Interview mit dem Bayerischen Rundfunk vom 7. April 2006
Elektronik an der Schule
Verbot auch für MP3-Player
Nach
dem Handynutzungsverbot will Kultusminster Schneider jetzt auch alle
anderen digitalen Geräte wie z. B. MP3-Player an Schulen
verbieten. Diese Initiative stößt bei SPD und Lehrern auf scharfe
Kritik. Der Vorsitzende des Lehrerverbands, Josef Kraus, kritisierte
den Vorstoß als übertriebenen Aktionismus. "Da wird gemimt, dass man
die Sache im Griff hat", so Kraus.
In der Praxis sei das Verbot auch schlicht nicht durchsetzbar. "Ein
MP3-Player ist zwei mal fünf Zentimeter groß. Sollen wir demnächst
Leibesvisitationen vornehmen oder Metalldetektoren einsetzen?" fragte
Kraus im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.
Schüler unter Generalverdacht
Davon
abgesehen, so Kraus, sei das Ganze unangemessen:"Millionen von Schülern
werden hier unter einen Generalverdacht gestellt, als ob sie nicht mit
den neuen Kommunikationstechniken umgehen könnten," so Kraus, der auch
noch Direktor des Montgelas-Gymnasiums in Vilsbiburg ist. Auch der
SPD-Bildungsexperte Hans-Ulrich Pfaffmann kritisierte den Vorstoß des
Ministers. Schneider habe "wirklich jedes Augenmaß verloren", so
Pfaffmann.
Der
Grund für das MP3-Player-Verbot sei, so das Kultusministerium, dass mit
den Geräten insgeheim Aufnahmen vom Geschehen im Unterricht gemacht
werden könnten, und diese dann missbräuchlich verwendet werden könnten.
Problem ist nicht neu
Das
weist Josef Kraus aber umgehend zurück: "Das hätte man vor 20 Jahren
auch schon mit dem Walkman machen können". Er plädiert dafür, ein wenig
Luft aus der Diskussion zu nehmen. "Überzeugungsarbeit bewirkt bei den
allermeisten Schülern immer noch am meisten".
Auslöser für das Verbot: Gewalt- und Pornovideos
Auslöser des Verbots waren Gewalt- und Pornovideos, die einige Schüler
auf ihre Handys geladen hatten. Bei einer Razzia vor einigen Wochen
hatte die Polizei an der Hauptschule in Immenstadt 200 Handys
beschlagnahmt, auf 16 Mobiltelefonen fanden die Beamten
gewaltverherrlichende Videos.
Kurz
darauf wurden auch an einer Schule in Kaufbeuren drei Handys mit
Porno-, Gewalt- und Sodomievideos entdeckt. Auch an Schulen in
Augsburg, München und im Landkreis Fürstenfeldbruck hat es derartige
Fälle gegeben. Einige Schüler aus Immenstadt hatten ausgesagt, sie
hätten unter dem Gruppenzwang gelitten, sich die brutalen Pornos
anschauen zu müssen.
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