Zur aktuellen Veröffentlichung der OECD
in Sachen Lernerfolg von Migranten nimmt der Präsident des Deutschen
Lehrerverbandes, Josef Kraus, wie folgt Stellung:
„Die OECD tischt einmal mehr Halbwahrheiten auf und tut so, als handle es sich hier um neue Daten. Vor allem ist es nicht seriös, wenn der OECD-Sprecher die Datenpräsentation mit persönlichen Wertungen, etwa einem Plädoyer für Schuluniformen, verbindet und die Rütli-Schule für seine Einheitsschul-Ideologie instrumentalisiert. Seriös wäre es vielmehr, folgende Fakten zu berücksichtigen:
Erstens: Die schulische Integration von Migrantenkindern gelingt in Deutschland nicht weniger schlecht als in den meisten anderen OECD-Ländern. Die PISA-Leistungen von Kindern mit Migrationshintergrund liegen nämlich im OECD-Durchschnitt um 36 Punkte hinter dem jeweiligen Landeswert. Migrantenkinder in Deutschland haben hier ein Minus von 40 Punkten. Nur in Australien, Kanada und in den USA sieht das anders aus; dort erzielen Migrantenkinder in etwa dieselben PISA-Werte wie die Kinder ohne Migrationsgeschichte. Allerdings ist das in diesen drei Einwanderungsländern wohl weniger eine Leistung der Schulen, sondern Ergebnis einer anderen Migrationspolitik und einer anderen Haltung der Migranten zu Fragen der Integration und zur Landessprache des Einwanderungslandes. Dort, wo der Ausländeranteil vergleichbar mit Deutschland ist, sprechen die Migrantenkinder in der Regel die jeweilige Landessprache, in England eben englisch und in Frankreich französisch. Anders in Deutschland: Hier tun sich immer noch zu viele Migrantenkinder mit dem Deutschen schwer.
Zweitens: Gerade das vielgerühmte und zum PISA-Mythos hochstilisierte Finnland hat erhebliche Probleme mit Migrantenkindern, wiewohl von den finnischen Schülern nur 1,2 Prozent Eltern haben, die beide im Ausland geboren sind. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 15,2 Prozent der Schüler, deren Eltern beide im Ausland geboren sind. Selbst mit seinen wenigen Migrantenkindern kommt das finnische Schulwesen schlechter zurecht als das deutsche. Während die PISA-Leistung von Kindern mit Migrationshintergrund im OECD-Durchschnitt um 36 Punkte hinter dem jeweiligen Landeswert liegt, weisen finnische Migrantenkinder einen Rückstand von 68 Punkten hinter dem finnischen PISA-Wert aus. Deutschland liegt mit 40 Punkten Migrantenrückstand im OECD-Durchschnittsbereich.
Drittens:
Schule allein kann die Herausforderung der Integration von Migrantenkindern
nicht bewältigen, denn die mangelnde Integration hat auch mit drei Jahrzehnten
einer verfehlten Einwanderungspolitik zu tun. Es reicht nicht aus, dass Schulen
den Migranten zusätzliche Förderangebote machen. Vielmehr müssen diese Angebote
verpflichtend angenommen werden. Es gibt hier eine Hol-Schuld. Leider ist aber
aus vielen Beispielen bekannt, dass sich manche Migranteneltern weigerten, ihre
Kinder an Grund- und Hauptschulen in zusätzliche Deutschkurse oder sog.
Sprachlernklassen zu schicken. Parallelgesellschaften in Deutschland, das
schlägt sich eben dann in der Schulleistung und in einem weit unter dem
Durchschnitt liegenden PISA-Wert nieder.
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