, die
Klassenstärken, die notwendigen Unterrichtsstunden und die
Arbeitszeitregelungen. Auf dieser Basis hätte man seitens der Politik
differenzierte Bedarfsprognosen erstellen und entsprechende Werbemaßnahmen
ergreifen können. Weil das sträflich unterblieb, fehlen nun vor allem Lehrer der
Fächer Mathematik, Physik, Latein an allgemeinbildenden und der Fächer
Elektrotechnik, Metalltechnik, Informationstechnik, Wirtschaft an
berufsbildenden Schulen.
Jetzt sind suboptimale Lösungen gefragt: der Rückgriff
auf pensionierte Lehrer, die Anstellung von nicht-pädagogisch qualifizierten
Hochschulabsolventen, Quereinsteigerprogramme. Teilweise muss der Mangel bereits
mit Kürzungen in den Unterrichtsstunden kompensiert werden. Keine gute
Perspektive für die Bildungsnation!
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