DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL)- AKTUELL
 Dezember 2000
MEMORANDUM

Schule und neue Informationstechniken

1.
Die Fähigkeit zum Umgang mit neuen Informationstechniken gehört zu den grundlegenden Kulturtechniken. Das Bildungssystem muss alle jungen Menschen auf diese Gegebenheiten vorbereiten. Dazu gehören die Schulung im Umgang mit dem Computer als Instrument und als Medium sowie die Nutzung des Internets.

2.
Die Nutzung neuer Informationstechniken muss in allen Fächern weiterführender Schulen zur Selbstverständlichkeit werden. Neue Informationstechniken sind dabei im allgemein bildenden Bereich vor allem ein methodisches Medium.

3.
Voraussetzung für die Heranführung junger Menschen an neue Informationstechniken ist eine entsprechende Ausstattung der Schulen mit aktueller Hard- und Software. Dazu sind die Sachaufwandsträger der Schulen verpflichtet. Privates Sponsoring ist zu begrüßen, es kann die Verantwortung der öffentlichen Hand aber nicht ersetzen.

4.
Notwendig ist die Qualifizierung der Lehrerschaft in neuen Informationstechniken. Darüber hinaus ist dafür Sorge zu tragen, dass in jeder weiterführenden Schule kompetente Systembetreuer bestellt und mit ausreichenden Stundenkontingenten ausgestattet sind. Für die rein technische Wartung sind die Sachaufwandsträger verantwortlich.

5.
Schule sollte zu einer Kommunikation befähigen, die ursprünglich, unmittelbar, personal, sozial und damit human ist. Deshalb wäre ein sog. elektronisches Klassenzimmer ein verarmtes, steriles Klassenzimmer ohne Er-Leben und ohne Reflexion. In ihm gingen Information und Unterhaltung womöglich eine pädagogisch fragwürdige Allianz ein. Ein elektronisches Klassenzimmer liefe auf eine Schule der Anonymisierung und Ent-Personalisierung von Lernprozessen hinaus.

6.
Pädagogik muss darauf hinwirken, dass der junge Mensch durch Multimedia nicht in seiner Fähigkeit eingeschränkt wird, zwischen faktischer Realität und virtueller, medialer “Realität” zu unterscheiden. Notwendig ist zudem, dass die jungen Menschen lernen, die durch Technik verfügbaren Informationen auszuwählen, zu bewerten und zu interpretieren.

7.
Schule hat den Auftrag, junge Menschen an den Umgang mit Medien heranzuführen. Dazu gehört weiterhin auch die Nutzung der Printmedien, insbesondere des Buches. Das Buch wird zentrales Medium und Arbeitsmittel bleiben, weil es Wissen permanent verfügbar anbietet. Der Computer und das Internet werden das Buch nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Deshalb dürfen die finanziellen Mittel der Schulen zur Anschaffung von Büchern nicht beschnitten werden.


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