DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) -
AKTUELL
|
Aus BILD.de vom 24. Februar 2009
Sind unsere Lehrer zu dumm?
Deutschland streitet
über seine Lehrer. Sind sie zu faul? Zu dumm? Zu wenig motiviert? Müssen
Unternehmen bald ihre Manager in die Schulen schicken, wie Bildungsministerin
Annette Schavan (53, CDU) fordert? Wohin steuert unser Schulsystem?
Stichwort: LehrermangelIn
Deutschland fehlen schon jetzt 20 000 Lehrer! Von derzeit 800 000
aktiven Pädagogen werden in den nächsten zehn Jahren mehr als
300 000 in den Ruhestand gehen. Bildungsministerin Annette Schavan
machte den Vorschlag, die Lücke zumindest ansatzweise mit
Top-Kräften aus der Wirtschaft zu schließen. Ein Ingenieur
könne doch ein- oder zweimal pro Woche Mathematik unterrichten.
Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (63, SPD) sieht
Schavans Idee skeptisch. "Eine echte Entlastung im Unterricht in einem
relevanten Maße verspreche ich mir nicht davon", sagte er im
rbb-inforadio.
Stichwort: Dummheit
Eine
Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo schockierte Deutschland
letztes Wochenende. Angeblich werden vor allem Abiturienten mit einem
schlechten Notendurchschnitt später Lehrer!
Sind unsere Lehrer also zu dumm? "Diese Studie ist eine Frechheit",
sagt Josef Kraus (59), Präsident des Deutschen Lehrerverbandes
(DL). "Sie geht davon aus, dass 2,5 bereits ein schlechter
Notendurchschnitt ist. Und das ist Quatsch, denn 2,5 entspricht dem
deutschen Durchschnittsabitur." Kraus: Bei Gymnasiallehrern ist das
Ergebnis sogar deutlich besser, sie weisen einen Abiturschnitt von 2,1
auf."
Stichwort: schlechtes Image
Der
Ruf der deutschen Lehrer ist schlecht. Sie gelten als unmotiviert und
desillusioniert. "In keinem anderen Land wird auch von Politiker-Seite
so schlecht über die Pädagogen hergezogen wie in
Deutschland", meint Josef Kraus. Dabei ist der Lehrer-Job hart und wird
vielerorts noch schwieriger. Angehende Lehramts-Studenten sind
abgeschreckt. "Viele potenzielle Kandidaten sehen, dass die Schule
immer mehr mit sozialpolitischen Reparaturaufgaben überlastet ist.
Wer will sich das denn noch antun? Wer will gleichzeitig Vater, Mutter,
Psychologe, Polizist UND Lehrer sein?", fragt DL-Präsident Kraus.
Die
Horror-Geschichten aus deutschen Schulen - sie bieten wenig Anreize
für junge Lehrer. Aber auch fehlende Verdienst- und
Aufstiegsmöglichkeiten schrecken ab, erklärt Heinz-Peter
Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes.
Stichwort: Geld
Am
Donnerstag demonstrieren die Lehrer in Thüringen und Brandenburg,
am Freitag in Sachsen. In Brandenburg verlangten die Gewerkschaften
zuletzt 7,5 Prozent mehr Geld bei einjähriger Laufzeit, mindestens
200 Euro mehr. Die Arbeitgeber boten ein Plus von 4,2 Prozent für
zwei Jahre.
Verdienen Deutschlands Lehrer wirklich so schlecht? "Ja", meint
DL-Präsident Josef Kraus. "Referendare müssen sich zwei Jahre
lang mit 900 Euro im Monat herumschlagen. Ohne Hilfe der Eltern oder
einen Kredit kann sich das kaum einer leisten. Und dann sind die
angehenden Lehrer immerhin schon Ende 20", erklärt der Schulleiter
im BILD.de-Interview.
Bezahlt werden Lehrer nach der Bundesbesoldungsordnung A, abhängig
von Position, Alter und vor allem vom Bundesland, kann ihr Gehalt
zwischen 1615,86 Euro und 5861,48 Euro (oder mehr) betragen.
In Berlin konnten die Pädagogen bereits einen Erfolg melden. Nach
langem Kampf bekommen sie jetzt 48 Prozent mehr Geld (brutto)!
Stichwort: Lehrerklau
Aufgrund
der unterschiedlichen Bezahlungen in den einzelnen Bundesländern
wandern immer mehr Lehrer von Geringverdiener-Ländern wie Berlin
in Besser-Verdiener-Länder wie Bayern und Baden-Württemberg
ab. Lehrerklau!
DL-Chef Josef Kraus zu BILD.de: Jeder hat das Grundrecht auf
Freizügigkeit. Auch kein Klaus Wowereit kann seine Lehrer
anbinden. Man sollte sich dringend überlegen, wie man den
Pädaogen vor allem mit Gehalts- und Arbeitszeitregelungen
entgegenkommen kann."
| © 2009 Deutscher
Lehrerverband (DL) - Burbacher
Straße 8 - 53129 Bonn - Tel.
(02 28) 21 12 12 - FAX 21 12 24 |
|
|