| DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL)- AKTUELL |
Ökonomische Grundbildung ist Teil der Allgemeinbildung
1.
Ökonomie
ist Teil einer jeden Kultur und Zivilisation. Insofern ist ökonomische
Grundbildung Teil der Enkulturation und Sozialisation sowie
der Allgemeinbildung eines jeden Menschen. Ökonomisches Wissen
und die Fähigkeit, selbstbestimmt in wechselnden ökonomischen
Handlungssituationen agieren zu können, sind wesentliche Voraussetzung
für die Teilhabe eines Menschen an der Gesellschaft. In diesem Wissen
und Handeln erfährt sich der Mensch auch als "homo politicus".
2.
Die
ordnungspolitischen Rahmenbedingungen eines ökonomischen Systems sind
Ausdruck des jeweils kulturell bestimmten Verständnisses vom Bild
des Menschen sowie seiner Gesellschaften und seiner Staatsformen. Insofern
ist ökonomische Grundbildung zugleich staatsbürgerliche Grundbildung.
Leitziel ist dabei der mündige Staatsbürger auch als mündiger
Wirtschaftsbürger, der in dieser Funktion unterschiedliche Rollen,
wie z. B. die des Arbeitnehmers und Konsumenten einnimmt.
3.
Deutschland
hat sich nach dem Krieg, als vereintes Deutschland ab 1990 für die
Soziale
Marktwirtschaft entschieden. Diese Wirtschaftsordnung ist sowohl hinsichtlich
des Markt- und Eigentumsgedankens als auch hinsichtlich der Sozialpflichtigkeit
des Eigentums grundgesetzlich garantiert. Hinter diesen Gedanken wiederum
stehen die Prinzipien der Eigenverantwortung, der Subsidiarität
und der Solidarität. Die Vermittlung dieser Prinzipien muss
deshalb Leitmotiv einer realitätsnahen ökonomischen Grundbildung
sein; sie ist damit zugleich ein Beitrag zur Erziehung zur Demokratie.
4.
Zur
politischen Grundbildung gehört es klarzumachen, dass Staat und
Gesellschaft unterschiedliche Sachverhalte sind. Weil Gesellschaft
und Gemeinschaft immer mehr dazu neigen, Aufgaben an den Staat zu delegieren
(bis hin zu ureigenen erzieherischen Aufgaben), ist der Staat an die Grenzen
seiner Belastbarkeit gelangt. Er wird vielfach nur noch verstanden als
allmächtige Sozialagentur, als omnipotenter Lieferant und Dienstleister,
als hypertropher, totaler Versorgungsstaat, als Garant für die Erfüllung
von Vollkasko-Ansprüchen. Dadurch wird das Prinzip "Eigenverantwortung"
vernachlässigt. Die Folgen für die Wahrnehmung des Staates durch
die Bürger sind: der Glaube an die Machbarkeit aller Ansprüche
und Forderungen; eine Mentalität des "Vollkasko ohne Eigenbeteiligung";
eine Staats- und Politikverdrossenheit, wenn der Staat nicht fähig
ist, alle Ansprüche zu erfüllen. Für den Einzelnen wiederum
sind die Folgen dieser an den Staat gerichteten Allmachts- oder Status-quo-Erwartungen
eine allmähliche Entmündigung; ein Verlust an Freiheit durch
hohe Abgabenlasten; ein Verführen zur Bequemlichkeit; ein Unterminieren
von Eigenverantwortung oder eine zunehmende Distanz gegenüber Politik
und Staat.
5.
Die
schulische Perspektive einer ökonomischen Grundbildung ist in erster
Linie makroökonomisch ausgerichtet, sie fördert vor allem die
Einsichten,
7.
Die
Vermittlung ökonomischer Kenntnisse und Einsichten ist in den Jahrgangsstufen
5 bis 10 zwingend notwendig. Dies kann in einem eigenen Fach geschehen.
Aufgrund der hohen Komplexität und der ausgeprägten Interdisziplinarität
ökonomischer Grundfragen spricht vieles dafür, ökonomische
Themen in mehreren Fächern zu behandeln. Die Fächer Politik/Sozialkunde,
Geschichte und Erdkunde haben dabei eine Leitfunktion. Um einer
Atomisierung der ökonomischen Grundbildung vorzubeugen, ist die Abstimmung
der Curricula über alle Fächer und Jahrgangsstufen hinweg sowie
die Abstimmung der Lehrer einer Klasse unverzichtbar. Eine flankierende
Aufgabe kommt den Fächern Deutsch, Fremdsprachen, Religion/Ethik sowie
Mathematik und den Naturwissenschaften zu. Der Bedarf an einer soliden
ökonomischen Grundbildung wird auf insgesamt mindestens 200 Unterrichtsstunden
geschätzt.
8.
Bei
der Auswahl der Themen der ökonomischen Grundbildung im allgemein
bildenden Schulwesen ist größter Wert auf das Wesentliche zu
legen und eine Vorwegnahme von Elementen der ökonomischen Bildung
der berufsbildenden Schulen zu vermeiden. Verbindlich sollten im besonderen
folgende Inhalte sein:
10.
Gerade
bei der Vermittlung ökonomischer Grundbildung ist methodische Vielfalt
angezeigt und in besonderem Maße möglich: herkömmlicher
Unterricht, Erkundungen, Praktika, Einbeziehung des Erfahrungshorizontes
der Schülereltern, Planspiele, Fallstudien, Exkursionen, Computersimulationen,
Internet-Recherchen, Schülerfirma usw. Darüber hinaus ist es
im besonderen Interesse der ökonomischen und der politischen Grundbildung,
wenn Schüler frühzeitig und mit Nachdruck dazu angehalten werden,
regelmäßig Tageszeitungen zu lesen.
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