23.
April 2010
Lehrerverbandspräsident Kraus beim Runden Tisch "Missbrauch"
Anlässlich des Runden Tisches
gegen Missbrauch von Heranwachsenden hat Lehrerverbandspräsident Josef Kraus
als Teilnehmer dieser Runde fünf Bewertungen und Forderungen formuliert:
"Erstens: Die
Lehrerschaft in Deutschland lehnt jede Form von Missbrauch und
Misshandlung von Heranwachsenden kategorisch ab. Wir Lehrer wollen
keine Pädosexuellen und Schläger unter uns haben.
Zweitens: Wir
wehren uns gegen den
Generalverdacht, unter Lehrern seien Pädosexuelle und Sadisten
überrepräsentiert. Initiativen wie Eignungstests und
erweiterte Führungszeugnisse, die mit Blick auf mögliche
pädosexuelle Neigungen angeregt wurden, halten wir im Kontext von
Missbrauch/Misshandlung für nicht zielführend.
Verlässliche Eignungstests, mit denen entsprechende Neigungen mit
einem vertretbaren Aufwand erfasst werden könnten, gibt es nicht;
erweiterte Führungszeugnisse
würden zudem allenfalls neu einzustellende Lehrer erfassen.
Drittens: Wir erwarten eine kritische
Reflexion bestimmter reformpädagogischer Ansätze - vor allem hinsichtlich ihres
Verständnisses von pädagogischem Eros und ihres Selbstverständnisses als
Familie.
Viertens: Wir erwarten gemäß Grundgesetz
Artikel 7 eine konsequente Anwendung der Möglichkeiten der staatlichen
Schulaufsicht auch gegenüber Schulen in freier Trägerschaft. Hier darf es keine
ökopädagogischen Nischen und keine Staaten im Staate geben.
Fünftens: Wir wünschen eine Stärkung des
Sensoriums der Schulen für Misshandlung und Missbrauch gerade auch außerhalb
der Schulen. Dazu empfehlen wir lokale Runde Tische, die von den Jugendämtern
initiiert werden und bei denen Schulleiter, schulische Beratungskräfte und
Vertrauenslehrer geschult werden."